Das richtige Drehmoment für Shimano Kettenblattschrauben

Das Thema Anzugsdrehmoment ist ein schwieriges Thema, besonders bei Kettenblattschrauben. In den jeweiligen Händlermontageanleitungen von Shimano findet man zwar immer auch die Drehmomente, aber man kann sich das geeignete Drehmoment auch in Tabellen suchen, wenn man weiss, was man dort zusammen schraubt.

Grundlagen zum Anzugsdrehmoment

Die FC-T8000 hat Kettenblattschrauben aus Stahl (vermutlich V2A), die in Aluminium (wahrscheinlich 6061) geschraubt werden. Die Gewindegröße ist M8. Gemäß der Normtabelle gilt je nach Festigkeitsklasse der verwendeten Schraube ein unterschiedlicher Wert für das zulässige Anzugsdrehmoment.

Für M8 liegen die Werte bei:

  • Festigkeitsklasse 5.6 = 11,69Nm
  • Festigkeitsklasse 6.8 = 18,70Nm
  • Festigkeitsklasse 8.8 = 24,93Nm

Nun ist aber das Material der Gewinde wichtig und entscheidend ist der niedrigere Wert. Für Stahlschrauben einfacher Güte und Titan gilt 8.8, für Edelstahl gilt 6.8 und für Aluminium gilt 5.6. Dabei ist sowohl das Gewinde im Material als auch das der Schraube zu berücksichtigen. Für eine Schraube aus Edelstahl in Aluminium gilt also Klasse 5.6 und damit 11,69Nm.

Einfluss von Schmierung

Bei Verwendung von Keramikpaste oder Fett (Keramikpaste sollte es bei Alu sein), vermindert sich der Reibwert im Gewinde. Bei gleichem Anzugsmoment wirkt mit Schmierung also mehr Kraft auf das Gewinde. Mit Schmierung sollte man daher 10% vom gewünschten Anzugsmoment abziehen. Das bedeutet für die Kettenblattschraube mit Schmierung also "rund" 10Nm.

So kann man sich das für die meisten Verschraubungen ableiten. Zumindest bei Komponenten aus Metall. Für Komponenten aus Kunstharz gelten abweichende Werte, die stehen aber in der Regel dran.

Montagepaste und ihre Unterschiede

Es ist wichtig, die richtige Montagepaste zu verwenden. Es gibt verschiedene Arten von Montagepasten:

  • Montagepaste (Langzeittrennmittel mit Feststoffbestandteilen zur Schmierung)
  • Kupferpaste (nur für Stahl geeignet)
  • Keramikpaste (für alle Materialien geeignet)
  • Carbon-Montagepaste / Gripping-Paste (reibungserhöhende Paste, nicht für Gewinde!)

Drehmomentwerte von Shimano

Shimano gibt in den Unterlagen für die Kettenblattbefestigung 8-11 Newtonmeter an. SRAM gibt 8-9 Newtonmeter bei Aluminium und 12-14 Newtonmeter bei Stahl an. Campagnolo gibt keine Spanne an, sondern nennt konkret 8 Newtonmeter. Persönlich würde ich Ihnen empfehlen, stets an die untere Grenze der vorgegebenen Drehmomente zu gehen. Das hat nach unserer Erfahrung in der Vergangenheit immer sehr gut funktioniert. Sollten sich Schrauben lösen, können Sie moderat erhöhen, jedoch keinesfalls über die obere Grenze des angegebenen Drehmoments hinaus gehen.

Anleitung zum Wechseln von Kettenblättern

Ein verschlissener Antrieb ist nicht nur nervig weil die Schaltung dann meistens nicht mehr sauber funktioniert, es kann sogar gefährlich werden. Wartet man zu lange mit dem Tauschen der Antriebskomponenten, kann die Kette beim Antreten durchrutschen. Dann trittst Du ins Leere und gehst im schlimmsten Fall über den Lenker, ist mir selber schon passiert. Deshalb zeige ich Dir hier wie Du den Verschleiß Deiner Kettenblätter erkennst und sie wechselst.

Kettenblatt Verschleiß

Bevor Du jetzt anfängst Deine Kettenblätter zu tauschen, kannst Du Dich noch vergewissern, ob das Kettenblatt wirklich verschlissen ist. Den Verschließ kannst Du an der Form der Zähne erkennen.

Im Bild sind drei Indikatoren für den Verschleiß angegeben.

  1. Durch die voranschreitende Abnutzung der Kettenblätter, werden auch die Grate auf den Zähnen immer größer.
  2. Die Zähne werden oben immer runder.
  3. Beim Treten wird die Kette vom Kettenblatt gezogen, deshalb wird der Zahn dieser Seite mehr abgenutzt.

Zum Vergleich: Die Zähne des oberen Kettenblattes sind neu. Oben ein neues und unten ein altes Kettenblatt.

Kette entfernen

Als Erstes solltest Du natürlich die Kette entfernen. Da man beim Kettenblattwechsel auch meistens die Kette tauscht, kannst Du diese mit einem Bolzenschneider durchschneiden. Das ist einfach und erspart Dir Zeit. Bevor Du die Kette durchknippst, schalte noch vorne und hinten auf die kleinsten Kettenblätter bzw. Ritzel, damit entspannst Du die Kette.

Kurbel ausbauen

Um die Kurbel auszubauen, musst Du als Erstes die Klemmschrauben, auf der antriebsabgewandten Seite des Kurbelarms, mit einem 5er Innensechskant lösen. Jetzt kann, mit dem Kurbelmontage-Werkzeug, die Kurbelschraube gelöst werden. Das Sicherungsblech im Klemmschlitz nicht vergessen. Jetzt kannst Du den Kurbelarm abnehmen. Pass aber auf, dass der Dichtungsring, der normalerweise mit ein wenig Fett im Kurbelarm sitzt, nicht verloren geht.

Alte Kettenblätter demontieren

Jetzt kannst Du die verschlissenen Kettenblätter demontieren. Direct Mount Kettenblätter werden nicht auf einem Spider verschraubt, hier sitzt das Kettenblatt direkt auf der Kurbel. Es wird von einer Mehrfachverzahnung mitgenommen und mit Schrauben (je nach Standart unterschiedlich viele) von hinten fixiert. Schrauben zur Fixierung des Kettenblattes lösen.

Vor dem Einbau der Neuteile - Alles sauber machen

Wenn die Kettenblätter demontiert sind, macht es Sinn, die Achse und die Kettenblattaufnahme gründlich zu säubern. Die Kurbel gründlich mit Bremsenreiniger sauber machen. Jetzt kannst Du noch die Kettenblattschrauben reinigen. Auch die Tretlagerdichtungsringe hinter den Kurbelarmen können oft eine Reinigung vertragen.

Neues großes Kettenblatt montieren

Sieht alles wie neu aus?! Dann kannst Du jetzt die Kettenblätter montieren. Dabei fängst Du immer mit dem größten Kettenblatt an. Damit die Steighilfen am Kettenblatt richtig arbeiten können, muss das Kettenblatt in der richtigen Position am Spider festgeschraubt werden.

Montage der Kurbel

Vor dem Einschieben solltest Du die Achse sorgfältig fetten, am saubersten geht das mit einem Pinsel in entsprechender Breite. Jetzt kannst Du die Achse wieder durch das Tretlager schieben. Bevor Du jetzt den anderen Kurbelarm aufschiebst, solltest Du die Achse auch auf dieser Seite nochmal kurz einfetten. Achte dabei aber auf den Dichtring im Kurbelarm; die Gummiseite des Rings zeigt immer Richtung Tretlager.

Jetzt musst Du das Sicherungsblech im Klemmschlitz der Kurbel wieder hinunterdrücken. Jetzt kannst Du die Kurbelschraube festziehen. Falls die Schraube fest ist, die Kurbel aber noch nicht richtig sitzt, kannst Du die Kurbel auch mit leichten Hammerschlägen weiter eintreiben. Wenn sich die Kurbel durch die Schläge noch setzt, musst Du danach die Kurbelschraube nochmal anziehen. Stelle sicher, dass die Kurbel richtig sitzt.

Als Letztes musst Du die Kurbel noch mit der Innensechskantschraube klemmen. Nutze zum Festziehen der Schraube einen Drehmomentschlüssel und achte auf die angegebenen Werte. Oft steht das Drehmoment direkt neben dem Schraubenloch. Nutze für die Klemmschraube auf jeden Fall einen Drehmomentschlüssel. Wenn jetzt der Drehmomentschlüssel klickt, bist Du fast fertig. Nur noch die Kette wieder montieren und go. Also dann viel Spaß beim Wiederverschleißen.

Drehmomenttabelle für Fahrradteile

Hier findet ihr eine Tabelle mit den jeweiligen Anzugsmomenten für Fahrradteile und Schrauben. Die meisten Schrauben am Fahrrad benötigen ein Drehmoment zwischen 2 Nm und 20 Nm. Beim Antrieb, der höheren Belastungen ausgesetzt ist, werden oft auch mal 40 Nm benötigt. Die richtig dosierte Kraft schütz Zubehörteile, Schrauben und Gewinde vor Beschädigungen. Bei Carbonrahmen oder Anbauteilen unbedingt Montagepaste (kein Öl) verwenden, um das Anzugsdrehmoment zu verringern. Am besten auch immer die Angaben des Herstellers beachten.

Bauteil Nm (Newtonmeter) Benötigtes Werkzeug
Kettenblattschraube 6 - 11 Inbusschlüssel 6 mm
Kurbelschraube 35 - 50 Inbusschlüssel 8 mm und Kurbelschraubengegenhalter
Pedalachse 35 - 40 Inbusschlüssel 6 mm o. Pedalschlüssel 13

Hinweis: Die genannten Anzugsmomente sind Richtwerte. Bitte beachte für jedes Bauteil die genannten Werte des Herstellers.

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