Ducati Monster 1200: Erfahrungen für Fahrer und Sozius

Die Ducati Monster gibt es bereits seit über 20 Jahren. Genauer gesagt seit der IFMA 1992, auf der die 78 PS starke M 900 Monster für das Modelljahr 1993 Premiere feierte. Seitdem bescherten uns mehrere Monster-Generationen in Zwei- oder Vierventilausführung, luft- oder wassergekühlt, zwischen knapp 600 und 1100 cm³ groß und rund 50 bis 130 PS stark das monstermäßige Gefühl, auf einem sehr sportlichen Naked Bike zu sitzen.

Für den leistungsorientierten Liebhaber unverschalter Italo-Ware hat Ducati nun etwas viel Umgänglicheres im Angebot: die Monster 1200 und ihre etwas extrovertiertere Schwester Monster 1200 S. Egal, ob Monster 1200 oder - wie in unserem Fall - Monster 1200 S: Sie ist unverkennbar immer noch eine Monster, aber dass die Design-Zeiten auch bei Ducati nicht stillstehen, sieht man ihr doch auf den ersten Blick an. Mit dem für ein Naked Bike recht langen Radstand von 1511 mm wirkt die 1200er Monster zudem ungewöhnlich gestreckt.

Ergonomie und Komfort

Der Fahrer hockt immer noch mit leicht vorgebeugtem Oberkörper in einer ziemlich vorderradorientierten Sitzposition und packt den Stier am breiten Lenker bei den Hörnern - so kennen wir das. Aber: Alles ist nicht mehr so extrem, und über einen Kunststofftank muss sich auch niemand mehr mühsam spannen. Das liegt zum einen daran, dass der nun 17,5 statt 13,5 Liter fassende Spritbehälter jetzt aus Stahlblech gefertigt ist (was die Nutzer von Magnet-Tankrucksäcken besonders freuen dürfte), und vor allem daran, dass die Lenkerenden vier Zentimeter höher und auch vier Zentimeter weiter in Richtung Fahrer gerückt sind. Und auch die Fahrerfußrasten sind nicht mehr ganz so weit hinten und ganz so weit oben montiert wie zu sportlichsten Monster-Zeiten. Nun sitzen nicht nur kleine Italiener, sondern auch normalwüchsige Nordeuropäer bequem, und die Schräglagenfreiheit stimmt immer noch. Das vorn nun etwas breitere und insgesamt auch ein wenig üppiger gepolsterte Sitzkissen verbessert den Komfort ebenfalls.

Das Wort „optimieren“ ist in diesem Zusammenhang allerdings nicht ganz angebracht, denn in typischer Ducati-Manier sind die Ausleger der Sozius-Fußrasten immer noch dermaßen dämlich angebracht, dass der Fahrer mit den Fersen anstößt, das Knie stärker als nötig eindreht und bei etwas schrägerer Schräglage Gefahr läuft, einen Teil des Stiefelleders einzubüßen, wenn er nicht aufpasst. Der Lenker hat Ducati-typisch eine merkwürdige Kröpfung. Das ist erstmal ungewohnt, aber nicht hinderlich.

Motor und Getriebe

Der wassergekühlte 1198-Kubik-Vierventiler wird in ziemlich ähnlicher Form auch in der Multistrada und in der Diavel verbaut, leistet in beiden Fällen aber etwas mehr. In der Monster-Abstimmung legt der mit Doppelzündung bestückte Motor etwas mehr Wert auf Druck bei niedrigen und mittleren Drehzahlen. Bereits dann, wenn der Vauzwo die ersten Leerlauftöne von sich gibt, weiß der Zuhörer ziemlich genau, zu welcher Fraktion er gehört: zur Rumpel-rassel-Gruppe oder zum Herzschlag-Fanclub. Wer einen pulsierenden, bassigen Beat bevorzugt, hört bei der Monster 1200 S genau richtig. Mit unvergleichlich geschmeidigem Schub schiebt der unter Last herrlich (nicht prollig) brüllende und im Schiebebetrieb wunderbar brabbelnde Twin die vollgetankt 213 Kilo leichte Fuhre vorwärts. Die Unten-Mitte-Abstimmung ist ein voller Erfolg. Besonders in der Mitte, denn dermaßen wuchtig wie die 1200er hat bislang noch keine Monster reingelangt. Ab 5000 Touren ist ganz, ganz großes Kino angesagt, und darüber brennt bis zum fünfstelligen Bereich die Luft. Und das völlig ohne Loch oder auch nur Delle - heftigster Nonstop-Durchzug, bis der Drehzahlbegrenzer kommt. Das knackige Sechsganggetriebe ist für den Landstraßentanz perfekt übersetzt.

Die Gasannahme ist vorbildlich, das Ride-by-Wire bisher absolut problemlos. Es ist schon erstaunlich, wie leicht so ein Gasgriff gedreht werden kann. Das war an SV und Triple anders. Die Kupplung funktioniert auch völlig tadellos und leichtgängig.

Fahrmodi und Elektronik

Drei Fahrmodi lassen sich auch während der Fahrt wählen: Sport, Touring und Urban. Im Sport-Modus werden Gasgriff-Befehle ziemlich direkt und hart umgesetzt. Im öffentlichen Verkehrsraum ist der Touring-Modus fast immer die bessere Wahl. Höchstleistung gibt’s auch hier, aber die Gasannahme ist nicht mehr ganz so ruppig. Im Urban-Modus stehen nur noch maximal 100 PS zur Verfügung, und das Drehmoment ist über den gesamten Drehzahlbereich um rund 25 Prozent gekappt - eine durchaus sinnvolle Sache, wenn die Monster mal im Regen ausgeführt werden soll. Neben dem Ansprechverhalten des Motors beeinflusst die Wahl der Fahrmodi auch das Verhalten der Traktionskontrolle und des ABS. Die Bandbreite reicht auch dabei von „fast schon waffenscheinpflichtig und eigentlich nur für die Rennstrecke“ bis zu „lammfromm und auch prima für Blümchenpflücker“.

Alle Einstellungen werden über den Blinkerschalter gesteuert und auf dem "Dashboard" (früher hieß das mal Tacho) gut sichtbar dargestellt. Auch lässt sich dieses immer gut ablesen. Klar verliert es bei direkter Sonneneinstrahlung an Kontrast, aber die dargestellten Werte sind dennoch gut ablesbar. Also kein Grund für Kritik. Für Fahrten bei Nacht wird invertiert, sieht sehr geil aus. Die Umschaltung erfolgt automatisch und lichtabhängig. Die Oberfläche ist allerdings kratzempfindlich. Da werde ich noch eine Schutzfolie aufziehen.

Fahrwerk und Bremsen

Die Zeiten, in denen eine Monster vorn zu weich und hinten zu hart war und zu erhöhter Nervosität im dynamisch durcheilten Winkelwerk neigte, sind nun vorbei. Vorn und hinten straff, aber nicht unbequem gefedert, sauber ausbalanciert und damit neutral und jederzeit gut berechenbar lässt sich’s mit der Duc ums Eck blasen. Wie ein Fahrrad fällt auch die neueste Monster nicht in die Kurve, sie mag immer noch einen zupackenden Fahrer. Doch im Unterschied zu früheren Zeiten macht sie dann auch exakt das, was dieser will. Und so ganz nebenbei auch noch ein paar mehr feine Sachen, wie zum Beispiel genial gut bremsen und extrem wenig verbrauchen - wer auf 100 Kilometern mehr als fünf Liter abfackelt, macht irgendetwas Grundlegendes falsch.

Weitere Meinungen und Erfahrungen

  • Marcus Lacroix: Die Monster fährt sich wirklich recht agil und problemlos. Dazu, finde ich, sieht sie auch super aus. Für mich sind das alles aber keine Nachteile oder Einschränkungen, sondern das gehört eben dazu. Und wer auf Trockenkupplung steht, wird sie sicherlich bald im Zubehör ordern können.
  • Testfahrer: Die Monster 1200R fährt wie ein Fahrrad, stabil, feinste Gasannahme, kein Ruckeln ... ein Sahnemotor mit absolut ausreichend Druck im Kessel.
  • Nutzer: Insgesamt ein wirklich geiles Motorrad, das extrem viel Freude bereitet. Empfand ich die BMW S1000R langweilig, die Superduke hässlich, so hat mich die Monster R schon auf der Probefahrt überzeugt.

Zusammenfassung der Vor- und Nachteile

Die Ducati Monster 1200 ist ein Naked Bike mit sportlichen Ambitionen, das jedoch auch im Alltag eine gute Figur macht. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Vor- und Nachteile:

Vorteile:

  • Leistungsstarker Motor mit viel Drehmoment im mittleren Drehzahlbereich
  • Agiles Handling und stabiles Fahrwerk
  • Hochwertige Ausstattung und Verarbeitung
  • Komfortable Sitzposition für Fahrer und Sozius (im Vergleich zu älteren Modellen)
  • Umfangreiches Elektronik-Paket mit verschiedenen Fahrmodi

Nachteile:

  • Sozius-Fußrasten können den Fahrer stören
  • Auspuffsound könnte etwas kerniger sein (bedingt durch Euro 4 Norm)
  • Display könnte bei direkter Sonneneinstrahlung besser ablesbar sein
  • Verbrauch im Vergleich zu anderen Motorrädern etwas höher

Technische Daten (Monster 1200 S)

Hier eine Tabelle mit den wichtigsten technischen Daten der Ducati Monster 1200 S:

Merkmal Wert
Motor Wassergekühlter 1198 cm³ Vierventil-V2
Leistung 137 PS
Drehmoment 118 Nm
Getriebe 6-Gang
Radstand 1511 mm
Gewicht (vollgetankt) 213 kg
Tankinhalt 17,5 Liter

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