DT Swiss, bekannt als großer Laufrad-Innovator, darf im Gravel-Segment nicht fehlen. Der Schweizer Hersteller ist eine feste Instanz, wenn es um höchst zuverlässige und performante Fahrradkomponenten geht. Doch im Gravel-Segment war die Modellpalette bislang dünn gesät. Das soll sich nun ändern: Mit den neuesten GRC-Modellen wird nun auch der stetig wachsende und sich weiterentwickelnde Gravel-Markt bedient.
Gravel und Aero? DT Swiss folgt dem Trend zu schnellen Gravel-Bikes mit Racing-Fokus. Mit den DT Swiss GRC 1100 DICUT 50 setzt der Schweizer Hersteller alles auf die Aero-Karte. Doch reicht das, um den Gravel-Thron zu erobern?
Der Aufstieg des Gravel-Racings
Gravel ist schon lange nicht mehr nur Adventure und Dropbar-Biken abseits befestigter Straßen. Längst ist Racing in jeglicher Form fester Bestandteil der Gravel-Szene. Dabei kämpfen nicht nur Amateure um Sekunden, auch im professionellen Bereich hat sich die Trendsportart etabliert. Kein Wunder also, dass mit großen Rennen wie Unbound, The Traka und der UCI Gravel-Weltmeisterschaft auch der Drang nach Effizienz beim Graveln zunimmt.
Gravel- wie Triathlon-Rennen sind dabei noch nicht so stark reguliert wie Straßenrennen. Das bringt unter anderem einzigartige Bikes wie das 2024er Unbound-Race-Bike von Chase Warks mit Aero-Verkleidungen und Federung zutage. Dazu kommt der Fokus auf immer schnellere Rennformate. Mit schnellen Rennradfahrern und technikstarken Mountainbikern in der Startbox sind alle Anzeichen des ursprünglichen „Spirit of Gravel“ verflogen. Es wird um Sekunden gekämpft, und bei über 40 km/h stehen Effizienz und Aerodynamik ganz klar im Vordergrund.
Das bedeutet auch: Vorbei sind die Zeiten von schmalen Road-Laufrädern am Gravel-Bike, eine spezialisierte Ausrüstung muss her. Denn auch wenn Rennrad-Felgen lange Zeit gut funktioniert haben, für breite Gravel-Reifen bieten sie einfach zu wenig Platz.
Die Entwicklung der DT Swiss GRC Laufräder
DT Swiss hat bei der Entwicklung der GRC auf geballtes Know-how gesetzt: Neben der hauseigenen Erfahrung ist hier auch die Expertise der Aero-Fachleute von Swiss Side eingeflossen, mit denen sie eine lange Zusammenarbeit pflegen. Betrachtet man die speziellen Anforderungen im Gravel-Segment, ist all das Wissen für perfekte Weiterentwicklungen auch dringend nötig. So sind in der Regel nicht nur die Geschwindigkeiten niedriger als auf der Straße, auch die griffigen und breiten Reifen mit aggressiven Noppen bringen so manche Tücken mit sich.
Um dem entgegenzuwirken und die Felgen auf die Reifen zu optimieren, setzt DT Swiss bei der Entwicklung der GRC auf den Schwalbe G-One RS. Er ist nicht nur einer der schnellsten Reifen, auch das hohe Level an Grip und Kurvenverhalten machen ihn zur ausgezeichneten Wahl für Racer. 40c bis 45c ist dabei die bevorzugte Größe und kristallisiert sich immer mehr als die „Go-to“-Reifenbreite für viele Racer heraus. Zu Recht setzt auch DT Swiss auf 40 mm breite Reifen für eine optimale Aero-Performance auf schnellen Gravelpisten.
Das Ergebnis der Entwicklung: eine außergewöhnliche Felge mit 24 mm Maulweite und 36,5 mm Breite - fast erinnert es an Mountainbike-Räder von vor ein paar Jahren. Doch wie die 50 mm Tiefe bedeuten auch breite Felgen bei Gravel „Aero pur“! Ein Trend, der sich im neue entstehenden Aero-Gravel-Bereich zu etablieren scheint. Auch die Laufräder ROSE GC50 und HUNT 42 LIMITLESS bewegen sich in ähnlichen Maßen.
Einzigartig ist jedoch die Form der Felgen von DT Swiss. Der klassische bauchige Look moderner Aero-Felgen wird hier weitergedacht. Mit einem Knick im unteren Drittel verjüngt sich die Felge zum Reifen hin deutlich - ein cooles Design, das wir so noch nicht gesehen haben und das die Aerodynamik deutlich verbessern soll. Laut DT Swiss ergibt das alles nicht nur eines der schnellsten Gravel-Laufräder, sondern auch ein besonders geringes Lenkmoment bei Seitenwind.
DT Swiss GRC 1100 DICUT im Detail
GRC = Gravel Race? Typisch für DT Swiss gibt es die GRC-Laufräder in verschiedenen Ausführungen. Das von uns getestete Topmodell GRC 1100 DICUT mit 180er-Naben und den schnellen Aerolite-Speichen steht natürlich auf SINC-Keramiklagern und setzt auf 50 mm tiefe Felgen, um die Aerodynamik im Gravel-Bereich auszureizen. Mit 1.606 g ordnen sich die 2.499,80 € teuren Laufräder passend zur Konkurrenz ein.
Beide Versionen gibt es auch in der Adventure-Version mit 30 mm tiefen und 31 mm breiten Felgen. Durch das im Vergleich zur 50-mm-Version knapp 217 g geringere Gewicht eignen sich die 1100 DICUT 30 auch für den Renneinsatz im bergigen Gelände.
Passend zum neuen Gravel-Auftritt spendiert DT Swiss den Rädern einen frischen Look. Mit der neuen „out of the mold“-Fertigung kommen die Felgen ganz ohne Nachbearbeitung zu euch.
Praxistest der GRC 1100 DICUT 50
Auf dem Papier eine runde Sache, aber wie schlagen sich die Räder in unserem Praxistest? Wir hatten die DT Swiss GRC 1100 DICUT 50 im Härtetest, einschließlich eines Renneinsatzes beim UCI-Gravel-Rennen in Dänemark unter widrigsten Bedingungen. Sand, Matsch, Singletrails und Schotterpisten ergeben eine Strecke, die nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern dort auch verdammt schnell ist. Mit der passenden Bereifung und den von DT Swiss empfohlenen Schwalbe G-One R und RS in 40 mm Breite geht es an die Startlinie.
Schnell zeigt sich: DT Swiss hat ganze Arbeit geleistet. Effizient und schnell im Antritt beschleunigen die GRC trotz des höheren Gewichts flink und halten die Geschwindigkeit mühelos. Durch die hohe Steifigkeit liegen die Räder stabil in der Kurve und überzeugen mit einem präzisen Handling, auch auf Singletrails. Überraschend ist die Agilität bei niedrigen Geschwindigkeiten: Auch Kletterpassagen auf groben Singletrails sind kein Problem für die DT Swiss GRC 1100 DICUT 50.
Ganz im Zeichen des Racing-Gedankens steht auch die Compliance. Zwar filtern die Laufräder Vibrationen sauber heraus, doch der Drang nach Speed lässt sich nicht verbergen. Bei höhenmeterintensiven Strecken zeigt der Laufradsatz eine kleine Schwäche. Trotz des wettbewerbsfähigen Gewichts spürt man die knapp 1.600 Gramm plus die breiten Gravel-Reifen und das Tubeless-Setup beim Klettern etwas. Besonders beim Beschleunigen aus engen und steilen Kurven fordern die Räder etwas mehr Druck auf den Pedalen.
Doch gerade an ungefederten Gravel-Bikes müssen die Räder einiges aushalten. Das proklamierte, hervorragende Handling bei Seitenwind haben wir ausgiebig im stürmischen Süden Schwedens getestet. Zwar bleiben die Räder etwas stabiler, als man es bei 50 mm tiefen Laufrädern erwarten würde, die große Revolution ist es jedoch keinesfalls. Gerade bei böigen Verhältnissen braucht es nach wie vor eine ruhige Hand am Lenker.
Was jedoch wirklich beeindruckt, ist die Auslegung des Laufrads: Mit purem Speed und absolut verlässlichem Fahrverhalten bietet der DT Swiss GRC 1100 DICUT 50 alles, was man von einem perfekten Road-Laufrad erwartet.
DT Swiss G 1800 Spline: Eine solide Alternative
Der DT Swiss ist solide und langlebig und mit seinen breiten Felgen optimal aufs Gravelbike abgestimmt. Mit dem G 1800 ist DT Swiss ein echter Kassenschlager gelungen. Der Gravel-spezifische Radsatz wird gerne von Radherstellern spezifiziert, die ihre Bikes mit Markenware aufbauen wollen, und ist für den Endverbraucher ebenso als robuster Zweit-Radsatz ideal wie zum „Upgraden“ eines Gravelbikes mit sehr einfachen Laufrädern, die beispielsweise nicht tubeless gefahren werden können.
Für knapp 400 Euro stellen die Schweizer eigentlich alles zur Verfügung, was es am Offroad-Renner braucht: Die 25 mm tiefen Felgen sind mit 24 mm Maulweite optimal an breite Reifen angepasst. Die auf Straightpull-Speichen abgestimmten Nabenhülsen gleichen optisch jenen der teureren DT-Laufräder, und die Lagerungen sind erfahrungsgemäß sehr langlebig, und auch der Drei-Klinken-Freilauf geht in Ordnung: Echte Nachteile gegenüber einem Zahnscheibenfreilauf hat die bewährte Technik nicht. Auch dieser Freilauf kann per Hand abgezogen werden; ein Freilaufkörper für SRAM-Zwölffach-Kassetten wird gleich mitgegeben.
Im Gelände verhält sich der G 1800 dann im besten Sinne unauffällig: Die breiten Felgen geben Gravelreifen optimalen Seitenhalt; die gefühlt hohe Steifigkeit sorgt für verlustfreie Kraftübertragung und hohe Lenkpräzision. Mit gut 1.900 Gramm sind die Laufräder natürlich recht schwer, eine sportliche Gangart lassen sie aber dennoch zu - überbewerten sollte man das Thema Gewicht ohnehin nicht. Was am Gravelbike mehr zählt, sind Solidität und Verlässlichkeit, und in dieser Hinsicht haben sich die G1800 im Velomotion-Dauereinsatz längst bewährt.
Der solide DT Swiss G 1800 bietet mit seinen breiten Tubeless-Felgen alles, was ein Gravel-Radsatz können muss.
Windkanal-Tests und Aerodynamik
Wir haben zehn verschiedene Laufradsätze im Labor und in der Praxis getestet. Um den Trend zu schnellen, aerodynamischen Hochprofil-Laufrädern abzubilden, haben wir alle Modelle im Windkanal unter realen Fahrbedingungen untersucht. Wir wollten wissen: Machen hohe Felgen auch Gravel-Bikes klar schneller?
Im GST-Windkanal in Immenstaad am Bodensee prüften wir den Luftwiderstand der zehn Gravel-Laufräder, genauer: die benötigte Leistung bei 35 km/h. Bei einer alleinigen Betrachtung der beiden Laufräder macht das Vorderrad rund 80 Prozent des gesamten Luftwiderstands aus, das Hinterrad dagegen nur 20 Prozent, da es sich im Windschatten des Sitzrohres dreht. So ist es für aussagekräftige Ergebnisse ausreichend, nur die Vorderräder im Windkanal zu messen - dies entspricht auch den üblichen Testverfahren.
Alle Messungen wurden mit einer Windgeschwindigkeit von 35 Kilometern pro Stunde durchgeführt. Während der Messungen dreht sich der Prüfstand von plus nach minus 20 Grad - damit fließen auch Seitenwindverhältnisse, wie sie in der Realität vorkommen, in das Gesamtergebnis ein. Straßen-Laufräder werden mit 45 km/h gemessen, die Werte sind somit nicht direkt vergleichbar.
Für unsere zehn Testlaufräder ergaben sich bei 35 km/h gewichtete Leistungen von 15,6 bis 19,4 Watt. Niedrige Werte sind besser, da weniger Leistung benötigt wird, um die gleiche Geschwindigkeit zu halten. Die niedrigsten und damit besten Werte erzielten die 40 Millimeter hohen Leeze CC40 Allroad Evo Waso. Ihre gewichtete Leistung: 15,6 Watt. Es folgen, knapp dahinter, mit jeweils 16,3 Watt gewichteter Leistung, die Laufradsätze von DT Swiss und Swiss Side - beide sind 42 Millimeter hoch.
Grundsätzlich erzeugen breitere Reifen einen höheren Luftwiderstand, da sie dem Wind eine größere Anströmfläche bieten. Exemplarisch montierten wir deshalb einen 35 Millimeter breiten Terra-Speed-Reifen auf den DT-Swiss-GRC-1400-Laufradsatz.
Je höher die Felgen sind, desto „empfindlicher“ sind sie auch für Seitenwind. Dieser Effekt ist messbar.
Die niedrigsten und damit besten Werte erzielten die Modelle von DT Swiss und SwissSide - mit je 42 Millimetern Felgenhöhe sind sie die höchsten Modelle im Test. Sie stehen damit stellvertretend für einen Trend im Gravel-Race-Sektor zu höheren und damit aerodynamisch günstigeren Laufrädern.
DT Swiss präsentierte kürzlich mit dem Modell GRC Dicut einen neu entwickelten Laufradsatz mit 50er Felgenhöhe, der für 40 Millimeter breite Reifen optimiert ist.
Weitere DT Swiss Gravel Laufradmodelle
DT Swiss präsentiert drei neue Laufradmodelle für Gravelbikes. Dazu gehören leichtere und aerodynamisch optimierte Modelle aus Carbon. Die Felgenhöhe von 30 oder 50 mm passt sie an unterschiedliche Einsatzgebiete an. Die Innenmaulweite ist bei den Modellen identisch.
Hookless Felgen sind in den letzten Jahren immer populärer geworden, dabei wird deren Sicherheit aber genauso intensiv diskutiert. DT Swiss setzt deswegen auf Hooked Rims, da diese Felgenkonstruktion nicht nur ein hohes Maß an Sicherheit garantiert, sondern auch für einfache Handhabung sorgt.
Die neuen Carbon-Gravel-Felgen verfügen über eine patentierte äußere Carbonschicht, die für eine besondere Oberfläche der Felge sorgt.
- GRC 30 ist ideal für Abenteuerlustige, die robuste und vielseitige Felgen für ihre Touren abseits der Straße benötigen.
- GRC 50 ist für Fahrer:Innen entwickelt, die bei Rennen optimale Ergebnisse erzielen wollen.
- HGC 1400 SPLINE wurde speziell für die Bedürfnisse von E-Gravel-Bikes und Fahrer:innen mit hohen Systemgewichten zugeschnitten.
Hier eine Übersicht über die wichtigsten technischen Daten der GRC und HGC Modelle:
| Modell | GRC 1100 DICUT | GRC 1400 DICUT | HGC 1400 SPLINE |
|---|---|---|---|
| Vorderrad | 12/100 mm | 12/100 mm | 12/100 mm; 12/110 mm |
| Hinterrad | 12/142 mm | 12/142 mm | 12/142 mm; 12/148 mm |
| Freilauf | 180 DICUT® mit 36T Ratchet EXP System | 240 DICUT® mit 36T Ratchet EXP System | 240 Straightpull mit Ratchet EXP OS |
| Felge | Carbon, hooked bead, tubeless ready | Carbon, hooked bead, tubeless ready | Carbon, hooked bead, tubeless ready |
| Felgenhöhe | 30 & 50 mm | 30 & 50 mm | 30 mm |
| Größe | 584 x 24 mm (nur für 30mm Felgenhöhe) 622 x 24 mm | 584 x 24 mm (nur für 30mm Felgenhöhe) 622 x 24 mm | 584 x 24 mm 622 x 22 mm |
| Gewicht Laufradsatz | ab 1350 g (30 mm), ab 1567 g (50 mm) | ab 1421 g (30 mm), ab 1631 g (50 mm) | ab 1476 g |
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