Immer mehr Frauen entdecken die Freude am Motorradfahren. Jedes zehnte neue Motorrad in Deutschland wird von einer Frau gekauft, meldet das Fachblatt Motorrad. 9693 Maschinen waren es im vergangenen Jahr, macht 9,7 Prozent vom Gesamtmarkt (100 128 Neuzulassungen in 2017). Und ein kleines Plus zum Vorjahr, da waren es 9,4 Prozent.
Die Zahlen zeigen: Immer mehr Frauen sind prozentual mit dem Motorrad unterwegs. Wir erklären, warum die Zahl 2024 weiter anstieg, obwohl der Frauenanteil am Motorradmarkt schrumpfte. Dazu zeigen wir die aktuellen Top 10 der Frauen-Motorräder.
Frauen bevorzugen Naked Bikes
Frauen fahren am liebsten nackte Motorräder, sogenannte „Naked-Bikes“. Keine Verkleidung, kein Firlefanz, kein Gramm zu viel. Die pure Lust am Ritt auf zwei Rädern. Ihr Triebwerk stellen diese Feuerstühle demonstrativ zur Schau. Vier der fünf beliebtesten Frauen-Bikes sind nackig unterwegs. Scheinwerfer, Tank, Sitzbank - das Design erinnert durch die Bank weg an eine Kreuzung aus Kampf-Roboter und Killer-Insekt.
Aktuelle Entwicklungen und Trends
2024 fiel erstmals seit 6 Jahren der Anteil von Motorrad-Neuzulassungen auf Frauen unter 10 Prozent. Es waren 14.638 Fahrzeuge von insgesamt 151.086 Einheiten, also 9,7 Prozent. Und auch wenn es auf den ersten Blick so erscheint, als ob nun weniger Frauen Motorrad fahren würden - dem ist nicht so. 2023 lag der Anteil noch bei 10,9 Prozent. Trotzdem waren es mit 13.629 im Jahr 2023 insgesamt weniger Motorrad-Neuzulassungen auf Frauen als 2024.
Nicht immer ist der Halter der Fahrer, das ist uns bewusst. Diese Unschärfe nehmen wir hin, vor allem weil sie lange nicht so hoch ausfällt wie bei den Pkw-Neuzulassungen.
Einfluss der Euro 5+-Norm
Wie für vieles am Motorradmarkt 2024 ist für den verringerten Anteil an weiblichen Halterinnen die neue Euro 5+-Norm die Erklärung: Dadurch, dass viele Hersteller ihre Euro-5-Modelle noch in 2024 erstmalig anmelden mussten, stieg der Anteil der gewerblichen Neuzulassungen an. In den letzten Jahren lagen die gewerblichen Neuzulassungen meist bei unter 20 Prozent. Gegen Ende 2024 stiegen sie allerdings auf 24 Prozent an. Dadurch verringerte sich der Anteil der Privatpersonen - sowohl der Männer als auch der Frauen.
Anteil der auf Frauen neu zugelassenen Motorräder:
- 2024: 9,7 Prozent; 14.638 Fahrzeuge
- 2023: 10,9 Prozent; 13.629 Fahrzeuge
- 2022: 10,6 Prozent; 11.379 Fahrzeuge
- 2021: 10,5 Prozent; 12.129 Fahrzeuge
- 2019: 10,4 Prozent; 13.886 Fahrzeuge
- 2018: 10,1 Prozent; 11.674 Fahrzeuge
Über die Jahre blieb und bleibt der Anteil der Motorrad-Neuzulassungen auf Frauen stabil, wuchs sogar 6 Jahre in Folge leicht an. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass der Marktanteil der männlichen Halter zurückgeht - der schwankte von 2018 bis 2023 immer wieder zwischen 70 und 74 Prozent. Was allerdings stetig abnahm, waren die gewerblichen Zulassungen. Nicht so in 2024, wo der Anteil der gewerblichen Zulassungen eben aufgrund von Euro 5+ stark zunahm.
Frauenanteil bei 125ern und Rollern
Bei den Leichtkrafträdern (125er) laufen rund 21 Prozent der Neuzulassungen auf Frauen, bei den 125er-Rollern sind es ebenfalls 21 Prozent und bei den größeren Rollern über 125 Kubik 10,3 Prozent.
Top-Motorräder für Frauen
Zwei Modelle teilen sich den 1. Platz im Ranking der beliebtesten Frauen-Motorräder: Die Honda CB 750 Hornet und die Kawasaki Z 650.
Die Top 5 im Detail
- Yamaha MT-07: Held der Damenwelt: Die MT-07 ist overall Deutschlands Nummer zwei (3235 Neuzulassungen) - und bei den Bikerinnen die Nummer eins (775 Einheiten, 24 Prozent Frauenanteil). Rund 75 PS brennt der Zweizylinder auf den Asphalt. Auf 100 Kilometer gönnt sich die Yamaha 4,3 Liter Sprit. Sitzhöhe 805 mm, Gewicht vollgetankt 182 kg.
- Kawasaki Z650: Dieses Insekt sticht: 728 der 2337 in Deutschland 2017 verkauften Z650 wanderten in weibliche Hände (31,2%). Die Nachfolgerin der Kawasaki ER-6n hat einen neu konstruierten Gitterrohrrahmen. Das Handling gilt als tadellos, die 68 PS liegen bei 8000 Touren an. Sitzhöhe 790 mm, Gewicht fahrfertig 187 kg. Listenpreis: ab 6695 Euro.
- Honda CB500F: Straffes Handling, drehfreudiger Vierzylinder: 323 Frauen haben der kleinen Honda letztes Jahr ihr Herz geschenkt. Das beschert der CB500F (1187 Neuzulassungen) einen Frauenanteil von beachtlichen 27,2 Prozent. Der 48-PS-Renner läuft 175 km/h Spitze. Sitzhöhe 790 mm, Gewicht vollgetankt 191 kg.
- KTM 690 Duke: Radikal, kantig, potent: 289 der 1941 deutschen Duke-Neuzulassungen in 2017 entfallen auf weibliche Käufer. Das beschert dem Einzylinder-Krawallmacher (73 PS) aus Österreich einen Frauenanteil von 14,9 Prozent. Sitzhöhe 835 mm, Gewicht trocken 148,5 kg.
- BMW R 1200 GS: Der Bestseller: Die „große GS“ ist seit Jahren mit Abstand Deutschlands meistverkauftes Motorrad. 6185 Käufer haben sich 2017 eine BMW R 1200 GS zugelegt, nur 382 davon sind weiblich (6,2%).
In die Top 5 der Bikerinnen hat es das 46-PS-Bike Honda CMX500 Rebel zwar nicht geschafft (220 Käuferinnen 2017, 657 Neuzulassungen insgesamt). Prozentual erobert der kleine Power-Cruiser aber mehr Frauenherzen als jedes andere Motorrad: Jede dritte Rebel geht in weibliche Hände (33,5 Prozent). Sitzhöhe 690 mm, Gewicht vollgetankt 190 kg.
Weitere beliebte Modelle
Bei Frau sehr beliebte Bikes sind die Honda CBR 650, die Honda CB 500F und die Honda CMX 500 Rebel. Die Naked Bikes wie die Kawaaki Z 650 und die große Schwester, die Kawasaki Z 900 (125 PS), sind bei Motorradfahrerinnen ebenfalls sehr beliebt. Die Z650 führt viele Jahre die Zulassungstabelle an. Frau fährt gern mit der Suzuki SV 650 durchs Leben. Frau fährt gern die Yamaha MT-07.
Übersichtstabelle
| Hersteller | Modell | Gewicht | Sitzhöhe |
|---|---|---|---|
| Kawasaki | Z650 | 188 kg | 790 mm |
| Yamaha | MT-07 | 184 kg | 805 mm |
| Honda | CMX 500 Rebel | 191 kg | 690 mm |
| Suzuki | SV650 | 200 kg | 785 mm |
| Kawasaki | Z900 | 210 kg | 820 mm |
| KTM | 390 Duke | 149 kg* | 830 mm |
| BMW | R 1250 GS | 249 kg | 850 mm |
| KTM | 790 Duke | 169 kg* | 825 mm |
| Kawaski | Ninja 650 | 193 kg* | 790 mm |
| Honda | CB 500 F | 194 kg*** | 790 mm |
Neuzulassungen, Deutschland 2020.
Gewicht: Fahrfertig, vollgetankt. Sitzhöhe: Standardsitzbank ab Werk, niederigere Sitzbank ggf.
Worauf kommt es an?
Bemühen wir hier als erstes die Statistik: Die durchschnittliche Körpergröße einer Frau ist 1,65 m, die durchschnittliche Körpergröße bei Männern liegt bei 1,75 m. Somit sind alle Bedienelemente für die Motoradfahrerin von Natur aus schon mal anders erreichbar. Also könnten die Abmaße ein Hinweis darauf sein, das kleinere Menschen vielleicht lieber ein kleineres Motorrad fahren. Ein weiteres wichtiges Kriterium bei der Auswahl des Motorrads ist für alle Motorradfahrer die Sitzhöhe. Wenn die Motorradfahrerin also etwas kleiner ist, wählt Frau vermehrt ein kleineres Motorrad.
Wenn wir nachfragen, was unseren Leserinnen beim Motorrad wichtig ist, wird oft das Gewicht des Bikes genannt. Viele Motorradfahrinnen haben Bedenken, wenn das Motorad umzufallen droht, es als Frau nicht mehr halten zu können. Das Motorradgewicht scheint somit einige Menschen auf die falsche Fährte zu führen, leichtes Motorrad = Frauen Motorrad. In der SHE is a RIDER Community werden Sitzhöhe und Gewicht gern unter dem Begriff “Handling” zusammengefasst.
Tipps zur Anpassung
Auf das Gewicht des Motorrads können wir keinen Einfluss nehmen aber auf die Sitzhöhe. Viele Motorradharsteller bieten ab Werk und ohne Aufpreis verschiedene Sitzhöhen bzw. Sitzbänke an. Auch die Zubehörausstatter haben sich auf die Nachfrage nach einer niedrigeren Sitzhöhe eingestellt und bieten für viele Motorrad-Modelle niedrigere aber auch höhere Sitzbänke an.
Zugegeben, hier kann Frau für ihre Gene nichts. Aber Motorradstiefel mit erhöhtem Absatz bzw. Sohle können helfen. Motorradfahrende Frauen können auch hiermit noch ein paar cm herausholen. Wenn Frau (oder Mann) mag, kann auch bei vielen Motorrädern das Fahrwerk tiefer gelegt werden.
Fazit
Egal wie groß oder klein Du und Deine Maschine sind, ein Training ist immer zu empfehlen um mit dem Moped sicher umzugehen, Berührungsängste zu nehmen und einfach eine noch bessere Motorradfahrerin zu werden.
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