Die Einstellung und der Zustand der Lenkkopflager haben bei allen Motorrädern maßgeblichen Einfluss auf das Lenk- und Fahrverhalten. Denn bei einer Fehleinstellung hat der Kurvenspaß schnell ein Loch.
Warum ist die richtige Einstellung des Lenkkopflagers wichtig?
Lenkkopflager haben einen harten Job: Beim Bremsen stemmt sich über den Hebelarm der Gabel bis zu eine Tonne Biegelast auf das untere Lenkkopflager. Jedes Schlagloch drischt erbarmungslos auf die kleinen Wälzkörper ein. Unter solchen Bedingungen ist es kein Wunder, dass die Lager oft schon nach 20.000 Kilometern die Grätsche machen. Dann heißt es: austauschen. Denn nur ein absolut leichtgängiges, reibungsarmes Lager garantiert ein neutrales Lenkverhalten.
Haben sich die Wälzkörper der Kugel- oder Kegelrollenlager in die Oberfläche der Lagerschalen eingearbeitet, hakt die Lenkung in Geradeausstellung leicht ein und kann sich nicht mehr auspendeln. Dieses Auspendeln ist aber entscheidend. Bei jeder Kurvenfahrt ist die Lenkung zur Kurveninnenseite eingeschlagen. Während beim Rangieren in der Stadt dieser Winkel den gesamten Lenkeinschlag beansprucht, sind es bei höherem Tempo und großer Schräglage nur noch etwa ein bis zwei Grad. Das sind am Lenkerende gemessen rund 6 Millimeter pro Grad Lenkwinkel.
Sind permanente Lenkkorrekturen nötig? Und genau über diesen kleinen Bereich muss sich die Lenkung extrem sensibel und widerstandslos anpassen können. Klemmen die eingelaufenen oder zu stramm justieren Wälzkörper, muss der Fahrer die Maschine in Schräglage durch permanente Lenkkorrekturen auf der Linie halten, was meist zu einem kippeligen, unrunden Fahrverhalten führt. Da sich der Verschleiß langsam anbahnt, nimmt der Fahrer die negativen Lenkeigenschaften oft nicht bewusst wahr und wundert sich nur, dass er selbst auf der Hausstrecke nur noch mit Mühe die richtige Kurvenlinie erwischt.
Sie (ver)zweifeln an Ihrem Fahrkönnen? Dann kontrollieren Sie einfach mal die Lenkkopflager. Ein weiteres Indiz für ein defektes oder falsch eingestelltes Lager: Bei langsamer Fahrt kippelt die Maschine wie bei einem zu stramm justierten Lenkungsdämpfer, beim freihändigen Ausrollen muss der Fahrer die Maschine akrobatisch mit dem Oberkörper ausbalancieren. Hat das Lenkkopflager zu viel Spiel, verstärken sich meist die Motorvibrationen in den Lenkern, zudem leidet die Spurstabilität. Auch das gefürchtete Lenkerschlagen, neudeutsch Kickback, kann wegen der verringerten Lagerreibung früher und stärker einsetzen. Der Verschleiß an Wälzkörper und Lagerschalen nimmt zu, da sie verstärkt Stößen und Vibrationen ausgesetzt sind.
Überprüfung des Lenkkopflagers
Die Überprüfung erfolgt im Stand bei entlastetem Vorderrad. Dazu kann die Maschine vorsichtig nach links über den Seitenständer gekippt werden. Jetzt wird der Lenker mit zwei Fingern (siehe Foto-Show) und leichten Lenkbewegungen aus der Geradeausstellung heraus etwa 30 Millimeter nach links und rechts bewegt. Ist eine Rasterstellung fühlbar, müssen die Lager erneuert werden.
Dreht sich die Lenkung nur mit einem spürbaren Widerstand und fällt nicht von selbst zur Seite, ist das Lager zu stark vorgespannt und muss mit mehr Spiel eingestellt werden. Bei dieser Prüfung darauf achten, dass keine verspannten Kabelleitungen oder Züge die Freigängigkeit der Lenkung beeinträchtigen. Bei Motorrädern mit Lenkungsdämpfer muss dieser zur Überprüfung ausgehängt sein. ACHTUNG: In diesem Zustand auf keinen Fall fahren - Sturzrisiko durch blockierte Lenkung!
Ein zu lose eingestelltes Lagerspiel lässt sich feststellen, indem man das Motorrad bei gezogener Vorderradbremse kräftig schiebt und eintaucht. Ist ein leichtes Klackern zu hören oder zu spüren, wird bei diesem Vorgang der Daumen so an das obere Lager angelegt, dass etwaiges Spiel an einer ruckartigen Verschiebung zwischen Lenkkopf und Gabelschaftrohr/Einstellmuttern spürbar ist. BEACHTEN: Auch schwimmend gelagerte Bremsscheiben oder Bremsbeläge können Klackergeräusche verursachen.
Einstellung des Lenkkopflagers
Muss das Lager nachjustiert werden, ist eine Demontage der oberen Gabelbrücke und eine Sichtprobe zu empfehlen. Als provisorische Lösung für unterwegs können die Nutmuttern auch bei montierter, aber gelöster Gabelbrücke und Zentralmutter nachgestellt werden. Dazu ist ein schlanker Durchschlag oder Dorn notwendig, mit dem die gekonterten Nutmuttern durch leichte Hammerschläge in die gewünschte Richtung gedreht werden (siehe Foto-Show). Bei allen Arbeiten am Lenkkopf sollte der Tank vorher mit einer stoßfesten Textildecke oder Schaumstoff abgedeckt werden, um Beschädigungen wie Beulen oder Kratzer zu vermeiden.
Bei entlasteter Front wird die obere Zentralmutter am Lenkschaft entfernt sowie die Gabelbrückenklemmung gelöst und die Gabelbrücke gleichmäßig ohne zu verkanten nach oben abgezogen. Unter den gekonterten Nutmuttern und dem Dichtring sitzen die Lager, deren Außenringe auf eine solide Fettfüllung und vor allem auf Beschädigung und Ausbrüche überprüft werden. Ohne Befund werden die Teile gereinigt und frisch gefettet wieder eingesetzt. Auch der Dichtring bekommt sein Fett ab, damit die Dichtlippen möglichst wenig Reibung aufbauen und besser vor Wasser und Staub schützen.
Nach der Montage wird die untere Nutmutter mit 10 Nm Drehmoment gegen die Lager angezogen, damit diese stramm in den Sitz gepresst werden. Danach wird die Einstellmutter vorsichtig wieder um eine sechstel Umdrehung geöffnet und mittels Hakenschlüssel gekontert. Bei einigen Modellen von Yamaha ist zwischen den Nutmuttern ein Gummiring eingelegt, gegen den die Muttern verspannt und mit einer Blechlasche gesichert werden. Eine umstrittene Lösung, da sich die Nutmuttern unter Belastung gegen den Gummiring stemmen und sich somit das Spiel vergrößert.
Sind die Muttern gekontert, wird das Spiel geprüft und wenn nötig absolut spielfrei, aber leichtgängig nachjustiert. Das korrekte Spiel im Lenkkopflager ertüfteln selbst Spezialisten oft erst nach mehreren Anläufen. Ist die Gabelbrücke montiert, und sind die Klemmungen festgezogen, muss das Spiel nochmals kontrolliert werden, da sich die Nutmuttern unter dem hohen Anzugsmoment der Zentralmutter setzen können. Nach einer anschließenden Probefahrt mit einem Dutzend harter Bremsungen erneut Spiel und Freigängigkeit prüfen. Alles bestens?
Austausch des Lenkkopflagers
Bei der Wartung musste ich feststellen, dass mein originales Lenkkopflager (LKL) nicht mehr das Beste ist und so habe ich entschlossen das alte LKL mit Kugeln gegen ein neues LKL mit Kegelrollen zu ersetzen.
- hintere Kanzelecken leicht aufbiegen und Kanzel nach vorn abziehen.
- Seitenteile mit z.B.
- Bremssättel abschrauben (Steckschlüssel 10mm) und mit z.B. Seil am Geweih befestigen.
- Lenkerböcke mit z.B.
- das neue Lager gleichmässig aufpressen - dazu die alte Lagerschale verkehrtherum auflegen, darauf ein Metallrohr (Innendurchmesser 35-40mm) und das neue zuvor erhitzte Lager aufpressen.
- alte Lagerschalen im Rahmen mit z.B.
- untere Gabelbrücke einsetzen.
- Gabelholme einbauen Gabelholme in die Gabelbrücken so einstecken, dass sie 15mm aus der oberen Gabelbrücke herausragen.
- Spritzschutz anbringen. Dabei wieder auf die Drehbarkeit der Gleitrohre zurückgreifen.
Ist das nicht der Fall ist das LKL zu straff eingestellt und muss gelockert werden. Wenn jetzt nur noch folgende Teile übrig sind ist das schon mal ein gutes Anzeichen dafür, dass nichts vergessen wurde.
Drehmomentwerte und Anzugsmomente
Die gefundenen Angaben sind wenig konkret - mal ist die Rede von „kein Kippspiel“, "leichtgängig", „leichte Schwergängigkeit“ usw. Bei Zeebulon habe ich dann eine Drehmomentangabe gefunden: 12 Nm. Mit diesem Drehmoment ist das Lager aber schon recht zäh-gängig (nur Gabelbrücke mit Standrohren, ohne Tauchrohr und Rad).
Es gibt auch Informationen zu anderen Motorradmodellen, wie der GSX-R 1000 K3:
- Die Mutter ganz oben wird mit 90 angezogen (normale Nuss).
- Die untere sollte mit 45 angezogen werden, danach 5-6 mal bewegen und halbe Umdrehung lösen.
- Die zweite Sicherungsmutter (auch spez.) soll mit nur 18nm angezogen werden.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Drehmomentwerte je nach Motorradmodell variieren können. Daher sollte man sich immer an die Angaben im Werkstatthandbuch halten.
Hinweise zur Einstellung ohne Drehmoment
Es gibt auch Meinungen, dass mit Drehmomentwerten beim LKL nichts anzufangen ist. Hier braucht es Gefühl und Erfahrung. Und genau darum steht auch in den diversen Handbüchern in Punkto LKL nix von Drehmoment. Zieh das LKL so weit an, dass es leicht klemmt.
Einige Benutzer haben auch die Erfahrung gemacht, dass das Knacken von der oberen Gabelbrücke kommt, die unter der Mutter in der Mitte Spiel hat und sich leicht bewegt.
Empfehlungen für Lagerlieferanten
Zu den empfohlenen Lagerlieferanten gehören Steyr und FAG.
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