Die Ducati Monster 1100 EVO ist ein beliebtes Motorrad, das regelmäßige Wartung benötigt, einschließlich der Einstellung des Ventilspiels. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Anleitung zum Einstellen des Ventilspiels an einer Ducati Monster 1100 EVO, basierend auf praktischen Erfahrungen und technischen Informationen.
Vorbereitung und Werkzeuge
Für die Einstellung des Ventilspiels an einer Ducati Monster 1100 EVO sind einige Werkzeuge erforderlich:
- Gradscheibe
- Messuhr
- Fühlerlehre
- Spezial-Messdorn (für Schließerhebel)
Bei den neueren 2-Ventilern sind die Nockenwellenräder von Hause aus einstellbar. Nun ist es so, dass bei diesem Kopf das Riemenrad welches der Ventilsteuerung dient, vom Kopf demontiert war und von mir wieder angebracht werden musste.
Nun kann man das natürlich so grob machen, aber richtiger ist natürlich die Steuerzeiten einzustellen. Sonst machen die Ventile zu falschen Zeit auf oder zu.
Ermittlung des OT (Oberer Totpunkt)
Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeiten, den wahren OT zu finden. Beiden liegt eine Gradscheibe an der Kurbelwelle und die Kunst des Mittelns zugrunde. Das macht man einmal in Motordrehrichtung und einmal entgegen der Motordrehrichtung.
Bei beiden Stellen liest man jeweils auf der Gradscheibe die Gradzahl ab und bildet den Mittelwert. Beispiel: Anschlag 14° vor OT in Drehrichtung, Anschlag 20° nach OT gegen Motordrehrichtung.
(14+20)/2=17. Ergo muss man die Gradscheibe bei Anschlag auf 17° vor bzw. nach OT stellen, ohne die Kurbelwelle zu drehen!
Genauso funktioniert das mit der Messuhr im Kerzenloch, nur wählt man dort einen beliebigen Kolbenhub bei dem man die Gradzahl abliest. Also zB.
Messen der Steuerzeiten
Jetzt kann es losgehen mit dem Messen der Steuerzeiten. Dazu muss man die Messuhr auf dem Ventil platzieren und dort den Hub, ausgehend von komplett geschlossenem Ventil, messen.
Also zB. Einlassventil öffnet um 1mm Ventilhub bei 14° vor OT. Gleiches Ventil beim schliessen, kommt auf 1mm Ventilhub dann bei 73° nach UT, entspricht einer Ventilöffnungsdauer von 267° (14+90+90+73). Ist beim 2-Ventiler aber relativ egal, denn es gibt nur eine Nockenwelle im Kopf!
Auch kann man die zweite Gradzahl eigentlich weg lassen, sie dient eher nur der Kontrolle. Zum Messen selbst muss man das Ventilspiel egalisieren, heisst zwischen Öffnerarm und Ventil das Spiel mit einer geeigneten Fühlerlehre auf 0,0 bringen.
Einstellen der Steuerzeiten
Der neue Kopf war ein paar Grad neben den optimalen Steuerzeiten, das zeigte die Messung beim öffnen am Einlass. Also wurde am Riemenrad gedreht bis es besser passte.
Das erste Mal natürlich in die falsche Richtung gedreht.. elend. Dann passte es einigermaßen. 19° vor OT ging das Ventil auf und es ging zu um.. 58° nach UT.
Wow. Ein Hilfreiches vorgehen hierbei ist übrigens die Kurbelwelle auf den zu erreichenden Gradwert zu drehen, dann die Nockenwellenriemenscheibe lösen und die Nockenwelle so weit drehen das man 1mm Hub an der Messuhr hat, ohne das sich die Nockenwellenriemenscheibe mit dreht.
Jetzt die Nockenwellenriemenscheibe wieder fest machen, schauen das die Kurbelwelle noch auf dem Gradwert steht, Motor mehrmals durchdrehen und noch einmal kontrollieren.
Der stehende Zylinder wurde auch noch eingestellt, der lag auch ein paar Grad daneben und dann wurde alles schön festgemacht und das Kapitel geschlossen.
Ventilspiel bei Desmodromik
Die Hyper 796 hat eine Desmodromik, was bedeutet, dass die Ventile mechanisch geöffnet und geschlossen werden. Man misst das Spiel zwischen Öffnerhebel und Öffnerkappe (=Öffnerspiel). Dann drückt man den Schließerhebel nach unten und misst erneut das Spiel zwischen Öffnerhebel und Öffnerkappe (=Öffnerspiel+Schließerspiel).
Die Differenz dieser beiden Maße ist dann das Schließerspiel. Die Öffnerkappe sowie die Schließerhülse können dann mit einem kalibrierten Spezial-Meßdorn gemessen werden um das Maß der neuen Kappen/Hülsen festzulegen.
Ein wichtiger Aspekt ist die Egalisierung des Ventilspiels, um genaue Messwerte zu erhalten. Klar, beim Ventilspiel! Das sollte man ja egalisieren, was aber wenn man das nicht ausreichend getan hatte?!
Jetzt konnte ich prima das 1mm öffnen vor OT auf 14° stellen und kam bei 1mm schliessen bei gewünschten 73° herraus.
Zahnriemen
Zahnriemen: Eher zu locker, als zu straff. Die Lager der Rollen werden sonst zu stark exzentrisch belastet und verschleissen extrem schnell. Ich habe auch schon blaue Rollen gesehen...
Wartungsintervalle
Ducati hat mittlerweile einen Service Intervall von 12 000 km. Dies ist gegenüber früher, als man alle 5 000 in die Werkstatt musste bereits sehr viel. Zahnriemen müssen laut Ducati alle 24000 bzw 2 Jahre gewechselt werden. Zahnriemen werden von Ducati mittlerweile mit 5 Jahren Wechselintervall angegeben.
Erfahrungen und Tipps
Es ist mit dem Werkstatthandbuch handwerklich kein Hexenwerk. Allerdings habe ich, als ich an meiner Monster dass das erste mal gemacht habe, ca 12 Stunden gebraucht. Man brauch Erfahrung, denn das was Du misst, muss als Käppchen nicht unbedingt passen.... das kann einen beim ersten Mal ein bisschen in den Wahnsinn treiben.
Allerdings wenn das Ventilspiel passt, brauch man es bei den alten Zweiventielern min 20-25000km nicht mehr einstellen (ohne Rennstrecke)
Empfehlungen zur Ventilspielkontrolle
Auch nach 24000 km müßen nicht zwangsweise die Ventile eingestellt werden, vielmehr geht es um die Kontrolle und dann Einstellen nach Bedarf. Am Geräuch dürftest du nicht´s bemerken, der Ducatimotor hat generell laute mechanische Geräuche.
Ein leichtes Ventilklappern bzw. tackern ist auf jedenfall besser als geräuschfrei. Wenn das Ventilspiel zu klein wird, würd ich mir ernsthafte Gedanken machen (Ventilsitze). Normalerweise wird das Spiel größer, was aber nicht unbedingt schädlich ist wenn´s im Toleranzbereich ist.
Toleranz ist Öffner Ein- Auslass 0,15mm, Schließer Ein-Auslass 0,10mm. Also richtig viel. Wichtig ist besonders das der Schließer mindestens 0,05mm Spiel hat.
Ich habe bisher immer selbst die Ventile kontrolliert, mußte aber erst nach mehr als 50000km das Spiel korrigieren. Das ist allerdings aufwändiger!
Vorsorge ist besser als Nachsorge. Am Ende ist es auch nur Gummi mit etwas Kevlar o.ä. als verstärkendes Gewebe. Wie weit das Geldmache ist und wo die Grenze beim Verschleiß liegt weiß wohl keiner...vielleicht liegts auch an der schwankenden Qualität der Zahnriemenhersteller, wer weiß!?!
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