DMT Rennradschuhe im Test: Revolutionäre Stricktechnologie für Top-Performance

In den letzten Jahren hat die Strick-Technologie die Sportschuh-Branche grundlegend verändert. Bei Fußball- und Laufschuhen ist sie im Top-Segment fast schon Standard. Mittlerweile hat das Stricken auch bei Radschuhen Einzug gehalten.

Der Sportschuh-Hersteller Giro aus Kalifornien und der Accessoire-Spezialist Fizik waren im Sommer 2018 die Pioniere, mit allerdings nicht komplett gestrickten Modellen. DMT hat dann im vergangenen Herbst den ersten vollständig gestrickten Radschuh präsentiert, nach dreijähriger Entwicklungszeit. Auch Rapha kam im März mit einem Strick-Modell auf den Markt, und weitere Hersteller haben Strick-Radschuhe angekündigt.

Die Strickschuh-Kollektion von DMT enthält insgesamt sieben Rennrad-, Triathlon- und Cross-Schuhe. Bei der K-Reihe, zu der auch der getestete Cyclocross-Schuh KM1 gehört, ist die Oberseite komplett aus einem Stück gestrickt.

Die Weltpremiere: Vollständig gestrickte Radschuhe

Die Komplett-Strick-Konstruktion verändert die Passform und das Tragegefühl jedoch entscheidend: Man fühlt sich - soviel vorab - wie in einer (zugegeben grob gestrickten;-) Socke. Die Schuhe sind leicht, weniger voluminös, trocknen schnell, dazu gibt's eine Top-Passform und beste Atmungsaktivität.

Eine Welt-Premiere, welche die DMT-Strickschuhe von allen anderen am Markt unterscheidet: Die sind nur teilweise gestrickt, und/ oder haben eine "konventionelle" Zunge, sind also oben offen.

Passform und Komfort im Fokus

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich bisher einen so passgenauen und gleichzeitig so komfortablen Radschuh am Fuß hatte. Mein Vorderfuß ist relativ breit, was mir bei manchen Schuhen (nicht nur Radschuhen) immer wieder Probleme bereitet - nicht so beim KM1. Auch nach Stunden drückt nix, man fühlt sich fast, als würde man in Socken fahren.

Die extrem gute Paßform hat jedoch ihren - wenn auch kleinen - Preis: Das An- und Ausziehen ist nicht ganz so leicht wie bei einem Schuh mit Zunge, den man weit öffnen kann. Ohne Schuhlöffel wird das Einsteigen beim KM1 schwierig, und zum Ausziehen ist ein wenig Kraft erforderlich.

Zudem ist die gestrickte Oberseite sehr luftig. An kühleren Tagen in Frühjahr und Herbst sind Überzieh-Zehenkappen durchaus zu empfehlen. An heißen Sommertagen dürfte der Schuh dagegen eine echte Wohltat sein; leider konnte ich das noch nicht testen...

Performance und Steifigkeit

Was ich testen konnte, war das absolut angenehme Tragegefühl, auch nach Stunden auf dem Rad. Mit dem Boa-Verschluß lässt sich der gewünschte Sitz problemlos + schnell einstellen, und auf Wunsch auch mal zwischendurch lockern. Die Carbon-Sohle ist so steif, wie man es sich für eine gute Kraftübertragung wünscht.

Und anders als man es vielleicht erwarten würde, gibt die gestrickte Oberseite auch bei harten Antritten keinen Millimeter nach. Die Sohlen-Profil-Elemente von Michelin erlauben bequemes Gehen. Und zusammen mit den mitgelieferten Stollen geben sie auch an weichen Steilhängen guten Halt; das konnte ich bei einem kurzen Test am Isar-Hochufer feststellen.

Auch einem harten Querfeldein-Renn-Einsatz steht also nichts im Weg. Aber zum Einsauen ist der tolle KM1 fast zu schade...

Technische Daten des DMT KM1

  • Atmungsaktive "Engineered Knit"-Konstruktion
  • Obermaterial aus 3D-Strick, mit variabler Dicke und Struktur
  • Dual Compound Carbon Außensohle
  • Michelin-Gummi-Profile an der Sohle
  • Optionale Stollen (im Lieferumfang)
  • Integrierte Zunge/ Lasche
  • Boa Fit System mit einem Einstellknopf
  • Zehenschutz aus Gummi, abriebfeste Beschichtung auf der Zehenkappe
  • Größen: 37 bis 47; halbe Größen von 37,5 bis 45,5
  • Preis: 349 Euro (UVP)
  • Gewicht: 298 Gramm (Testschuh, Gr. )

Vor- und Nachteile

Pro: hoher Komfort; geringes Gewicht; exzellente Belüftung; sehr flexibles Obermaterial, sockenähnliches Tragegefühl; sehr steife Sohle.

Pro: geringes Gewicht; super Belüftung.

Vergleich mit anderen Top-Rennradschuhen

Vor allem in puncto Belüftung heben die Tester den Daumen über dem KR30 von DMT. Auch Gewicht und Komfort überzeugen. Das verdankt er hauptsächlich dem sockenähnlichen Strick-Obermaterial, das im Testumfeld aber geteiltes Echo nach sich zieht.

So wird das Tragegefühl von den Roadbike-Testern als unsicher empfunden - hier hilft leider nur eines: selbst ausprobieren. Eher schlicht und wenig ergonomisch fällt die Innensohle aus. Ambitionierte Fahrer, die viel Wert auf eine effiziente Kraftübertragung legen, sind dafür gut bedient.

Weitere getestete Modelle

Bei Rennradschuhen haben Performance und Style leider ihren Preis. Zwischen 360 und 470 Euro (UVP) rufen die Hersteller für die Schuhe in diesem Test auf. Und nicht immer passt der Schuh optimal zum eigenen Fuß. Deshalb haben wir die Topmodelle der bei Leserinnen und Lesern beliebten Marken in jeweils zwei Größen zum Vergleich gebeten, um möglichst viele Testeindrücke zu bekommen.

Mit dabei: bekannte Modelle von DMT, Giant, Northwave, Q36.5, Scott, Shimano, Sidi und Specialized. Fizik und Gaerne schickten jeweils brandaktuelle Modelle, wobei der Fizik-Schuh nur in Größe 45 verfügbar war. Gaernes neuer G.JET war zum Testzeitpunkt nur in Größe 46 erhältlich und kommt in Sachen Gewicht und Innensohle so etwas schwerer bzw. größer als die übrige 45er-Konkurrenz.

Da wir aber alle anderen Modelle sowohl in 45 und 46 getestet haben, lassen sich Passform und Fahreindruck genau einordnen und vergleichen. Die beliebten Anbieter Giro und Mavic verzichteten mit dem Verweis auf in Kürze erscheinende Nachfolgermodelle auf eine Testteilnahme.

Da alle Schuhe von mehreren Testern mit teils sehr unterschiedlichen Fußformen gefahren wurden, erlaubt das Rückschlüsse, welches Modell zu welchem Fuß am besten passt. So eignen sich etwa die Schuhe von Northwave und Shimano für schmale Füße, während Fizik, Gaerne, Q36.5 und Sidi von Testern mit breiten Füßen und hohem Spann als besonders komfortabel eingestuft wurden.

Ausstattung und Verarbeitung im Detail

Ein Blick auf die Ausstattung der teuren Treter zeigt, dass sie sich in der Verarbeitung und Anpassbarkeit von preiswerteren Mittelklasse-Modellen abheben. So kommen alle Schuhe im Test mit zwei Drehverschlüssen, die zudem fast alle über eine Schnellöffnung zum leichteren Ein- und Ausstieg verfügen.

Giants Surge Pro verfügt neben zwei Boa-Drehverschlüssen über einen zusätzlichen Klettstreifen auf dem Vorderfuß, der sich zwar nicht so effektiv wie ein Drehverschluss mit Drähten justieren lässt, dafür aber etwas mehr Spielraum in Sachen Zehenfreiheit des Schuhs ermöglicht.

Northwave legt seinem Veloce Extreme neben den serienmäßig 3 Millimeter dicken Innensohlen ein zweites Paar mit 5 mm Stärke bei. Q36.5 arbeitet mit den Experten von Solestar zusammen und bietet eine stark ausgeformte Innensohle an.

Giant, Scott und Shimano erlauben es, an der Unterseite der Innensohlen variable Keile anzubringen, sodass die Sohlenform somit für eine optimale Kraftübertragung und mehr Komfort ans eigene Fußgewölbe anzupassen ist. Bei den meisten Herstellern lassen sich zudem die Fersenabsätze selbstständig austauschen, sollten die irgendwann zu stark abgenutzt sein.

Testergebnisse und Fazit

ROADBIKE hat alle Schuhe ausführlich gefahren, Sohlensteifigkeiten, Anpassung und Sitz verglichen. Zur besseren Einordnung der Größenunterschiede wurden alle Innensohlen vermessen, um zu sehen, wie lang und breit ein Schuh ausfällt. Nach einer jeweils mindestens einstündigen Testfahrt haben mehrere Tester die Schuhe bewertet.

Die Passform (30 % der Endnote): bewertet den Sitz des Schuhs am Fuß sowie dessen Anpassbarkeit. Relevant sind Tragekomfort, potenzielle Druckstellen, Sitz an der Ferse sowie Zehenfreiheit. Die Einlegesohle wird mit 20 % bewertet, insbesondere die Unterstützung, die sie dem Fußgewölbe bietet.

Die Kraftübertragung (20 %) haben die Tester beim Klettern und bei harten Antritten im Wiegetritt verglichen. Dabei spielt die Sohlensteifigkeit ebenso eine Rolle wie das Obermaterial, das den Fuß fixiert, ohne viel nachzugeben oder einzuengen. Weiterhin benoteten die Tester das Verschlusssystem (10 %), insbesondere ob es damit gelingt, den Druck gleichmäßig gut am Fuß und auf dem Spann zu verteilen. Das Gewicht fließt mit 10 % in die Endnote ein, die Belüftung wird bei der Ausstattungswertung (10 %) mitberücksichtigt.

Die leichtesten von Giro, Specialized und DMT wiegen nicht mal 500 Gramm pro Paar. Unterschiede liegen im Detail, in den sehr unterschiedlichen Passformen und Größen.

Mindestens ein Merkmal teilt der Discounter-Schuh schon mal mit den meisten Mitbewerbern im Test: Sie alle verwenden keine speziellen Leisten für Männer und Frauen, sondern eine Unisex-Form, die möglichst vielen Füßen passen soll. Shimano und Specialized bieten jeweils zwei unterschiedlich breite Leisten an. Auf diese Weise steigt die Wahrscheinlichkeit für Menschen mit schmalen wie mit breiten Füßen, einen ­passenden Schuh zu finden.

Besonders komfortabel ist, dass das auch im Sattel sitzend und mit einer Hand geht.

Eine weitere Qualität der teuren Schuhe ist ihr geringes Gewicht. Ein paar Lagen Carbon ergeben dünne, leichte und trotzdem biegesteife Sohlen, damit man möglichst ­wenig Tretkraft in deren Verformung steckt.

Im Ergebnis bringt der Giro in Größe 44 lediglich 445 Gramm auf die Waage. Das ist bei dieser Größe ein Spitzenwert. Am Fuß fühlt sich das wirklich erstaunlich leicht an, verglichen mit den relativ schweren Schuhen von Sidi oder Van Rysel.

Bei aller technischen Finesse bleibt indes festzuhalten: Schuhe, und Radschuhe besonders, sind ein extrem individuelles Kleidungsstück. Zwei Testpersonen, zwei Meinungen, vier Testpersonen, vier Meinungen bzw. Urteile. Und Lob gibt es selten für Chichi oder exklusive Details, sondern für solide Basics: wenn der Schuh guten Halt bietet, besonders an der Ferse, und keinen Schlupf zulässt. Selbstverständlich darf er an keiner Stelle drücken, beispielsweise auf dem empfindlichen Spann; bei DMT und Sidi verlaufen und liegen die Zugseile bzw. Drehverschlüsse so, dass sich das nicht gänzlich ausschließen lässt.

Einhelliges Lob in puncto Passform erntet der Specialized-Schuh, vor allem wegen seiner geräumigen Zehenbox, in der es dem Fuß auch nach Stunden kaum zu eng werden kann.

Wie unser Test von Top-Modellen von insgesamt zehn Schuhherstellern zeigt, gibt es in der obersten Preiskategorie nicht ein einziges, spezielles Frauenmodell. Bei den teuersten Schuh­modellen für Frauen (Sortiment “Frauen” im Webshop) fällt auf, dass diese deutlich günstiger sind und technisch nicht an das Niveau der teuersten Modelle heranreichen - mit Kompromissen bei den Materialien, der Sohlensteifigkeit, der Ergonomie der Innensohlen oder dem Handling. Stattdessen sortieren sich die absoluten Top-Modelle in die Kategorie “Unisex” ohne ­Unterscheidung zwischen Mann und Frau.

Bewertet wurden Verschluss/Anpassung inklusive Fersenhalt und Zungenform, ­Ausstattung, Kraftübertragung sowie das Gewicht. Für die Bewertung der Kraftübertragung haben wir die Sohlensteifigkeit mittels definierter Last (200 Newton) auf dem Prüfstand gemessen. Je ­härter die Sohle, desto effizienter die Kraft­über­tragung.

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