Ducati Königswelle Modelle – Eine Übersicht

Die Geschichte der Ducati ist eng mit dem Namen Fabio Taglioni verbunden. Maßgeblich verantwortlich am weltweiten Ruhm der italienischen Edelschmiede war der geniale Konstrukteur Fabio Taglioni. Er stellte den ersten Rennflitzer auf die Räder. Zum Einstand bei Ducati ist ihm ein ganz großer Wurf gelungen. Ducati und Taglioni waren unzertrennlich.

Viele herausragende Talente von Fabio Taglioni waren zurück zu führen. Ohne ihn wäre Ducati niemals so weit gekommen, doch die Firmengeschicke lagen in staatlicher Hand. Der Rennsport stand dabei meist ganz hinten an. Ducati definierte sich über seine sportlichen Erfolge. Ohne die zahlreichen Siege und Titel im Rennsport würde die Marke aus Bologna heute wahrscheinlich nicht mehr existieren.

Wie kaum ein anderer Hersteller setzte Ducati daher früh auf das Motto "Win on Sunday, sell on Monday" und steckte viel Geld in die Werksteams. Es gibt Namen, die sind untrennbar mit einer Marke verbunden. Es gibt auch Daten, die für eine Firma von existenzieller Bedeutung sind. Manchmal fallen beide zusammen, für Ducati lauten sie Paul Smart und der 23. April 1972. Ducati war zu Beginn der 1970er Jahre eine der vielen italienischen Motorradhersteller, die am Rande der Insolvenz balancierten.

Dem allgemeinen Verkaufsniedergang in der Motorradindustrie versuchten viele Hersteller mit Sportmodellen entgegenzuwirken und dafür waren Rennerfolge unabdingbar. Zwar war Ducati sportlich schon längere Zeit aktiv, aber nicht sonderlich erfolgreich. Der geniale Ingenieur Fabio Taglioni entwarf deshalb 1970 einen 90-Grad-V2 mit aufwendigem Königswellen-Ventiltrieb. Ein Jahr später trat Ducati mit fünf 500er-V2 in der italienischen Meisterschaft und bei einigen GP-Läufen an. Doch das beste Ergebnis war ein zweiter Platz von Phil Read beim GP von San Remo.

Ende 1971 liefen die ersten 750 GT-Modelle mit V2-Motor als Straßenmodell ohne Verkleidung in Bologna vom Band. Damals galten die 200 Meilen von Daytona als eine der wichtigsten Motorradsport-Veranstaltungen der Welt. Um das Spektakel in Europa zu kopieren, rief daher der Moto Club Santerno 1972 die 200 Meilen von Imola für seriennahe Maschinen bis 750 cm3 ins Leben. Taglioni hatte für das Race-Bike neue Zylinderköpfe mit einer desmodromischen Ventilsteuerung konstruiert, die Standfestigkeit bei hohen Drehzahlen versprach. Der Motor leistete 86 PS bei 8800/min und die 750 SS (für Super Sport) wog trocken nur 162 Kilogramm.

Also montierte das Werksteam den Bremssattel rechts mit den Anschlüssen nach unten und verlängerte die Bremsleitung. 1972 begründete Paul Smart mit dem Sieg auf der Ducati 750 SS bei den 200 Meilen von Imola die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte der italienischen Marke, die bis heute andauert. Dass der Name Paul Smart bis heute so ziemlich jedem Sportmotorrad-Fan bekannt ist, hat der Brite seiner Frau Maggie zu verdanken. Die in aller Eile zusammengeschraubte 750 SS galt nicht gerade als Favoritin für die 200 Meilen von Imola und daher sagten eine ganze Reihe von Top-Fahrern Ducati ab.

Darunter war auch der spätere Doppel-Weltmeister Barry Sheene, doch er empfahl dem Werk, seinen Schwager Paul Smart zu fragen. Smart hatte zwar schon drei Jahre Motorrad-WM hinter sich, aber noch keinen einzigen Sieg. In der Hoffnung auf ein höheres Einkommen war der Brite mit seiner Frau in die USA gezogen, doch auch dort lief es nicht wirklich rund. Als der Anruf aus Bologna kam, war Paul Smart nicht zu Hause, aber Maggie sagte sofort zu, als sie hörte, dass ihr Mann für den Start 500 Pfund und das Flugticket nach Italien bekommen sollte. Paul Smart war nicht gerade begeistert, als er davon erfuhr, aber nun gab es für ihn kein zurück mehr.

Das Ducati-Team brachte den völlig übermüdeten Smart direkt nach seiner Landung zum Testen an die Rennstrecke. Zunächst war der Brite über das eher unhandliche Motorrad geschockt, aber mit jeder Runde konnte er sich mehr für die 750 SS erwärmen, denn sie lag absolut stabil und zum Schluss knackte er zu seiner eigenen Überraschung sogar den Rundenrekord von Weltmeister Agostini auf der 500er-MV Agusta. Am Rennwochenende protzte Ducati dann im Fahrerlager des Autodromo Dino Ferrari mit einem verglasten Truck, in dem die sieben Werksrenner (drei davon dienten als Ersatz-Bikes) zu sehen waren. Außer Smart starteten noch der Routinier Bruno Spaggiari sowie Ermanno Giuliano und Alan Dunscombe.

Das Rennen am 23. April 1972 zog gewaltige Menschenmassen nach Imola. Es versprach ein außergewöhnliches Spektakel zu werden, denn alle großen Hersteller wollten hier gewinnen und ließen die berühmtesten Fahrer antreten. Dauer-Weltmeister MV Agusta war mit einem 750er-Vierzylinder-Bike und Rekord-Champion Giacomo Agostini angerückt, Norton mit dem amtierenden 250er-Weltmeister Phil Read, Triumph, BSA, BMW (mit Helmut Dähne im Sattel) und natürlich Moto Guzzi hatten ebenfalls Top-Piloten am Start. Doch zur Überraschung aller fuhr Paul Smart auf der neuen Ducati 750 SS im Qualifying die schnellste Rundenzeit und holte sich die Pole Position vor Teamkollege Spaggiari.

Im Rennen dominierten die beiden Ducatis von Smart und Spaggiari, während die vermeintlichen Favoriten aus Japan weit zurück- oder ganz ausfielen. Lange Zeit führte Spaggiari, doch in der letzten Runde bekam er Probleme mit der Benzinzufuhr und so gewann Paul Smart. Dieser Sieg ist für Ducati kaum hoch genug einzuschätzen, denn seitdem steht die Marke im Ruf exzellenter Sportlichkeit. Bereits ein Jahr nach dem Sieg in Imola legte die Marke eine Replika der 750 SS auf. Zunächst waren eigentlich nur 25 Stück vorgesehen, die von der Rennabteilung in Handarbeit gefertigt wurden, doch wegen der überwältigende Nachfrage baute Ducati bis 1974 insgesamt 411 Exemplare.

Der V2 mit Königswelle leistete in Straßenzulassung 73 PS bei 8000/min und erreichte eindrucksvolle 220 km/h. Die Halbschalenverkleidung, Sitzbank, Seitenabdeckungen und sogar der Tank bestanden aus glasfaserverstärktem Kunststoff und drückten das Gewicht auf 200 Kilogramm. Der 750 SS folgte eine ganze Reihe von Sportmodellen aus Bologna. Ducati erhöhte 1975 den Hubraum des Königswellen-Motors auf 900 cm3, doch der Verkaufserfolg der 900 SS blieb zunächst aus, wegen ihres im Vergleich zu den japanischen Vierzylindern höheren Preises. Aber wieder kam Ducati ein unerwarteter Rennerfolg zu Hilfe.

1978 siegte Mike Hailwood bei der TT Isle of Man sensationell auf einer privat eingesetzten 900 SS (für den Werkseinsatz war in Bologna schlicht kein Geld übrig). Dabei war der neunfache Weltmeister schon seit sieben Jahren keine Motorradrennen gefahren und eher aus Langweile aus der Frührente zurückgekehrt. Der 38jährige gewann völlig überraschend die TT und Ducati nahm erneut einen Sieg zum Anlass, um eine Replika aufzulegen. Das ist eine Königswelle. Das ganze Motorrad. Nicht allein der aufwändige Nockenwellenantrieb heißt Königswelle, sondern die Ducati 750 Super Sport wird in Gänze nach diesem technischen Merkmal gerufen.

Die Königswelle sollte eine straßenzugelassene Rennreplika des Siegerkrads von Imola 1972 werden. 25 Stück, direkt abgeleitet vom Werksmaterial und von der Rennabteilung in Bologna aufgebaut. Doch es sollte anders kommen.Serienkrad und trotzdem selten25 Stück wollte Ducati ursprünglich bauen, doch die Fans der Marke und des Rennsports rasteten beim Vorstellen der straßenzugelassenen Königswelle komplett aus. Insgesamt wurden zwischen 1972 und 1974 411 Holzkisten mit einer Königswelle als Inhalt von der Rennabteilung in die Welt verschickt. Eine davon kam 1974 sogar zu MOTORRAD und wurde 10.000 Kilometer im Test gefahren.

Eines dieser seltenen Modelle steht im Oktober im Auktionshaus Bonhams zur Auktion und zeigt sich in absolutem Bestzustand. Die Kilometerzahl ist nicht bekannt, jedoch wurde am Motor ein Ölkühler nachgerüstet und auch die ein oder andere Motorschraube wirkt neuer als 48 Jahre. Trotzdem: Bonhams rechnete mit einem Zuschlag zwischen 140.000 und 170.000 Pfund Stirling, also bis zu 200.000 Euro. Die Auktion fand am 16. Oktober 2022 in Stafford statt, der Hammer für die Königswelle fiel bei 172.500 Pfund, also 198.000 Euro.Stärker als der RestFür damalige Zeiten waren 73 PS aus 748 Kubik für die Straße fast unglaublich.

Die Super Sport mit ihrem Twin war damit deutlich stärker als die CB 750 Four mit doppelt so vielen Zylindern und gleicher Nenndrehzahl von 8.000 Touren. Dazu ist die Ducati 35 Kilo leichter als die Honda und das italienische Chassis war direkt bereit für die Rennstrecke. Das Wackelchassis der Honda war davon meilenweit entfernt. Es trennten diese beiden 750er Welten. Ebenfalls beim Preis. Neben der Desmodromik wird auch die Königswelle mit DUCATI verbunden. Die Modelle mit dem Zusatz Königswelle zählen zu den Klassikern bei DUCATI und haben die Herzen eines jeden Ducatista gewonnen.

Was ist eine Königswelle?

Grundsätzlich ist die Königswelle eine Welle mit einem Kronrad oder Kegelrad an einem oder an beiden Enden. Damit kann eine Drehbewegung um 90° oder mit zwei Kegelrädern um 180° übertragen werden. Ferner bezeichnet eine Königswelle auch die zentrale Antriebswelle einer Maschine, die eine Drehbewegung von einem zentralen Antriebsmotor an andere Stellen der Maschine überträgt, auch wenn sich dabei die Richtung der Kraftübertragung nicht ändert.

Bei DUCATI wurde die Königswelle in mehreren Modellen zum Antrieb der Nockenwellen zur Ventilsteuerung verwendet. Die erste Königswelle aber schlechthin war die von Fabio Taglioni entwickelte 100 Gran Sport, ein flinkes Einzylinder-Motorrad mit Königswellenantrieb und obenliegender Nockenwelle. Welche Qualitäten die leichte Sportmaschine besaß, zeigten die Erfolge bei den damals außerordentlich prestigeträchtigen Langstreckenrennen „Giro d´Italia“ und „Milano-Taranto“ im Jahre 1955 und 1956.

In Serie ging der Königswellenantrieb 1956 in der 175 Sport und ein Jahr später in der 100 Sport sowie 125 Sport. Ganz klassische, aber schon modernere Vertreter dieser Technik sind die 750SS Königswelle und die 900SS Königswelle. Das Kürzel SS bedeutet SuperSport. Die 750SS wurde meinen Recherchen nach nur von 1973 bis 1977 gebaut, was sie heute zu einem seltenen und heiß begehrten Bike macht.

Die Ducati 900 Super Sport mit Königswelle

Baujahr 1975 - Einführung der Ducati 900 Super Sport mit KönigswelleDie Ducati 900 Super Sport (kurz: 900 SS) mit Königswellenantrieb wird 1975 als straßenzugelassene Weiterentwicklung der 750 SS vorgestellt. Sie basiert auf dem 864 cm³ großen 90°-V-Twin mit desmodromischer Ventilsteuerung und Königswellenantrieb (ital. "albero a camme a coppie coniche"). Die erste Serie von 1975 ist stark an die Rennmaschine von Paul Smart angelehnt und wird in sehr geringer Stückzahl (ca. 246 Einheiten) produziert. Sie besitzt einen unverkleideten Tank aus Aluminium, einen Einzelsitz, einen offenen Conti-Auspuff, Dell’Orto PHM 40 mm-Vergaser und eine Doppelscheibenbremse vorne.

Die Maschine ist ausschließlich für den Solobetrieb ausgelegt.Baujahr 1976-1978 - Serienproduktion und StraßenzulassungAb 1976 beginnt die reguläre Serienproduktion der 900 SS Königswelle. Die Modelle erhalten nun einen Stahltank, eine Halbschalenverkleidung und serienmäßige Blinker zur Erfüllung der Zulassungsvorschriften. Die Sitzbank bleibt sportlich und auf Einzelfahrerbetrieb ausgelegt. Die Vergaser bleiben bei Dell’Orto PHM 40, die Auspuffanlage wird jedoch leiser ausgeführt. Die Instrumente stammen von Veglia Borletti. Die Gabel und Federbeine kommen von Marzocchi, die Bremsanlage von Brembo. Der Tankinhalt beträgt 18 Liter. Ein verstellbarer Windschild ist nicht vorhanden, die Halbschalenverkleidung ist fest montiert.

Baujahr 1979-1980 - Elektronische Zündung und DetailpflegeAb 1979 ersetzt Ducati die kontaktgesteuerte Zündung durch eine elektronische Bosch-Zündung. Diese Maßnahme verbessert die Startzuverlässigkeit und reduziert den Wartungsaufwand. Die Bremsanlage wird überarbeitet, bleibt aber bei Brembo-Komponenten. Die Sitzbank wird leicht modifiziert, bleibt jedoch auf Solobetrieb ausgelegt. Die Felgen stammen weiterhin von Borrani, die Bereifung wird werkseitig mit Pirelli Phantom ausgeliefert. Die Lackierung ändert sich in Details, unter anderem durch goldene Felgen und neue Dekorelemente.

Baujahr 1981-1982 - Letzte Serie der KönigswellenmodelleIn den Jahren 1981 und 1982 wird die 900 SS Königswelle nur noch in geringen Stückzahlen gefertigt. Die technische Ausstattung bleibt weitgehend unverändert. Die Produktion endet 1982, da Ducati die Königswellen-Technologie zugunsten der wartungsärmeren Zahnriementechnik aufgibt. Die 900 SS ist damit das letzte Serienmodell von Ducati mit Königswellenantrieb. Nachfolger im Geiste wird die 900 S2, jedoch bereits mit modifiziertem Motorkonzept.

Ist die Ducati 900 SS Königswelle für Anfänger geeignet?

Nein, die Ducati 900 SS Königswelle ist aufgrund ihrer sportlichen Sitzposition, des hohen Wartungsaufwands und der anspruchsvollen Fahrdynamik nicht für Einsteiger geeignet.

Hat die Ducati 900 SS Königswelle ABS?

Nein, die Ducati 900 SS Königswelle ist nicht mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet. ABS war zur Bauzeit dieses Modells nicht verfügbar.

Ducati 900 SS Königswelle vs. 750 SS - Unterschiede?

Die 900 SS Königswelle unterscheidet sich von der 750 SS durch den größeren Hubraum (864 cm³ statt 748 cm³), stärkere Bremsen, eine geänderte Auspuffanlage, größere Vergaser und ab 1979 eine elektronische Zündung. Beide Modelle nutzen den Königswellenantrieb.

Ducati 900 SS Königswelle Tankinhalt und Reichweite?

Der Tankinhalt beträgt 18 Liter. Bei einem realistischen Verbrauch von etwa 6,5-7 l/100 km ergibt sich eine Reichweite von rund 250 km.

Darf man mit der Ducati 900 SS Königswelle nach Tirol fahren?

Das Standgeräusch der Ducati 900 SS Königswelle liegt je nach Baujahr und Auspuffanlage bei über 91 dB(A). Damit kann sie von den Tiroler Fahrverboten betroffen sein, sofern das Standgeräusch ≥ 95 dB(A) beträgt.

Technische Daten im Überblick

Modell Hubraum Leistung Baujahre
750 SS Königswelle 748 cm³ 73 PS 1973-1977
900 SS Königswelle 864 cm³ Variiert je nach Baujahr 1975-1982

Dieser kleine Bericht über die Ducati 900 SS Königswelle wird auf jeden Fall eine Hommage an dieses außergewöhnliche Motorrad. Es ist schon viel über die königliche Diva geschrieben worden, aber der Reiz dieses einzigartigen Motorrades, mit seiner geduckten Formgebung, ist bis heute bei einer kleinen Gemeinde ungebrochen. Wer die Berichte des berühmten 200 Meilen Imola Rennens von 1972 kennt, der weiß um welches geniale technische Motorenkonzept es sich bei der Köwe handelt.

Da haben die desmodromisch gesteuerten 750 ccm Königswellen L-Twins mit Paul Smart und Bruno Spaggiari Weltelitefahrern wie Giacomo Agostini auf den legendären MV Agusta Rennmaschinen das fürchten gelehrt. In Borgo Panigale entwickelte „Dottore“ Fabio Taglioni diesen Motor Anfang 1970 mit 750 ccm. Wer diesem Motorrad mal zu nahe gekommen ist, wird dieses Erlebnis nicht mehr vergessen, oder viel schlimmer, er wird infiziert.

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