DT Swiss EX 1700 SPLINE Laufräder 29 Zoll MTB Test: Aluminium-Flaggschiff im Härtetest

Muss es immer Carbon sein? Vor allem Enduro-Racer entscheiden sich beim Laufradsatz bewusst für Aluminium-Felgen, denn Komfort und Zuverlässigkeit haben oberste Priorität.

Einleitung

Der DT Swiss EX 1700 SPLINE-Systemlaufradsatz ist das Aluminium-Flaggschiff der Schweizer Felgen-, Speichen- und Naben-Spezialisten. Das „E“ in EX 1700 steht dabei für Enduro und markiert den Einsatzbereich des 750 € teuren Modells, das für die härtesten Trails der Welt ausgelegt ist.

Ob DT Swiss dieses Versprechen halten kann, hat unser Testchef Felix in seinem Cannondale Jekyll Race-Bike und auch einigen E-Mountainbikes knapp 1,5 Jahre auf Herz und Nieren geprüft. Mit 95 kg Kampfgewicht und rabiatem Fahrstil gab es vor allem für die Alu-Felgen keine Gnade.

Technische Details

Technisch setzt der Laufradsatz auf die aktuellen DT 350-Naben mit Ratchet-Zahnscheibenfreilauf. Der Wechsel des Freilaufkörpers (XD, Micro Spline, Shimano ASL) gelingt dadurch werkzeugfrei und mit wenigen Handgriffen. Auch bei der Bremsscheibenaufnahme bietet DT Swiss die Wahl zwischen CENTER LOCK und 6-Bolt.

Unser Tester Felix hat sich bewusst für die minimal schwerere 6-Bolt-Version entschieden, um bei Problemen auf dem Trail auch mit dem Multitool an den Bremsscheiben hantieren zu können.

Wie der Beiname SPLINE schon andeutet, kommen Straightpull Competition-Speichen zum Einsatz, die ohne den klassischen J-Bend am Speichenkopf robuster sein sollen. Dafür muss man sie beim Nachziehen der Speichen und beim Zentrieren klemmen, damit sie sich nicht mitdrehen.

Das Highlight des Systemlaufrads ist die verbaute EX 511-Felge aus Aluminium mit 30 mm Innenweite. Bereits ab Werk ist in ihr das Tubeless-Felgenband verklebt und auch ein Ventil gehört zum Lieferumfang des EX 1700, der entweder als 29”- oder 27,5”-Variante angeboten wird.

Platten und Defekte an den Reifen sind für Felix ein absolutes No-Go. Deshalb setzte er beim EX 1700 ausschließlich auf Downhill-Reifen oder Reifen mit super robuster Enduro-Karkasse (Schwalbe Super Gravity, MAXXIS Doubledown) in Kombination mit Inserts wie CushCore. Alle Reifen sitzen sehr stramm und benötigen zum Aufziehen auf die Felge Gefühl und die richtige Technik, bei der der Reifen rundum ins Felgenbett gedrückt wird. Dafür lassen sie sich im Anschluss problemlos mit einer gewöhnlichen Standpumpe tubeless aufpumpen.

Fahreindruck und Performance

In den ersten Wochen auf dem Trail zeigten sich die hohe Verarbeitungsqualität und die Kompetenz, die DT Swiss in den Laufradbau steckt. Dabei trifft der Laufradsatz genau den Sweet Spot an Compliance, sodass er wenig Vibrationen an die Hände durchreicht und auch bei seitlichen Schlägen nicht verspringt. Dennoch liefert er bei Highspeed ausreichend Präzision, um der angepeilten Linie zu folgen.

Auf einigen EWS-Rennen musste der EX 1700 beweisen, dass er auch bei möglichst niedrigem Luftdruck im Reifen und richtig fiesen Steinfeldern durchhält: Denn ein Wechsel des Laufrads während des Rennens ist eigentlich ausgeschlossen. Über die zahlreichen Durchschläge beschwerte sich die super robuste EX 511er-Felge zwar mit einem lauten „Dong”, hält aber trotz zahlreicher Dellen nach wie vor die Luft.

Nach gut 10 Monaten musste der EX 1700 zum ersten Mal auf den Zentrierständer, obwohl er noch immer sehr rund lief. Doch die nächste Saison sollte er im Cannondale Jekyll Race-Bike von Felix weiter auf die Probe gestellt werden.

Cannondale setzt am Hinterrad allerdings auf den Ai-Offset, bei dem die Felge um 3 mm nach rechts versetzt werden muss. Obwohl das Versetzen der Felge nicht ideal ist, steckte der EX 1700 auch mit Offset einige Einsätze in Finale Ligure, Les Orres und Co. klaglos weg. Einzig die Anzahl der Dellen in der hinteren Felge nahm stetig zu.

Mit einer gerissenen Speiche musste sich das Hinterrad auf einem Rennen seinem größten Härtetest unterziehen. Mit nur mehr 27 Speichen konnte der EX 1700 trotz ordentlichem Höhenschlag über die Ziellinie rollen.

Nach 18 Monaten sind vor allem das Vorderrad und die Naben noch top in Schuss. Am Heck ist es allerdings Zeit für eine neue EX 511-Felge: Die alte hat ihren Ruhestand redlich verdient.

Fazit

Der EX 1700 SPLINE ist zu Recht der Highend Alu-Laufradsatz für den Enduro-Einsatz von DT Swiss. Die 18 Monate Härtetest im Renneinsatz hat er klaglos weggesteckt. Denn vor allem am Hinterrad ist ein gewisser „Verschleiß“ von Felgen absolut in Ordnung.

Die Qualität des EX 1700 SPLINE ist nicht nur in punkto Komponenten enorm hoch, sondern vor allem auch im Laufradbau selbst und rechtfertigt so das Preisschild von 750 €.

Alternativen und Ergänzungen

Neben dem EX 1700 SPLINE gibt es auch andere interessante Laufradsätze auf dem Markt. Hier eine kleine Übersicht:

Tune Cross-Country Laufradsatz

Tune liefert mit dem neuen Cross-Country-Laufradsatz den optimalen Kompromiss aus Gewicht und Stabilität. Optisch elegant verbinden 32 Edelstahlspeichen die Kingkong- bzw. Kong-Nabe mit der 29-Zoll- Carbonfelge und tragen so satte 115 Kilogramm Systemgewicht. Unser Testergebnis zeigt: Das Rezept geht auf. Der Blackburner 23 ist steif und erreicht gute Beschleunigungswerte, wie die verschiedenen Prüfstandtests ergeben. Die Reifenmontage stellte sich als etwas widerspenstig heraus, ist jedoch mit etwas Geschick ohne Reifenheber machbar.

Alu vs. Carbon: Ein Vergleich

Bis auf die zugegebenermaßen zähe Beschleunigung führt kein Weg an Alu vorbei. Die Notizen unserer drei Testfahrer sprechen zumindest beim Fahrgefühl bergab eine eindeutige Sprache zugunsten des wesentlich günstigeren, aber auch deutlich schwereren Referenz-Laufradsatzes mit Alu-Felgen. Gutmütig, fehlerverzeihend und gedämpft lauten die Attribute, die das schwerere Alu-Laufrad im Vergleich zur Carbon-Konkurrenz einheimste. Tatsache allerdings ist, dass die Rennen im Cross-Country nun mal bergauf gewonnen werden. Und hier kommt es auf andere Tugenden an: geringes Gewicht, Steifigkeit, Beschleunigung.

Blindtest auf dem Trail

Um uns nicht nur auf die umfangreichen Labordaten zu verlassen, sondern auch Fahreindrücke im Gelände zu sammeln, ging es mit sechs Laufradsätzen und drei Testfahrern auf eine aussagekräftige Testrunde. Ohne die Laborwerte (Steifigkeit, Gewicht, Trägheit) zu kennen, fuhren drei erfahrene Tester alle Laufräder mit Einheitsreifen und identischen Luftdrücken auf einem selektiven Rundkurs. Die gewonnenen Fahreindrücke zum Fahrkomfort, zur Präzision und zum allgemeinen Handling flossen zu 20 Prozent in die Endnote ein. Überraschend: Die Seitensteifigkeit allein schlägt sich nicht immer im Fahreindruck nieder.

Schlagtest

Bei dem von BIKE im Newmen-Testlabor durchgeführten Schlagtest trifft ein 7,5 Kilo schwerer, runder Kunststoffzylinder einseitig im 20-Grad-Winkel auf ein Felgenhorn. Es wird jeweils das hintere Laufrad getestet, das an der Nabe fixiert wird. Jeder neue Schlag trifft auf eine intakte Stelle auf der Felge. Die Schlagenergie/-höhe wird ausgehend von 3,09 Joule bis zum Defekt gesteigert.

Welchen extremen Einfluss der Einsatz von wenigen Gramm Carbon mehr hat, zeigt unsere Referenz-Carbon-Felge (Newmen Phase Base), die 93 Gramm mehr als die Light-Version wiegt. Sie hält, genau wie die extrem stabile DT-Felge, fast die fünffache Schlagintensität der Newmen-Light-Felge bis zum Bruch aus.

Trägheit und Gewicht

Für einen explosiven Antritt und effizientes Klettern ist nicht nur ein geringes Gewicht, sondern auch die Verteilung der Masse von entscheidender Bedeutung. Je weiter das Gewicht von der Nabe entfernt ist, desto größer ist der Einfluss auf das Beschleunigungsverhalten. Auf unserem Prüfstand können wir die tatsächliche Trägheit eines Laufradsatzes exakt bestimmen. Die beiden leichtesten Laufradsätze von Newmen und Pi Rope bleiben unter 1200 Gramm und kommen mühelos in Schwung. Die Bike Ahead-Laufräder mit breiter Felge lassen sich rund 20 Prozent schlechter beschleunigen. Beim Alu-Referenzsatz sind es 35 Prozent Differenz. In Kombination mit einem aufgezogenen Reifen relativiert sich der Unterschied zwischen den Laufradsätzen wieder. Durch die weit außen liegende Masse des Reifens (z. B. 715 Gramm XC-Reifen) schmilzt der Abstand zwischen Pi Rope und Bike Ahead auf sieben Prozent.

Alu vs. Carbon - die Referenztests

Um zu überprüfen, wie sich ein Alu-Laufrad und eine schwerere Carbon-Felge schlagen, haben wir zwei Referenz-Laufräder mit in den Test gepackt. Der Newmen-Beskar-Light-Laufradsatz wiegt 1680 Gramm und verfügt über Alu-Felgen, die ebenfalls eine Maulweite von 30 Millimetern besitzen. Im Vergleich zum leichtesten Laufradsatz in diesem Test bringen die Alu-Räder damit mehr als 500 Gramm zusätzlich auf die Waage, kosten dafür aber auch nur 680 Euro. Im Antritt macht sich die um bis zu 35 Prozent höhere Trägheit deutlich bemerkbar. Bei der Seitensteifigkeit erzielen die Alu-Laufräder den zweithöchsten Wert hinter den Roval-Control-SL-Laufrädern. Das Fahrgefühl zwischen diesen beiden Laufrädern unterscheidet sich dennoch grundlegend. Beim Crashtest schlagen sich die Alu-Laufräder bestens. Bei Fallhöhe acht, wo bereits vier Carbon-Felgen brechen, gibt es eine gut sichtbare Beule. Bei größeren Fallhöhen nehmen die Größe der Beule und die Verformung des gesamten Felgenbetts zu. Die um 93 Gramm schwerere Carbon-Felge sorgt für eine im Vergleich zur Newmen-Phase-Light-Felge um 20 Prozent höhere Trägheit. Die Seitensteifigkeit des Laufrades nimmt aufgrund der schweren Felge um 15 Prozent zu.

Weitere getestete Laufräder

Im Folgenden eine Übersicht weiterer getesteter Alu- und Carbon-Laufräder:

Alu-Laufräder ab 430 Euro

  • Crankbrothers Synthesis Enduro Alloy
  • DT Swiss XM 1700 Spline
  • Mavic Crossmax XL S 29
  • Newmen Evolution SL A.30
  • Race Face Aeffect R
  • Shimano Deore XT WH-M8120
  • Spank 350 Vibrocore
  • Veltec ETR Extradrei

Carbon-Laufräder ab 1199 Euro

  • Acros Enduro-Carbon-LRS 29"
  • Crankbrothers Synthesis Enduro Carbon
  • DT Swiss XMC 1501 Spline One
  • Newmen Advanced SL A.30
  • Race Face Next R31

Vorteile von 29 Zoll Laufrädern

Die großen 29 Zoll Laufräder bringen bei der Fahrt mehr Laufruhe und der Fahrer hat ein sicheres Gefühl. Die Fahrt wird sanfter, der Laufradsatz hat mehr Bodenkontakt und dadurch eine bessere Traktion. Ein Twentyniner Laufrad macht dein Bike pfeilschnell, schafft Höchstgeschwindigkeiten und ist verglichen mit den anderen Laufradgrößen der Champion in der Endgeschwindigkeit. Es lassen sich in unserem Konfigurator hervoragende leichte MTB 29" Laufräder Vorder und Hinterräder zusammenstellen mit denen du dein Bike tunen kannst. Bei keiner anderen Laufradgröße ist die Reduktion von rotierender Masse so stark sprürbar wie bei einem 29 Zoll Laufrad. Egal ob für Schnellspanner,Steckachse,Boost,Shimano 11fach,Sram 11oder 12fach. Alles ist möglich. Konfiguriere dir deinen neuen leichten MTB 29" Laufradsatz mach den Test und spüre den Unterschied.

DT Swiss FR 1500 Classic Laufradsatz im Test

Der DT Swiss FR 1500 Laufradsatz verspricht, im harten Gravity-MTB Einsatz zu performen. Wir wollten das genauer wissen! Nach der Ankündigung des neuen DT Swiss FR 1500 Laufradsatzes war meine volle Aufmerksamkeit geweckt. Denn nicht nur die neue Felge, sondern auch das komplette Paket mit der 240 Classic Nabe incl. Ratchet EXP Freilauf kommt DT Swiss-typisch sehr durchdacht und hochwertig rüber. Als kompletter Laufradsatz steht er ohnehin ganz oben auf meiner Liste, seitdem meine vorherigen Laufräder reif für einen Austausch sind.

Erster Eindruck

Direkt aus der Box lacht mich die gewohnte DT Swiss Qualität an. Die Verarbeitung ist super, die Speichenspannung sehr gleichmäßig, da stimmt einfach alles. DT Swiss ist dafür bekannt, alle Laufradsätze, auch die aus günstigeren Preisregionen, direkt mit fertig geklebtem Felgenband und incl. Tubeless-Ventilen auszuliefern, was den Kund:innen Arbeit und zusätzliche Kosten erspart. So können die Reifen sofort montiert werden - nur Dichtmittel muss noch her, klar.

Eine Kleinigkeit, die mich dann doch ein klein wenig gestört hat, ist die Bremsscheibenaufnahme, die ausschließlich mit 6-Loch Standard und nicht in einer Ausführung mit Centerlock kommt. Da mussten leider meine geliebten Centerlock-Scheiben weichen und gegen 6-Loch-Varianten ausgetauscht werden. Das allerdings ist auch ein Stück weit Geschmackssache. Ansonsten sind alle relevanten Optionen erhältlich, ob Boost oder SuperBoost sowie 27,5“ oder 29“ Laufraddurchmesser. Auf Wunsch können wir euch auch ein Mullet-Setup anbieten. Kontaktiert dazu einfach gerne unseren Service.

Der Fahreindruck

Nach nun ca. 3 Monaten ausgiebigen Testens und sicherlich auch der ein oder anderen unsanften Landung laufen die FR 1500 immer noch wie am ersten Tag. Kein Seitenschlag, kein Höhenschlag, die Speichenspannung sitzt: Perfekt. Die 240 Classic Naben sind für diesen Laufradsatz wirklich eine starke Grundlage. Die Lager machen einen super Job und laufen noch immer absolut geschmeidig und anstandslos, was nach 3 Monaten aber ehrlicherweise auch nicht anders zu erwarten war. Kein Spiel, kein rauer Lauf, keine Geräusche, also alles wie es sein soll.

Der Ratchet EXP Freilauf läuft sehr geschmeidig und reibungsarm - das kommt dem Rollverhalten zugute. Bis heute hat sich noch keine Veränderung eingestellt und ich rolle nach wie vor mit überraschender Effizienz. Auch im Uphill fühlen sich die Räder noch leichtfüßig an, obwohl sie sicher nicht zu den leichtesten Vertretern gehören.

In Kombination mit der FR 541 Felge habe ich bei noch keiner Situation das Gefühl bekommen, dass die Laufräder überfordert wären. Die Felge hat bisher alle Attacken mühelos weggesteckt und noch keine gröberen Verformungen erlitten. Auch bei härteren Einschlägen auf diversen Landekanten haben mir die Laufräder stets ein solides, stabiles Gefühl vermittelt. Trotz solcher Strapazen laufen sie ohne Nachzentrieren schön gerade und ruhig.

Da hilft natürlich auch die schon erwähnte Kombination aus Reifen-Insert und den schweren Reifen. Ich denke aber, dass die Felgen auch mit einem leichteren Reifensetup stabil genug sein werden. Das muss Jede:r für sich selbst entscheiden - da kommen dann noch andere Faktoren wie Fahrstil und Körpergewicht hinzu.

Gelegentlich war ich auch mal auf steilen, technischen Trails unterwegs. Hier hat sich der bereits gewonnene Eindruck bei mir nur noch weiter gefestigt. Egal wie hart ich in die Kurven gefahren bin, die Laufräder boten eine tolle Steifigkeit und haben mir dadurch immer den nötigen Support gegeben. Auch unwegsameres Terrain mit groben Wurzelstufen und Geröll macht den Laufrädern kaum zu schaffen: Bodenkontakt und Kontrolle satt.

Technischer Exkurs: Die Felge

Die FR 471 Felge, die im FR 1500 Laufradsatz zum Einsatz kommt, ist am Felgenhorn mit etwas mehr Material ausgestattet, so wölbt sich die sichtbare Außenseite des Horns etwas nach außen. Dies soll der Felge mehr Resistenz gegen das Verbiegen bei Durchschlägen geben, was in dem angedachten Einsatzbereich sehr wichtig ist.

Die Maulweite von 30mm ist mittlerweile Im Enduro-Bereich zum Standard geworden, da Sie die optimale Balance aus Steifigkeit, akzeptablem Gewicht und resultierender Reifen-Aufstandsfläche bietet.

DT Swiss verwendet hier erstmals unterschiedliche Speichenzahlen für das Vorder- und Hinterrad (28 vorne, 32 hinten) und schafft so ein perfektes Verhältnis aus Gewicht und Stabilität. Beim Enduro- und Downhilleinsatz ergibt das absolut Sinn, da die Belastung auf das Hinterrad grundsätzlich höher ist.

Die Speichen

DT Swiss setzt für diesen Laufradsatz ausschließlich die Classic-Version der legendären 240 Nabe ein, also die Nabe mit Flansch. Es werden hier J-Bend Speichen verbaut; eine Straight Pull-Version ist nicht erhältlich.

Ich nehme an, dass sich der Hersteller durch die daraus resultierenden kürzeren Speichen mehr Steifigkeit verspricht, zudem ist es im Falle eines Defekts meist einfacher, an eine passende gekröpfte J-Bend Speiche zu kommen als an ein Straight Pull-Pendant. Darüber hinaus besteht bei einer J-Bend Speiche nicht die Gefahr, dass sie sich beim Nachzentrieren mit dreht, was bei Straight Pull-Speichen ab und an vorkommt und das Zentrieren erschwert.

Hier hat DT auf traditionelle Werte gesetzt, um ein möglichst sorgenfreies Hardcore-Laufrad auf den Markt zu bringen. Das geht zwar etwas auf Kosten der moderneren Straight Pull-Optik, ist technisch gesehen aber wohl die vernünftigere Entscheidung.

Die Laufradspezialist:innen verwenden beim FR 1500 die bewährten Competition-Speichen und machen keine Experimente mit leichteren Vertretern, um ein paar Gramm heraus zu kitzeln. Sehr löblich!

Die Nippel sind, wie bei den meisten Laufrädern aus der Oberklasse, aus Aluminium, welches gegenüber Messing in der Praxis keinen Nachteil bei der Stabilität darstellt. Lediglich beim Zentrieren sollte sichergestellt werden, dass man einen vernünftigen, nicht „ausgelutschten“ Nippelspanner mit großer Überlappung an der Werkzeugaufnahme nutzt. Das aber versteht sich von selbst.

Nabe und Freilauf

DT setzt die Allzweckwaffe 240 Classic ein, die sich jahrelang bewährt hat. Leicht, langlebig, stabil und vor allem unanfällig, gehört sie zu den besten Naben der Welt, soviel ist sicher.

Beim Freilauf setzen die Ingenieur:innen von DT auf die moderne EXP-Variante mit 36 Eingriffen innerhalb einer kompletten Umdrehung. So entsteht ein Eingriffswinkel von 10°, welcher für eine direkte Kraftübertragung mit kaum spürbarem Leerlauf im Antritt sorgt.

DT Swiss präsentiert den FR 1500 Classic

DT Swiss präsentiert mit dem FR 1500 Classic einen Systemlaufradsatz für den harten Enduro- und Downhill-Einsatz. Er basiert auf der kürzlich vorgestellten FR 541 Alu-Felge und den bewährten 240er-Naben und wird in allen gängigen Laufradgrößen und Nabenbreiten verfügbar sein. Ob er auch nach unzähligen Steinkontakten noch rund läuft, haben wir für euch ausprobiert.

Am Namen des DT Swiss FR 1500 Classic-Laufradsatzes kann man mit etwas Know-how bereits viele Eigenschaften ableiten: Die beiden Anfangsbuchstaben „FR“ lassen auf das Einsatzgebiet und die Einordnung im Portfolio schließen. So steht das „F“ für Freeride und siedelt den FR 1500 Classic im Freeride- und Downhill-Segment an. Auf gut Deutsch ist er also für den harten Enduro- oder Downhill-Einsatz gedacht. Die Verwendung von zwei Buchstaben lässt dabei auf einen High End Alu-Laufradsatz zurückführen. Die 4-stellige Zahl 1500 wiederum steht für einen Systemlaufradsatz mit der Kombination der hochwertigen 240er-Nabe und das „Classic“ am Ende deutet auf die Verwendung von J-Bend Speichen hin.

Der DT Swiss FR 1500 Classic-Systemlaufradsatz soll ab sofort verfügbar sein und schlägt mit 899 € zu Buche. Ihr könnt ihn sowohl als 29” als auch mit 27,5” oder im Mullet-Setup kaufen. Gemäß seines Einsatzgebiets ist er auch in den gängigen Maßen verfügbar. Sprich, am Vorderrad könnt ihr eine 15-mm-Steckachse wählen - üblich bei Enduro-Bikes - oder eine 20-mm-Steckachse - wie sie bei DH-Bikes verwendet wird. Am Hinterrad stehen euch ein 148 mm breiter Boost-Standart, eine 150 mm oder 157 mm breite Nabe zur Verfügung. Alle Naben besitzen eine 6-Loch-Bremsaufnahme und an der Hinterradnabe das Ratchet EXP-System von DT Swiss. Freigegeben ist ein Systemgewicht von 140 kg, was für die meisten Fahrer mehr als ausreichend sein sollte. Farblich gibt es jedoch nur eine Decal-Variante zur Wahl.

Alle Systemlaufräder von DT Swiss werden von Hand gespeicht und zentriert und der Laufradsatz bringt in Kombination mit einem SRAM XD-Freilaufkörper ein Gewicht von 1.879 Gramm auf die Waage. Ausgeliefert wird er bereits mit einem montierten Felgenband und zugehörigen Tubeless-Ventilen.

Erstmals setzt DT Swiss am Vorder- und Hinterrad auf eine unterschiedliche Speichenanzahl, sprich auch auf unterschiedliche Felgen. So kommen am Vorderrad 28 und am Hinterrad 32 Speichen zum Einsatz. Das soll laut DT eine optimale Steifigkeit ermöglichen, die nicht nur die Speichenspannung, sondern durch die Anzahl und Art der Speichen definiert wird. Auch die Wahl zum klassischen J-Bend - anstelle der Straight Pull-Speichen, wie man sie z. B. vom Systemlaufradsatz EX1 1700 kennt - hat hier einen Einfluss darauf. Die Namensgebung haben die J-Bend-Speichen durch den 90° gebogenen Speichenkopf. Sie sind auf eine größere Zug- und Druckbelastung ausgelegt. Gehalten werden die DT Competition-Speichen mit Alu-Nippeln und dem von DT bekannten PHR-System. Bei diesem sogenannten Pro Head Reinforcement System wird eine Art gewölbte Unterlegscheibe verwendet, welche die Nippel selbständig zum Felgenloch ausrichtet und dabei die Zugkraft auf eine größere Fläche verteilt. Diese Technologie findet sich an beinahe allen hochwertigen DT-Laufrädern für den MTB-Einsatz. Sollte euch beim Einsatz doch einmal eine Speiche den Dienst quittieren, könnt ihr anhand des DOT-Codes auf dem Laufrad die Länge und Art der Speichen nachschauen. In Zukunft soll auch ein gängigerer QR-Code auf den Laufrädern zu finden sein.

Die verwendete FR 541-Felge hat eine Innenweite von 30 mm und basiert auf den bekannten EX-Felgen. Allerdings wurde an gewissen Stellen Material hinzugefügt oder eingespart. So findet sich z. B. am Ende der Felgenflansch mehr Material und der Flansch geht folglich nicht nur nach innen, sondern auch etwas nach außen. Durch das zusätzliche Material soll auf der einen Seite die Dellen-Anfälligkeit verringert werden, auf der anderen Seite aber auch die Kontaktfläche zum Reifen erhöht werden. Als Konsequenz sollen laut DT ca. 17 % weniger Platten gefahren werden, da durch die größere Auflagefläche das Risiko auf Pinch-Flats verringert wird. Zudem wurde im Bereich, an dem das PHR-System aufliegt, zusätzlich Material verwendet. Sprich der Felgenbauch ist stabiler geworden und soll so mehr Zugkräfte der Speichen aushalten.

DT typisch werden die Alu-Felgen an einer Stelle zusammengeschweißt, wobei diese erst bei sehr genauem Hinschauen zu entdecken ist und die gewohnt hohe Qualität widerspiegelt. Die verwendete 240er-Nabe zählt als MTB-Topmodell im DT Line-up und besitzt das bewährte Ratchet EXP-System. Dieses besitzt bei 36 Verzahnungen einen Eingriffswinkel von 10°. Das Ratchet EXP-System ermöglicht es euch, die Kassette inklusive Freilaufkörper werkzeuglos von der Nabe zu trennen, um z. B. eure Nabe zu warten. Allerdings ist bei ausgebautem Hinterrad etwas Vorsicht geboten, sodass die Kassette inklusive Kleinteile nicht ungewollt im Dreck landet.

Praxiseinsatz

DT hat uns bereits im letzten Sommer zum Launch der FR 541-Felge einen Laufradsatz mit 240er-Naben zur Verfügung gestellt, den wir seitdem in einem Yeti SB160 im Einsatz haben. Zusätzlich haben wir seit ca. 2 Monaten einen FR 1500 Classic-Systemlaufradsatz in einem RAAW Yalla! verbaut und konnten so bereits reichlich Trail-Kilometer sammeln. Mit beiden Laufradsätzen gab es bereits deutlich hörbaren Steinkontakt und sowohl die Downhill-Strecke in Schladming als auch die unzähligen Shuttle Runs in Finale Ligure haben die Laufradsätze unbeeindruckt hinter sich gelassen. Außer ein paar äußerlichen Kratzern an der Felge gab es keine Beschädigungen - und das bei einem Fahrergewicht von ca. 100 kg. Sprich, keine Dellen, keine lockeren Speichen, keine runtergezogenen Reifen und auch keine Platten, wobei die Laufradsätze immer mit robusten Karkassen wie MAXXIS Doubledown oder Michelin DH gefahren wurden.

Auf dem Trail sorgt der FR 1500 Classic-Systemlaufradsatz für eine angenehme Steifigkeit, die feine Vibrationen herausfiltert und dennoch genug Traktion und Präzision auf den Trail bringt. So verspringt er auch bei seitlichen Impulsen nicht und gibt die Energie selbst bei starken Kompressionen oder harten Anliegern sehr kontrollierbar zurück, ohne einen aus der Bahn zu werfen.

Die Schweizer Laufrad-Spezialisten von DT Swiss werden ihrem guten Ruf ein weiteres Mal gerecht und bringen mit dem DT Swiss FR 1500 Classic einen Systemlaufradsatz auf den Markt, der für den härtesten MTB-Einsatz gemacht ist. Auch nach unzähligen Einschlägen und vielen Trail-Kilometern läuft der Laufradsatz unbeeindruckt rund und ohne nennenswerte Beschädigung. Dabei liefert er eine starke Performance auf dem Trail ab. Wer auf der Suche nach einem zuverlässigen Laufradsatz ist, wird hier zu einem fairen Preis fündig.

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