Motorradfahren in den Dolomiten: Tipps und Routen für unvergessliche Touren

Die Dolomiten sind ein Höhepunkt jeder Südtiroltour und ein Muss für jeden Motorradfahrer. Die bizarren Berge mit ihren spektakulären Felsformationen, die zum UNESCO-Welterbe gehören, bieten eine einzigartige Kulisse für unvergessliche Motorradtouren.

Die Motorradregion Südtirol, Dolomiten und Trentino bis Venetien kann mit ihren vielen Alpenpässen und zahlreichen Motorradtouren wahrlich als Motorradregion der Superlative bezeichnet werden.

Die Qual der Wahl: Routenplanung in den Dolomiten

Am Ziel angekommen und das Quartier bezogen, beginnt die Qual der Wahl. Durch die bereits erwähnte Fülle an spektakulären Straßen und Kurven ist es wirklich nicht einfach, sich in der wahrscheinlich zu kurzen Urlaubszeit das Richtige auszusuchen.

Es gilt die gut versteckten, fast schon geheimen Verbindungen von Dolomitental zu Dolomitental zu entdecken. Vor allem die unzähligen schmalen Bergstraßen abseits der vielbefahrenen Standard-Routen bieten im Motorradurlaub in Südtirol und den Dolomiten eine erfrischende Abwechslung.

Gemütliche Tourenerlebnisse

Wer noch nie im hochalpinen Bereich Motorrad gefahren ist, für den empfehlen wir Ausflüge um Bozen und Meran. Dazu gehören Touren zum Kalterer See (Südtiroler Weinstraße), über den Mendelpass und das Gampenjoch. Eine Tagesfahrt durch das beeindruckende Eggental nach Obereggen, Welschnofen und Deutschnofen passt ebenfalls in diese Kategorie.

Eine weitere schöne Route zum Cruisen und Swingen durch die Kurven ist auch die Straße von Blumau Richtung Seiser Alm und Kastelruth. Eine Reise durch das bereits erwähnte Vinschgau mit seinen Seitentälern wie Schnalstal, Martelltal und Matschertal kann ebenfalls als ruhige Alternative gesehen werden, wobei man speziell in den Seitentälern die großen Touristikströme etwas verlässt.

Mehr Adrenalin gefällig?

Anspruchsvollere Pässetouren bietet zum Beispiel eine Rundtour zwischen Bozen-Sterzing-Meran. Diese führt über das Sarntal hinauf zum Penserjoch nach Sterzing und von dort aus über den Jaufenpass und anschließend durch das Passeiertal (in St. Leonhard unbedingt das Motorradmuseum besuchen!).

Die Sella-Runde: Ein Muss für jeden Motorradfahrer

Die bei weitem attraktivste Strecke einer jeden Motorradtour durch die Dolomiten dürfte die Sella-Runde sein. Eine Rundfahrt von 95 Kilometern, sechs Pässe - wo gibt es das sonst noch? Nur die Dolomiten bieten ein so verdichtetes Fahrerlebnis. Der Puls kommt kaum zur Ruhe, man kommt mit dem Kurvenzählen nicht mehr mit, der Kupplungsarm schmerzt, die Bremsscheiben glühen, das Motoröl siedet. Motorradfahren pur. Sechsmal rauf und runter, sechsmal Adrenalin. Und nicht vergessen: sechsmal traumhafte Ausblicke.

Zentrum ist sicher die Sellarunde mit Grödnerjoch, Sellajoch, Pordoijoch und Passo di Campolongo, bei der man Orte wie Canazei, Arabba und Corvara durchfährt. Direkt um die Ecke der Sellarunde warten weitere Herausforderungen darauf, unter die Räder genommen zu werden: Passo di Valparole, Passo di Falzarego, Passo di Giau und Passo di Fedaia buhlen darum, erobert zu werden.

Wer kurz die Landesgrenzen verlässt, findet weitere herrliche Pässe in südlicher Richtung wie: Passo San Pellegrino, Passo di Valles, Passo di Rolle.

Die Sella-Runde im Detail

Wer die Sellarunde in Arabba startet, bekommt gleich die Auffahrt zum Pordoisattel serviert - die Nummer eins der Dolomiten mit dem Motorrad. Weiter hinab ins Fassatal, wo wieder Kurven „en masse“ warten. Die folgende Besteigung des Sellasattels ist eine eher ruhige Angelegenheit. Hinab ins Grödnertal und hinauf zum Grödner Joch - eine anspruchsvolle Fahrt wegen der oft schlechten Straße und der sehr spitzen Spitzkehren. Weiter geht es hinab nach Corvara, wo hinter dem Ort der Campolongopass wartet, der mit lang gezogenen Bögen und gutem Asphalt lockt.

Zurück in Arabba folgt diese Motorradtour in den Dolomiten dem Schild Falzaregopass. Kenner halten diesen für Biker an interessantesten. Sie sind in der Hitparade der weiß Gott attraktiven Dolomitengipfel die absolute Nummer eins. Fahrerisch eine Herausforderung, optisch eine Glanznummer. Diese drei Felsnadeln stehen nordöstlich von Cortina d’Ampezzo und lassen sich sehr gut als Mittelpunkt einer sportlichen Motorradtour in den Dolomiten verwenden. Als Ausgangspunkt könnte die Olympiastadt Cortina dienen: hübsche Fußgängerzone, Traumblick von oben auf die in einem Talkessel gelegenen Stadt, Traditionshotel Miramonti.

Über den Passo Tre Croci erreicht unsere Motorradtour durch die Dolomiten den Misurinasee und sein malerisches Panorama. Hier beginnt die neun Kilometer lange Bergstraße hinauf zu den Drei Zinnen. Unterhalb der Auronzohütte wartet auf dem Parkplatz in 2.400 Metern Höhe die Belohnung - ein Ausblick, der sich gewaschen hat.

Weitere Routen und Tourenvorschläge

  • Zweitages-Motorradtour Trentino-Südtirol: Diese 550 km lange Rundtour führt durch die schönsten und kurvenreichsten Ecken der Region Trentino-Südtirol, inklusive Mendelpass, Manghenpass, Monte Grappa, Passo Brocòn und Pordoijoch.
  • Sellarunde mit dem Motorrad: Eine 122 km lange Tour rund um den Sella-Bergstock mit den berühmten Dolomitenpässen Grödner Joch, Campolongo-Pass, Pordoijoch und Sellajoch.
  • Südtirol: Burgen und Bergpanorama: Eine 157 km lange Panoramatour von Bozen aus in die Dolomiten, vorbei an Europas größter Hochalm, der Seiser Alm.
  • Trentino: Dolomiten und Kurvenspaß: Eine 329 km lange Dolomiten-Tour mit Start in Trient, die durch das Val di Fiemme und das von Weinbergen geprägte Val di Cembra führt.
  • Ligurien: Küstenstraße und Cinque Terre: Eine 230 km lange Rundtour entlang der Riviera di Levante ab Portofino und zu den Cinque Terre.
  • Toskana: Zypressen und Chianti-Gebiet: Eine 347 km lange Tour durch die Toskana, die Siena, Volterra und San Gimignano passiert.

Wichtige Hinweise für Motorradtouren in den Dolomiten

Wichtig bei allen Touren in den Bergen sind folgende Tipps:

  • 100 km Pässetouren können schon mal drei Stunden dauern, also planen Sie nicht zuviel in Ihren Motorradtag.
  • Lassen Sie sich nicht von Rasern animieren oder unter Druck setzen.
  • Auf den Passhöhen hat man schnell Minusgrade.

Ein Hinweis: Motorradtouren in den Alpen haben eine komplett andere Charakeristik. Eine Tour über Pässe mit ca. 150km nimmt wesentlich mehr Zeit in Anspruch als 150km auf ebenem Gelände.

Anreise in die Dolomiten

Motorradfahrer, die es in die Dolomiten und die nicht weniger interessanten Südtiroler Pässe und Berge zieht, haben mehrere Anreisemöglichkeiten. Zunehmend sieht man auch Pkws mit Motorradanhängern. Für längere Urlaubsvorhaben sicher eine gute Lösung. Die meisten Tourenfahrer reisen natürlich direkt mit dem Motorrad an. Eine der Hauptrouten führt dabei über den Brenner. Viele Motorradfahrer wählen auch die Anreise über den Reschenpass (unbedingt am Reschensee anhalten und den berühmten Kirchturm im See knipsen) und das sonnige Vinschgau Richtung Meran. Interessant ist auch die Strecke über den Stallersattel direkt in das Pustertal. Eine Nummer anspruchsvoller und mit Mautkosten verbunden ist die Einreise nach Italien durch das Tiroler Ötztal über das Timmelsjoch.

Die richtige Vorbereitung ist entscheidend

Bevor es losgeht: Natürlich sollte sich dein Motorrad immer in einem technisch einwandfreien Zustand befinden. Mängel an Bremsen, Reifen oder Fahrwerk werden schnell lebensgefährlich, egal wo du unterwegs bist. Eine Tour in die Dolomiten will aber noch besser vorbereitet sein als die Hausstreckenrunde, denn hier wird das Material besonders hart rangenommen. Vor dem Start solltest du dein Bike unbedingt genau prüfen und Teile, die während des Trips die Verschleißgrenze erreichen könnten, erneuern lassen. Unterwegs ist Ersatz meist nur mit einiger Wartezeit zu bekommen. Absolutes Vertrauen in das Material sorgt außerdem für die nötige Gelassenheit, um die Dolomiten sorgenfrei genießen zu können.

Checkliste für die Motorradvorbereitung

  • Beladung: Achten Sie auf eine gleichmäßige Gewichtsverteilung und passen Sie das Fahrwerk entsprechend an.
  • Hebel: Stellen Sie sicher, dass alle Hebel gut erreichbar sind und die richtige Neigung haben.
  • Reifen: Überprüfen Sie die Profiltiefe und den Luftdruck. Wechseln Sie abgefahrene oder alte Reifen vor Reisebeginn.
  • Bremse: Prüfen Sie Scheiben und Beläge auf Verschleiß und wechseln Sie die Bremsflüssigkeit.

Sicher durch die Kehren

Die klassische Linie: Spitzkehren der Dolomiten sind keine gewöhnlichen Kurven. Vor allem rechtsherum sind einige von ihnen so eng, dass man geneigt ist, anzuhalten und zu rangieren. Auf der klassischen Linie ist es daher hier und da schwierig, rund um die Ecken zu zirkeln. Die klassische Linie bedeutet leichtes Ausholen am Kurveneingang, ohne dabei auf die Gegenfahrbahn zu geraten (auf engen Straßen ist das nur schwer vermeidbar), um dann im richtigen Moment einzulenken und die gesamte Kurve in der Mitte der eigenen Fahrbahnhälfte zu durchfahren. Auch wenn sie nicht der dynamischste Weg ist, eine Kurve zu durchfahren, lässt die klassische Linie jederzeit Raum für Korrekturen nach innen und außen und hält uns vom Gegenverkehr fern.

Die richtige Blickführung: "Guckst du scheiße, fährst du scheiße", lautet eine bekannte Regel der Blickführung. Dabei ist es in der Theorie doch ganz einfach: In den Kurven stets weit nach vorne schauen, den Kurvenausgang so früh wie möglich anvisieren und den Kopf für einen gerade gerückten Horizont leicht schräg zum Körper halten. Diese Grundlagen der Blickführung gelten in den Dolomiten genauso wie auf jeder Landstraße und klingen wie immer fast schon zu einfach - in den Alpen fordern sie aber besondere Konzentration.

Motorradfreundliche Unterkünfte

Die Unterkunftssuche für Motorradfahrer stellt sich denkbar einfach dar: Überall im Trentino sieht man Hotels mit einem orangefarbenen Schild, auf dem ein überdachtes Motorrad abgebildet ist. In der Initiative "Trentino in Moto" haben sich zahlreiche Übernachtungsbetriebe unterschiedlicher Klassifizierung zu einem besonderen Service gegenüber Motorradfahrern verpflichtet.

Einige Tourenvorschläge im Überblick

Hier eine Tabelle mit einigen Tourenvorschlägen und ihren Eckdaten:

Tour Länge Fahrzeit Highlights
St. Ulrich - Karerpass 203 km ca. 5 Stunden Grödnerjoch, Valparolapass, Falzaregopass, Karerpass, Nigerpass
Castello di Fiemme - Lavazejoch 321 km ca. 8 Stunden Manghenpass, Passo Brocon, Passo di Cereda, Passo Duran, Passo Staulanza, Giaupass, Falzaregopass, Fedaiapass, Karrerpass, Lavazejoch

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