Ducati 748R: Technische Daten und Rennsport-Details

Die Ducati 748 wird von 1994 bis 2002 produziert und basiert technisch wie optisch auf der Ducati 916. Sie übernimmt das charakteristische Design mit Doppelscheinwerfer, Gitterrohrrahmen und schlanker Verkleidung nahezu unverändert. Die 748 ist als sportliches Mittelklassemodell mit 748 cm³ großem 90°-V2-Motor konzipiert und richtet sich an Fahrer, die ein leichteres, drehfreudigeres Motorrad als die 916 suchen.

Modellgeschichte der Ducati 748

1994-1996 - Einführung der 748 Biposto und 748 SP

Zum Marktstart 1994 erscheint die Ducati 748 in zwei Varianten: als 748 Biposto mit Soziussitz und als 748 SP (Sport Production). Die SP ist auf den Rennstreckeneinsatz ausgelegt und wird in limitierter Stückzahl produziert. Sie verfügt über ein enger abgestuftes Getriebe, einen leichteren Rahmen, ein Showa-Fahrwerk und eine Trockenkupplung. Beide Modelle nutzen den Desmoquattro-Motor mit 8 Ventilen und desmodromischer Ventilsteuerung. Die SP wird offiziell nur bis 1995 angeboten.

1996-1999 - Einführung der 748S und 748L

Ab 1996 ersetzt die 748S die SP-Version. Die 748S ist in verschiedenen Ausstattungsvarianten erhältlich, darunter als Monoposto (Einsitzer) und Biposto (Zweisitzer). Sie erhält ein Showa-Fahrwerk und bleibt technisch eng an der 916 orientiert. 1999 erscheint zusätzlich die 748L (L für „Light“), eine auf bestimmte Märkte beschränkte, abgespeckte Version mit vereinfachter Ausstattung.

2000-2002 - 748R als Topmodell

Im Jahr 2000 bringt Ducati die 748R auf den Markt. Sie ist für den Homologationseinsatz in der Supersport-WM entwickelt und stellt die technisch aufwendigste Variante dar. Der Motor erhält größere Titanpleuel, überarbeitete Zylinderköpfe mit größeren Ventilen und eine höhere Verdichtung. Die 748R ist ausschließlich als Monoposto erhältlich, besitzt eine Trockenkupplung, ein Öhlins-Fahrwerk und eine hochwertige Brembo-Bremsanlage. Die 748S bleibt weiterhin im Programm und erhält ab 2001 ein Showa-Fahrwerk mit einstellbarer Zug- und Druckstufe. 2002 endet die Produktion der 748 zugunsten der neu entwickelten Ducati 749.

Die Rennmaschine Ducati 748RS

Die Ducati 748RS wurde von der Ducati Corse Rennabteilung in den späten Neunziger Jahren und zur Jahrtausendwende an Kunden verkauft, die sich in den Supersport Rennklassen mit einem 750 Kubik Zweizylinder gegen 600 Kubik starke Vierzylinder messen wollten. Das Preisschild der Ducati 748RS Rennmaschine zeigte eine immense Zahl, damals noch zu D-Mark Zeiten, um die 40000 Taler. Dafür bekam man als Rennsportkunde jedoch eine ganze Reihe an technischen Schmankerln, die man in sonst keinem Motorrad von der Stange des Ducati Werks finden konnte.

Besondere Merkmale der 748RS

  • Wasserkühler: Der 748RS Wasserkühler bot eine deutlich größere Kühlfläche als der Serienkühler.
  • Heck: Hier zierte ein Kohlefaser-Höckerhalter einen Alu Heckrahmen.
  • Motorentlüftung: Darunter befindet sich, anders als bei der 748R, die kleinere Version der Racing Motorentlüftung, die das kleine Bauteil der 748R ersetzt.
  • Batteriekasten: Mehr Kohlefaser findet man in Richtung Batteriekasten der 748RS, der aus lediglich Platz für eine kleine 4 Ampere Batterie bot.
  • Cockpit: Zusätzlich hierzu hatte die RS ein tolles Magneti Marelli Cockpit, welches von einem - natürlich - Kohlefaserverkleidungshalter in Position gebracht wurde.
  • Airbox: Das Airboxoberteil von MS Production war aus Kohlefaser, genau wie der Schwingenschutz und Auspuffhitzeschutz.

Auspuffanlage und Einspritzung

Der Auspuff der 748RS ist noch 10 Jahre später ein Juwel auf dem Gebrauchtmarkt. Eine 0,8mm dünnwandige Termignoni Racinganlage mit 54mm Durchmesser von vorne bis hinten und innerlich konischen Schalldämpfern verhalfen den oftmals bis zu 125 reinrassigen Desmopferden zu orkanartiger Akustik. Eben diese wurde von der großen Airbox mit den 54mm Drosselklappenkörpern unterstützt. Die Einspritzung der 748RS bestand aus zwei Showerdüsen, die über den Trichtern hingen.

Fahrwerk und Komponenten

Das Fahrwerk der 748RS bestand von vorne bis hinten aus hochwertigen Öhlinskomponenten. Das Federbein kam mit einem großen Druckbehälter, dass der entstehenden Hitze im Rennbetrieb besser standhalten sollte. Der Lenkungsdämpfer von Öhlins war einstellbar, genau wie die Gabel aus dem schwedischen Hause. Diverse Kleinigkeiten, die den Rennteams zum Sieg verhelfen sollten, spickten die Ducati 748RS. So beispielsweise der Killschalter, der eigentlich ein Zündunterbrecher war, der das Schalten unter Volllast ermöglichen sollte. Die RS kam allerdings ab Werk mit breiten Racingzahnriemen, die mehr Zuverlässigkeit im Rennbetrieb liefern sollten. Direkt neben den Zahnriemen verrichtete eine Ducati Antihoppingkupplung ihren Dienst. Die Basis für ein schnelles Rennmotorrad war also gegeben. Den Rest durften und sollten Motorentuner, Fahrwerksgurus und die Rennteams auf diesem Planeten unter sich ausmachen.

Technische Daten der Ducati 748 R (Modelljahre 2001-2002)

  • Motor: Desmoquattro-V2 mit 748 cm³
  • Besonderheiten: Titanpleuel, überarbeitete Zylinderköpfe mit größeren Einlassventilen, CNC-gefräste Einlasskanäle, höhere Verdichtung
  • Einspritzanlage: Magneti Marelli mit 50-mm-Drosselklappen und zwei Einspritzdüsen pro Zylinder
  • Gabel: Voll einstellbare Showa-Upside-Down-Gabel mit TiN-Beschichtung
  • Federbein: Öhlins, voll einstellbar
  • Rahmen: Identisch mit Ducati 996 R (erhöhte Steifigkeit)
  • Räder: Marchesini-Leichtmetallräder
  • Tankinhalt: 17 Liter
  • Reifen vorne: 120/70 ZR17
  • Reifen hinten: 180/55 ZR17

Sitzposition, Ausstattung und Alltagstauglichkeit

Die Ducati 748 bietet eine sportlich-gestreckte Sitzposition mit hohem Kniewinkel und tiefem Lenker. Die Biposto-Modelle sind mit einem Soziussitz ausgestattet, der jedoch nur eingeschränkt für längere Fahrten geeignet ist. Die Monoposto- und R-Versionen sind ausschließlich für den Solobetrieb ausgelegt. Ein verstellbarer Windschild ist nicht verbaut. Die Instrumentierung besteht aus einem analogen Tacho und Drehzahlmesser sowie Kontrollleuchten. Ein LC-Display ist nicht vorhanden. Serienmäßig ist keine Gepäcklösung vorgesehen, Ducati bietet jedoch optional Tankrucksäcke und Hecktaschen an.

Ist die Ducati 748 für Anfänger geeignet?

Die Ducati 748 ist aufgrund ihrer sportlichen Sitzposition, des drehfreudigen Motors und der präzisen, aber fordernden Fahrwerksabstimmung nicht für Fahranfänger geeignet.

Hat die Ducati 748 ABS?

Nein, die Ducati 748 ist in keiner Version mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet.

Ducati 748 vs. Ducati 916 - Unterschiede?

Die Ducati 748 unterscheidet sich von der 916 hauptsächlich durch den kleineren Hubraum, eine andere Motorabstimmung und teilweise abweichende Fahrwerkskomponenten. Optisch sind beide Modelle nahezu identisch.

Ducati 748 Tankinhalt und Reichweite?

Der Tankinhalt beträgt laut Ducati 17 Liter. Die Reichweite liegt je nach Fahrweise und Modell zwischen 200 und 250 Kilometern.

Darf man mit der Ducati 748 nach Tirol fahren?

Das Standgeräusch der Ducati 748 liegt je nach Modelljahr und Auspuffanlage bei über 95 dB(A).

Fahrbericht Ducati 748 R

Ducati will sich nicht mit dem Abonnement auf den Superbike-WM-Titel begnügen. Jetzt will man auch in der Supersportklasse wieder ganz nach oben. Feinste Motorentechnik soll der 748 R dabei helfen. Die R ist ohne Zweifel das Sahnestückchen der 748er-Kollektion. Nicht nur, weil R für Racing steht, und Racing immer etwas Besonderes ist. Es steckt wirklich alles drin, was gut und teuer ist - und vor allem schnell macht. Für 28 340 Mark gibt es sozusagen die Technik des Weltmeisters. So kommen bei Ducati erstmals in der Geschichte der Serienfertigung CNC-gefräste Brennräume zum Einsatz. Diese sehr aufwendige Bearbeitung der Zylinderköpfe war bislang nur den Rennmotoren vorbehalten und soll für optimale Spülung und Verbrennung sorgen. Für eine bessere Füllung wurden die Ventile um je einen Millimeter im Durchmesser vergrößert, und die Ansaugrohre wuchsen auf einen Durchmesser von 54 Millimeter. Leichtere, optimierte Kolben und Titanpleuel senken die oszillierenden Massen und erhöhen somit die Drehzahlfestigkeit.

Der Clou ist allerdings die neue Einspritzanlage. Deren Einspritzdüsen sind nicht mehr wie sonst üblich in die Gehäuse der Drosselklappen geschraubt. Sie hängen wie bei einem Superbike-Rennmotor knapp über den Ansaugtrichtern. Das soll zum einen für eine bessere Vermischung von Luft und eingespritztem Kraftstoff sorgen, zum anderen die Temperatur der Ansaugluft senken. Was wiederum eine höhere Dichte der Luft und somit bessere Füllung zur Folge hat. Ein Trick, der schon länger aus der Formel eins bekannt ist. Zur weiteren Leistungssteigerung im oberen Drehzahlbereich wurden außerdem Ansaugrohre und Trichter stark gekürzt. Unglaublich direkt und spontan hängt der Zweizylinder am Gas, schiebt die gelbe Pracht schon aus mittleren Drehzahlen aus den engen Ecken und dreht ohne jeglichen Schwächeanfall bis an den Begrenzer bei 12100/min. Wenn man es nicht besser wüsste, man könnte sich auf einer hubraumstärkeren 996 wähnen. Immerhin 106 PS sollen die R in der Basisversion vorantreiben, für den Rennbetrieb erhofft man sich noch einiges mehr.

Fahrwerksseitig setzt Ducati bis auf leichtere Räder auf altbewährte Technik. Gitterrohrrahmen, Einarmschwinge, Federelemente von Showa – alles wie gehabt, alles nahezu perfekt. Extrem spurstabil in langgezogenen Kurven, gewohnt störrisch in den engen Schikanen. Wer hier blitzschnell umlegen will, braucht entweder die Kraft eines Schwerathleten oder die Technik des neuen Ducati-Werkspiloten Ruben Xaus. Neue Wege geht Ducati dagegen beim Vorderreifen. Der Pirelli im Format 120/65 ist dem traditionellen 120/70er in Sachen Stabilität zwar leicht überlegen, das richtig gute Gefühl beim Bremsen in Schräglage will sich aber nicht spontan einstellen. An das höhere Aufstellmoment dieser Konstruktion muss man sich erst einige Runden gewöhnen.

Fazit

Die Ducati 748 ist mit ihrer größeren Schwester, der 916 (später 996 und 998) nahezu baugleich. Das Design ist ein Meilenstein in der Motorradgeschichte! Beim Erscheinen der Modelle seiner Zeit um Jahre voraus und auch jetzt noch immer sportlich und absolut zeitlos elegant. Flache Doppelscheinwerfer, gelungene Verkleidung, Einarmschwinge, dynamisches Heck mit Underseat-Doppelrohr-Auspuffanlage. Aus jeder Perspektive unverwechselbar schön und gelungen. Inzwischen irgendwie einfach zu schade für diese Welt. Zu schade um in einer Sammlung zu versauern, aber auch zu schade um sie artgerecht dynamisch zu bewegen. Damals unerschwinglich, werden auch jetzt noch stolze Preise für gut erhaltene Exemplare aufgerufen.

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