Der Richtige Reifendruck für Ihr Fahrrad: Eine Umfassende Anleitung

Egal, ob Sie Ihr Fahrrad gerade aus dem Winterschlaf holen oder bereits regelmäßig damit unterwegs sind: Der richtige Reifendruck ist wichtig, um platte Reifen, übermäßigen Verschleiß oder Unfälle zu vermeiden und so effizient wie möglich unterwegs zu sein. Nichts wird häufiger diskutiert als der richtige Reifendruck für das Fahrrad.

Es gibt die Anhänger, die den Reifen jeweils zum maximal erlaubten Druck aufpumpen und dann der Meinung sind mit dem minimalsten Fahrbahnwiderstand am schnellsten unterwegs zu sein und diejenigen, die mit einem Minimaldruck für maximalen Grip unterwegs sind. Aber was ist nun der beste Reifendruck und wer hat Recht? Nun, der Fachmann würde sagen „Beide haben Recht, denn es kommt auf den Anwendungsfall an!“. Durch den Luftdruck wird der Reifen in seiner Betriebsform stabilisiert.

Die Luft als Füllmedium im Reifen lässt auch kleinste Formänderungen zu, wodurch sich der Reifen an die Fahrbahnoberfläche anpassen und Bodenunebenheiten kompensieren kann. Der optimale Luftdruck ist hauptsächlich von zwei Faktoren abhängig: Dem Reifenvolumen und der Gewichtsbelastung. Bei einem Rennrad mit schmalen oder einem Faltrad mit kleinen Reifen muss der Reifendruck also höher sein als bei einem City-, Touren- oder Trekkingrad mit 28“ Felgen und mittelbreiten Reifen.

Allerdings sollten Sie sich die Herstellerangaben auf der Flanke (Seite) des Reifens sowie die beiden oben genannten Faktoren nochmal ganz genau anschauen und Ihren persönlichen Reifendruck anpassen. Der richtige Luftdruck ist sehr wichtig, um sicher unterwegs zu sein und viel Spaß mit seinem Rad zu haben.

Außerdem ist der Rollwiederstand bei geringem Luftdruck durch die erhöhte Auflagefläche und das Walken des Reifens höher, so dass es Ihnen schnell vorkommen kann, als ob Sie mit sehr viel Kraft treten müssen. Bei zu viel Luftdruck wird Ihr Fahrrad dagegen sehr unkomfortabel, da die Reifen den Großteil ihrer Eigendämpfung verlieren.

Wie oft sollte man den Luftdruck bei Fahrradreifen prüfen?

Grundsätzlich sollten Sie den Luftdruck Ihrer Fahrradreifen regelmäßig überprüfen und bei Bedarf aufpumpen. Denn selbst ein dichter Fahrradschlauch verliert, aufgrund der Materialbeschaffenheit pro Monat im Durchschnitt ungefähr 1 bar an Druck.

Betrachten wir nun einmal nachstehende Tabelle um einen ersten Überblick zu gewinnen.

ReifendruckZu geringEmpfohlenZu hoch
RollwiderstandEnergieverluste durch erhöhte Walkarbeit im ReifenoptimalEnergieverluste durch Schwingungen in Fahrrad und Fahrer
HaftfähigkeitVerminderte Haftung durch Relativbewegung zwischen Reifen und FahrbahnoptimalVerminderte Haftung durch eine verringerte Kontaktfläche
FahrkomfortReifen kompensiert vermehrt FahrbahnunebenheitenmediumReifen gibt Fahrbahnunebenheiten an den Rahmen weiter
FahrverhaltenSchwammiges FahrverhaltenoptimalReifen kann bei Unebenheiten von der Fahrbahn abheben; Seitenführung geht verloren
PannenverhaltenSchwammiges FahrverhaltenoptimalReifen kann bei Unebenheiten von der Fahrbahn abheben; Seitenführung geht verloren
Gefahr von DurchschlagenminimiertErhöhte Gefahr von Durchstichen

Wussten Sie, dass der richtige Reifendruck 80% aller Reifenpannen verhindert? Der erforderliche Luftdruck in Fahrrad-Reifen richtet sich nach der Reifenart, der Bauart des Fahrrades (vom Touren- bis zum Rennrad) und nach dem Körpergewicht der Fahrerin oder des Fahrers. Die Luftdruck-Richtwerte können deshalb ca. 0,5 bar über- oder unterschritten werden.

Der richtige Luftdruck in Fahrradreifen lässt sich kraftsparend und sicher per Stand- oder Fußpumpe mit integriertem oder separatem Manometer korrigieren. Hand- oder Rahmenpumpen sind immer nur für den Notfall unterwegs konzipiert.

Luftdruck-Richtwerte für Fahrradreifen

Das Fahrergewicht gilt angezogen mit Helm & etwaigem Gepäck. Dieses sollten Sie in Ihrer Rechnung also auf keinen Fall vergessen. Die jeweiligen Werte, die wir hier empfehlen sind auch als Richtwerte zu verstehen - Sie sollten Ihren Reifendruck daher auf jeden Fall, nachdem Sie Ihre Reifen aufgepumpt haben, testen.

Normalräder

ReifengrößeLuftdruck in bar
mmZollVorderradHinterrad
57-30516 x 2,1252,02,5
57-40620 x 2,1252,02,5
57-50724 x 2,1252,02,5
57-55926 x 2,1252,02,5
47-30516 x 1,75 x 22,53,0
47-40620 x 1,75 x 22,53,0
47-50724 x 1,75 x 22,53,0
47-55926 x 1,75 x 22,53,0
47-62228 x 1,75 x 22,53,0
37-54024 x 1 3/83,54,0
37-59026 x 1 3/83,54,0
37-62228 x 1 3/8 x 1 5/83,54,0
32-59026 x 1 3/8 x 1 1/44,04,5
32-62228 x 1 5/8 x 1 1/44,04,5

Rennsport-Räder

ReifengrößeLuftdruck in bar
mmZollVorderradHinterrad
28-62228 x 1 1/8 x 1 3/44,55,0

Rennräder

ReifengrößeLuftdruck in bar
mmVorderradHinterrad
25-6226,06,5
23-6226,57,0
20-6226,57,0
18-6229,09,2

Rennräder mit Schlauchreifen (680 mm Durchmesser)

Schlauchreifen-gewicht (g)Körpergewicht des Fahrers (kg)Luftdruck in bar
VorderradHinterrad
180 - 240bis 605,06,0
200 - 26060 - 755,56,5
220 - 30075 - 806,07,0
280 - 350über 807,08,0

Was ist der richtige Luftdruck für mein E-Bike, City- oder Trekkingbike?

City- oder Trekkingbikes mit oder ohne Motor sind meist mit 28“-Laufrädern und mit mittelbreiten Reifen ausgestattet. ETRTO, EN und FR bezeichnen die gleichen Reifengrößen auf unterschiedliche Weise. Wenn Sie hauptsächlich langsamer und abseits der Straße fahren, können Sie bis zu 0,5 Bar weniger Reifendruck fahren. Wenn Sie dagegen in der Stadt unterwegs sind, wo Sie schneller fahren und gefährliche Hindernisse wie Bordsteine auftreten, empfiehlt sich ein um 0,2 bis ca. 1 Bar höherer Luftdruck.

Bei E-Bikes müssen Sie zusätzlich bedenken, dass diese in der Regel etwa 10 kg schwerer als herkömmliche Fahrräder sind. Rechnen Sie diese 10 kg also auf das Fahrergewicht mit Gepäck, damit Sie auf der sicheren Seite sind! Außerdem sollten Sie bedenken, dass Sie durch die Unterstützung oft schneller unterwegs sind und so eventuell mit mehr Energie gegen Hindernisse wie Bordsteine oder Wurzeln fahren. Der korrekte Reifendruck ist von vielen Faktoren abhängig.

Was ist der richtige Luftdruck für mein Mountainbike oder E-Mountainbike?

Bei Mountainbike-Reifen gibt es viele unterschiedliche Varianten mit unterschiedlichen Profilarten & -tiefen und unterschiedlichen Karkassenstärken. Cross-Country- oder Marathonreifen haben in der Regel ein gut rollendes Profil und dünnere Karkassen, um Gewicht zu sparen. Downhill-Reifen haben dagegen meist ein grobstolliges Profil und eine dicke Karkasse, so dass Sie mit etwas geringerem Druck ein hohes Griplevel erreichen können, ohne Durchschläge übermäßig zu provozieren.

Aber Vorsicht: Wenn Sie am liebsten mit Vollgas durch den Wald knallen, sollten Sie das Risiko von Durchschlägen nicht unterschätzen und lieber 0,2-0,6 Bar mehr fahren! Wenn es dagegen rutschig wird, sollten Sie etwas Luft aus Ihren Reifen lassen, um den Grip zu erhöhen.

Ein besonders niedriger Luftdruck empfiehlt sich für Mountainbikes mit Plus-Reifen (Reifen in einer Breite von 2,6“, 2,8“ oder 3“) oder Fatbikes mit Reifen, die breiter als 4“ sind. Hier müssen Sie ebenfalls herumexperimentieren: 0,1 Bar machen aufgrund des großen Volumens dieser Reifen bereits einen riesigen Unterschied im Fahrverhalten.

Bei E-Mountainbikes gilt dasselbe wie bei E-City- oder E-Trekkingrädern: Aufgrund des höheren Gewichtes (etwa 10 kg) sollten Sie lieber einen etwas höheren Reifendruck wählen. Auch für E-Mountainbikes gibt es bereits spezielle Reifen, die etwas stabilere Karkassen als die Reifen von normalen Mountainbikes haben. Je nachdem, ob Sie mit Schlauch, Tubeless oder mit einem System wie Procore fahren, ist es sinnvoll, den Reifendruck ebenfalls anzupassen.

Wer bei all diesen Variablen den Durchblick verliert: das ist nicht schlimm! Der „Pressure Prof“ von Schwalbe kann Ihnen helfen, den richtigen Druck für Ihre Reifen zu finden.

Was ist der richtige Luftdruck für mein Rennrad oder Gravelbike?

Auf dem Rennrad sorgt der Reifendruck für Grip, Effizienz & Pannensicherheit! Während vor ca. Der Grund dafür ist einfach: Die breiteren Reifen haben mehr Volumen, können mit einem geringeren Druck gefahren werden und sind so schneller und komfortabler. Auch bei dieser Tabelle handelt es sich um eine grobe Empfehlung.

Auch wenn Sie sich an Ihr erstes Bikepacking-Abenteuer wagen, sollten Sie nicht vergessen, Ihren Luftdruck nochmal zu checken.

Weitere Tipps und Hinweise

  • Fahren Sie hauptsächlich langsamer und abseits der Straße, können Sie bis zu 0,5 Bar weniger Reifendruck fahren.
  • Wenn Sie dagegen in der Stadt unterwegs sind, wo Sie schneller fahren und gefährliche Hindernisse wie Bordsteine auftreten, empfiehlt sich ein um 0,2 bis ca. 1 Bar höherer Luftdruck.
  • Die Temperatur hat einen direkten Einfluss auf den Reifendruck. Allgemein gilt, dass sich Luft bei Erwärmung ausdehnt und bei Abkühlung zusammenzieht.
  • Für regelmäßige Pendler oder Personen, die ihr Fahrrad in einem relativ konstanten Umfeld nutzen, ist eine monatliche Überprüfung eine gute Richtlinie.
  • Allerdings sollten Fahrradfahrer, die unter verschiedenen Bedingungen fahren, wie beispielsweise Mountainbiker, die zwischen unterschiedlichen Trails wechseln, oder Rennradfahrer, die bei unterschiedlichen Wetterbedingungen unterwegs sind, den Reifendruck öfter überprüfen, idealerweise vor jeder Fahrt.
  • Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, indem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen.
  • Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer*innen nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden.

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