Dota Kehr und das Rennrad: Eine musikalische Hommage an Freiheit und Ungezwungenheit

Frei sein, unabhängig sein. Für die Sängerin und Liedermacherin Dorothea „Dota“ Kehr war das immer schon essenziell: als Künstlerin und als Mensch. Damit genießen Frontfrau Dota Kehr und Band maximale (Entscheidungs-)Freiheit im künstlerischen Schaffen, müssen keine Einmischung von außen in die eigene Arbeit tolerieren.

Dabei scheint die musikalische Karriere der 44-Jährigen, die zunächst Saxophon, später Gitarre spielte und als Straßenmusikerin Kleingeldprinzessin bekannt wurde, nicht zwingend in Stein gemeißelt gewesen zu sein. Die Themen ihrer Songs sind wohltuend vielfältig, regen - je nach Inhalt - zum Nachdenken oder Schmunzeln an. Mit dem Song gelingt es der Band, ein wuchtiges Thema fluffig arrangiert zu transportieren. Den mag man durchaus als Kritik an der mitunter schleppenden Bekämpfung des menschengemachten Klimawandels verstehen, für den Dota eine simple Lösung herbeisehnt.

"Rennrad": Mehr als nur ein Fortbewegungsmittel

Im Lied Rennrad von Dota Kehr wird der Protagonist als selbstbewusster und charismatischer Charakter eingeführt. Er kommt mit seinem Rennrad an, was nicht nur für seine Begeisterung für das Radfahren steht, sondern auch für Freiheit und Ungezwungenheit. Seine Interaktion mit einer 'Schnalle' zeigt, dass er sich seiner Anziehungskraft bewusst ist und zumindest in seinen eigenen Augen 'alle kriegt' - was auf eine unkomplizierte und spielerische Herangehensweise an zwischenmenschliche Beziehungen hindeutet.

Die bildhaften Vergleiche und die lockere Sprache sorgen dafür, dass der Hörer die Leichtigkeit und das Selbstbewusstsein des Protagonisten förmlich spüren kann. Es vermittelt das Gefühl, dass das Leben voller Möglichkeiten und Spaß ist, während man auf dem Rennrad die Welt erkundet.

Dota Kehr erklärt: "Ich fand Rennräder schon immer sehr schick." Fährt sie selber auch? "Ich bin der absolute Allwetter-Fahrer, und wohl zu pragmatisch für ein Rennrad. Vielleicht wird da was draus!"

Die Radfahrerin Dota Kehr im Alltag

Dota Kehr: (lacht) Es gibt natürlich viele Rennradfahrer, die richtig Rennrad fahren, Sport machen und Strecken schnell zurücklegen. Und dann gibt es den Berliner Hipster, der sein Rennrad schiebt, weil es gut aussieht. Es geht in dem Lied eher um diesen. Ich fahr sehr, sehr viel Fahrrad. Also, ich hab die Strecke zum Proberaum und ich hab auch so ein kleines Arbeitszimmer, wo ich so meinen Kram mache.

Das sind 10 beziehungsweise 12 Kilometer dahin, von dort, wo ich wohne. Das fahr ich immer mit dem Fahrrad. Also immer mindestens 20 Kilometer und manchmal muss ich die Strecke zweimal machen, dann sind es am Tag auch mal 40 Kilometer. Ach, ich lauf total selten! Also, wenn ich es dann mal mache, denke ich: Wow, zu Fuß gehen ist ganz nett! Man nimmt die Stadt auch ganz anders wahr. Ich mag aber auch meine Radfahrer-Perspektive …

Gefahren und Hindernisse im Berliner Straßenverkehr

Klar, man ist immer so ein bisschen in Alarmbereitschaft, wenn man in Berlin Fahrrad fährt, weil man immer gucken muss. Ich hatte auch schon zwei Fahrradunfälle in Berlin, die - das sag ich jetzt ganz dreist dazu - überhaupt nicht meine Schuld waren. Übrigens an genau der gleichen Kreuzung, wo vor kurzem eine Radfahrerin überfahren wurde, was viel in der Presse war, wegen eines zeitgleich stattfindenden „Letzte Generation“-Protests.

In meinem Fall war das ein Rechtsabbieger, der um einen Lieferwagen herum abgebogen ist, der gewartet hatte, um mich vorbei zu lassen. Wenn ich nur ’ne Sekunde schneller gewesen wäre und der Autofahrer mich voll erwischt hätte, hätt ich es wahrscheinlich nicht überlebt. So aber war es so, dass er ein bisschen schneller war und ich in seine Seitentür reingefallen bin. Trotzdem: Das Durch-die-Luft-fliegen und ohnmächtig ins Krankenhaus zu kommen, war doof (lacht). Hm, ja.

Im Nachgang dieses Unfalls fand ich übrigens krass, dass ich nach drei Tagen Krankenhaus noch monatelang heftige Kopf- und Rückenschmerzen hatte. Ja. 160 Euro (lacht)! Ich hab mir dann einen Verkehrsanwalt genommen und dann gab es 2000 Euro. Letztlich aber: Wenn du nur einen Kratzer in einen Kotflügel machst und dann eine Autotür lackiert werden muss, kostet das gleich richtig viel und ich finde, das steht in keinem Verhältnis. Ich hatte zusätzlich eine „Acht“ im Rad, dafür gab’s dann noch mal 50 Euro. Das dacht ich mir fast.

Sicherheit und Infrastruktur für Radfahrer

Ja, ich weiß auch nicht … Weil klar, ich weiß, dass mit Helm fahren vernünftiger ist. Alle Kinder, die das lesen: Bitte tragt einen Helm! Nee, aber ich fahr super viel Fahrrad und mit Helm, das würde mir so ein bisschen den Spaß, auch die Spontanität nehmen. Ich hätte so was nie dabei, würd den ständig vergessen.

Und man muss ja sagen: Es gibt schwere Kopfverletzungen, die durchs Helm tragen abgewendet werden, aber jeder gebrochene Arm und jedes zerschmetterte Becken, an dem man genauso sterben kann, hat man selbst wenn man einen Helm getragen hat. Die Radinfrastruktur muss verbessert werden, anstatt jetzt über eine Helmpflicht zu diskutieren! Ich hab kürzlich die breiten Münchner Radwege genossen, war an einer Stelle aber irritiert, dass der Radweg gefühlt im Nichts endete.

Ja, in Berlin gibt’s das auch überall. Da hast du Stellen, an denen es gefährlich wird, wenn du schnell fährst und plötzlich der Radweg endet. Super gefährliche Stellen sind auch Radfahrstreifen mit parallel geparkten Fahrzeugen, wo Autofahrer beim Ausparken rückwärts fahren. An solchen Stellen hatte ich ein paar Mal schon richtig heikle Erlebnisse und irgendwie müssten diese Parkplätze anders gestaltet werden. Also in puncto Radinfrastruktur gibt’s schon noch viel zu machen hier.

Ich finde, es macht auch total Sinn, dort, wo sich Fahrradwege nicht so einfach umsetzen lassen, Straßen zu Fahrradstraßen zu machen. Wird die Welt ein besserer Ort, wenn mehr Leute aufs Rad steigen? Nee, ich find, das kann man so sagen, ja. Es ist für die Luft gut, fürs Klima und nicht zuletzt auch für die eigene Gesundheit. Speziell in Städten, die so flach sind wie Berlin, ist Radfahren natürlich total komfortabel.

Alternativen und Ausblicke

Lastenräder stellen, nicht nur in Berlin, eine tolle Auto-Alternative dar. Ja, stimmt. Wobei ich ein Lastenrad immer ein bisschen umständlich fand, weil das wäre ja ein zusätzliches Rad zu dem, was ich schon habe. Für mich war der naheliegendere Schritt die Anschaffung eines Radanhängers. Ich finde nur eine wunderbare Neuerung ist die Nabendynamo-Beleuchtung. Ich will nie wieder so ein Anstecklicht, das ich verliere.

Dadurch, dass ich soviel im Alltag fahre, ist das Nonplusultra der Wochenendgestaltung nicht Fahrradfahren, da würd ich dann, glaub‘ ich, eher paddeln gehen. Das funktioniert im Berliner Umland ja super. Na ja, rund um Berlin gibt’s ja viele Seen und an einem gibt es eine Fähre, auf die man sein Rad mitnehmen kann. Das find ich ganz cool. Und was ich mir seit Jahren vorgenommen hab, aber immer noch nicht gemacht hab, ist Fluss-Radwanderwege zu fahren, zum Beispiel entlang der Saale.

Das Fahren entlang von Flüssen ist ja auch deshalb so toll, weil das so schön flach ist. Also, ich steh gar nicht auf Bergauffahren! Im Song „Rennrad“ singst du davon, mit dem Rennrad gen Süden zu ziehen. Ein Wunschtraum. Hab ich mitbekommen, ja. Das war dieses Jahr, genau. Ich wurde dazu gar nicht aus der Redaktion gefragt. Aber egal, ich hab mich natürlich gefreut, weil das ganz cool und lustig geschnitten war. Ja oder auch zum Spazieren. Ich bin ja Ostsee-Fan.

Dota Kehr: Mehr als nur Musik

DOTA - nicht umsonst in Großbuchstaben, weil der Name mehr als das lyrische Ich von Dota Kehr abbildet, sondern auch die Community um sie herum, in der schon seit einigen Jahren die Musik entsteht: Gitarrist Jan Rohrbach, Schlagzeuger Janis Görlich, Keyboarder Patrick Reising und Bassist Alexander Binder. Gemeinsam mit dieser Band arrangiert Dota Kehr die Songs und nimmt sie auf.

Die erste Single Einfach zu abgelenkt spielt das DOTA-Spiel in Perfektion. Die Gitarre sitzt im Sommer am See, der Synthie flimmert. Das Schlagzeug tanzt Stop-and-Go, Dota singt, als müsste sie gleich weg - darüber, dass sie sich nicht committen kann und auch sonst niemand. Dota hat sich diese Fragen auch in Vorbereitung auf ihr neues Album gestellt. Die Antworten liegen auf ihrem Weg wie Schilder auf der Straße, sobald sie ernsthaft zu arbeiten beginnt.

Es brauchte schon immer nur wache Augen, eine Stimme, die die eigene ist, und ein Herz, in das mehr als die eigene Altersvorsorge reinpasst. Dota weiß, wer sie ist, und sieht die Dinge, die sie mit der Welt, in der sie lebt, verbinden und von ihr trennen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0