Anleitung zur Ausrichtung von Shimano Bremssätteln und zum Wechseln von Bremsbelägen

Die Bremsen gehören zu den am stärksten beanspruchten Teilen eines Fahrrads und verdienen eine regelmäßige Wartung. Es lohnt sich, regelmäßig zu überprüfen, um unterwegs nicht plötzlich von abgenutzten Bremsbelägen überrascht zu werden.

ACHTUNG: Scheibenbremsen sind sicherheitsrelevante Bauteile. Wer daran herumschraubt, sollte wissen, was er tut und vor allem sorgfältig arbeiten. Eine Kontrollfahrt nach der Wartung schadet nie. Ohne ausreichende Erfahrung beim Schrauben lohnt es sich, eine Bike-Werkstatt aufzusuchen und sich Rat von Experten zu holen.

Wieso schleifen Scheibenbremsen?

Ohne am Bremshebel zu ziehen, schleifen die Bremsbeläge leicht an der Scheibe. Hier sind fünf Ursachen und entsprechende Lösungen:

  1. Zu viel Bremsflüssigkeit: Kommt bei neuen Bremsen im Auslieferungszustand immer wieder vor. Die Kolben können sich nicht weit genug zurückziehen. Hier hilft nur, den Stand der Bremsflüssigkeit zu korrigieren. Anschließend müssen Sie die Bremse entlüften.
  2. Bremsscheibe nicht mittig: In diesem Fall den Bremssattel lockern und neu ausrichten.
  3. Laufrad schief eingebaut: Das kann bei Bikes mit herkömmlichen Schnellspannern passieren. Schnellspanner öffnen und neu justieren.
  4. Bremsscheibe verbogen: Manchmal hilft es schon, die Bremse richtig heiß zu bremsen (Achtung, nicht überhitzen!). Ansonsten vorsichtig per Hand oder mit Richtwerkzeug zurechtbiegen.
  5. Kolbenklemmer: Kolben und Bremssattel mit Bremsenreiniger säubern.

Bremsbeläge wechseln

Wie lange die Beläge halten, hängt stark von den äußeren Bedingungen ab. Bei Matschwetter kann ein Belag schon nach einem langen Bike-Tag runter sein. 1 Millimeter sollte die Belagstärke mindestens noch betragen. Auch die Scheiben verschleißen. Die Stärke lässt sich verlässlich mit einem Messschieber oder einer speziellen Verschleißlehre kontrollieren. Dünner als 1,5 Millimeter sollte die Bremsscheibe nicht sein. Auch stark unterschiedlich verschlissene Scheiben sollte man austauschen.

Schritte zum Wechseln der Bremsbeläge der MTB-Scheibenbremse:

  1. Sicherungsschraube entfernen: Ehe Sie mit dem Wechseln der Bremsbeläge beginnen, drücken Sie die Bremskolben mit einem flachen Werkzeug zwischen den alten Bremsbelägen so weit wie möglich zurück. So schaffen Sie Platz für die neuen, dickeren Beläge. Nun entfernen Sie den Sicherungsring und dann die Sicherungsschraube.
  2. Bremsbeläge entfernen: Jetzt sind die alten Bremsbeläge frei, und Sie können sie entfernen. Einfach die Beläge von beiden Seiten zusammendrücken und nach hinten aus dem Bremssattel entfernen.
  3. Bremssattel reinigen: Mit einem sauberen, fusselfreien Tuch die Kolben am Bremssattel reinigen. Bei stärkeren Verschmutzungen und hartnäckigem Belagabrieb hilft Bremsenreiniger. Sorgfältiges Säubern verbessert die Funktion der Kolben und erhöht damit die Leistung der Bremse.
  4. Kolben zurückdrücken: Sicherheitshalber nun die Kolben nochmals zurückdrücken. Vorher aber die alten Beläge grob gesäubert wieder einlegen. Das verhindert, dass die neuen Beläge beim Zurückdrücken beschädigt werden. Danach die alten Beläge entfernen.
  5. Beläge einsetzen: Nun die Belagsfeder zwischen die beiden Bremsbeläge setzen, die Beläge mit den Fingern zusammendrücken und in die Aufnahme zwischen den Bremskolben einsetzen. Manche Hersteller unterscheiden zwischen linkem und rechtem Belag. Unbedingt auf die korrekte Anordnung achten!
  6. Beläge sichern: Setzen Sie die Sicherungsschraube der Bremsbeläge wieder ein. Auf keinen Fall dabei den Sicherungsring der Schraube vergessen. Bei älteren Bremsenmodellen wird teilweise noch ein Sicherungssplint verwendet, der mit einer Zange aufgebogen werden muss.

Bremsscheibe montieren

Die Bremsscheiben auszutauschen, ist kein Hexenwerk. Je nach Standard - Centerlock oder Sechs-Loch-Scheibe - sind unterschiedliche Werkzeuge nötig.

Sechs-Loch-Scheibe

Die Befestigung der Bremsscheibe erfolgt über sechs Schrauben, die je nach Bremsenmodell mit einem Drehmoment von 4-6 Nm über Kreuz angezogen werden. Die Schrauben sind mit einer Schraubensicherung versehen, um ein ungewolltes Lösen der Bremsscheibe zu verhindern.

Centerlock-Standard

Centerlock-Scheiben werden mit einem Ring im Zentrum der Scheibe montiert. Als Werkzeug dient ein herkömmlicher Innenlagerschlüssel. Centerlock-Montage ist alternativ auch mit einer Nuss möglich. Das erforderliche Drehmoment beim Anziehen des Rings ist deutlich höher: 40-50 Nm. Die Verzahnung von Nabe und Abschlussring verhindert, dass sich die Bremsscheibe lösen kann. Vorteil von Centerlock: Die Montage geht deutlich schneller. Nachteil: Manche Hersteller bieten für den Shimano-Standard keine passenden Scheiben.

Vorsicht: Bei der Montage der Bremsscheiben immer die korrekte Laufrichtung beachten. Shimano kennzeichnet sie in der Regel mit einem Pfeil.

Bremssattel ausrichten und schleiffrei einstellen

Der Bremssattel sollte exakt parallel zur Scheibe stehen - so kann die Bremse kräftig zupacken und schleift nicht.

  1. Bremssattel lockern: Die beiden Schrauben der Bremsaufnahme lockern. Nun den Bremshebel ziehen, bis die Bremsbeläge fest an der Scheibe anliegen. Mit gezogenem Bremshebel die Schrauben wieder festziehen.
  2. Sichtprüfung: Nach dem Festziehen der Befestigungsschrauben sollte die Scheibe genau mittig zwischen den Bremsbelägen laufen. Ist dies nicht der Fall, Schritt 1 wiederholen und den Bremssattel nachjustieren. Beim Sicht-Check hilft ein helles Papier am Boden.
  3. Bremsscheibe ausrichten: Schleift die Scheibe trotz justierten Bremssattels unregelmäßig und „eiert“, ist sie verzogen. In diesem Fall mit einem speziellen Richtwerkzeug, in das der Rand der Scheibe eingeklemmt wird, oder mit den Händen und einem Tuch zum Schutz vor Fett die Bremsscheibe gefühlvoll geradebiegen. Zur Sicherheit hinterher die Scheibe mit Bremsenreiniger säubern.

Anzugsmomente für Fahrradteile und Schrauben

Die meisten Schrauben am Fahrrad benötigen ein Drehmoment zwischen 2 Nm und 20 Nm. Beim Antrieb, der höheren Belastungen ausgesetzt ist, werden oft auch mal 40 Nm benötigt. Die richtig dosierte Kraft schütz Zubehörteile, Schrauben und Gewinde vor Beschädigungen. Bei Carbonrahmen oder Anbauteilen unbedingt Montagepaste (kein Öl) verwenden, um das Anzugsdrehmoment zu verringern. Am besten auch immer die Angaben des Herstellers beachten. Die meisten händisch angezogenen Schrauben bzw. mit Gefühl angezogenen Schrauben, werden in der Regel zu schwach oder zu stark angezogen. Das kann bei manchen Rahmenmaterialien oder einem kleinen Gewinde schnell zu Beschädigungen führen. Sicherheitshalber einen Drehmomentschlüssel verwenden.

Tipp: Am besten vor einer längeren Tour alle Schrauben checken und gegebenenfalls nachziehen, um böse Überraschungen zu vermeiden. Ein Universaltool im Gepäck hilft dabei, Schrauben auch unterwegs nachziehen zu können.

Eine ungeschmierte Gewindeverbindung verliert etwa 50 % an Kopfreibung und 40 % an Gewindereibung. Dieser Prozentsatz kann durch die Verwendung eines reibungsarmen Schmiermittels erhöht werden. Der Reibungskoeffizient ist ebenfalls sehr variabel (normalerweise +/-20 %), was zu einer Prozessvariabilität führt. Und auch wenn die Anzugswerkzeuge oft sehr genau sind (z. B. +/-1 % bei einem kalibrierten Handdrehmomentschlüssel), beträgt die Abweichung vom aufgebrachten Drehmoment +/-10 bis +/-50 %. Viele sind überrascht, wie sehr ihre Körperhaltung und die Handhabung des Werkzeugs das aufgebrachte Drehmoment beeinflussen.

Wir haben in folgender Tabelle alle Drehmomente ohne Schmiermittel angegeben.

Bauteil Nm (Newtonmeter) Benötigtes Werkzeug
Abdeckkappe in Schaftrohrkralle 3-4
Ahead-Kralle 2,5-3
Bar Ends 15-17 Inbusschlüssel 8 mm
Bremshebel (Unterrohrmontage) 5-7 Inbusschlüssel 4 mm
Bremshebelschelle 2.5-3 Kreuzschlitzschraubendreher
Bremshebelschelle 6-8 Inbusschlüssel 4 mm
Bremszuggegenhalter 6-8 Inbusschlüssel 4 mm
Cantileverbremse - Belagfixierung 1-2 Kreuzschlitzschraubendreher
Cantileverbremse - Bremsschuh 8-9 Maulschlüssel 10
Cantileverbremse - Sockel 5 - 7 Inbusschlüssel 5mm
Cantileverbremse - Zugklemmung 6 - 9 Inbusschlüssel 5 mm
Cleats (SPD) 5 - 8 Inbusschlüssel 4 mm
Freilauf - Freilaufkörper 35 - 50
Freilauf - Kassette (Konterring HG) 30 - 50 Spezialwerkzeug
Innenlager Konus 60 - 70 Konusschlüssel 36 oder 40 mm
Innenlager Patrone 50 - 70 Spezialwerkzeug
Kettenblattschraube 6 - 11 Inbusschlüssel 6 mm
Kurbelschraube 35 - 50 Inbusschlüssel 8 mm und Kurbelschraubengegenhalter
Nabe - Achsmutter 20 - 40 Konusschlüssel 15
Nabe - Konus-Kontermutter 10 - 25 Konusschlüssel 13, 14
Nabe - Schnellspannhebel 9 - 12 Schnellspannhebel
Pedalachse 35 - 40 Inbusschlüssel 6 mm o. Pedalschlüssel 13
Sattelklemmung doppelt 8 - 14 Inbusschlüssel 4 mm
Sattelklemmung einfach 14 - 34 Inbusschlüssel 5 mm
Sattelstützeklemmung 8.5 - 11.5 Inbusschlüssel 5 mm oder Schnellspannhebel
Schaltbremshebel - Schelle 2.5 - 3 Kreuzschlitzschraubendreher
Schaltbremshebel - Schelle 6 - 8 Inbusschlüssel 5 mm
Schalthebel - Daumenschalter 2.5 Inbusschlüssel 3 mm
Schalthebel - Drehgriff 1.5 Inbusschlüssel 3 mm
Schaltwerk - Befestigungsbolzen 8 - 10 Inbusschlüssel 5 mm
Schaltwerk - Schaltröllchen 3 - 4 Inbusschlüssel 5 mm
Schaltwerk - Zugklemmung 4 - 7 Inbusschlüssel 5 mm
Scheibenbremse - Bremsklotz 5
Scheibenbremse - Bremssattel 5
Scheibenbremse - Nabe (6-Loch-Aufnahme) 5
Seitenzugbremse - Bremskörper 8 - 10 Inbusschlüssel 5 mm, Maulschlüssel 10, 12, 13
Seitenzugbremse - Bremsschuh 5 - 9 Maulschlüssel 10 mm
Seitenzugbremse - Zugklemmung 5 - 8 Inbusschlüssel 5 mm
Steuersatz - A-Head-Klemmung 17 - 20 Inbusschlüssel 5 mm
Steuersatz - Klemmschraube Konus 20 - 30 Inbusschlüssel 6 mm
Steuersatz - Kontermutter 34 Konusschlüssel 32, 36, 40 mm
Umwerfer - Befestigungsschelle 5 - 7 Inbusschlüssel 5 mm
Umwerfer - Lötsockel 7 Inbusschlüssel 5 mm
Umwerfer - Zugklemmung 5 - 7 Inbusschlüssel 5 mm
V-Brake - Sockel 5 - 7 Inbusschlüssel 5 mm
V-Brake - Bremsschuh 6 - 8 Inbusschlüssel 5 mm
V-Brake - Zugklemmung 6 - 8 Inbusschlüssel 5 mm
Vorbau - Lenkerklemmung 11 - 30 Inbusschlüssel 5 mm

Die genannten Anzugsmomente sind Richtwerte. Bitte beachte für jedes Bauteil die genannten Werte des Herstellers. Drehmomentschlüssel sollten nicht zum Öffnen hartnäckiger Schrauben verwendet werden. Ein Drehmomentschlüssel ist ein Messwerkzeug und sollte auch dementsprechend behandelt werden. Ein Drehmomentschlüssel sollte bei eingestellten 0 Nm gelagert werden. An Carbon-Rahmen ist besondere Vorsicht geboten. Mit einer Schraubensicherung (z. B. Loctite) können Schrauben z. B. an Lenker- und Vorbauklemmungen gesichert werden. Carobon oder Titan-Bauteile dürfen nicht geschmiert oder gefettet werden. Erfahrungsgemäß lässt sich eine geschmierte Schraube fester anziehen als eine trockene. Deshalb werden Anzugsmomente für einen trockenen Zustand angegeben.

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