Ducati Monster 1100 Evo: Ein umfassender Testbericht

Bereits in der dritten Generation treibt Ducatis Monster-Familie ihr Unwesen im Zweirad-Kosmos. Insgesamt mehr als 246.000 Exemplare haben die Italiener seitdem an den Mann und die Frau bringen können - das ist Rekord für den Bologneser Hersteller, dessen Jahresproduktion aller Modellfamilien zusammen gerade mal gut 45.000 Einheiten umfasst.

Die Evolution der Monster ist gelungen: Das sportliche Naked Bike bleibt dem bewährten Monster-Konzept treu, zeigt sich in nahezu allen Facetten aber sinnvoll weiter entwickelt und sicherer gemacht. Übrigens ohne Aufschlag: Trotz aller Neuerungen kostet die 1100er Evo mit 11 390 Euro kaum mehr als die letztjährige Monster 1100.

Das Monster wird volljährig

Zum achtzehnten Geburtstag spendiert ihm Ducati den stärksten luftgekühlten V2 aller Zeiten, eine verfeinerte Ergonomie und weitere nette Gaben, was ihm den Namenszusatz "Evo" bringt.

Zuerst die Streetfighter, dann vor Kurzem die Diavel. Muskulöse, böse angehauchte Naked Bikes haben offenbar derzeit bei Ducati Konjunktur. Eine Rolle, die bislang der Monster vorbehalten war. Die soll deshalb aber keineswegs ins Abseits geraten. Nein, Ducati weiß um die Anziehungskraft der Monster-Familie im Allgemeinen und ihrem Oberhaupt im Besonderen und lässt diesem deshalb eine ordentliche Modellpflege angedeihen. Zu Recht. Denn zum einen war die Monster 1100 im letzten Jahr nach der Multistrada die am besten verkaufte Ducati. Zum anderen verkörpert sie wie kaum eine andere die klassische, pure Fahrmaschine. Frei von überflüssigem Schnickschnack, ganz dem ungefilterten Fahrspaß verpflichtet.

Design und Ausstattung

Als typischer Vertreter der "Weniger-ist-mehr"-Philosophie bietet die rassige Italienerin all ihre Reize unverhüllt an, vom auffälligen Hybridrahmen über den klassischen V2 bis zum markanten Doppelschalldämpfer auf der rechten Seite. Traditionelles Herzstück eines jeden Monsters ist aber seit Anbeginn der Geschichte ein luftgekühlter 90-Grad-V-Motor, dessen zwei Ventile desmodromisch zwangsgesteuert werden.

Neben der technischen Ausrüstung erfreut die gute Ausstattung der 1100er Monster mit Extras wie einem einstellbaren Hand- und Bremshebel. Das nun weiß hinterlegte Instrument bietet einen perfekt ablesbaren Balken-LED-Drehzahlmesser sowie einen winzig kleinen, kaum sichtbaren Digital-Tacho.

Motor und Leistung

Nicht allein die zahlreichen Modifikationen im Inneren des Triebwerks, die die Monster von der Schwester "Hypermotard 1100 Evo" übernommen hat, machen den exakt 1 078 ccm großen "Desmo-Due" zum stärksten seiner Gattung. Im Grunde handelt es sich um das Aggregat aus der Hypermotard 1100 Evo. Besitzt also im Gegensatz zum bisherigen Monster-Antrieb Kolben, die die Verdichtung von 10,7 auf 11,3:1 erhöhen. Optimierte Einlasskanäle und Brennräume, die die Doppelzündung überflüssig machen, und schärfere Nockenwellen. Das Schwungrad der 848, Lichtmaschinendeckel aus Magnesium-Legierung und das Vacuralguss-Gehäuse sparen 2,5 Kilogramm Gewicht. Und ab sofort genießt der Monster-Dompteur den Komfort der leichtgängigen APTC-Anti-Hopping-Kupplung, die nun im Motoröl badet.

Wirklich neu ist dagegen die von den Superbikes abgeleitete vierstufige Traktionskontrolle, wie das abschaltbare ABS ab Werk dabei. Und die Auspuffanlage, die mit dem kühnen Schwung ihrer Krümmer den optischen Brückenschlag zu Streetfighter und Diavel schafft. Sie spart noch einmal ein halbes Kilogramm an Gewicht und sorgt zusammen mit der größeren Airbox für stramme 95 PS in den Papieren. Und für einen klasse Sound.

Vielmehr sorgen die neue, auffällig geschwungene Auspuffanlage und die Ansaugluftführungen dafür, dass der luftgekühlte Zweizylinder erstmals maximal 100 PS bei 7 500 U/min und ein beeindruckendes Drehmoment von 103 Nm bei 6 000 Touren bereitstellt. Abgesehen von deutlichen Lastwechseln beim Gasanlegen im unteren Drehzahlbereich erfreut der 1100er-Triebling mit guter Gasannahme und fröhlicher Drehfreude. Ab 3 000 Touren liefert der V2 angemessenen Vortrieb, satter Druck stellt sich dann ab 4 500 Umdrehungen ein und hält bis an den Drehzahlgipfel von 8 000 U/min an. Dabei kann das Triebwerk mit außerordentlicher Laufruhe und einem voll tönenden Bass begeistern, bei dem sich die Nackenhaare positiv aufgeladen aufrichten. Das exakte und leichtgängige Sechsganggetriebe rundet den guten Eindruck ab, zumal die neue hydraulisch betätigte Ölbadkupplung die Handkräfte deutlich minimiert und beim Herunterschalten wie eine Rutschkupplung wirkt.

In den unteren Gängen nimmt er zwar auch Drehzahlen knapp über 2000/min nicht krumm. Wohlig rund läuft er aber, sobald der LCD-Balken des Drehzahlmessers im mäßig ablesbaren Cockpit die 3 erreicht. Ab der 4 blüht der Zweiventiler auf. Doch erst ab 5500/min krempelt er richtig die Ärmel hoch. Ab da prescht er richtig munter die Drehzahlleiter hinauf bis zum Begrenzer. Die Monster Evo zelebriert nicht den wuchtigen Antritt aus dem Drehzahlparterre, sie baut vielmehr auf eine kräftige Mitte und Temperament oben raus.

Wer es ruhiger angeht, dem wird der sanft und gut kalkulierbar einsetzende Schub von unten reichen. Sollen die Kurvenfolgen aber zügig bezwungen werden, ist häufiges Schalten angesagt, damit die Drehzahl nicht unter die 5 fällt. Was aber dank der leichtgängigen Kupplung und des präzisen Getriebes kein Akt ist. Selbst bei hohen Drehzahlen nehmen die Vibrationen kein unangenehmes Maß an und wird der Twin nicht rüpelig laut. Vielmehr wechselt seine Tonlage von bassigem Trommeln in kerniges Hämmern, um im Schiebebetrieb ungeniert aus den kurzen Endtöpfen zu patschen.

Fahrwerk und Handling

Entschärft wurde die allzu sportliche Ergonomie über einen höheren Lenker und eine neu konturierte Sitzbank, dennoch stellt sich beim Aufsitzen das bekannte Monster-Feeling mit starker Vorlage und leicht ausgestellten Ellbogen ein. Geben diese dem Familienoberhaupt die Sporen, offenbart sich alsbald eine sehr komfortable Fahrwerksabstimmung, die auf unruhigem Untergrund schnell zu ungewollten Bewegungen führt. Für Abhilfe lassen sich die komplett einstellbare USD-Gabel wie das in Federbasis und Zugstufe justierbare Federbein entsprechend anpassen.

Sehr positiv fällt die neue Handlichkeit der Monster 1100 Evo auf, die neuen Pirelli Diablo II-Pneus sowie die harmonischere Abstimmung und die gute Gewichtsverteilung machen es dem Monster-Treiber leicht, schnell unterwegs zu sein. Und sicher dazu. Denn die Italiener rüsten ihre 1100er serienmäßig mit dem Ducati Safety Pack (DSP) aus, das ein Bosch-Brembo-ABS sowie eine Traktionskontrolle bietet. Dabei sind die Stopporgane weit weniger aggressiv ausgelegt als man von radial angeschlagenen Vierkolben-Festsätteln erwarten würde. Die Bremse agiert sehr defensiv, für gute Verzögerungen wird recht viel Handkraft verlangt.

Entspannt und mit deutlich weniger Druck auf den Handgelenken lässt sie sich am höheren Lenker durch das chaotische Treiben auf den vernarbten Straßen Catanias dirigieren. Die Gabel verarbeitet die Flicken erstaunlich sensibel, mehr Härte lässt das direkt angelenkte Federbein walten.

Und doch ist es erstaunlich, welchen Unterschied 20 Millimeter Lenkerhöhe machen können. Man fühlt sich längst nicht mehr so stark über das Vorderrad gespannt, hat die Sache locker in der Hand. Und obwohl der Lenker nach wie vor seine eigenwillige Kröpfung behalten hat, stört dies bei Weitem nicht mehr so arg. Und weil die neue Sitzbank den Piloten nun nicht mehr so aufdringlich Richtung Tank schiebt, scheucht man die Monster mit ausgesprochener Lockerheit durch die Kurven. Keine Frage, das neue Sitzplatzarrangement tut ihr ausgesprochen gut. Hundertprozentig neutral fährt zwar auch diese Monster nicht durch die Kurven, einen sanften Zug am Lenker braucht sie nach wie vor. Dafür verkneift sie sich lästiges Aufstellen in Schräglage fast vollständig. Die neuen Pirelli Diablo Rosso II, hinten dank Dual-Compound-Bauweise mit weichem Gummi auf den Flanken und reichlich Grip ausgestattet, harmonieren sehr gut.

Bremsen und Sicherheit

Dabei sind die Stopporgane weit weniger aggressiv ausgelegt als man von radial angeschlagenen Vierkolben-Festsätteln erwarten würde. Die Bremse agiert sehr defensiv, für gute Verzögerungen wird recht viel Handkraft verlangt.

Sanfter ansprechende Bremsbeläge nehmen der Bremse beim ersten Zupacken etwas die Schärfe. Damit ist ihr aber auch der rechte Sportsgeist, das energische Zubeißen, das man sich für spät gesetzte Bremsmanöver wünscht, abhandengekommen. Normalem Tempo genügt diese Abstimmung durchaus. Bei sehr sportlicher Gangart aber wirken die Stopper trotz hoher Handkräfte stumpf.

Selbst bei extrem forcierter Fahrweise hält sich das serienmäßige "Safety-Pack", bestehend aus ABS (abschaltbar!) und Traktionskontrolle vornehm zurück. "Als Sicherheitssystem und nicht als Spaßbremse wurde es konzipiert und abgestimmt", so Ducati-Presse-Mann Kai Swaton.

Technische Daten

Hier eine Übersicht der technischen Daten der Ducati Monster 1100 Evo:

Merkmal Details
Motor Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor
Hubraum 1079 cm³
Leistung 70,0 kW (95 PS) bei 7500/min
Max. Drehmoment 103 Nm bei 6000/min
Getriebe Sechsganggetriebe
Radstand 1450 mm
Sitzhöhe 810 mm
Trockengewicht 169 kg
Tankinhalt 15,0 Liter

Fazit

Die Ducati Monster 1100 Evo ist ein sportliches Naked Bike, das dem bewährten Monster-Konzept treu bleibt. Sie zeigt sich in nahezu allen Facetten aber sinnvoll weiter entwickelt und sicherer gemacht.

Die Monster 1100 Evo ist optisch eine Lichtgestalt, hat aber harte Schatten. So beißt sich das tolle Design mit rostigen Schrauben am Auspuffendtopf, ihr sportliches ABS mit der zu weichen Gabel und der tolle Schub des Twins mit dem unsäglichen Getriebe.

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