Ducati Carbonfelgen im Test: Lohnt sich das Upgrade?

Carbonfelgen sind edle Tuning-Parts mit mächtiger Wirkung und ein echter Fetisch für viele Ducati-Fahrer. Doch wie schlagen sie sich im Vergleich zu Schmiedefelgen? Wir haben uns einen Satz Thyssenkrupp Carbonfelgen für unsere TuneUp Ducati Streetfighter V4 S bestellt und den direkten Vergleich zur Serienausstattung gemacht.

Carbonfelgen: Ein Überblick

Viele Ducati-Treiber teilen einen ausgeprägten Carbonfetisch. Und das ist auch gut so, denn Carbon ist einfach ein geiler Werkstoff, der nicht umsonst in den rennsportlichen Königsklassen Standard ist. Ausgerechnet Thyssenkrupp hat 2019 die ersten straßenzugelassenen Carbonräder auf den Markt gebracht. Heuer hat Thyssenkrupp nachgelegt und die Carbonfelgen für Einarmschwingen präsentiert.

Gewichtsersparnis und ihre Auswirkungen

Bereits vor der Montage schockieren die Carbonfelgen mit Hammerwerten auf der Waage: Das Vorderradfelge wiegt gerade einmal 2,3 Kilogramm mit Radlagern und Reifenventil montagefertig. Der Thyssenkrupp Carbonfelgensatz für die Streetfighter V4 und Panigale V4 unterbietet die Schmiedeserienfelgen der S-Modelle um stolze 1,4 Kilogramm. Das sind knapp 23 Prozent Gewichtsersparnis. Und zwar genau dort, wo man es am meisten spürt: rotierende Masse, die ständig beschleunigt und abgebremst werden muss.

Die Theorie lehrt: Das Handling müsste leichter sein, die Beschleunigung und das Abbremsen besser. Streng genommen sind die Belastungsspitzen, die die Carbonräder aushalten, sogar höher, da die Thyssenkrupp-Felgen aufgrund ihres Flechtverfahrens auch einen gewissen Flex mitbringen, sprich einwirkende Kräfte etwas abfedern können. Das können zwar hochfeste aber auch sprödere Materialien wie geschmiedetes Aluminium oder Magnesium in der Form nicht.

Leichtere Felgen können das Fahrverhalten eines Motorrads erheblich beeinflussen, da sie eine direkte Auswirkung auf die ungefederten Massen und das gyroskopische Verhalten der Räder haben.

  • Da leichtere Felgen weniger rotierende Masse haben, benötigt der Motor weniger Energie, um die Räder zu beschleunigen.
  • Das reduzierte gyroskopische Moment bedeutet, dass das Motorrad schneller und leichter in Schräglage gebracht werden kann.
  • Da leichtere Felgen auch die ungefederten Massen verringern, können die Federelemente des Motorrads schneller und präziser auf Bodenunebenheiten reagieren.
  • Weniger rotierende Masse bedeutet, dass die Bremsen weniger Arbeit leisten müssen, um das Motorrad zu verzögern.
Leichtere Felgen verbessern also die Dynamik eines Motorrads in fast allen Bereichen - von der Beschleunigung über das Handling bis hin zur Bremsleistung.

Neben dem Bonus der verbesserten Fahrdynamik spielt natürlich auch die Optik eine Rolle.

Fahrverhalten: Carbonfelgen vs. Schmiedefelgen

Können 1,4 Kilogramm Einsparung das wert sein? Ja, leider. Beim Test konnte ich direkt von einer Streetfighter auf die nächste hupfen und den Vergleich herausfahren bei exakt gleichen Bedingungen: gleiche Strecke, gleiche Temperaturen, gleiche Reifen, gleiche Fahrwerkseinstellung. Und man spürt die Carbonfelgen sofort.

Es ist kein Unterschied wie Tag und Nacht, aber er ist so groß, dass man bereits beim Abbiegen in erhöhter Schrittgeschwindigkeit spürt, dass etwas anders ist. Meine Befürchtung, dass die Streetfighter V4 S durch die Carbonfelgen noch kippeliger wird, eventuell sogar hyperagil, haben sich in keiner Weise bewahrheitet. Ganz im Gegenteil: Im direkten Vergleich scheint mir das Handling mit den Carbonfelgen sogar neutraler aber trotzdem auch leichtfüßiger. Die Tendenz zum Kippeligen in engen Ecken mit eher kühlen Reifen ist spürbar geringer.

Ab 60 km/h wird der Handlingvorteil richtig deutlich. In sehr schnellen Ecken (ca. Autobahntempo) ist das Handling einfach nur traumhaft. Von links auf rechts klappt man spielerisch um - noch spielerischer als mit den Schmiedefelgen, obwohl auch das schon ein Genuss an sich ist.

Kosten und Nutzen

Der Thyssenkrupp-Carbonfelgensatz in der Dimension 3,5 x 17 Zoll (vorne) und 6,0 x 17 Zoll (hinten) kostet in der glänzenden Ausführung 3.799 Euro, in der von uns getesteten matten Ausführung 289 Euro mehr. 1,4 Kilogramm Gewichtsersparnis zum Preis von 4.088 Euro. Pro eingespartes Kilo zahlt man demnach 2.920 Euro. Oder anders gerechnet: 4.088 Euro für 5,4 Kilogramm schweres Carbon. Ergibt einen Kilopreis von 757 Euro für die Thyssenkrupp-Carbonfelgen in der matten Ausführung.

Verdammt ja, 4.088 Euro ist viel Geld für Carbonfelgen. Und in Relation zum Motorradneupreis ist es auch noch eine Menge. Aber: Das ohnehin einfache Handling der Ducati Streetfighter V4 S profitiert in jeder Fahrsituation von dem Räderupgrade.

Man kann es sich auch schönrechnen: Die original Ducati Performance Carbon-Winglets (4 Stück) kosten 1.200 Euro, ohne echten Mehrwert außer minimaler Gewichtsersparnis und aufgewerteter Optik. Dagegen wirken die Thyssenkrupp-Carbonfelgen zwar noch immer nicht wie ein Schnäppchen, aber für Carbonfetischisten und all jene, die wirklich nur Geld für ein Mehr an Performance ins Bike stecken wollen, sind die Carbonfelgen eine deutlich preiswertere und sinnvollere Investition. Und, um das nochmals hervorzuheben: Bei voller Legalität im Straßenverkehr, ohne Einschränkungen bei der Montage oder im Betrieb.

Alternativen und weitere Aspekte

Bei den „normalen“ Panigale-Modellen (z.B. V2 und V4) sind die Felgen ein Punkt, den man durchaus angehen kann. Info: Sondermodelle wie die Ducati Panigale Superleggera verfügen bereits über gewichtsoptimierte Felgen.

Am einfachsten ist es, die Felgen von OZ auf der Ducati Panigale eingetragen zu bekommen. Diese verfügen über ein JASO Festigkeitszertifikat, was einige Prüfer als Grundlage für die Einzelabnahme akzeptieren. Marchesini Felgen haben zum Beispiel überhaupt kein Gutachten, was die Eintragung so gut wie unmöglich macht. Wenn man also seinen Felgenumbau auch im öffentlichen Straßenverkehr einsetzen will, dann raten wir immer zu den OZ Umbausätzen zu greifen.

Ein Umbau der Felgen bei der Ducati Panigale bringt nicht nur eine einzigartige Optik, sondern auch eine gute Gewichtsersparnis mit sich. Dieses Mindergewicht wirkt sich dabei im Rahmen der ungefederten Massen direkt auf das Fahrgefühl und unter Umständen auch auf die Rundenzeiten aus. Ob einem der relativ hohe Preis für den Umbau wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Die Carbonfelgen sind in Summe 1,4 Kilo leichter als die Alu-Felgen und reduzieren so die rotierende Masse vorn um 25 Prozent und hinten um 46 Prozent. Schnelleres Umlegen und präzisere Fahrmanöver sollen so möglich sein.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Carbonfelgen und zusätzlich leichte Hypersport-Pellen sind der absolute Bringer im Punkt Fahrverhalten, Fahrspaß und Agilität (Stichworte: Geringe ungefederte Massen, geringes Trägheitsmoment). Die Nachteile sind der hohe Preis und die erhebliche Empfindlichkeit das CFK, was sich im Dauerbetrieb auf der LS als gefährlich herausstellen könnte. Ich denke die Teile gehören eher auf die Rennstrecke als auf die Landstraße, aber das muss jeder selber entscheiden.

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