Damensattel Mountainbike Test Vergleich: So Finden Sie den Richtigen Sattel

Wer wünscht es sich nicht: Drauf auf das Bike und los geht der Fahrspaß, egal wie lange die Tour auch dauert! Der Schmerz oder das Taubheitsgefühl am Hinterteil kann aber selbst die herrlichste Fahrradtour verderben. Dies kann aber viele Ursachen haben.

Entweder ist der Sattel zu weich oder er passt einfach nicht zum eigenen Körperbau. Um einen besseren Überblick zu erhalten, erläutern wir die Ursachen von Problemen, bieten Lösungsansätze und beleuchten die Merkmale eines „passenden“ Sattels. Trotz alledem sollte man folgende Punkte in Betracht ziehen, damit die Bike-Tour zur Wohlfühltour wird.

Gleich mal eines vorweg: Nach Angaben des Urologen und Sportmediziners Dr. med. Stefan Staudte erleben etwa 90 Prozent der Radfahrer Taubheitsgefühle im Genitalbereich, aber zum Glück haben nur etwa vier Prozent ernsthafte Probleme damit.

Die Anatomie des Beckens beim Radfahren

Beim Radfahren ist es wichtig, auf die Anatomie des Beckens zu achten. Viele Radfahrer klagen oft über Beschwerden im Gesäßbereich, die von empfindlichen Sitzknochen ausgehen können. Es ist ratsam, die Druckempfindlichkeit durch kurze und regelmäßige Fahrten zu Beginn der Saison zu trainieren. Die Knochen nehmen durch das Sitzen keinen Schaden, daher sollte das Körpergewicht vor allem auf ihnen ruhen.

Die Bedeutung der Sattelbreite

Die Breite des Fahrradsattels ist sehr wichtig. Wenn er zu breit ist, können die seitlichen Kanten an den Innenseiten der Oberschenkel scheuern und Druckstellen verursachen. Das kann dazu führen, dass der Biker unbeabsichtigt nach vorne rutscht. Ist der Sattel zu schmal, wird zu viel Druck auf die Weichteile und den Bereich zwischen den Oberschenkeln ausgeübt, wo wichtige Blut- und Nervenbahnen verlaufen, die gequetscht werden können. Leider reagiert dieser Bereich relativ unempfindlich gegenüber Überlastung, was langfristig zu ernsthaften Problemen und Schäden führen kann.

Der Abstand der Sitzknochen am Sattel variiert je nach Sitzposition. Bei aufrechter Sitzposition als Trekkingradfahrer rotiert das Becken nach hinten.

Spezielle Sättel für Frauen

Speziell für verschiedene Geschlechter konzipierte Sättel sind in der Bike-Industrie immer noch umstritten. Einige Hersteller wie Contec, Ergon und Terry bieten in unserem Test sowohl Herren- als auch Damenmodelle an. Für eine große Auswahl an Sattelbreiten präsentieren sich Bontrager, SQlab und Velo mit jeweils vier verschiedenen Breiten. Jeder Sattel wird einzeln im Detail unter die Lupe genommen.

Gerade Frauen klagen häufig über Sitzprobleme auf dem Rad - was nicht selten dazu führt, das Bike bald in die Ecke zu stellen. „Durch die unterschiedliche Beckenanatomie und -breite muss die Abstimmung und Auswahl viel intensiver erfolgen als bei Männersätteln“, erklärt Sabine Spitz, sechsmalige Deutsche Mountainbike-Meisterin, das Problem. Bei einem falschen Fahrradsattel werden Nerven und Blutgefäße im Dammbereich komprimiert oder ganz abgeklemmt. Die Folgen: Taubheitsgefühle, Durchblutungsstörungen, Schmerzen.

Inzwischen gibt es jedoch eine riesige Auswahl an unterschiedlichen Sätteln speziell für Frauen.

Weitere Tipps gegen Druckschmerzen

Auch hier gibt es Lösungen, wenn durch das lange Sitzen weiterhin Druckschmerzen oder Hautirritationen an der Tagesordnung sind. Mit beispielsweise einem regelmäßigen Wechseln der Sitzposition durch Aufstehen oder Pausen, kommt mehr Frischluft an den Sitzbereich. Dies verhindert, dass feuchtes und warmes Sitzklima entsteht. Zudem ist eine Radhose mehr als nur ratsam, da diese den Schweiß im Sitzpolster ideal abtransportiert und durch ihr meist antibakteriell und atmungsaktives Material eine hohe Luftzirkulation ermöglicht. Geschmacksache sind Sitzcremes.

Die richtige Sitzposition

Zudem sollte man auf eine korrekte Sitzposition achten. Höhe, Winkel und Position des Sattels können das Sitzerlebnis stark beeinflussen. Bestenfalls sollten Sättel immer waagrecht montiert werden. Leider führt aber auch eine zu hohe Sitzposition zu seitlichen Bewegungen des Beckens über dem Sattel, wodurch das Hin und Her zu Hautirritationen und Reibstellen führen kann.

Sollten weiterhin Probleme im Sitzbereich bestehen, wird empfohlen, ein Fahrradfachgeschäft aufzusuchen, denn oft bieten diese professionelle Bike-Fittings an. Dort werden untere anderen die Sitzknochen vermessen, der passende Sattel ausgewählt, die Einstellung und die Sitzposition überprüft und bei Bedarf optimiert.

Weich oder Hart? Die Polsterung des Sattels

Kaum hat man den Fokus auf den Fahrradsattel gelegt, wird er erst mal untersucht. Nicht mit den Augen, sondern durch das Drücken des Polsters. Hier kommt oft die Aussage: „Oh, der ist aber angenehm weich!“ Aber ist das dann auch der perfekte Sattel für mich? Im Grunde genommen kommt es immer darauf an, wie oft und wie lange man auf dem Bike unterwegs ist. Wenn man sein Rad ab und an für spontane Fahrten in die Stadt oder nur zum Bäcker nutzt, spielen die Sattelqualität, Härtegrad und Breite eine untergeordnete Rolle.

Fährt man aber regelmäßig in die Arbeit und geht ab und an auf Tages- sowie Mehrtagestouren, spürt man sofort, ob der Sattel dem Sitzfleisch guttut. Dadurch wird der Druck auch auf den weniger empfindlichen, aber problematischeren Damm- und Schambereich übertragen, wodurch Blut- und Nervenbahnen gequetscht werden können. Somit fühlen sich weiche Polster anfangs angenehmer an, führen aber langfristig eher zu Kribbeln, Taubheitsgefühlen und anderen Beschwerden.

Sattel mit Loch oder Entlastungskanal?

Egal ob der Sattel ein Loch in der Mitte besitzt, oder der Entlastungskanal mittig vertieft angebracht ist, dieses Feature ermöglich es, den sensiblen Dammbereich zu entlasten. Bei dem Sattelloch ist zu beachten, dass diese Öffnung unter Umständen Grund für eine Verschmutzung der Hose ist und im Winter ein eher unangenehmes Kältegefühl im Sitzbereich erzeugt.

Active Technologie von SQlab

Spannend bei den Testrunden war, dass durch die Active Technologie von SQlab mittels eines Hebels die Flexibilität der beweglichen Sattelschale verändert werden kann. Hierbei sitzt man fest im Sattel, wobei das Becken nach links und rechts mehr Spielraum bekommt. Diese Funktion dient dazu, die Lendenwirbelsäule zu mobilisieren und soll Rückenschmerzen vorbeugen.

Weitere Details und Funktionen

Das Obermaterial aller im Test gefahrenen Sättel schützen vor Regen und Schmutz und lassen sich gut abwischen. Bei der Montage der Sättel ist es wichtig, die Anweisungen zu beachten. Sie sollten nicht über die maximalen Markierungen hinaus angebracht werden. Den größten Verstellbereich im Test besitzen Bontrager, Ergon und SQlab. Immer mehr Marken bieten zudem Adaptermöglichkeiten für Werkzeuge, Lichter oder Satteltaschen über Clipsysteme an, wie es beispielsweise bei Selle Royal der Fall ist.

Für E-Biker im Speziellen werden Sättel für noch mehr Komfort optimiert, insbesondere mit einem teilweise höher gezogenen Heck, um das Rutschen bei Bergaufpassagen zu verhindern. Ganz besonders optisch auffällig sind Sättel, wie der SQlab, mit einem Stufen-Design. Hierbei wird der Druck unter dem Schambeinbogen zusätzlich reduziert. Auch bei Sätteln wird „grün“ gedacht: Selle Italia setzt auf einen automatisierten Prozess zur Herstellung hochwertiger Fahrradsättel, ohne auf umweltschädliche Klebstoffe und Polyurethane zurückzugreifen, um die CO2-Emissionen zu minimieren. Aber auch hohe Stabilität bei geringem Gewicht ist möglich.

Druckmessung im Labor und Test auf Tour

Um ein eindeutiges Ergebnis der zu testenden Sättel zu erhalten, haben wir zum einen die Sättel mittels Druckmessfolie im Labor gefahren. Um die Grafiken besser zu deuten, gibt es folgende Eckpunkte zu beachten: Der schwarze Bereich ist ohne Sitzdruck. Danach steigt der Druck mit den Farben Weiß, Grau, Blau, Grün, Gelb und Rot an. Somit sind Sättel mit einem druckfreien Mittelareal zu bevorzugen, da diese eine deutliche Aussparung im Damm- und Prostatabereich besitzen. Dies trägt wiederum dazu bei, dass einem der Sitzbereich nicht taub wird.

Zum anderen wurden die 23 Testsättel auch auf Tour getestet. Da der Fahreindruck eines Sattels sehr wichtig ist, hat dieser mit 45 Prozent den größten Einfluss im Testergebnis, wobei die Druckverteilung aus ergonomischer Sicht auch sehr relevant mit 35 Prozent bewertet wurde. Die Verstellbarkeit des Sattelgestells trägt mit 10% zum Test-Ergebnis bei. Es ist schon ein Hochgefühl, wenn man den passenden Sattel für sich gefunden hat. Unser Testergebnis kann hierbei eine Entscheidungshilfe sein.

Im Punkt Preis-Leistung hatten in diesem Test unter 23 Modellen die Hersteller Acid und Wittkop die Nasen vorne. Am Ende wurden zwei Testsieger gekürt. Bontrager für den sportlichen Radfahrer mit einer straffen Polsterung und SQlab für Trekking-Biker, der mit einem hochwertigen Fahrkomfort punktet.

Die wichtigsten Kauftipps für Damensättel

Bei der Auswahl des Sattels sollte man die Funktion an die erste Stelle setzen. Denn Radfahren macht keinen Spaß, wenn der Hintern schmerzt.

  • Schmale Sättel bieten dir mehr Bewegungsfreiheit, ideal für sportliche Fahrerinnen.
  • Achte darauf, dass die Aussparungen in der Sattelmitte den Damm- bzw. Schambereich entlasten und keine störenden Nähte vorhanden sind.

Drei Entscheidende Punkte, um den perfekten MTB-Sattel zu finden

Sitzknochenabstand

Man sitzt auf einem Hocker mit Gel-Folie oder Wellpappe und drückt darin die Sitzhöcker ab. Der gemessene Abstand hilft, die Beckenbreite einzuordnen - das ist aber nur bei aufrechter Sitzposition aussagekräftig. Die Wahl des Sattels nur an diesem Wert festzumachen, greift zu kurz.

Sitzposition auf dem Mountainbike

Entspannt mit aufrechter Sitzposition oder agressiv-sportliche Vorbeugung wie auf einem Racer? Entsprechend fällt die Wahl beim Sattel aus.

Bikerinnen und Biker lassen sich grob in Sitzbein- oder Schambein-Belaster einteilen. Bei sportlichen Sitzpositionen rotiert das Becken vorwärts. Die Belastung wandert von den Sitzbeinhöckern vor auf die Schambeinkufen. Der Sattel kann dadurch schmaler sein, sollte aber den Dammbereich besser entlasten.

Polsterhärter des Sattels

Die Härte des Paddings sollte unbedingt den Fahrgewohnheiten angepasst werden. Das heißt: Je länger man im Sattel sitzt, desto härter darf die Polsterung sein. Sitzknochen gewöhnen sich an die Druckbelastung. Ein weicher Sattel, der anfangs bequem scheint, kann sich auf längeren Touren durchsitzen und für Druckschmerzen sorgen.

Sattelbreite und Sitzknochenabstand

Die Sattelbreite ist eine der wichtigsten Größen bei der Sattelwahl, besonders, wenn man eher aufrecht auf dem Bike sitzt, und wird immer an der breitesten Stelle gemessen. Der Sattel muss mindestens so breit sein, dass beide Sitzbeinhöcker komplett auf ihm aufliegen und man nicht an der Kante der Polsterung sitzt. Bei einer sportlicheren Sitzposition und einer guten Beckenkippung ist die Sattelbreite nicht ganz so ausschlaggebend.

Auch bei Frauen ist das häufiger der Fall. Hier sollte der Sattel im mittleren Teil etwas breiter ausfallen, um den Schambeinkufen ausreichend Auflagefläche zu bieten. Breite und Form des Sattels sollten also immer auch von der Sitzposition und nicht allein vom Sitzknochenabstand abhängig gemacht werden.

Polsterhärte beim MTB-Sattel

Bei der Schaumhärte kommt es stark auf das subjektive Empfinden an. Generell lässt sich aber sagen, dass die Knochenstrukturen auf einem weichen Polster mit der Zeit in den Sattel einsinken und es zu Scheuer- und Druckstellen kommen kann. Außerdem kann der Blutfluss im Dammbereich durch ein zu softes Polster abgedrückt werden.

Ein zu harter Sattel kann zwar auch Druckschmerzen verursachen. Doch daran kann sich der Körper bei regelmäßiger Belastung gut gewöhnen. Wenn der Sattel optimal eingestellt ist und die Druckverteilung passt, ist es meistens nur eine Frage der Zeit, bis die anfänglichen Schmerzen durch die härtere Oberfläche verschwunden sind.

Auch bei der Polsterhärte spielt die Sitzposition wieder eine Rolle. Ist sie eher aufrecht, und die Sitzbeinhöcker tragen die Hauptlast, kann der Sattel auch härter sein. Wenn das Becken stärker kippt und auch die empfindlicheren Teile Richtung Schambein Kontakt auf dem Sattel haben, ist ein weicheres Modell meistens eine gute Wahl. Gelsättel oder Gelüberzüge kann man für ein Mountainbike nicht wirklich empfehlen. Hier sinkt der Körper zu stark ein und wird instabil.

T- oder V-Form des Sattels

Grundsätzlich unterscheidet man bei den Sattelformen zwischen T-Form und V-Form. Welche Form besser zum Fahrer passt, hängt von der Beckenposition auf dem Sattel ab. Die T-Form zeichnet sich durch eine etwas schmalere, lange Nase und eine im Verhältnis deutlich breitere Sitzfläche aus. Sie ist die klassische Sattelform, die auch häufig ab Werk auf Rädern verbaut wird und funktioniert besonders bei einer aufrechten Sitzposition, bei der die Sitzbeinhöcker Kontakt zum Sattel haben, oft sehr gut.

Außerdem bietet sie etwas mehr Beinfreiheit gerade bei muskulöseren Oberschenkeln. Wenn das Becken gekippt ist (wie es bei vielen Frauen der Fall ist) und die Schambeinkufen Kontakt zum Sattel haben, empfiehlt sich eine V-Form. Die etwas breitere Sattelnase bietet den Schambein­kufen schon ab dem mittleren Teil deutlich mehr Kontaktfläche.

Kontur des Sattels

Sättel mit ebener Sitzfläche bieten dem Fahrer eine gute Stabilität. Eine seitlich abfallende Form kann aber durchaus entlastend sein, weil sie den Druck reduzieren kann. Auch hier kommt es wieder auf das subjektive Gefühl, aber auch auf die Position des Beckens an. Wenn man beim Treten mit dem Oberschenkel an die Sattelkante stößt, kann ein seitlich abfallender Sattel die Lösung sein. Ein ansteigendes Heck ist besonders für Fahrer und Fahrerinnen geeignet, die hohen Druck im Schambeinbereich verspüren.

Liegen die Sitzbeinhöcker auf dem erhöhten Teil des Sattels auf, ist der vordere Teil entlastet. Das ist besonders bei Männern wichtig. Ein Nachteil der Aussparung kann sein, dass sich der Druck nicht mehr flächig verteilt, sondern auf den relativ schmalen Kanten neben dem Cutout liegt. Daneben gibt es auch Sättel mit "Channel", also einer leichten Vertiefung. Sie hat im Prinzip dieselbe Funktion wie ein Cutout, bietet aber etwas mehr Kontaktfläche und ist in der Regel die sinnvollere Lösung. Komplett geschlossene Sättel können bei einer aufrechten Beckenposition aber ebenso gut funktionieren.

Die Sattelnase

Auch die Sattelnase hat einen Einfluss auf das Sitzfegühl: Eine breite Sattelnase hat den Vorteil, dass man den Sattel an verschiedenen Stellen gut belasten kann. Beim Bergauffahren rutschen viele Fahrer und Fahrerinnen gerne nach vorne. Wenn dort dann etwas mehr Fläche vorhanden ist, sitzt man stabiler und angenehmer. Da der vorderste Teil der Sattelnase meist nicht belastet wird, ist eine lange Sattelnase nicht zwingend nötig, kann aber gerade in technischem Gelände von Vorteil sein. Gerade Fahrer und Fahrerinnen mit kräftigen Oberschenkeln empfinden einen kurzen Sattel als sehr angenehm. Viele Shortfit-Sättel haben eine stark ausgeprägt V-Form die auf dem Mountainbike nicht zu jeder Beckenposition passt, aber gerade bei sportlicher Sitzposition sinnvoll sein kann.

Das Sattelgestell

Stahl, Titan oder Carbon? Hier kann prozentual gesehen jede Menge Gewicht gespart werden: Während die Gestelle bei preiswerten Sätteln meist aus CrMo-Stahlrohr bestehen und schon mal an die 100 Gramm wiegen, spart man mit einem Carbon-Gestell bis zu 60 Prozent Gewicht. Dünnwandigere Stahlrohre, wie sie hochwertigere Legierungen zulassen, liegen gewichtsmäßig genau dazwischen und ungefähr auf dem Niveau, das mit massiven Titanstreben erreicht werden kann.

Ein Carbon-Gestell hebt den Sattel jedoch auch in eine ganz andere Preisklasse - aber es passt nicht in jede Sattelstütze. Um bruchsicher zu sein, sind Carbon-Streben meistens hochoval. Sie haben Querschnitte von 7 x 9 oder 7 x 10 Millimetern. Auf den meisten hochwertigen Sattelstützen befindet sich an versteckter Stelle ein Hinweis, für welche Art von Gestellen sie geeignet sind.

Was braucht ein Fahrradsattel, damit Frauen schmerzfrei biken können?

Bei aller Freude für das Mountainbiken, die Frauen und Männer gleichermaßen teilen - es gibt doch physiologische Unterschiede bei beiden. Mit Auswirkungen auch auf die Wahl eines MTB-Sattels.

Interview mit Janina Haas, Leiterin Ergonomie bei Ergon / Terry

BIKE: Was ist der Unterschied zwischen Sätteln für Mann und Frau?

Janina Haas: Wir unterscheiden bei unseren Sätteln von Ergon und Terry grundsätzlich zwei Bereiche. Zum einen ist das die knöcherne Struktur des Beckens. Zum anderen das Weichteilgewebe. Für die knöcherne Struktur haben wir bei den Sätteln für Frauen den mittleren Bereich breiter gemacht, was der Physiognomie der meisten Frauen entgegenkommt. Frauen haben durchschnittlich einen Schambeinwinkel von über 90 Grad, das heißt die Schambeinkufen laufen breiter aufeinander zu. Daher brauchen sie eine breitere Unterstützung auch in der Sattelmitte, der die Schambeine aufnehmen kann. Beim Mann laufen die Knochen an der Stelle in einem kleineren Winkel zueinander.

Zweitens steigen unsere Frauen-Sättel im hinteren Bereich etwas stärker an als die der Männer. Frauen kippen ihr Becken auf dem Sattel etwas mehr nach vorne - neigen zu einem ganz leichten Hohlkreuz - sodass wir die Sitzbeinknochen damit mehr unterstützen.

Die Position der Entlastungskanäle sind daher für Männer- und Frauen-Sättel unterschiedlich positioniert. Hinzukommt, dass die weiblichen Genitalien nicht mobil sind. Die Frau sitzt ja quasi auf dem Genitalbereich. Damit es hier nicht zu Reizungen kommt, sind auch die Ränder der Cut-outs speziell designt, mit sanften Übergängen - so erreichen wir einen ebenso sanften Druckanstieg hin zu den robusten Sitzknochen.

Worauf sollten Frauen beim Kauf eines Sattels besonders achten?

Aus den oben gennannten Gründen, sollten Frauen darauf achten, dass der mittlere Bereich des Sattels gut unterstützt. Von T-Form-Sätteln raten wir vor allem im Mountainbike-Bereich daher ab. Y- oder V-Shape hingegen sind gut. Allem geht voran, dass die Sattelbreite passt.

Passen einer Frau grundsätzlich auch Männer-Sättel?

Unsere Studien und Erfahrungswerte zeigen, dass einer absoluten Mehrzahl von Männern und Frauen die passenden Männer- und Frauensättel sehr gut passen. Es gibt zwar auch immer wieder Frauen, die uns sagen „Ich fahre lieber auf diesem Männer-Sattel!“ - aber die meisten kommen doch besser mit einem für Frauen zurecht.

Die Bedeutung des Bike-Fittings

Der beste Sattel nützt nichts, wenn das gesamte Dreieck aus Sattel, Lenker und Pedale nicht stimmt. Die Lösung ist ein professionelles Bike-Fitting.

Empfehlungen für Mountainbike-Frauen

Im Idealfall sitzt die Sattelnase bei einem Fahrradsattel für Damen etwas tiefer als der hintere Teil des Sattels. So wird gewährleistet, dass die Sattelnase nicht zu viel Druck auf das Schambein ausübt. Was wichtig ist, dass der Sattel die Sitzknochen stabil unterstützt und man nicht zu tief einsinkt. Ein guter Fahrradsattel für Damen muss nicht weich und möglichst breit sein. Er muss ausreichend hart sein und die perfekte Breite haben.

Welchen Sattel kannst du für Mountainbike-Frauen empfehlen?

Egal, welcher Sattel - wichtig ist es, ihn ausgiebig zu testen. Jeder Po ist unterschiedlich und in Kombination mit der Sitzposition auch unvergleichbar mit anderen. Viele Händler bieten daher an, dass Fahrradsattel über einen gewissen Zeitraum getestet werden können - ganz ohne Verbindlichkeiten.

MTB-Sättel im Test: Eine Übersicht

Sattel Preis Gewicht Besonderheiten Fazit
Ergon SM Pro Men 109,95 Euro 255 gr Zubehöraufnahme, drei Farben und zwei Breiten verfügbar Gute Wahl für Touren-Biker, komfortabel auch auf langen Ausfahrten.
Fabric Scoop Race Shallow 89,90 Euro 255 gr Je nach Sitzposition in drei Shapes erhältlich, versch. Gestelle und Farben Straffe Polsterung, unterstützt Positionswechsel, drei Sattelformen zur Wahl.
Fizik Gravita Alpaca X5 79 Euro 224 gr Carbon-Nylon-Schale, Zubehöraufnahme Kurzer, schmaler Sattel, fokus eher auf Enduro-Einsätze.
Natural Fit Venec+ 89,95 Euro 291 gr Glasfaserschale, Zubehöraufnahme, auch als Damenversion erhältlich Komfortabel gepolsterter Sattel für Touren-Biker mit eher aufrechter Sitzposition
Procraft Tour S 26,90 Euro 304 gr Auch in einer Variante ohne Loch erhältlich Komfortabler Touren-Sattel für kurze Ausritte. Geringer Verstellbereich
Pro Turnix Gel 94,95 Euro 303 gr Glasfaserverstärkte Schale; Zubehörmontageoption / Carbon - Gestell Wer auf dem Trail richtig Gas geben will, ist mit dem Turnix gut bedient.
Selle Italia SLR Boost X-Cross Superflow 224,90 Euro 198 gr Faserverstärkte Schale; Stoßdämpfer im Gestell Teures Modell für sportliche, flexible Fahrer mit wenig Positionsänderung.
Selle San Marco GND Supercomfort Racing 159 Euro 204 gr Carbon-verstärkte Schale; Geleinsatz / zahlreiche Ausführungen in dieser Form Eher geeignet für Fahrer mit sportlicher Haltung, aber kurzer Touren-Dauer.
SQlab 60X Ergowave Active 149,95 Euro 268 gr Kevlar-Flanken; Elastomere in drei unterschiedlichen Härtegraden Die perfekte Wahl für Biker mit Druckbeschwerden im Damm.
Syncros Tofino R 1.0 149,95 Euro 193 gr Zubehöraufnahme, auch als Lochsattel und mit versch. Gestellen erhältlich Sportlich-straffer und leichter Sattel für Vielfahrer und lange Touren.

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