Dijon Rennstrecke Motorrad Erfahrungen: Ein umfassender Bericht

Die historische Hauptstadt Dijon der Region Burgund ist weltweit bekannt für seinen Senf und die Burgunderweine. Erbaut 1971, wurde in Dijon bis Ende 1984 Rennen zur Formel1 ausgetragen. Die Rennstrecke ist fahrerisch recht anspruchsvoll und sehr bergig. Markantes Streckenteil der Strecke ist die etwa 1,2km lange Start-/Ziel-Gerade.

Dijon ist eine Naturstrecke wie der alte Nürburgring oder Brands Hatch es sind. Die Berg- und Talbahn hat es in sich. Die kleine "grüne Hölle" der Franzosen verlangt sehr viel vom Fahrer und alles vom Material.

Für Motorsportfans aus der Schweiz ist die Rennstrecke Dijon besonders interessant, da sie in etwa dreieinhalb Stunden mit dem Camper und dem Anhänger von Zürich aus erreichbar ist. Die Rennstrecke Dijon ist für mich aus mehreren Gründen besonders interessant: Einer der größten Vorteile ist die Nähe zu Zürich.

Kosten und Anreise

Die Kosten für den französischen Highway von ca. 20,- Euro (oneway über Luxemburg) bis Dijon sind ok angesichts der gebotenen entspannten und staufreien Fahrt auch an einem Freitag Nachmittag. Angekommen sind wir bereits um 18:30, kein Stau vor dem Tor, das man mittels Code selbst öffnet.

Genug Stromverteiler für alle vor. Allerdings sollte man den blauen Camping-Stecker dabei haben, ohne den geht da nämlich nichts.

Organisation und Ablauf

Am nächsten Morgen wurde die Fahrerbesprechung 4-sprachig (Französisch, Englisch, Niederländisch und Deutsch) abgehalten. Relevante Info wurde komplett vermittelt, Allerdings hat sich das hingezogen und die A-Gruppe kam nicht pünktlich um 09:00 raus. Also waren wir in der B die Ersten. Gaaaanz schnell angezogen und raus zur Ampel.

Da haben wir dann nochmal warten müssen weil die Race Control bei jedem einem aufgeklebten Barcode am Helm eingelesen hat und die Befestigung des Transponders und das Vorhandensein eines Rückenprotektors überprüft hat.

Die Strecke

Da wir das erste Mal hier fuhren, hatte ich mir die Strecke zuvor ein wenig auf Youtube reingezogen. So hatte ich zumindest schonmal die Kurvenabfolge intus. Das hat aber alles nichts genutzt weil hier oft blind eingelenkt werden muss. Horizontal fährt man hier quasi nur ein Stück auf SZ, alles andere geht rauf und runter.

An zwei Bergaufpassagen (Ausgang Kurve 7 + 12) auch mit leichten Wellen so dass das Vorderrad ständig hoch will. Strecke ist nicht einfach zu lernen, aber nach einer Weile sollte da Fluss reinkommen. Und dann wird das auch mächtig Spass machen.

Die Strecke ist zwar nur 3,8 Kilometer lang, aber das sorgt für intensive und coole Fahrten. Schnelle Abschnitte werden durch enge, technisch anspruchsvolle Kurven ergänzt. Die Parabolique-Kurve ist für mich ein Highlight, wenn man vor Ort zu Fuß durchgeht und sieht, was für ein Höhenunterschied in kurzer Zeit überwunden wird.

Schwierigkeiten und Grip-Niveau

Dijon als Strecke ist sicherlich anspruchsvoll und hat aber ein ziemlich begrenztes Grip-Niveau. Diese Strecke ist sicherlich nicht mit einer MotoGP Standard Strecke zu vergleichen.........geschätzt 50% (ohne, dass ich es gemessen hätte). Ich bin da auch nur wenige Runden gefahren.

Einige Fahrer bemängeln, dass der Grip in Dijon selbst im Trockenen bescheiden ist, wenn man ihn mit Cartagena oder Valencia vergleicht. Es wird auch darauf hingewiesen, dass Flickereien mit Bitumen ausgebessert wurden, was besonders im Regen problematisch sein kann. Leider sieht man Flickereien im Regen nicht und somit wirds zum Lotteriespiel.

Es gab auch Berichte über eine hohe Anzahl von Stürzen während bestimmter Veranstaltungen, was die Sicherheitsbedenken verstärkt. 90% aller Turns wurden abgebrochen, weil es multipelste Stürze gab. Ich hab noch nie so viel Material zerstört gesehen wie dort.

Persönliche Erfahrungen und Vorfälle

Im nächsten Turn sollte dann alles besser werden. Mit Zet war die Strecke in der Zwischenzeit besprochen, wo fährt man am besten wie. Jetzt sollte Ruhe reinkommen, wir wollten die Einlenkpunkte lernen damit Fluss reinkommt. Wir hatten keinen Stress, alles war total entspannt. Zet war an der Ampel direkt vor mir, neben uns nur eine zusätzliche Reihe.

Bei der Einfahrt nur ein Fahrer zwischen uns. Erst mal warm fahren. Die BMW vor mir hatte ich nach Ende der zweiten Runde auf SZ überholt, nun also schön smooth an den Zet ranfahren der ca. 100 m vor mir ist. Die rechts/links/rechts nach SZ hatte schon mal gut geklappt,dann den Berg runter über die Kurve 5 in die Parabolique. Die geht Ausgangs steil bergauf, und kurz hinter dem Scheitelpunkt macht die Straße dann einen Knick nach deutlich weniger bergauf. Allerdings immer noch soviel, dass das Vorderrad extrem nach oben will.

Ich hatte zwischen den Turns die LIF von 1 auf 2 gestellt und wollte nun wissen ob und wie sich das bemerkbar macht. Da liegt Zet mitten auf der Straße. Auf dem Bauch. Das Motorrad mit dem Hinterrad auf seinem Rücken drauf. Der Zet bewegt sich nicht. Schei..! Das war der bestimmt nicht. Nein, der steht da nicht. Ab zum Zelt, auch hier ist der nicht. Er war das! Auf zur Race Control.

Der EYBIS-Mann ist bemüht, hört den Funkverkehr der Streckenposten mit. Wird aber nicht so recht schlau daraus. Es dauert eine ganze Weile bis wir den Arzt und damit auch den Zet finden. Der Arzt gibt Entwarnung, alles nur muskulär. Zet war ne Weile weggetreten, weiss auch von den ganzen Aktion nichts mehr.

Die brauchen noch seinen Personalausweis, den hole ich und übergebe den Perso einem sehr freundlichen MA der Strecke, der mich hin und her fährt. OK, Zet legt sich erstmal hin, der ist fertig. Der freundliche MA der Strecke kommt mit dem Perso und der Krankenhausadresse zurück, und kann garnicht glauben das der Zet im Wohnwagen liegt. Nach ein paar Stunden gehts Ihm schon besser, schlecht wurde Ihm auch nicht.

Von Nachbarn wurden wir mit Schmerzsalbe und Globuli versorgt, wir entscheiden wir nach Haue zu fahren. Allerdings erst als er mir versprochen hat sich unmittelbar zu melden sobald sich auch nur das Geringste ändert. Momentan bekomme ich das Bild, wie er da liegt, nicht aus dem Kopf. Hab das schon oft gesehen, das waren aber immer Anonyme. Mal schauen wie es wird.

Weitere Erfahrungen und Meinungen

  • Einige Teilnehmer berichten von Problemen mit der Organisation, wie z.B. fehlender Schutz für Motorräder und Ausrüstung bei Regen.
  • Es gab auch Kritik an der Qualität der Instruktionen, insbesondere wenn diese als Gruppeninstruktionen durchgeführt wurden, ohne dass dies vorher klar kommuniziert wurde.
  • Einige Fahrer bemängeln die Sicherheit der Strecke, insbesondere das Fehlen von ausreichend asphaltierten Auslaufzonen.

Falcone-Club in Dijon

Zum 28. Michael Brückner, der an der Veranstaltung schon mehrere Male teilgenommen hatte, regte im Frühjahr an, ob wir als Falcone-Club nicht mit einem eigenen Clubstand dort vertreten sein wollten. Über den Club informieren, einige unserer alten Guzzis dort ausstellen und mit einigen Fahrern aus dem Club auch das sehr umfangreiche Fahrerfeld bereichern.

Als Fahrer wollte ich nicht teilnehmen, da Fahren auf Rennstrecken nicht so mein Ding ist. Aber den Falcone-Club am Clubstand unterstützen und ein wenig Rennatmosphäre längst vergangener Zeiten schnuppern, das, so dachte ich, wäre doch bestimmt ganz lustig und interessant.

Also ging ich dran, eine Tour von uns an der Ardèche nach Dijon unter Vermeidung von Autobahnen und größeren Landstraßen mit dem Navi zu planen. Es kamen etwa 480 kurvenreiche Kilometer dabei heraus.

Zuerst wollte ich eigentlich die Falcone nehmen, aber dann wäre wohl eine Übernachtung notwendig geworden, da 480 km an einem Stück mit dem alten Mopedle doch ein sehr harter Ritt geworden wäre. Außerdem wollte mich mein Freund Hubert mit seiner 35 Jahre alten Transalp begleiten, so dass ich mich entschieden habe, dass meine alte 2-Ventiler GS für diese Tour das Motorrad der Wahl ist. Also keine Guzzis, aber immerhin zwei über 30 Jahre alte Motorräder und zwei Oldies jeweils über 60 Jahre, machten sich auf den Weg nach Dijon.

Meine GS fahre ich schon seit mehr als 20 Jahren. Als wir morgens um acht Uhr an der Ardèche losgefuhren, hatten wir schon angenehme 20 Grad. Kein Gedanke wurde daran verschwendet, dass es unterwegs vielleicht auch mal kälter werden könnte. Die Sonne schien und es war für das gesamte Wochenende kein Tropfen Regen vorausgesagt worden. Also musste die Lederkombi genügen.

Hinter Aubenas, nach dem ersten Pass, waren wir auf rd. 1.400 m Höhe und was soll ich sagen: Es wurde plötzlich saukalt. Wir fuhren im Nebel und von einigen Windrädern, an denen wir vorbeikamen, konnten wir die Flügel nicht mehr sehen, von wärmender Sonne ganz zu schweigen. Da hatte ich wohl das „Kleingedruckte“ in den Fahrtbedingungen nicht richtig gelesen. Kurzum: Wir froren beide ganz erbärmlich.

Aber die einsamen Straßen, die traumhafte Landschaft, sofern wir sie sahen, und die Kurvenhatz durch die nördlichen Cevennen, haben bei uns beiden soviel Adrenalin freigesetzt, so dass wir die Kälte ganz gut ertragen konnten. Als wir später in der Auvergne wieder tiefer gelegene Landstriche erreichten, kam dann auch die Sonne wieder hervor, ebenso wie ein breites Grinsen in unseren Gesichtern.

Hier bewahrheiteten sich einfach auf schönste Weise meine bisherigen Erfahrungen: Frankreich ist landschaftlich einfach ein tolles und abwechslungsreiches Land, ideal für uns Motorradfahrer. Ich bin sehr froh und dankbar, hier einen Teil meines Lebens verbringen zu dürfen.

In Roanne sahen wir die Loire wieder, die mit über 1.000 km Frankreichs längster Fluss ist. Die Quelle liegt im Gebirge nahe der Ardèche, nur ca. 30 km von uns entfernt, auf ca. Spontan kam mir der Gedanke, einmal eine Tour entlang dieses Flusses zu machen. Von der Quelle in den Cevennen, bis zur Mündung ins Meer in der Bretagne. Wenn man versucht, sich eine Straße möglichst nahe am Fluss auszusuchen, und sei sie auch noch so klein, kämen vier Tagesetappen von etwa 250 - 350 km heraus. Quer durch Frankreichs schönste Landschaften und auch kulturell hätte so eine Reise sicher einiges mit den Loire Schlössern zu bieten, von den Gaumenfreuden entlang dieser Route einmal ganz abgesehen. Das wäre doch mal eine Tour für die Falcone. Einfach gemütlich dahin tuckern, sich freuen und genießen. Wer macht mit?

Am frühen Nachmittag erreichten wir Burgund und sahen links von uns den Morvan, ein Granitmassiv, das noch zum Massif Central gehört, liegen. Jetzt war es nicht mehr weit und so erreichten wir gegen 18.00 Uhr die Rennstrecke. Michael hatte uns im Vorfeld schon mit den nötigen Durchfahrtspapieren ausgestattet, so dass es einfach war, den Falcone-Club zu erreichen. Die Ordner winkten uns freundlich zu und ließen uns ohne Probleme passieren. Ein großes „Hallo“ und wir konnten entspannt zu einem ersten Glas Wein oder einem Bierchen übergehen.

Unsere Zelte waren schnell aufgebaut und schon riefen die Grillmeister uns zu: „Die Bratwürste sind fertig, wer hat Hunger?“. Danke Jungs, dass ihr uns die nächsten zwei Tage mit durchgefüttert habt. Auf den Mopeds konnten wir keine Lebensmittel mitnehmen und die Rennstrecke liegt so einsam, dass der nächste Supermarkt schon fast in Dijon war. Aber in dem großen Feuerwehrauto von Migo schienen unerschöpfliche Reserven an Lebensmitteln gelagert zu sein, so dass es für uns alle reichte und wir alle satt wurden. Michael steuerte noch die eine oder andere Flasche Wein aus seiner Heimat an der Mosel bei.

Die nächsten zwei Tage waren vom Schnuppern von Rennluft, Standdienst mit Auskunft geben, wer wir sind, was der Falcone-Club macht, geprägt, und natürlich wurden auch unsere ausgestellten Motorräder ausgiebig bewundert. Wir hatten Karls Replika der Rekordguzzino dabei, Mattheos Condor, die schnelle und getunte Guzzino vom Volker und einige Falcones, Airone und Lodola waren zu bestaunen.

Alle kamen sie gut ins „Nest“ zurück, bis auf die Condor vom Mattheo. Migo und ich sahen, als Mattheo auf der Strecke war, wie sie plötzlich immer mehr nebelte und sich ein Motorschaden anbahnte. Ein Steckenmarschall zog Mattheo dann schließlich aus dem Verkehr, um die anderen Fahrer nicht zu gefährden. Die Condor kam leider auf dem Besenwagen zu uns zurück, ebenso ein recht enttäuschter Fahrer. Bei einer erste Diagnose stellte sich dann heraus, dass wohl ein Schlepphebel festgegangen war und dabei leider auch die Nockenwelle arg in Mitleidenschaft gezogen hatte. Auf Mattheo kommen also einige Stunden Schrauberei zu und natürlich auch die Kosten und die Mühen, die benötigten Ersatzteile für das seltene Stück aufzutreiben.

Aber die Condor war natürlich nicht der einzige Ausfall. Auch die Achtzylinder-Guzzi, die unsere italienischen Freunde aus Mandello mitgebracht hatten, verstummte kurz nach dem Anlassen erstmal für längere Zeit. Auch hier deutete sich ein Motorschaden mit längerer Auszeit an. Aber die Leute aus Mandello hatten noch einige andere Leckerbissen an alten und sehr seltenen Guzzi-Rennmaschinen mitgebracht. Deren Rollout war natürlich ein Highlight für uns an der Strecke. Ago-Nationale. Da war bei mir Gänsehaut pur angesagt.

In den Siebzigerjahren war ich Streckenposten im Fahrerlager auf dem Hockenheimring. Und da hatte ich alle Renngrößen dieser Zeit beim alljährlichen WM-Lauf im Mai gesehen und war ihnen für ein Wochenende ganz nah. Da gehörte Ago-Nationale natürlich auch dazu. Eines Tages kam er zu uns und sagte sinngemäß, dass wir alle einen guten Job machen würden und er spendierte uns dann allen ein Eis. So habe Ago vor fast 50 Jahren erlebt und jetzt sehe ich ihn mit seiner MV wieder an mir vorbeiziehen.

Zwei schöne Tage gingen zu Ende, als wir uns am Sonntag früh wieder auf den Heimweg an die Ardèche machten. Wieder durch eine herrliche Landschaft, mit einem guten Mittagessen unterwegs und mit dem Vorsatz, nächstes Jahr, sofern der Falcone-Club hier wieder aufschlägt, mit dabei sein zu wollen. Hubert und ich werden dann mit dem Auto kommen, damit ich meine große Paellapfanne nebst Gaskocher mitnehmen kann. Dann koche ich für uns alle an einem Abend eine leckere Paella. Darauf lohnt es sich zu freuen.

Geräuschlimit

Die Rennstrecke hat ein Geräuschlimit von 100dBA. Es wird dynamisch kurz nach der Ziellinie gemessen. Bist du zu laut, leuchtet deine Nummer auf, und das solltest du nicht allzu lange ignorieren. Es wird kontrolliert, ob DB-Killer montiert sind. Es gibt elektronische Tafeln.

Im schlimmsten Fall kann man mit den Verantwortlichen reden und am Ort der Messung das Gas zudrehen. Ein Fahrer wurde mal rausgenommen und ermahnt, er solle den Auspuff irgendwie leiser machen. Er kam dann mit etwas Gas wegnehmen durch den Tag.

Fazit

Dijon ist eine anspruchsvolle Strecke mit einer reichen Geschichte, die sowohl positive als auch negative Erfahrungen hervorrufen kann. Während einige die Strecke als "Hammer zum Fahren" bezeichnen, warnen andere vor dem begrenzten Grip-Niveau und den Sicherheitsbedenken. Es ist ratsam, sich vor der Buchung gründlich über die aktuellen Bedingungen und die Organisation zu informieren.

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