Ein Drehmomentschlüssel ist ein unverzichtbares Werkzeug für jeden Motorradfahrer, der Wartungs- und Reparaturarbeiten selbst durchführen möchte. Er ermöglicht das präzise Anziehen von Schrauben und Muttern mit dem vom Hersteller vorgegebenen Drehmoment, was für die Sicherheit und Langlebigkeit des Motorrads entscheidend ist. Dieser Artikel bietet eine umfassende Kaufberatung, um den richtigen Drehmomentschlüssel für Ihre Bedürfnisse zu finden.
Warum ein Drehmomentschlüssel für das Motorrad?
Schrauben und Muttern am Bike sollten fest und spielfrei sitzen. Wenn es um Schraubverbindungen am Motorrad geht, spielt das Drehmoment eine große Rolle. Für so gut wie jede Mutter und Schraube am Motorrad gibt es einen festgelegten Wert für das Drehmoment in Newtonmeter (Nm), mit dem sie angezogen werden sollte. Das Drehmoment ist die Kraft, die in einem radialen Abstand aufgebracht wird, und misst in dem Fall, wie fest eine Schraubverbindung angezogen wird.
Es ist überaus sinnvoll, dass Fahrzeug- und auch Zubehörhersteller für praktisch jede Schraubverbindung ein genau definiertes Anzugsmoment vorgeben. Und diese Werte sollten besonders bei sicherheitsrelevanten Verbindungen wie zum Beispiel Achsmuttern, Bremssattelbefestigungen, Standrohr- und Lenkerklemmungen und Federbeinbefestigungen tunlichst eingehalten werden.
Der einzige Weg, um sicherzugehen, dass das richtige Drehmoment angewendet wird, ist die Verwendung eines Drehmomentschlüssels.
Was passiert bei falschem Drehmoment?
Präzises Arbeiten ist sehr wichtig. Dazu zählt auch das korrekte Einstellen des erforderlichen Drehmoments. Ist die Schraube zu fest angezogen, kann das Bauteil beschädigt werden und zu teuren Folgeschäden führen. Sitzt eine Schraubverbindung nicht fest genug, kann sie sich lösen. Sind beispielsweise Bauteile der Aufhängung zu locker angezogen, kann es zu gefährlichen Bewegungen kommen, die im schlimmsten Fall zu schweren Unfällen führen können.
Arten von Drehmomentschlüsseln
Es gibt verschiedene Arten von Drehmomentschlüsseln, die sich in ihrer Funktionsweise und Genauigkeit unterscheiden:
- Anzeigende Drehmomentschlüssel: Das einfachste Modell arbeitet mit einer analogen Nm-Skala und wird als Anzeigender Drehmomentschlüssel bezeichnet. Hier muss die Skala immer genau im Auge behalten werden, denn der Schlüssel stoppt oder "knackt" nicht bei Erreichen des gewünschten Drehmoments. Bei Erreichen des nötigen Newtonmeter-Werts muss man die Drehbewegung selbst stoppen.
- Auslösende Drehmomentschlüssel (Knack-Schlüssel): In ihnen steckt ein kleiner Klapphebel, der durch eine Feder gespannt wird. Dieser Hebel hängt an einer kleinen Nase und rutscht bei zunehmender Kraft irgendwann über. Schlägt er dann gegen die Wandung, wird das bekannte Knack-Geräusch erzeugt. Diese sogenannten auslösenden Drehmomentschlüssel gibt es entweder mit einer analogen oder digitalen Anzeige des einstellbaren Drehmoments in Newtonmeter, um eine noch größere Genauigkeit zu erreichen.
- Slipper-Drehmomentschlüssel: Sogenannte »Slipper« arbeiten dagegen wie eine Ratsche. Ein Mitnehmer überträgt die Bewegung so lange auf den Schraubenantrieb, bis das eingestellte Drehmoment erreicht ist. Dann rutscht der Antrieb einfach durch. Klar im Vorteil sind die Slipper-Drehmomentschlüssel, da hier beim Erreichen des gewünschten Drehmoments keine Kraftübertragung mehr stattfindet. Bei Knack-Schlüsseln muss man hingegen auf das Knacken achten und sofort den Druck wegnehmen.
- Digitale Drehmomentschlüssel: Praktischer und einfacher sind dagegen digitale Drehmomentschlüssel.
Wichtige Auswahlkriterien
Bei der Auswahl eines Drehmomentschlüssels für das Motorrad sollten folgende Kriterien berücksichtigt werden:
- Drehmomentbereich: Die meisten Bauteile an den Maschinen benötigen ein Drehmoment zwischen drei und 200 Nm. Große Schlüssel decken allerdings häufig nur einen Bereich zwischen 40 und 200 Nm ab. Während das für stark beanspruchte Bauteile wie die Verschraubung der Räder passt, benötigen kleinere Bauteile wie die Lenkerklemmung weit weniger Newtonmeter. Es ist ratsam, zwei Drehmomentschlüssel anzuschaffen, um den gesamten Bereich abzudecken.
- Genauigkeit: Drehmomentschlüssel arbeiten im Inneren rein mechanisch und auf sie wirken große Kräfte ein. Trotzdem sollen sie möglichst genau arbeiten. Um das zu garantieren, legen einige Hersteller ihren Drehmomentschlüsseln ein Prüfprotokoll bei. Damit man sich auf dieses Prüfprotokoll verlassen kann, erhalten die Drehmomentschlüssel eine eigene Seriennummer, die ebenfalls auf dem Prüfprotokoll eingetragen wird.
- Antriebsgröße: Ein weiteres Auswahlkriterium sollte der Antrieb sein, wobei alle hier getesteten Drehmomentschlüssel mit einem 1/2-Zoll- Vierkant ausgestattet sind. Mit 1/4- und/oder 3/8-Zoll-Drehmomentschlüsseln ist der gewissenhafte Schrauber deutlich besser bedient.
- Ablesbarkeit und Einstellung: Leicht einstellbar, gut ablesbar und eine hohe Genauigkeit zeichnen den Ergotorque Precision von KS Tools aus.
Anzeige des Drehmoments
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie das eingestellte Drehmoment angezeigt wird:
- Zahlenband: Die einfachste und zeitgleich leider auch ungenaueste Ablesemöglichkeit stellt ein Zahlenband dar. Wie bei einem Maßband, ist in einem kleinen Fenster die Zahlenfolge des einzustellenden Drehmoments zu sehen. Die Zahl, die zu sehen ist, ist das eingestellte Drehmoment. Einzelne Unterteilungen durch Striche oder anderweitige Markierungen gibt es leider nicht.
- Skala mit Drehring: Die zweite Variante ist zweiteilig und besteht aus eine Skala, an der sich die aktuelle Einstellung meist in 10er-Schritten ablesen lässt, und einem Drehring am Griff, der die Skala abermals in 1er-Schritte unterteilt. Wie genau die Skala durch den Drehgriff unterteilt wird, hängt von der Steigung des Gewindes im Griff ab. Bei einigen Drehmomentschlüsseln verstellt sich die Einstellung bei jeder Griffumdrehung um 10 Nm.
- Skala mit Drehgriff: Eine dritte Variante verbindet die Skala mit dem Drehgriff. Viele Heimwerker kennen diese Methode sicher von Bügelmessschrauben. Ganz einfach ist das Ablesen allerdings nicht.
Empfehlungen für Drehmomentschlüssel
Im Folgenden werden einige empfehlenswerte Drehmomentschlüssel für Motorräder vorgestellt:
Drehmomentschlüssel bis 200 Nm
- Hazet 5122-2CT: Der Werkzeughersteller Hazet aus Remscheid führt diverse Drehmomentschlüssel im Sortiment. Ein beliebtes Modell ist der 5122-2CT.
- Proxxon MC 200: Sowohl bei Hobbyschrauber:innen als auch Profis beliebt ist die Marke Proxxon. Natürlich darf ein Drehmomentschlüssel im Portfolio nicht fehlen. Bei dem MC 200 handelt es sich ebenfalls um einen auslösenden ½ Zoll-Schlüssel, der einen Anzugsbereich zwischen 40 und 200 Nm abdeckt.
- Gedore Blau Torcoflex: In schickem Schwarz präsentiert sich der Gedore Blau Torcoflex Drehmomentschlüssel. Wie bei den vorangegangenen Modellen nutzt dieser eine ½ Zoll-Aufnahme und ist somit für Arbeiten geeignet, die nach etwas mehr Drehmoment verlangen.
Kleine Drehmomentschlüssel für präzise Arbeiten
- Wera Click-Torque C1: In der Schrauberszene hat sich die Firma Wera bereits vor langer Zeit einen Namen gemacht.
- Hyundai TW59563: Nicht nur Autos, sondern auch Werkzeuge werden unter dem Namen Hyundai vertrieben. Bei den Hyundai Power Products handelt es sich um lizenzierte Produkte. Darunter fällt auch der Hyundai TW59563 Drehmomentschlüssel.
- Haskyy Drehmomentschlüssel Set: Gleich ein ganzes Set bestehend aus einem auslösenden Drehmomentschlüssel, passenden Nüssen und Verlängerungen bietet Haskyy an. Der Schlüssel setzt ebenfalls auf eine ⅜Zoll-Aufnahme. Allerdings soll er noch feinfühliger sein und Drehmomente zwischen fünf und 60 Nm abdecken können.
- Hazet 5108-3CT: Eine Anwendung noch kleinerer Drehmomentwerte verspricht der Hazet 5108-3CT Drehmomentschlüssel. Der Anzugbereich deckt alle Werte zwischen zwei und 25 Nm ab. Dank der ¼ Zoll-Aufnahme können noch kleinere Bits und Nüsse verwendet werden.
- HASKYY 3/8" Drehmomentschlüssel 5-60 Nm: Der Drehmomentschlüssel hat einen einstellbaren Bereich von 5-60 Newtonmeter (Nm), was ihn ideal für eine Vielzahl von Anwendungen macht. Durch die genaue Einstellung des gewünschten Drehmoments können Sie sicherstellen, dass Schrauben und Muttern mit der richtigen Kraft angezogen werden, um ein Überdrehen oder Unterziehen zu vermeiden.
- HASKYY 1/4" Drehmomentschlüssel 2-20 Nm: Der Drehmomentschlüssel hat einen einstellbaren Bereich von 2-20 Newtonmeter (Nm), was ihn ideal für eine Vielzahl von Anwendungen macht. Durch die genaue Einstellung des gewünschten Drehmoments können Sie sicherstellen, dass Schrauben und Muttern mit der richtigen Kraft angezogen werden, um ein Überdrehen oder Unterziehen zu vermeiden.
Vergleichstest: Drehmomentschlüssel unter 100 Euro
Die Zeitschrift MOTORRAD hat einen Vergleichstest von Drehmomentschlüsseln unter 100 Euro durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass auch in dieser Preisklasse gute Werkzeuge erhältlich sind, jedoch mit Einschränkungen bei der Messgenauigkeit und Ausstattung.
1/4-Zoll-Drehmomentschlüssel im Test
Im Test wurden zehn 1/4-Zoll-Drehmomentschlüssel verglichen. Die Ergebnisse sind wie folgt:
- Amazon Basics 1/4-Inch-Drehmomentschlüssel: MOTORRAD-Urteil: ausreichend
- BGS 967 Werkstatt-Profi: MOTORRAD-Urteil: gut
- Craft-Meyer Mech. Drehmomentschlüssel 1/4": MOTORRAD-Urteil: befriedigend
- Famex 10872: MOTORRAD-Urteil: befriedigend
- Gedore red R48900025: MOTORRAD-Urteil: sehr gut
- HI-Q Tools Drehmomentschlüssel 6,3 mm: MOTORRAD-Urteil: befriedigend
- Proxxon MicroClick MC 15: MOTORRAD-Urteil: sehr gut
- Rothewald 1/4" Profi-Drehmomentschlüssel: MOTORRAD-Urteil: befriedigend
- SW-Stahl 03920L: MOTORRAD-Urteil: befriedigend
- WGB 2374: MOTORRAD-Urteil: gut
3/8-Zoll-Drehmomentschlüssel im Test
Auch zehn 3/8-Zoll-Drehmomentschlüssel wurden getestet:
- Amazon Basics 3/8-Inch-Drehmomentschlüssel: MOTORRAD-Urteil: befriedigend
- BGS 966 Werkstatt-Profi: MOTORRAD-Urteil: gut
- Famex 10869: MOTORRAD-Urteil: befriedigend
- Gedore red R58900050: MOTORRAD-Urteil: gut
Fazit
Die Wahl des richtigen Drehmomentschlüssels für das Motorrad hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem benötigten Drehmomentbereich, der gewünschten Genauigkeit und dem Budget. Es ist ratsam, sich vor dem Kauf gründlich zu informieren und Testberichte zu lesen, um das passende Werkzeug für die eigenen Bedürfnisse zu finden.
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