Die Ducati DesertX ist eine Reiseenduro, die mit ihrem 110 PS starken V2-Motor und der Optik von Rally-Dakar-Maschinen begeistert. Eine Testfahrt zeigt, wie sich das Bike auf der Straße und im Gelände schlägt.
Design und Inspiration
Optisch ist die weiße Italienerin dem Konzeptbike und den historischen Vorbildern nachempfunden und trägt einen markanten Doppelscheinwerfer, der in die Frontverkleidung mit aufragendem Windschild integriert ist. Damit erinnert sie an die Cagiva Elefant, die mit einem 900er-Ducati-V2-Motor unter Edi Orioli die Dakar-Rallye 1990 gewann.
Fahrwerk und Geländetauglichkeit
Das Fahrwerk ist auf echten Geländeeinsatz ausgelegt. Mit einem Gitterrohrrahmen aus Stahl, optimaler Lenkgeometrie und hochwertigen, voll einstellbaren Kayaba-Federelementen mit reichlich Federweg vorn und hinten für eine Bodenfreiheit von 25 Zentimetern ist die DesertX gut aufgestellt für Fahrten auf unruhigem Terrain. Allerdings beschert diese Konstruktion eine beachtliche Sitzhöhe von 87,5 Zentimetern, was das Anhalten auch für Langbeinige zur Herausforderung macht.
Motor und Fahrdynamik
Für die Fahrdynamik sorgt der 937 cm³ große, 110 PS starke Desmo-V, bekannt aus der jüngsten Monster, der Hypermotard, der SuperSport 950 und der Multistrada V2. Dieser Antrieb stammt zwar von der Straße, wurde aber mit kürzer abgestimmtem ersten und zweiten Gang auf den Geländebetrieb ausgelegt. Wie in den anderen Modellen gibt sich der Twin hochkultiviert, liefert schon unten herum reichlich Druck und dreht schön linear durchs Drehzahlband. Um den diversen Einsatzzwecken gerecht zu werden, stehen dem Fahrer vier Motormodi zur Verfügung, die den Charakter deutlich verändern. Im Touring-Modus nimmt der Motor sanft das Gas an und nutzt auf Asphalt das maximale Drehmoment von 92 Nm bei 6500 U/min zu einem gut beherrschbaren Fahrgenuss.
Spontaner, aber auch etwas zickiger geht’s im Sport-Modus zur Sache. Dann prescht die Ducati mit Verve und vollen 110 PS spritzig über gewundene Landstraßen und benimmt sich dabei so folgsam und neutral, dass man das große 21-Zoll-Vorderrad fast vergisst. Hier braucht’s den Lenkungsdämpfer kaum, zumal der lange Radstand ohnehin für viel Stabilität bürgt, die DesertX aber etwas störrisch werden lässt.
Bremsen
Perfekt zur Fahrt auf Asphalt passen die Vierkolben-Festsattelzangen im Vorderrad, die sich punktgenau dosieren lassen und bei Bedarf äußerst knackig verzögern.
Offroad-ABS
Auf unbefestigten Pisten, Schotter- und Sandwegen kommt der Enduro-Modus zum Einsatz, der den Twin auf 75 PS zügelt und das ABS speziell für den Offroad-Betrieb umstellt. Bei immer noch spontanem Gaseinsatz erlaubt die angepasste Traktionskontrolle kontrollierte Slides auf losem Untergrund, die dank der sauberen Regelung nicht einmal Offroad-Anfänger schrecken können. Das Offroad-ABS hilft auch weniger Geübten, sturzfrei und sicher durch den Kurs zu kommen.
Ducati DesertX Rally: Details und Besonderheiten
Die neue KYB (Kayaba) Upside Down Gabel mit nun 250 mm Federweg ist mit ihren 48 mm Durchmessern, der Kashima Beschichtung der Standrohre, der DLC Beschichtung (diamantähnliche Kohlenstoffbeschichtung) der Tauchrohre wohl nicht nur ein Eyecatcher. Das Set-Up der Ducati Leute aus Borgo-Panigale war für mich schweren Brummer zu weich. Mit einem Werkzeug, das sich unter der Sitzbank eingeklemmt befindet, habe ich mir das Grundsetup um 6 Klicks in der Federvorspannung, in Richtung H gekennzeichnet, erhöht. Voll mechanisch einstellbar ist nicht nur die Gabel, sondern auch das Federbein.
Ebenfalls feinste KYB Qualität und mit einem Federweg von 240 mm, ist die Kolbenstange um 2 mm Durchmesser gewachsen. Das Federbein an der DesertX Rally ist ebenfalls in der High and Low Speed Vorspannung einstellbar. Hier erhöhte ich das Grundsetup in der Vorspannung auf 5 Klicks in Richtung H und die kleine Schraube am Federbein unten bekommt eine halbe Umdrehung Richtung Hard. Tolles Plus, die Bodenfreiheit wächst durch den Mehrfederweg von 260mm auf 280mm. Einzig die Sitzbankhöhe von 910 mm ist nun unvermeidlich.
Ergonomie
Um den Wechsel von Stadt zu Gelände wirklich ergonomisch zu gestalten, punktet Ducati mit einer smarten Bremslösung fürs Hinterrad. Der in der Grundform CNC gefräste Fußbremshebel ist aus einem Stahlrahmen und mit einem um 90 Grad einstellbaren Fußteil. Natürlich fahren wir fast überwiegend im Stehen und daher hält der Einstellmodus Gelände bei mir den Vorrang. Was mich gleich zur Ergonomie der Fahrposition kommen lässt. Ich fühle mich sauwohl. Ich bin der Pilot nicht der Passagier. In diesem Gefühl unterstützt mich der Lenker. Sowohl die Höhe des Lenkers als auch die Kröpfung nach hinten und oben, Back- und Upsweep, sind so gewählt, dass ich zum ersten mal nicht den Schraubenschlüssel ansetzen muss. Gleichzeitig, und das feiere ich am meisten, lässt der Lenker noch die Verstellung der Kupplung- und Bremseinheit nach Innen zu. Wie Ihr wisst bin ich Radlfahrer und ein großer Freund des Hebelgesetztes. Heißt Armaturen soweit wie möglich nach Innen schieben und nur mit den Zeigefingern die Hebel bedienen. Gibt mir mehr Halt am Lenker und eine bessere Dosierbarkeit an den Hebeln.
Bremsen der DesertX Rally
Jedoch lassen sich die Hersteller aus Curo nicht Lumpen und gehen mit edelster Ware zweier Brembo Radial 4 Kolben Bremssättel am Vorderrad und einer 2 Kolben Floating Bremszange am Hinterrad an den Start. Verzögert wird vorne mit 320 mm Aluminium Kern Semi Floating Bremsscheiben. Am Hinterrad reicht eine 265mm große Scheibe komplett aus. Bremsen tut das bestimmt mächtig.
Designmerkmale der DesertX Rally
Bei der DesertX Rally sollen die Optik und Gewicht mit Haltbarkeit vereint werden. So sind alle Dekore aus dicker Qualität wie bei Sportenduros und sollen nicht nur cool aussehen, sondern auch langlebiger sein und als Protektor schützen. Ich würde mir lediglich die Enden ein wenig abgerundet wünschen. Uns wird versprochen, dass nicht nur die Sticker/Dekore sondern auch alle Plastiks günstiger im Austausch seien. Plastik??? Genau, nur der Tank ist aus Metall. Der Rest ist aus leichtem und flexiblen Sportenduro Plastik.
Technische Daten und Preis
Hier sind die technischen Daten und der Preis der Ducati DesertX:
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Motor/Getriebe | Flüssigkeitsgekühlter 90°-Zweizylindermotor, 937 ccm Hubraum, 81 kW/110 PS bei 9250 U/min, max. Drehmoment 92 Nm bei 6500 U/min; vier Ventile/Zylinder, desmodromisch gesteuert, Einspritzung, Sechsganggetriebe, Kette |
| Fahrleistungen und Verbrauch | Höchstgeschwindigkeit 210 km/h, 5,6 l/100 km |
| Fahrwerk | Stahl-Gitterrohrrahmen; 46 mm USD-Telegabel vorne, komplett einstellbar, 230 mm Federweg; Aluminiumguss-Zweiarmschwinge hinten, Zentralfederbein komplett einstellbar, 220 mm Federweg; Speichenräder; Reifen 90/90-21 (vorne) und 150/70 R18 (hinten). 320 mm Doppelscheibenbremse vorne, 265 mm Einscheibenbremse hinten |
| Maße und Gewichte | Radstand 1608 mm, Sitzhöhe 875 mm, Gewicht fahrfertig 223 kg, Zuladung 240 kg; Tankinhalt 21 l |
| Assistenzsysteme | Abschaltbares Kurven-ABS, abschaltbare Traktionskontrolle, sechs Fahrmodi |
| Preis | 16.790 Euro |
Zusatzausstattungen
Mit allerlei maßgeschneidertem Zubehör lässt sich das Profil der DesertX nach Gusto schärfen. Von Alukoffern bis zur Rally-Sitzbank über LED-Zusatzscheinwerfer bis zu einem Zusatztank am Heck reicht das Angebot. Leider sind ein paar essenzielle Reisemerkmale wie Heizgriffe und der Hauptständer nur im Zubehör zu finden, doch tut das dem Premierenauftritt keinen Abbruch.
Vergleich: Ducati DesertX 2022 vs. 2023
Die Ducati DesertX 2022 und 2023 ähneln sich in vielen Aspekten. Beide Modelle verfügen über einen 4-Takt 90 Grad V 2-Zylinder-Motor mit Einspritzung und einem Hubraum von 937 Kubik. Das Fahrwerk besteht sowohl bei der 2022er als auch bei der 2023er Version aus einer in Druckstufe, Federvorspannung und Zugstufe verstellbaren Telegabel Upside-Down von Kayaba mit 46 Millimeter Standrohr-Durchmesser vorne und einem in Druckstufe, Federvorspannung und Zugstufe verstellbaren Monofederbein von Kayaba hinten. Auch bei den Bremsen setzt man auf beiden Modellen vorne auf eine Doppelscheibe mit 320 Millimeter Durchmesser und Vierkolben-Zange von Brembo und hinten eine Scheibe mit 265 Millimeter Durchmesser und Zweikolben-Zange von Brembo. Die Reifendimensionen sind ebenfalls identisch (90/90-21 vorne und 150/70-18 hinten), ebenso wie der Radstand (1.608 Millimeter) und das Tankvolumen (21 Liter). Einziger Unterschied ist die Sitzhöhe der DesertX 2023, die von 875 bis 890 Millimeter reicht.
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