Beste Rennrad-Laufräder im Test: Ein umfassender Überblick

Schneller Radfahren mit der gleichen Leistung - das ist das, was die meisten Radprofis und Hobbysportler wollen. Mit die beliebtesten „Tuningteile“ sind in diesem Zusammenhang: die Laufräder. Es kann sich aus mehreren Gründen lohnen, ein serienmäßig ausgestattetes Gravel-Bike mit einem neuen Laufradsatz auszurüsten und in den meisten Fällen aufzuwerten.

Aerodynamik und Leistung

Um den Trend zu schnellen, aerodynamischen Hochprofil-Laufrädern abzubilden, haben wir alle Modelle im Windkanal unter realen Fahrbedingungen untersucht. Wir wollten wissen: Machen hohe Felgen auch Gravel-Bikes klar schneller? Als „aerodynamisch“ erachten wir Felgen ab 30 Millimetern Höhe.

Im GST-Windkanal in Immenstaad am Bodensee prüften wir den Luftwiderstand der zehn Gravel-Laufräder, genauer: die benötigte Leistung bei 35 km/h. Bei einer alleinigen Betrachtung der beiden Laufräder macht das Vorderrad rund 80 Prozent des gesamten Luftwiderstands aus, das Hinterrad dagegen nur 20 Prozent, da es sich im Windschatten des Sitzrohres dreht. So ist es für aussagekräftige Ergebnisse ausreichend, nur die Vorderräder im Windkanal zu messen - dies entspricht auch den üblichen Testverfahren.

Alle Messungen wurden mit einer Windgeschwindigkeit von 35 Kilometern pro Stunde durchgeführt. Während der Messungen dreht sich der Prüfstand von plus nach minus 20 Grad - damit fließen auch Seitenwindverhältnisse, wie sie in der Realität vorkommen, in das Gesamtergebnis ein. Straßen-Laufräder werden mit 45 km/h gemessen, die Werte sind somit nicht direkt vergleichbar.

Die Auswertungs-Software von GST berechnet abschließend die jeweils „gewichtete Leistung“ in Abhängigkeit der Anströmwinkel. Das heißt: Jeder einzelne Winkel wird mit der dazugehörigen Leistung in dem Maße prozentual gewichtet, wie er im Fahreinsatz unter realen Bedingungen vorkommt. Ausgewiesen wird auch die benötigte Leistung bei der Frontalanströmung, also bei null Grad. Die beiden untenstehenden Grafiken zeigen die Ergebnisse aus dem Windkanal, also die Werte für die Vorderräder.

Für unsere zehn Testlaufräder ergaben sich bei 35 km/h gewichtete Leistungen von 15,6 bis 19,4 Watt. Niedrige Werte sind besser, da weniger Leistung benötigt wird, um die gleiche Geschwindigkeit zu halten. Die niedrigsten und damit besten Werte erzielen die 40 Millimeter hohen Leeze CC40 Allroad Evo Waso. Ihre gewichtete Leistung: 15,6 Watt. Es folgen, knapp dahinter, mit jeweils 16,3 Watt gewichteter Leistung, die Laufradsätze von DT Swiss und Swiss Side - beide sind 42 Millimeter hoch.

Grundsätzlich erzeugen breitere Reifen einen höheren Luftwiderstand, da sie dem Wind eine größere Anströmfläche bieten. Exemplarisch montierten wir deshalb einen 35 Millimeter breiten Terra-Speed-Reifen auf den DT-Swiss-GRC-1400-Laufradsatz. Je höher die Felgen sind, desto „empfindlicher“ sind sie auch für Seitenwind. Dieser Effekt ist messbar.

Ursprünglich wurde der GST-Windkanal entwickelt, um Flugobjekte und Tragflügel zu messen. Deshalb können nicht nur der Auf- und der Abtrieb untersucht werden, sondern auch das Dreh- und das Lenkmoment bei einer seitlichen Anströmung. Die GST-Software kann somit auch einen einheitenfreien „Lenkmoment-Beiwert“ für die Vorderräder ausweisen. Je größer dieser Wert ist, desto stärker beeinflusst der Seitenwind das Lenkverhalten. Aufgetragen wurde das Lenkmoment in Abhängigkeit von den Winkeln des Seitenwindes, von minus 20 bis plus 20 Grad.

Die niedrigsten und damit besten Werte erzielten die Modelle von DT Swiss und SwissSide - mit je 42 Millimetern Felgenhöhe sind sie die höchsten Modelle im Test. Sie stehen damit stellvertretend für einen Trend im Gravel-Race-Sektor zu höheren und damit aerodynamisch günstigeren Laufrädern. DT Swiss präsentierte kürzlich mit dem Modell GRC Dicut einen neu entwickelten Laufradsatz mit 50er Felgenhöhe, der für 40 Millimeter breite Reifen optimiert ist.

Normalerweise nimmt das Lenkmoment, und damit die Seitenwindempfindlichkeit, mit der Felgenhöhe zu. Die Ingenieure haben jedoch bei der Entwicklung der Felge die Möglichkeit eine gute Balance zwischen geringem Leistungsbedarf und unkritischen Lenkmomenten zu finden. In der Grafik weisen die Laufräder von DT Swiss und Swiss Side mit ihren 42 Millimeter hohen Felgen das geringste Lenkmoment auf. Auch Leeze liegt mit seinen CC-40-Allroad-Laufrädern bezogen auf die Felgenhöhe von 40 Millimetern noch voll im grünen Bereich. Den Maximalwert von 0,007 erzielt das Roval-Terra-CLX-II-Vorderrad.

Bei einer Frontalanströmung entsteht kein Lenkmoment, die Kurven durchlaufen den Nullpunkt. Die Kurven sind nicht ganz rechts-links-symmetrisch, da die Speichen auf der linken Seite des Vorderrades aufgrund der Bremsscheibe steiler stehen. Weiter befindet sich dort die verzahnte Bremsscheibenaufnahme.

Bei einer Frontalanströmung, also bei einem Winkel von null Grad, ist die benötigte Leistung am geringsten, weil dort die angeströmte Stirnfläche am kleinsten ist. Mit zunehmenden Winkelgraden nimmt die Stirnfläche zu und der Leistungsbedarf steigt. Ein „Segeleffekt“ stellt sich nicht ein, da das seitliche Profil des Gravelreifens Verwirbelungen auslöst und das gezielte Umströmen der Felge, welches für einen solchen Effekt sorgt, unterbindet.

Die untere, schwarze Kurve zeigt im Vergleich ein Straßenlaufrad - das Leeze Road mit 35 Millimetern Felgenhöhe. Weiter möchten wir mit dieser Referenz-Kurve den Unterschied von Straßen- zu Gravel-Laufrädern aufzeigen. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass alle Kurven der Gravel-Laufräder einen ähnlichen Verlauf haben, wir sehen praktisch eine Parallelverschiebung. Das liegt an der grundsätzlichen größeren Bauhöhe der Gravelreifen von durchschnittlich 35 Millimetern ab der Felgenoberkante gemessen. Ein Straßenreifen weist hier nur circa 24 Millimeter Höhe auf. Das bedeutet: im Luftstrom bilden Felge und Reifen eine Art „Aero-System“.

Gut zu erkennen sind drei Gruppen in der Kurvenschar: oben drei Kurven mit Felgenhöhen von 18 bis 25, in der Mitte drei von 30 bis 32 und unten drei weitere von 40 bis 42 Millimeter. Einzig die blaue Kurve der Campagnolo-Levante-Räder mit 30 Millimetern Felgenhöhe sticht hervor. Dies könnte an den Rundspeichen liegen - sie verursachen eine Mehrleistung von einem bis zwei Watt gegenüber Messerspeichen.

In der Legende beider Grafiken finden Sie hinter den Herstellernamen die dazugehörige Felgenhöhe.

Gewicht und Steifigkeit

Auch für Gravel-Bikes gilt: Ab einer Geschwindigkeit von rund 15 Kilometern pro Stunde ist der Luftwiderstand der größte Fahrwiderstand, gefolgt vom Rollwiderstand der Reifen. Beinhaltet eine Tour viele Höhenmeter, so gewinnt auch das Gewicht an Bedeutung. Weiter nehmen die Laufräder beim Beschleunigen eine Sonderstellung ein, da sie zwei Mal beschleunigt werden müssen: Erstens in die Vorwärtsbewegung des Systems aus Rennrad und Fahrer. Zweitens als Beschleunigung bei der Drehbewegung des Laufrades selbst. Auch gerade deshalb sind Laufräder besonders effektive „Tuningobjekte“.

Das Gewicht aller Testmodelle wurde je einschließlich der aufgezogenen Felgenbänder ermittelt. Das erklärt teilweise die Differenzen zu den Herstellerangaben.

Ein weiterer wichtiger Parameter ist die Seitensteifigkeit der Laufräder. Wir belasteten die Felgen im Labor je seitlich mit einem Fünf-Kilogramm-Gewicht - dies entspricht rund 50 Newton. Wir nahmen die Nachgiebigkeit beziehungsweise Elastizität mit einer mechanischen Messuhr auf und verrechneten die Werte zur Seitensteifigkeit. Sie gibt an, welche Kraft nötig ist, um die Felge seitlich einen Millimeter zu bewegen. Gute Werte liegen zwischen 30 und 35 Newton pro Millimeter, sehr gute darüber.

Wir belasteten die Laufräder zur rechten und zur linken Seite und bildeten daraus den Mittelwert. Bei den Hinterrädern ergeben sich in der Regel etwas geringere Werte, da auf der rechten Seite aufgrund des Ritzelpakets die Speichen steiler stehen. Seitliche Kräfte an den Laufrädern entstehen etwa im Wiegetritt und beim Durchfahren von Spurrillen. Vorderräder mit einer hohen Seitensteifigkeit punkten hier durch ihre Lenkpräzision - und sie „laufen“ den Spurrillen weniger hinterher.

Mit der Anzahl der Speichen und deren Spannung steigt die Seitensteifigkeit. Insbesondere für schwere Fahrer und Bikepacker ist sie von größter Wichtigkeit. Auch das maximal zugelassene Gewicht ist für schwere Fahrer und Bikepacker ein zentraler Punkt. Das Fahrergewicht ist selbsterklärend, das Systemgewicht beinhaltet Fahrer, Fahrrad, Trinkflaschen und Gepäck. Die Mavic-Allroad-SL-Laufräder liefern mit einem maximal zulässigen Systemgewicht von 135 Kilogramm den höchsten Wert im Test.

Je nach dem Fahrergewicht und der Geschwindigkeit können durch eine reduzierte Lagerreibung rund zwei bis vier Watt „eingespart“ werden.

Modelle im Test

Im Folgenden werden einige der getesteten Laufradmodelle und ihre Eigenschaften näher betrachtet:

  • Campagnolo Shamal C23: Carbon-Hochprofil-Laufräder für den Allround- und Gravel-Einsatz.
  • Aerycs GCX Terra 50: Aerodynamische Gravel-Race-Disc-Laufräder mit hoher Seitensteifigkeit und starkem Preis-Leistungs-Verhältnis.
  • Leeze CH 30 Allroad Basic: Ein Gravel-Laufradsatz mit herausragenden Aerodynamik-Werten und geringem Gesamtgewicht, sowie starkem Preis-Leistungs-Verhältnis.
  • Fulcrum Sharq: Ein leichter Allroad-Laufradsatz mit charakteristischem Wellen-Design.
  • Leeze CC58 Disc Evo Waso: Leichte Allround-Laufräder mit Top-Werten beim Luftwiderstand.
  • Hunt Sub 50 Limitless UD Carbon Spoke: Leichtfüßig, schnell und fahrstabil mit einer bemerkenswerten Beschleunigung.
  • Fulcrum Wind 42: Sportlich-agil mit messerscharfer Lenkung und hoher Fahrstabilität.
  • Newmen Streem Climbing: Sehr leicht und spurtreu mit geringem Verschleiß.
  • Shimano Ultegra WH-RS8170 C36: Ausgewogen, laufruhig und grundsolide mit guter Kraftübertragung.

Carbon-Speichen: Vor- und Nachteile

Derzeit kommen immer mehr Laufradsätze mit Carbon-Speichen auf den Markt. Sie sind leichter, stabiler und steifer. Steifer heißt, sie dehnen sich weniger als Stahlspeichen. Dadurch kann man Laufräder mit weniger Speichen bauen, was wiederum einen positiven Effekt auf die Aerodynamik und das Gewicht hat. Einziger Nachteil: Sie sind teurer als Stahlspeichen.

Carbon-Speichen sind unempfindlicher, als man denkt. Es gibt aber keine besonderen Wartungs- oder Pflegevorschriften.Im Falle eines Falles: Kann man Carbon-Speichen tauschen? Oder ist das Laufrad bei einem Speichenbruch hinüber? Das kommt auf die Bauart des Carbon-Laufrads an. Bei einigen Modellen lassen sich einzelne Carbon-Speichen wie normale Stahlspeichen ersetzen. Bei Laufrädern, bei denen die Carbon-Speichen an Nabe und/oder Felge einlaminiert sind, klappt das allerdings nicht.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Viele Laufräder mit Carbon-Speichen sind sehr teuer, einige Modelle hingegen vergleichsweise günstig. Dies liegt an großen Stückzahlen und dem Verzicht auf Mondpreise im Aftermarkt. Klassisch eingespeichte Laufräder mit Carbonspeichen rollen ins Blickfeld: Sie sind nicht mehr so teuer, dabei leicht und verwindungssteif.

Technische Details und Innovationen

Eine der größten technischen Herausforderungen bei Carbonspeichen ist die Anbindung von Nabe und Felge, weil die Verbindungen hohen Zugkräften standhalten müssen. Bewährt hat sich das großflächige Einlaminieren wie bei Lightweight, das jedoch die Felgenform limitiert und ungeheuer aufwendig zu fertigen ist.

Mavic setzt bei den Cosmic Ultimate auf zusammenhängende, gegenüberliegende Speichen. Die Fasern sind felgenseitig formschlüssig mit einem Aluminium-Insert verbunden, das sich großflächig im Felgenboden abstützt. Erst nachdem Felge und Speichen verbunden sind, wird der geschlossene Reifensitz auflaminiert; an der Nabe werden die Speichen in vorgefräste Nuten des Flanschs eingelegt und einlaminiert.

One-K flicht einen langen Faserstrang sternförmig um Naben und Speichennippel aus Metall. Am Nabenflansch sind das einfache Zapfen, an der Felge kompliziert gestaltete Formteile, die in den Nippelsitz handelsüblicher Felgen geschraubt und auch gespannt werden können. An den Anbindungen bilden die Fasern Schlaufen, die hohe Zugkräfte aushalten.

Die Speichen von Cadex, Hunt, Newmen und Storck besitzen an jeder Seite ein Endstück aus Aluminium mit Außengewinde. Diese werden zunächst über den noch nicht gehärteten Faserstrang gefädelt, dann werden die Enden verdickt, indem man sie mit Carbonfäden umwickelt. Anschließend werden die Endstücke auf das konische Ende gezogen und mit 3000 Newton verpresst.

Die Qual der Wahl: Welches Laufrad passt zu mir?

Die Entscheidung für den richtigen Laufradsatz hängt von verschiedenen Faktoren ab: Fahrstil, Streckenprofil, Budget und persönlichen Vorlieben. Wer anspruchsvolle und schnelle Gravel-Rennen fährt, für den sind sicher die Ergebnisse aus dem Windkanal entscheidend. Die anderen Testkandidaten mit ihren flachen beziehungsweise mittelhohen Felgen punkten dafür bei anderen wichtigen Parametern, wie etwa beim Gewicht, bei der Robustheit oder dem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Letztendlich ist die Wahl des besten Rennrad-Laufradsatzes eine sehr individuelle Entscheidung. Es lohnt sich, verschiedene Modelle zu testen und sich von Experten beraten zu lassen, um das perfekte Laufrad für die eigenen Bedürfnisse zu finden.

Tabelle: Übersicht einiger getesteter Laufräder

ModellFelgenhöheGewicht (Satz)MaterialBesonderheiten
Campagnolo Shamal C23Hochprofilk.A.CarbonAllround, Gravel
Aerycs GCX Terra 5050 mmk.A.CarbonAerodynamisch, Gravel Race
Leeze CH 30 Allroad Basick.A.Geringk.A.Aerodynamisch, Gravel
Fulcrum SharqVariierendk.A.k.A.Allroad, Wellen-Design
Leeze CC58 Disc Evo Wasok.A.Leichtk.A.Allround, Top Luftwiderstand
Hunt Sub 50 Limitless50 mm1356 gCarbonCarbon-Speichen, leichtfüßig
Fulcrum Wind 4242 mmk.A.CarbonSportlich, fahrstabil
Newmen Streem Climbing35/38 mmUnter 1200 gk.A.Sehr leicht, spurtreu
Shimano Ultegra C3636 mm1488 gCarbonAusgewogen, laufruhig

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