Ducati präsentiert mit der Hypermotard 698 Mono seine erste Einzylinder-Supermoto und belebt damit ein fast vergessenes Kapitel der Firmengeschichte wieder. Dabei ist die Zeit, als Supermotos angesagt waren, eigentlich schon lange vorbei.
Die neue Ducati Hypermotard 698 Mono ist eine Sensation: Der Motor ist ein neuer, hochmoderner Einzylinder. Mit dem neuen Superquadro Mono belebt Ducati ein fast vergessenes Kapitel der Firmenhistorie wieder: Den Einzylindermotor.
Der Motor: Superquadro Mono
Entgegen der Modellbezeichnung hat der Motor allerdings nur 659 cm3 Hubraum. Aus 659 Kubikzentimetern schöpft das extrem kurzhubige Aggregat beachtliche 77,5 PS bei 9.750 U/min. Das maximale Drehmoment von 63 Newtonmetern wird bei 8.000 U/min erreicht.
Abgeleitet wurde der Single aus dem Panigale-V2-Motor und übernahm dessen 116 mm Bohrung. Bei entsprechend nur 62,4 mm Hub und desmodromischer Ventilsteuerung lässt sich schon erahnen, dass der Einzylinder zu erstaunlichen Drehzahlen fähig ist.
Um diese Werte zu erreichen, bedient sich Ducati der im Rennsport bewährten Technologien der Panigale 1299. So werden die Ventile desmodromisch gesteuert, um die nötige Drehzahlfestigkeit zu erreichen. Die Kolben im sogenannten »Box in Box«-Layout sollen sich durch eine besonders hohe Festigkeit sowie einen geringen Reibungswiderstand auszeichnen.
Aus dem gleichen Grund ist der Kolbenbolzen mit der Oberflächenbeschichtung Diamond Like Carbon (DLC) versehen, die auch bei den Kipphebeln der Desmodromik Verwendung findet. Die elektronisch angesteuerte Drosselklappe ist oval, ihre Fläche entspricht einem runden Durchmesser von 62 Millimetern.
Das Grundlayout des Ducati Superquadro Mono entspricht der Crossplane-Bauweise, das heißt, der Zylinderkopf sitzt direkt auf dem Kurbelgehäuse, in das die Laufbuchse integriert ist. Die Kraftübertragung erfolgt über eine Ölbadkupplung mit progressiver hydraulischer Verriegelung sowie ein Sechsganggetriebe.
Zur Gewichtsersparnis ist die Kurbelwelle asymmetrisch geformt und läuft in zwei unterschiedlich große Hauptlagern.
Die Vibrationen des Superquadro Mono halten 2 Ausgleichswellen im Zaum. Je eine vor und hinter der Kurbelwelle platziert, sollen sie die Massenkräfte der Kurbelwelle komplett ausgleichen. Sprich: für einen Einzylinder die optimale Konfiguration aus Kurbelwelle und Massenausgleich.
Leistung und Drehmoment
Seine Höchstleistung von 77,5 PS erreicht er bei 9750/min, der rote Bereich beginnt erst bei 10.250/min. Damit ist die Hypermotard 698 Mono der stärkste Einzylinder der Welt und überflügelt den 693 cm3 großen LC4-Motor der Supermoto-Modelle von KTM bzw. Husqvarna um zweieinhalb PS.
Im Serienzustand stemmt die Ducati 63 Nm Drehmoment bei 8000/min auf die Kurbelwelle. Wer den Rennauspuff von Termignoni aus dem Ducati-Zubehör ordert, darf zwar nicht mehr am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen, steigert aber die Leistung auf angeblich 84,5 PS bei 9500/min, 67 Nm sind es mit dem Rennauspuff.
So gerüstet tritt die neue Supermoto von Ducati selbstbewusst gegen die Modelle von KTM, Husqvarna und GasGas mit ihrem 75 PS starken 690er-Single an. Dabei lässt Ducati sogar noch weitere Reserven für Tuning und Rennsport: Die Maximal-Drehzahl dieses großen Einzylinders ist fünfstellig.
Weitere Eckdaten: sehr große 116 Millimeter Bohrung, sehr kurze 62,4 Millimeter Hub, sehr hohe 13,1:1 Verdichtung sowie große und leichte Einlassventile aus Titan. So kann der Single bis 10.250/min drehen und damit gut 1.300 Umdrehungen höher als der KTM-Single.
Kehrseiten: Mit angeblich 4,8 Liter pro 100 Kilometer verbraucht die Ducati 17 Prozent mehr als die KTM mit 4,1 Liter. Und um einiges schwerwiegender: Mit 63 Nm bei 8.000 Touren ist der Duc-Single deutlich durchzugschwächer als der KTM-Motor, der 73,5 Nm entwickelt.
Design und Gewicht
Doch die neue Supermoto von Ducati besticht nicht nur durch ihre schiere Power, sondern auch durch ein elegantes Design. Es ähnelt dem von Ducatis Zweizylinder-Supermoto Hypermotard[ ]950 (Test), bleibt aber eigenständig.
Der essenzielle Supermotogedanke wurde aufgegriffen, denn ursprünglich waren Supermotos umgebaute Motocrosser. So kommen seitliche Abdeckungen unterhalb der flachen Sitzbank zum Einsatz, Tank-Cover flankieren den Spritbehälter bis über den Kühler, ein gerader Hinterradkotflügel und ein hochgesetzter Vorderradkotflügel prägen das Erscheinungsbild ebenso wie die entschlossen blickenden LED-Fahrlichtscheinwerfer.
Ducati setzt auf eine hochgelegte Doppelrohr-Auspuffanlage, vermutlich weil sich so mehr Leistung als aus einem einzelnen Endschalldämpfer generieren lässt.
Die Hypermotard 698 Mono wirkt nicht nur optisch leicht, sie ist es mit 151 kg bei leerem 12-Liter-Tank auch. Ducati hat überall an Gewicht gespart, der Gitterrohrrahmen wiegt nur 7,2 kg. Sehr hübsch ist die Schwinge aus gebürstetem Aluminium und der angeschraubte Heckrahmen lugt absichtlich oberhalb der Seitencover hervor. Auch die Gussräder mit Y-Speichen fielen sehr leicht aus.
Die schmale Sitzbank ist bis weit auf den Tank gezogen, um es dem Fahrer zu ermöglichen, in Kurven viel Gewicht auf das Vorderrad zu bringen. Allerdings werden sich bei satte 904 mm Sitzhöhe nur großgewachsene Fahrer auf ihr wohlfühlen.
Der neue Motor der neuen Hypermotard hängt in einem neuen Rahmen. Ein kurzer Stahlrohrrahmen nach dem Trellis-Prinzip verbindet Lenkkopf, Motor, Federbein und Stahl-Heck. Die Alu-Schwinge lagert im Motor. Optisch schwebt der Motor im Rahmen. So hält Ducati das Gewicht niedrig und verkündet 151 Kilogramm ohne Benzin. Mit den zur Homologation geforderten 10,8 von den maximalen 12 Liter im Tank unterbietet sie mit rechnerischen 159 Kilo die KTM 690 SMC um 3 Kilo.
Fahrwerk und Bremsen
Bremsmanöver können sehr heftig ausfallen, dank radialer Brembo-M4.32-Bremszange und 330-mm-Bremsscheibe am Vorderrad, hinten unterstützt eine Schwimmsattelbremse mit einer 240 mm messenden Bremsscheibe. Mit einem Radstand von 1443 mm, einem Nachlauf von 108 mm und einem Lenkkopfwinkel von 63,9 Grad liegt sie nahe bei den Werten der KTM 690 SMC-R, ihre Federwege sind sogar identisch.
Im Lenkkopf lenkt eine USD-Gabel mit einem Standrohrdurchmesser von 45 Millimeter und mit 215 Millimeter Federweg das Rad in 17 Zoll (43,18 cm). Zwischen Schwinge und Rahmen dämpft und federt ein umgelenktes, voll einstellbares Federbein mit 240 Millimeter Federweg. Die Gabel stammt von Marzocchi, das Federbein von Sachs. Also die Basis-Komponenten bei Ducati, was die Erwartung einer bald folgenden S-Version mit Öhlins-Fahrwerk nahelegt. Interessant: Die Federwege entsprechen exakt den Werten, die KTM für die 690 SMC R angibt.
Wie bei Ducati üblich, liefert Brembo die Bremsanlage in Form eines M4.32-Sattels vorn, kombiniert mit einer 330-Millimeter-Scheibe. Auf den Alufelgen der Hypermotard 698 montiert Ducati Reifen von Pirelli, Typ Diablo Rosso IV, in den Dimensionen 120/70ZR17 vorn und 160/60ZR17 hinten.
Elektronik und Assistenzsysteme
Das bekannte Safety Pack von Ducati, basierend auf dem MSC von Bosch, regelt schräglagensensibel allzu harsche Eingriffe am Bremshebel oder Gasgriff, natürlich abstufbar in der Wirkung. Optional bietet Ducati noch einen Race-Modus und einen Wheelie-Assistent an, der das Fahren auf dem Hinterrad steuern kann. Das Vorderrad muss allerdings vom Fahrer per Gas und Kupplung vom Boden gehoben werden. Gesteuert und angezeigt werden diese sowie weitere Informationen per LC-Display und Mäusekino mit 3,8 Zoll (9,65 cm) Diagonale.
Weitere Modelle mit dem Superquadro Mono Motor?
Ducati baut die Modellpalette konsequent weiter aus. Jetzt hat der Motorradhersteller einen extrem potenten Einzylindermotor vorgestellt, der als Antrieb einer neuen Baureihe dienen soll.
Es wäre genauso unwahrscheinlich wie schade, bliebe die neue Hypermotard 698 das einzige Ducati-Modell mit dem sensationellen Einzylinder. Da drängt sich die Frage auf: Was kommt als Nächstes? Und wann?
Mit der Ducati Hypermotard 698 stellte Ducati seinen neuen, hochmodernen Einzylinder vor. Dass der nur einem einzigen Modell vorbehalten bleibt, halten wir für unwahrscheinlich.
Es ist ganz klar, wen Ducati damit ins Visier nimmt: die KTMs, Husqvarnas und GasGas-Modelle aus dem Hause Pierer, die mit dem 75 PS starken 690er-Single ausgerüstet sind. Allesamt bieten diese Marken mehr als nur eine Supermoto. Da scheint eine Ducati-Enduro mit dem Einzylinder obligatorisch.
Davon abgesehen wäre es höchst ungewöhnlich, hätte Ducati Zeit, Geld und Hirnschmalz in einen neuen Motor investiert, um ihn dann in nur einem Modell einzusetzen.
Mögliche zukünftige Modelle:
- Ducati 698 Enduro
- Rallye-Version im Stil der DesertX
- Supersportler Ducati 698 Marianna
- Ducati 698 Monofighter
- Ducati Scrambler mit Einzylinder
Preis und Verfügbarkeit
Die neue Ducati Hypermotard 698 Mono kostet in der roten Basis-Version ab 12.390 Euro. Die Variante RVE mit Dekor und Quickshifter ab Werk kostet 13.390 Euro.
Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Hubraum | 659 cm³ |
| Leistung | 77,5 PS (57 kW) bei 9.750/min |
| Leistung mit Rennauspuff | 84,5 PS bei 9.500/min |
| Drehmoment | 63 Nm bei 8.000/min |
| Drehmoment mit Rennauspuff | 67 Nm |
| Trockengewicht | 151 kg |
| Sitzhöhe | 904 mm |
| Tankinhalt | 12 Liter |
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