Ducati Diavel V4 im Test: Ein umfassender Vergleich

Ducati schickt ab Mai 2025 auch die XDiavel mit dem bewährten V4 Granturismo auf die Straße. Techno-Cruiser nennt Ducati seine XDiavel V4. Das passt.

Die Alternative zur Diavel V4 kommt mit der gleichen Leistung, aber eigenständigem Look, sieht man vom mächtigen Vierer-Endtopf und der eigentlichen Linie mal ab.

Design und Besonderheiten

Die XDiavel V4 bleibt ein visuelles Statement lang, flach, breit, mit klarer Silhouette. Die Proportionen orientieren sich weiterhin am typischen Power-Cruiser-Layout, wirken durch die Überarbeitung aber straffer und technisch aufgeräumter.

Der große 20-Liter-Stahltank baut hoch vor dem Fahrer auf und wird von kantig geformten Seitenteilen eingefasst. Die Linienführung zieht sich in einem durchgehenden Schwung bis ins minimalistisch gehaltene Heck.

Bereits aus der Diavel V4 bekannt ist die Auspuffanlage mit vier Endrohren, ähnlich aber nicht gleich präsentiert sich die elegante Einarmschwinge, die das massive Hinterrad auf der hochwertigen Felge so richtig wirken lässt.

Ducati spricht von einer überarbeitet Lichtsignatur: Vorn sitzt nun ein neu gestalteter LED-Scheinwerfer mit Tagfahrlicht, hinten ein schlankes LED-Band, das je nach Betriebszustand als Positions- oder Bremslicht agiert.

Zwei Farbvarianten stehen zur Wahl: Burning Red und Black Lava, beide wurden extra für die neue XDiavel V4 kreiert. Letztere kostet 300 Euro Aufpreis und passt mit ihrer ins Violett gehenden Oberfläche besonders gut zum außergewöhnlichen Look der Maschine.

Optisch ist die neue Ducati XDiavel V4 unter anderem am neugestalteten Voll-LED-Scheinwerfer mit umlaufendem Tagfahrlicht zu erkennen.

Markenzeichen

Markenzeichen der Diavel-Geschwister ist der monströse hintere Pneu. Der Pirelli Diablo Rosso III darf sich des stattlichen Reifenmaßes 240/45 ZR 17 rühmen.

Möchte jemand einen fetten Strich auf den Asphalt brennen mit dem 240er-Hinterrad, dem Markenzeichen der Diavel-Geschwister - bitte, nur zu. Power Launch Control für optimalen Grip beim Start spendiert Ducati serienmäßig.

Die neuen Lackfarben Burning Red und Black Lava (300,-- Euro Aufpreis) passen zu solchen Aktionen wie die Faust aufs Auge, machen aber auch vor einem 5-Sterne-Hotel mächtig was her.

Motor und Leistung

Die Ducati XDiavel V4 V4 Granturismo - Kenner wissen, hinter dem klangvollen Namen stecken 1.158 ccm Hubraum, 168 PS Leistung und 126 Nm Drehmoment. Kurzum: Power ohne Ende - und 8 PS mehr als beim Vorgängermodell.

Der V4 Granturismo leistet 168 PS bei 10.750 U/min und 126 Nm bei 7.500 U/min. Richtig gut aussehen und allen Cruiser-Fahrern klarmachen: Es muss kein US-Fabrikat sein und kein Big-Boxer aus Berlin, will man ein Bike mit richtig viel Leistung (168 PS) und Mega-Drehmoment (126 Nm) bewegen.

Der neue V4 Granturismo tritt in große Fußstapfen, schließlich gehören Cruiser und V2 zusammen wie Pech und Schwefel. Der V4 ist in der XDiavel kein glattgebügelter Allrounder. Wer das erwartet, wird enttäuscht.

Untenrum, also unterhalb von etwa 2.500 Touren, reagiert der Motor mit wenig Nachdruck. Dazu gesellt sich ein deutlich spürbares Kettenschlagen beim Rollen oder Gaswegnehmen in zu hohem Gang für einen Cruiser ungewohnt und in manchem Moment störend. Besonders beim Gondeln in der Stadt mit niedriger Last und Tempowechseln fällt das auf.

Ganz anders zeigt sich das Bild, wenn man den Motor in mittlere und höhere Drehzahlen bringt: Zwischen 4.000 und 8.000 U/min entfaltet der V4 seine Stärken mit Nachdruck. Das Ansprechverhalten ist direkt, aber durch die Fahrmodi sauber dosierbar.

Ab etwa 6.000 Touren wird der Sound kernig, das röchelnde Ansauggeräusch tritt durch die clever positionierte Airbox für den Piloten deutlich, für Außenstehende nicht aufdringlich hervor.

Untenrum minimal ruppig, zieht sie ab 2.000 Touren mit einem sagenhaften Bums davon - und dreht und dreht und dreht, wenn man es darauf anlegt. Muss man aber gar nicht. Bei 7.500 Umdrehungen pro Minute ist das maximale Drehmoment erreicht.

In der Stadt schaltet sich V4-Granturismo-typisch die hintere Zylinderbank ab. Das schmälert den Spritverbrauch.

Verbrauch

Ducati nennt 6,6 l/100 km als Normverbrauch. Im Test lag der angezeigte Verbrauch bei zügiger Fahrt bei 7,6 Litern der real gemessene Wert betrug 8,7 l/100 km.

Ducati gibt 6,6 Litern/100 km an. Meiner lag bei 6,7 Litern/100 km. Passt für so einen Power-Cruiser.

Der breite und lang gestreckte Tank fasst 20 Liter, macht rund 300 Kilometer Reichweite. Wer sich im Urban-Modus mit sanfter Gasannahme bewegt, kann den Verbrauch laut Bordcomputer auf etwa 5,7 Liter drücken.

Fahrverhalten und Handling

Das Fahrverhalten der XDiavel V4 überrascht gleich mehrfach. Zum einen, weil sie sich trotz Radstand von 1.620 mm und vorverlegten Fußrasten leichter in Radien drücken lässt, als erwartet. Zum anderen, weil sie trotz des komfortbetonten Grundsetups auch bei flotter Gangart nicht schwammig oder undefiniert wirkt.

Im Gegenteil: Die Front bleibt beim Anbremsen ruhig, das Einlenken erfolgt präzise und mit für diese Fahrzeugklasse sehr gutem Feedback. Besonders eindrucksvoll: die Schräglagenfreiheit.

Trotz entspannter Sitzhaltung lässt sich die XDiavel deutlich weiter abwinkeln, als man ihr optisch zutrauen würde selbst enge Kurvenkombinationen lassen sich mit sportlicher Linie durchziehen, ohne dass die (verstellbaren) Rasten frühzeitig aufsetzen.

Die Grundabstimmung des Fahrwerks ist komfortabel, aber nicht weich. Die 50-mm-Upside-down-Gabel und das Zentralfederbein mit 145 mm Federweg (hinten) arbeiten souverän, ohne Fehl und Tadel. Spurrillen, Flickstellen und harte Querfugen werden sauber gefiltert.

Die zusätzliche Federwegreserve (+ 30 mm im Vergleich zur Vorgängerin) am Heck macht sich positiv bemerkbar die XDiavel V4 bleibt auch auf schlechterem Asphalt satt. Einziger Wermutstropfen: Die Einstellmöglichkeiten sind nur umständlich zu erreichen vorn braucht es außergewöhnliches Werkzeug (mit einem normalen Schraubenzieher sind wegen der Lenkerführung weder Zug- noch Druckstufeneinstellung erreichbar.

Die Brembo Stylema-Anlage an der Front mit 330-mm-Doppelscheiben bringt das Motorrad jederzeit problemlos zum Stillstand. Die Dosierbarkeit ist feinfühlig, der Druckpunkt klar, das Ansprechverhalten vorhersehbar und die Bedienung mit einem Finger möglich.

Auffällig ist auch die Hinterradbremse mit 265 mm Durchmesser trägt sie im Cruiser-Kontext spürbar zur Gesamtverzögerung bei und lässt sich gut dosieren, etwa in Kehren oder beim langsamen Rangieren.

Ergonomie und Komfort

Die XDiavel V4 bleibt ein echter Cruiser in Sitzposition und Lenkergeometrie. 770 mm Sitzhöhe ermöglichen sicheren Stand, der Lenker ist breit und vergleichsweise hoch ideal für große Fahrer, kleinere müssen beim Rangieren etwas arbeiten.

Die dick gepolsterte Sitzbank (+ 58mm im Vergleich zur Vorgängerin) zeigt Langstreckenambitionen, auch nach mehreren Stunden im Sattel keine Druckstellen. Wer gerne sportlicher sitzt, kann über Zubehör-Kits auch die Rastenposition der Diavel bekommen. Der Vorteil liegt darin, dass man im Sattel aufstehen und die Sitzposition leicht ändern kann.

Auch in puncto Sitzkomfort hat Ducati nachgebessert: Breiter, besser gepolstert, mehr Platz für Fahrer und Beifahrer - der neue Doppelsitz gefällt. Dazu gibt es 25 mm mehr Federweg hinten (jetzt 145 mm).

Üppig ist die Bewegungsfreiheit auf 770 mm Sitzhöhe natürlich nicht: Man sitzt - nicht zuletzt durch die vorverlegten Fußrasten - recht festgetackert in seiner Beschleunigungsmulde.

1.620 mm Radstand gönnen die Italiener ihrem „entspannten“ Teufel. Länge läuft. Erst recht mit ausgestreckten Beinen.

Elektronik und Ausstattung

Ducati stattet die XDiavel V4 serienmäßig mit einem vollständigen Elektronikpaket aus, das auf einer 6-Achsen-IMU basiert. Die Systeme arbeiten schräglagenabhängig und greifen fein abgestuft ein spürbar, aber vor allem im Sportmodus nicht bevormundend.

Zentraler Baustein sind die vier Fahrmodi: Sport, Touring, Urban und Wet. Die Motorcharakteristik ist in drei Stufen einstellbar: "High", "Medium" und "Low" regeln die Gasannahme und die Leistungsentfaltung. Die Traktionskontrolle (DTC) und die Wheelie-Control (DWC) lassen sich jeweils in vier Intensitätsstufen plus Off einstellen.

Auch das ABS ist dreistufig konfigurierbar, wobei in Stufe 1 das Hinterrad-ABS deaktiviert wird ein Punkt, der besonders sportlich orientierten Fahrern entgegenkommt und in der Cruiserklasse wohl einzigartig sein dürfte.

Das neue 6,9-Zoll-TFT-Display im 8:3-Format überzeugt durch gute Ablesbarkeit bei allen Lichtverhältnissen, klar gegliederte Menüstruktur und witzige Zusatzinfos etwa grafische Darstellungen der Momentanleistung oder der wirkenden G-Kräfte. Die Bedienung erfolgt über logisch angeordnete, hintergrundbeleuchtete Tasten am Lenker mit spürbarem Druckpunkt und intuitiver Führung.

Keyless-Go ist serienmäßig, der Schlüssel kann also während der Fahrt in der Tasche bleiben. Wer mehr Konnektivität will, kann über die Ducati Link App das Smartphone koppeln zur Anzeige von Anrufen, Nachrichten oder Musiksteuerung.

Das volle Paket. Sicherheits-Features wie vier Riding Modes, drei Powermodes, Kurven-ABS, schräglagenabhängige Traktionskontrolle, Wheelie Control, Notbremssignal und auffälliges Tagfahrlicht, dazu ein sehr stylisches, hervorragend ablesbares 6,9-Zoll-TFT-Farbdisplay im 8:3-Smartphone-Format, Quickshifter, beleuchtete Bedienelemente, Multimedia-System mit Turn-by-Turn-Navigation, dynamische Blinker (jetzt seitlich am riesigen Tank), Voll-LED-Scheinwerfer und Tempomat.

Alles drin, alles dran - bis auf Heizgriffe. Die lässt sich Ducati extra bezahlen (321,64 Euro) oder steuert sie per Touring-Paket bei (1.737,11 Euro, u. a. Seitenkoffer, Beifahrer-Rückenlehne).

Übers leicht zu verstehende und easy zu bedienende Bordmenü lassen sich die Fahrprogramme feintunen; Urban und Wet fahren automatisch die Leistung zurück.

Fahrmodi im Detail

Nach dem Mittagessen rund 2 Fahrstunden vom Hotel entfernt verdunkelt sich der Himmel und es beginnt zu regnen. Auf ca. 110 km bleibt also mehr als ausreichend Zeit um den neuen Wet-Modus der XDiavel gebührend zu testen.

Die Leistungsabgabe erfolgt beinahe zaghaft, es ist überraschend wie zugeschnürt sich ein V4 dieser Größe mit moderner Elektronik anfühlen kann. Die Kastration kommt der Sicherheit zu Gute, alle Assistenzsysteme arbeiten auf höchster Interventionsstufe. In diesem Modus kann man den brachialen Powercruiser auch ungeübten Piloten anvertrauen.

Vergleich mit der Ducati Diavel V4

Die Diavel V4, die wir schon mehrfach testen durften und XDiavel V4 teilen sich Motor und Elektronik, aber sind ansonsten grundverschiedene Bikes, auch das Fahrgefühl unterscheidet sich deutlich.

Die Diavel bietet 2,5 cm weniger Radstand (1.593 mm), hat mit 790 mm die höhere Sitzposition und vermittelt ein noch einmal agileres, zentraleres Fahrverhalten. Die XDiavel ist mit 1.620 mm Radstand länger, schwerer, aber auch entspannter. Sie nimmt mehr Raum ein optisch wie fahrdynamisch. Wer eher zwischen Urban- und Performancebike schwankt, wird mit der Diavel glücklicher.

Beide Modelle teilen sich den 1.158 cm³ großen V4 Granturismo-Motor, unterscheiden sich aber deutlich im Konzept. Die XDiavel V4 ist länger (1.620 mm Radstand), tiefer (770 mm Sitzhöhe) und auf entspannteres Fahren ausgelegt. Die Diavel V4 ist kürzer, agiler und wirkt wie ein sportliches Naked Bike mit Cruiser-Optik.

Preis und Verfügbarkeit

Die Ducati XDiavel V4 positioniert sich preislich klar im oberen Segment. In Österreich liegt der Einstiegspreis bei 36.995 Euro, in Deutschland - ohne NoVA - bei 28.990 Euro. Für die matte Farbvariante Black Lava verlangt Ducati einen moderaten Aufpreis von 300 Euro gegenüber dem serienmäßigen Burning Red.

Der Marktstart ist für Mai 2025 angesetzt, die Auslieferung an Vorbesteller dürfte ab diesem Zeitpunkt beginnen. Im Ducati-Zubehörprogramm stehen bereits zahlreiche Individualisierungsoptionen zur Verfügung darunter Heizgriffe, Design-Gepäcklösungen und alternative Rastenpositionen.

In Österreich beträgt der Einstiegspreis 37.495 Euro, in Deutschland liegt der Preis bei 28.990 Euro. Der Marktstart ist für Mai 2025 vorgesehen.

Technische Daten im Überblick

Merkmal Ducati XDiavel V4
Motor V4 Granturismo, 1.158 cm³
Leistung 168 PS bei 10.750 U/min
Drehmoment 126 Nm bei 7.500 U/min
Radstand 1.620 mm
Sitzhöhe 770 mm
Tankinhalt 20 Liter
Trockengewicht 229 kg
Normverbrauch 6,6 l/100 km

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