DT Swiss Laufräder für Rennrad mit Felgenbremse im Test

Der neue DT Swiss ERC 1100 DiCUT Laufradsatz ist da: Revolution oder Evolution? David hat ihn getestet! Road Revolution, Aero+ und Formel 1-Know-how - ob DT Swiss mit dem neuen ERC 1100 DICUT® Laufradsatz das (Lauf-)Rad neu erfunden hat, durfte ich seit Anfang Februar selbst erfahren. Keine Angst, die Ingenieure von DT Swiss haben an der Grundidee eines perfekt kreisförmigen Rades festgehalten.

Und auch sonst wirkt der Laufradsatz auf den ersten Blick nicht anders als andere Aero-Laufräder. Trotzdem verspricht DT Swiss mit dem ERC 1100 DICUT® eine neue Benchmark für Endurance Laufräder zu setzen.

Der DT Swiss ERC 1100 DICUT Laufradsatz

Die Zutaten zum neuen disc only Topmodell der Endurance Reihe lesen sich wie folgt: 1530 g (*1510 g selbst gemessen), 47 mm Profilhöhe, 27 mm Außenbreite und 19 mm Maulweite.

Ausgelegt und konzipiert wurde die Felge auf „Plus-Size“ Rennradreifen der Breite 25 mm und 28 mm. Verfeinert wird das Ganze mit Keramiklagern, dem bewährten Ratchet System aus Zahnscheiben mit 36 Zähnen und dem DT Swiss eigenen RWS Achssystem mit 12 mm Achsen an beiden Enden (Umrüstkits auf andere Achsstandards liegen bei).

Abgerundet wird das Ganze schließlich mit der Möglichkeit, ab Werk tubeless zu fahren. Ach, und: Freigegeben sind die Laufräder bis zu einem Systemgewicht von 120 kg. Liest sich doch schon mal ziemlich gut, oder etwa nicht? Die Felge wurde extra für breitere Reifen (25-28 mm) konzipiert.

Technische Daten des DT Swiss ERC 1100 DICUT Laufradsatzes

Merkmal Wert
Gewicht 1530 g (1510 g selbst gewogen)
Achssystem 12 mm RWS Steckachse (Umrüstkits auf andere Standards liegen bei)
Bremsen Disc
Reifenart Faltreifen
Speichenzahl (VR und HR) 24
Felgenmaterial Carbon
Außenbreite Felge 27 mm
Maulweite 19 mm
Profilhöhe 47 mm
Freilauf Shimano/ SRAM Road

Aero+ Technologie

Aero+ - damit beschreibt DT Swiss das revolutionäre Design, mit dem sich der ERC 1100 DICUT® von seiner Konkurrenz absetzen und diese sogar hinter sich lassen soll. Die zu optimierenden Eckpfeiler dahinter bilden Luftwiderstand, Handling und Effizienz.

Um dies zu realisieren, hat man sich durch die Kooperation mit SWISS SIDE die Top-Adresse für Aerodynamik (mit Formel 1-Erfahrung) mit ins Boot geholt. Obwohl Laufräder nur zu 8% zum Luftwiderstand beitragen (Fahrer 75% und das Fahrrad als Einheit 25%), sah man genau hier trotzdem den größten Verbesserungsbedarf.

Neben der Minimierung von Luftverwirbelungen lag das Augenmerk vor allem auf einem stabilen Handling und aerodynamischer Stabilität. Denn nur wer Vertrauen in ein berechenbares Handling hat, wird sich wohl im Sattel fühlen und kann so lange in einer Aeroposition fahren. Gerade Hobbysportler sollten davon am meisten profitieren.

Der komplette Laufradsatz wurde bei Swiss Side aerodynamisch optimiert.

Praxistest des DT Swiss ERC 1100 DICUT

Zufall oder glückliche Fügung? Um dem kalten deutschen Winter nochmal zu entfliehen, fliege ich mit Freunden im Januar kurzerhand auf die Kanareninsel La Palma. Und siehe da, ich hatte Glück. Am Vortag zum gebuchten Flug treffen die Testlaufräder bei uns ein.

Also nochmal das Bikebag geöffnet und meine DT Swiss RR21 gegen die wunderschönen ERC 1100 DICUT® getauscht. Die ersten Meter fahre ich somit auf dem teils wirklich schlechten Asphalt der kanarischen Vulkaninsel. Mit meinen 28 mm Reifen und einem Druck von 5,5 bar gleite ich förmlich über Unebenheiten hinweg. Trotzdem bleiben die Laufräder dabei herrlich direkt und laden zu Zwischensprints ein.

Bergab bestechen sie - in Zusammenarbeit mit den breiten Reifen - durch eine Menge Grip und geben so viel Vertrauen. War es auf La Palma noch recht windstill, sah das bei einer unserer Testrunden durch das windige Holland schon anders aus.

Mangels Erfahrungen mit Aerolaufrädern war ich hier zunächst recht zaghaft, fasste aber schnell immer mehr Vertrauen. Völlig frei von jeglichen Windeinflüssen ist der Laufradsatz natürlich nicht, aber ich hatte nach der Eingewöhnungsphase zu keiner Zeit Angst, dass ich dem Wind zum Opfer fallen würde.

Dass ich mit meinen 84kg nicht gerade eine Bergziege bin, gibt mir hier einen Vorteil und trägt zu einem stabilen Fahrverhalten bei. Freihändig fahren würde ich an dieser Stelle niemandem empfehlen. Es ist aber auch nicht so, dass man permanent volle Spannung im Oberkörper halten muss.

Ich glaube, am besten kann ich den Laufradsatz als „unauffällig“ in dieser Hinsicht beschreiben. Erwartungsgemäß macht der ERC 1100 DICUT® auch abseits geteerter Straßen eine gute Figur.

Einzig das mulmige Gefühl, einen so teuren Laufradsatz über Stock und Stein zu fahren, konnte ich nicht abschütteln.

Alternativen und Marktentwicklung

Sind Felgenbrems-Laufräder eine aussterbende Spezies? Unter Rennradfahrern ist es die Stammtischfrage schlechthin: Felgen- oder Scheibenbremse? Denn die Tage der guten alten Felgenbremse scheinen gezählt. Im aktuellen Angebot der Radhersteller und, wichtiger noch, bei der Produktentwicklung übernimmt die Scheibenbremse immer häufiger die tragende Rolle - Räder und Komponenten, die exklusiv auf das Zusammenspiel mit Felgenbremsen ausgerichtet sind, werden seltener.

Noch bieten viele Hersteller ihre Produkte zwar für Scheiben- und Felgenbremsen an, bei kompletten Neuentwicklungen heißt es indes immer häufiger: disc only.“Im Nachrüstmarkt sind Felgenbrems-Laufräder immer noch ein großes Thema", betont jedoch Christian Brumen, Category Manager Dropbar bei Rose.

Und Freunde der klassischen Radverzögerung müssen nicht verzagen: Wer dem eigenen Felgenbrems-Renner mit neuen Laufrädern frischen Schwung verleihen will, findet derzeit noch eine große Auswahl an Produkten. 20 Modelle hat ROADBIKE für diesen Artikel in Labor und Praxis getestet - in drei Preiskategorien: um 600 Euro, um 1000 Euro und um 2000 Euro.

Testübersicht: 20 Laufräder für Felgenbremsen

Das Testfeld setzt sich aus alten Bekannten und Newcomern zusammen, wobei eins auffällt: Neu entwickelte Felgenbrems-Laufräder in den beiden günstigeren Preiskategorien waren nicht zu kriegen - hier findet offenbar keine Entwicklung mehr statt. Also wurden für die Preisbereiche um 600 und um 1000 Euro bekannte und teils schon länger am Markt befindliche Modelle getestet.

Wenn überhaupt noch wirklich neue Laufradmodelle für Felgenbremsen auf den Markt kommen, geschieht dies offenbar "nur" noch im im hochpreisigen Sektor. Und selbst da wird nicht alles komplett neu entwickelt, sondern adaptiert: "Felgenbrems-Laufräder profitieren von den technischen Erkenntnissen und Fortschritten aus der Disc-Laufradentwicklung", erklärt Alex Gebert, Produktmanager bei Giant.

Aero-Optimierung, Carbon-Speichen, Hookless-Felgen - all das übernimmt zum Beispiel der getestete Cadex-Laufradsatz von seinem Schwesterprodukt für Scheibenbremsen. Zwar wird manchem überzeugten Felgenbrems-Fan das Herz bluten angesichts der Tatsache, dass Felgenbrems-Laufräder den Herstellern nur noch in Ausnahmefällen die Entwicklungskosten wert sind, hervorragende Produkte findet er/sie trotzdem noch.

Preisklassen und ihre Besonderheiten

Interessanter Nebeneffekt der vorliegenden, 20 Produkte umfassenden Leistungsschau verschiedener Preisklassen: Auf einen Blick lässt sich erkennen, wie und wo sich höhere Preise bemerkbar machen. Die Erkenntnisse: Die vier getesteten High-End-Laufradsätze um 2000 Euro kommen ausschließlich mit Carbon-Felgen, überzeugen mit top Steifigkeitswerten und liefern mehrheitlich Spitzenwerte, was Gewicht und Trägheitsmessungen angeht - also jenen Aspekten, die auf das Fahrerlebnis einzahlen, etwa durch leichtfüßige Beschleunigung. Teurer bedeutet hier also tatsächlich auch besser.

Gleichzeitig gilt aber auch: Die besten Vertreter der Preisklasse um 1000 Euro bleiben auf Schlagdistanz - egal, ob sie mit Carbon- oder Alu-Felgen aufgebaut sind. Und selbst die Modelle um 600 Euro, die ausschließlich auf Alu-Felgen setzen, schlagen sich wacker. Das heißt: Freunde von Felgenbrems-Laufrädern finden aktuell noch viele überzeugende Produkte - selbst wenn es die letzten ihrer Art sein sollten.

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