Drehmomentberechnung für Motorradspeichen

Speichenräder sind ein charakteristisches Merkmal klassischer Motorräder und prägen deren Optik und Fahrverhalten entscheidend. Damit Sie mit ihrem Oldtimer-Motorrad sicher und originalgetreu unterwegs sein können, müssen Speichen und Felgen sorgfältig ausgewählt, fachgerecht eingespeicht und regelmäßig gewartet werden.

Grundlagen der Speichenräder

Bereits im alten Ägypten vor mehr als 3000 Jahren kannte man Speichenräder. Sie lösten nach und nach die Scheibenräder ab. Die Konstruktion dieser ersten Speichenräder war so ausgelegt, dass im Gegensatz zu modernen Rädern die verwendeten Speichen auf Druck belastet wurden. Dadurch mussten die Speichen sehr stabil ausgelegt werden. Dies änderte sich erst zum Ende des 19. Jahrhunderts mit der Einführung der Tangentialspeichung. Bei diesem Prinzip werden die Speichen auf Zug belastet. Da das verwendete Material weit mehr zugstabil als druckstabil ist, war der Weg für leichtere Konstruktionen frei.

Drahtspeichenräder wurden/werden seit dem Ende des 19. Jahrhunderts für Automobile, Flugzeuge, Motorräder, Dreiräder, Fahrräder, Rikschas, Trikes und viele andere auch artfremde Anwendungszwecke verwendet. Verschiedenste Konstruktionen finden immer größeren Einzug in die Gesellschaft. Hierbei werden Motoren sowohl im Rad als auch im Rahmen von Elektrobikes und Elektrofahrrädern verbaut. Dabei werden die Akkus immer kleiner und ebenfalls in möglichster Nähe zu den Motoren untergebracht.

Bestandteile eines Speichenrades

  • Nabe: Die Nabe bildet das Zentrum des Rades und ist mit der Achse verbunden.
  • Felge: Die Felge ist der äußere Ring des Rades, auf dem der Reifen montiert wird.
  • Speichen: Die Speichen verbinden Nabe und Felge und übertragen die Last.
  • Nippel: Die Nippel verbinden die Speichen mit der Felge und ermöglichen das Spannen der Speichen.

Das Einspeichen eines Rades

Das Einspeichen eines Rades - also das Montieren der Speichen zwischen Nabe und Felge - ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die jedoch mit dem richtigen Wissen und Werkzeug auch von geübten Hobbyschraubern gemeistert werden kann. Im Folgenden erläutern wir Ihnen die Grundlagen der Einspeichmuster, benötigte Werkzeuge sowie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einspeichen und Zentrieren einer Motorradfelge.

Einspeichmuster

Motorrad-Speichenräder haben meist ein Kreuzungsmuster: Die Speichen jeder Radseite kreuzen sich untereinander ein- oder mehrfach, um die nötige Stabilität zu erreichen. Üblich sind je nach Naben- und Felgendurchmesser 2-fach gekreuzte oder 3-fach gekreuzte Muster (seltener 4-fach bei sehr vielen Speichen). Ein klassisches Beispiel: Eine EMW R35 von 1952 hat 36 Speichen, die zweimal gekreuzt eingespeicht sind.

Wichtig ist außerdem die Unterscheidung von “führenden” und “folgenden” Speichen innerhalb des Muster. Dabei bezeichnet man als führend die Speichen, deren Kopf (Haken) innen am Nabenflansch anliegt, und als folgend jene, deren Kopf außen am Flansch liegt. Führende Speichen sind in der Regel etwas anders gebogen (ca. 85° Winkel am Haken) als folgende (ca. 95°). In einem typischen Motorrad-Rad wechseln sich diese Speichenarten ab, sodass pro Radseite meist zwei Gruppen entstehen (halbseitig führende, halbseitig folgende Speichen). Dieses System sorgt für ein symmetrisches Speichenbild bzw. Felgenbild und verteilt die Zugkräfte gleichmäßig.

Wer zum ersten Mal einspeicht, sollte das ursprüngliche Speichenmuster des Rades dokumentieren - etwa durch Fotos oder Skizzen. So kann man sich beim Neuaufbau daran orientieren. Muss nur die Felge gewechselt und die alten Speichen wiederverwendet werden (sofern sie einwandfrei sind), hilft ein Trick: Alle Speichenkreuzungen mit Klebeband fixieren, dann die Nippel lösen und Nabe samt ganzem Speichenkranz aus der alten Felge nehmen. Die neue Felge in gleicher Lage (Ventilloch-Position beachten!) einsetzen und die Nippel wieder anziehen - so bleibt das Muster erhalten.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einspeichen

  1. Vorbereitung: Positionieren Sie Nabe und Felge auf der Werkbank. Achten Sie darauf, dass die Felge richtig ausgerichtet ist, was oft durch ein Ventilloch angezeigt wird. Eine genaue Abnahme der Maße ist dabei wichtig. Wichtig ist dabei das Höhenverhältniss von Felge und Nabe zu beachten, damit dieses nach der Wartung identisch ist. Markieren Sie die Laufrichtung an Nabe und Felge, falls nötig, und fetten Sie alle Gewinde und Bohrungen. Bei neuen Felgen ist es wichtig die Bussung (dies bezeichnet den Austrittswinkel der Speichennippel innerhalb des Felgenrings) richtig zubeachten, da sonst die Speichen nicht im richtigen Winkel stehen und sich evtl.
  2. Einspeichen beginnen: Starten Sie mit einer Gruppe führender Speichen auf einer Seite und fädeln Sie jede Speiche durch den Nabenflansch ins entsprechende Felgenloch ein. Ziehen Sie direkt einen Nippel auf jede eingefädelte Speiche, um das Herausfallen zu verhindern. Folgen Sie dem vorhandenen oder einem typischen Muster und setzen Sie die Speichen gleichmäßig.
  3. Vorspannen der Speichen: Sobald alle Speichen locker eingesetzt sind, beginnen Sie diese gleichmäßig anzuziehen. Starten Sie nahe dem Ventilloch und ziehen Sie jeden Nippel schrittweise fester an, bis alle Speichen leicht gespannt sind.
  4. Felge grob ausrichten: Korrigieren Sie zuerst den Seitenschlag, indem Sie das Rad drehen und die Felge auf Abweichungen prüfen.
  5. Höhenschlag korrigieren: Beobachten Sie beim Drehen des Rades die Felgenkante, um Höhenschläge zu identifizieren.
  6. Zentrierung prüfen: Stellen Sie sicher, dass die Felge zentriert über der Nabe sitzt.
  7. Feinjustierung der Spannung: Bringen Sie alle Speichen auf ihre endgültige Spannung.
  8. Endkontrolle und Montage des Felgenbandes: Überprüfen Sie das Rad auf verbleibende Unregelmäßigkeiten in der Ausrichtung.

Wartung und Pflege von Speichenrädern

Ein speichenbespanntes Rad erfordert regelmäßige Pflege, um sein gutes Aussehen und seine Funktion zu erhalten, insbesondere bei Oldtimer-Motorrädern mit ihren oft chromblitzenden Rädern. Diese sorgfältige Wartung schützt vor Korrosion, bewahrt die Originalität und verlängert die Lebensdauer der Räder erheblich.

Reinigung

Zur Reinigung sollten die Räder je nach Nutzung und Witterung in sinnvollen Abständen gereinigt werden, wobei warmes Wasser, ein milder Felgenreiniger, eine weiche Bürste und ein Mikrofasertuch zum Einsatz kommen sollten. Nach der Reinigung ist es wichtig, die Räder gründlich abzuspülen und zu trocknen, um Rostbildung zu vermeiden. Bei Bedarf können leichte Korrosionsspuren mit speziellen Poliermitteln oder sogar Alufolie, die in Wasser getaucht wird, entfernt werden.

Schutz vor Korrosion

Um die Speichen und Felgen vor Rost zu schützen, besonders in feuchten Wintermonaten oder regenreichen Umgebungen, sollte nach jeder Wäsche ein Schutzfilm aus Öl oder Wachs aufgetragen werden. Vor der Einlagerung über den Winter sollte ein Korrosionsschutzmittel großzügig aufgetragen werden, um die Räder zu schützen.

Herausforderungen bei der Restaurierung

Bei der Restaurierung von Oldtimer-Motorrädern stellt die Wahl der richtigen Speichen und Felgen eine besondere Herausforderung dar, besonders bei seltenen Modellen mit ungewöhnlichen Größen und Standards. Für die Berechnung der richtigen Speichen gibt es Methoden, diese können Sie auf den Grafiken bei den Fotos übernehmen. Es ist wichtig, historische Ersatzteilkataloge oder Restaurierungshandbücher zu konsultieren, um die richtigen Spezifikationen zu ermitteln. Solche Dokumente bieten oft detaillierte Angaben zu den benötigten Speichen und Felgen, was die Suche erheblich erleichtert.

Felgen für Oldtimer-Motorräder werden meistens nach ihrem Durchmesser in Zoll und ihrer Breite klassifiziert. Frühere Modelle hatten oft Hochschulter-Felgen, während später Tiefbettfelgen üblich wurden. Bei der Auswahl ist es wichtig, den Felgentyp zu berücksichtigen, der zum Baujahr des Motorrads passt, um die Originalität zu wahren.

Material und Ausführung

In Bezug auf Material und Finish bietet Motorrad Meister Milz Speichen in mehreren Ausführungen: vernickelt, verchromt, schwarz verchromt und blank, je nach Originalspezifikationen der Oldtimer. Vernickelte Speichen bieten einen warmen Glanz, sind aber weniger korrosionsbeständig als Chromspeichen, die einen dauerhaften Rostschutz bieten. Alle von Motorrad Meister Milz angebotenen Stahlspeichen werden von renommierten Herstellern wie WWS Drahtspeichen GmbH gefertigt, die für ihre hohe Qualität und Langlebigkeit bekannt sind.

Relevante Aspekte und Überlegungen

  • Speichenspannung: Eine gleichmäßige Speichenspannung ist entscheidend für die Stabilität und Lebensdauer des Rades.
  • Felgenbohrungen: Die Felgenbohrungen sollten ca. 0,5 mm größer als der Schaftdurchmesser des Nippels sein.
  • Speichenbruch: Beim Speichenbruch einzelner Speichen sollte das gesamte Laufrad umgehend von einer Fachwerkstatt überprüft werden.
  • Reifen: Reifen müssen gemäß §36 Abs.2 StVZO eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm aufweisen.
  • Drehmoment: Die meisten Schrauben am Fahrrad benötigen ein Drehmoment zwischen 2 Nm und 20 Nm.

Anzugsmomente für Fahrradteile (Richtwerte)

Die genannten Anzugsmomente sind Richtwerte. Bitte beachte für jedes Bauteil die genannten Werte des Herstellers. Drehmomentschlüssel sollten nicht zum Öffnen hartnäckiger Schrauben verwendet werden. Ein Drehmomentschlüssel ist ein Messwerkzeug und sollte auch dementsprechend behandelt werden. Ein Drehmomentschlüssel sollte bei eingestellten 0 Nm gelagert werden. An Carbon-Rahmen ist besondere Vorsicht geboten. Mit einer Schraubensicherung (z. B. Loctite) können Schrauben z. B. an Lenker- und Vorbauklemmungen gesichert werden. Carobon oder Titan-Bauteile dürfen nicht geschmiert oder gefettet werden. Erfahrungsgemäß lässt sich eine geschmierte Schraube fester anziehen als eine trockene. Deshalb werden Anzugsmomente für einen trockenen Zustand angegeben.

Bauteil Nm (Newtonmeter) Benötigtes Werkzeug
Abdeckkappe in Schaftrohrkralle 3-4
Ahead-Kralle 2,5-3
Bar Ends 15-17 Inbusschlüssel 8 mm
Bremshebel (Unterrohrmontage) 5-7 Inbusschlüssel 4 mm
Bremshebelschelle 2.5-3 Kreuzschlitzschraubendreher
Bremshebelschelle 6-8 Inbusschlüssel 4 mm
Bremszuggegenhalter 6-8 Inbusschlüssel 4 mm
Cantileverbremse - Belagfixierung 1-2 Kreuzschlitzschraubendreher
Cantileverbremse - Bremsschuh 8-9 Maulschlüssel 10
Cantileverbremse - Sockel 5 - 7 Inbusschlüssel 5mm
Cantileverbremse - Zugklemmung 6 - 9 Inbusschlüssel 5 mm
Cleats (SPD) 5 - 8 Inbusschlüssel 4 mm
Freilauf - Freilaufkörper 35 - 50
Freilauf - Kassette (Konterring HG) 30 - 50 Spezialwerkzeug
Innenlager Konus 60 - 70 Konusschlüssel 36 oder 40 mm
Innenlager Patrone 50 - 70 Spezialwerkzeug
Kettenblattschraube 6 - 11 Inbusschlüssel 6 mm
Kurbelschraube 35 - 50 Inbusschlüssel 8 mm und Kurbelschraubengegenhalter
Nabe - Achsmutter 20 - 40 Konusschlüssel 15
Nabe - Konus-Kontermutter 10 - 25 Konusschlüssel 13, 14
Nabe - Schnellspannhebel 9 - 12 Schnellspannhebel
Pedalachse 35 - 40 Inbusschlüssel 6 mm o. Pedalschlüssel 13
Sattelklemmung doppelt 8 - 14 Inbusschlüssel 4 mm
Sattelklemmung einfach 14 - 34 Inbusschlüssel 5 mm
Sattelstützeklemmung 8.5 - 11.5 Inbusschlüssel 5 mm oder Schnellspannhebel
Schaltbremshebel - Schelle 2.5 - 3 Kreuzschlitzschraubendreher
Schaltbremshebel - Schelle 6 - 8 Inbusschlüssel 5 mm
Schalthebel - Daumenschalter 2.5 Inbusschlüssel 3 mm
Schalthebel - Drehgriff 1.5 Inbusschlüssel 3 mm
Schaltwerk - Befestigungsbolzen 8 - 10 Inbusschlüssel 5 mm
Schaltwerk - Schaltröllchen 3 - 4 Inbusschlüssel 5 mm
Schaltwerk - Zugklemmung 4 - 7 Inbusschlüssel 5 mm
Scheibenbremse - Bremsklotz 5
Scheibenbremse - Bremssattel 5
Scheibenbremse - Nabe (6-Loch-Aufnahme) 5
Seitenzugbremse - Bremskörper 8 - 10 Inbusschlüssel 5 mm, Maulschlüssel 10, 12, 13
Seitenzugbremse - Bremsschuh 5 - 9 Maulschlüssel 10 mm
Seitenzugbremse - Zugklemmung 5 - 8 Inbusschlüssel 5 mm
Steuersatz - A-Head-Klemmung 17 - 20 Inbusschlüssel 5 mm
Steuersatz - Klemmschraube Konus 20 - 30 Inbusschlüssel 6 mm
Steuersatz - Kontermutter 34 Konusschlüssel 32, 36, 40 mm
Umwerfer - Befestigungsschelle 5 - 7 Inbusschlüssel 5 mm
Umwerfer - Lötsockel 7 Inbusschlüssel 5 mm
Umwerfer - Zugklemmung 5 - 7 Inbusschlüssel 5 mm
V-Brake - Sockel 5 - 7 Inbusschlüssel 5 mm
V-Brake - Bremsschuh 6 - 8 Inbusschlüssel 5 mm
V-Brake - Zugklemmung 6 - 8 Inbusschlüssel 5 mm
Vorbau - Lenkerklemmung 11 - 30 Inbusschlüssel 5 mm

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