Ducati Monster 900: Testbericht und Kaufberatung

Die Ducati Monster 900 hat einen ganz eigenen Charakter. Dieses gedrungene, komplett nackte Motorrad überraschte 1993 die Zweiradszene. Wer die Monster schön findet, will auch unbedingt eine haben.

Design und Ergonomie

Die Ducati Monster besticht durch ihr ikonisches Design, das Sportlichkeit und Eleganz vereint. Die Sitzposition auf der Monster ist gemäßigt-sportlich bei recht niedriger Sitzhöhe, mäßig angewinkelten Knien und leicht vorgeneigtem Oberkörper.

Das Cockpit beschränkt sich aufs Wesentliche. Außer einem schon etwas antiquierten kleinen Tacho nur acht Kontrollleuchten. Einen Drehzahlmesser gibt es bei der 900er ab dem 2000er-Modell. Die Sitzposition des Monster-Treibers ist dank nicht zu hoch positionierter Fußrasten bequem, der für Ducati-Verhältnisse fast breite Lenker könnte günstiger gekröpft sein, dem Fahrer mehr entgegenkommen.

Etwas Aufmerksamkeit erfordert das Herausfahren aus engen Einfahrten oder das Abbiegen an 90-Grad-Kreuzungen, da der Lenkeinschlag sehr knapp bemessen ist.

Motor und Leistung

Die Ducati Monster ist mit einem leistungsstarken L-Twin-Motor ausgestattet, der für ein beeindruckendes Drehmoment sorgt. Gemessen am Kilometerstand läuft der 900er erstaunlich leise und kultiviert, auch das Rasseln der Trockenkupplung bleibt im zivilen Rahmen.

Der Motor spricht schlecht an, das kann die Einspritzung, die ab dem Modelljahr 2000 von der Supersport-Baureihe übernommen wurde, wesentlich geschmeidiger. Wie alle Ducati-Motoren braucht das Monster M 900-Triebwerk penible Wartung: Problematisch sind vor allem Vergaser und Kupplung.

Mangelndes Ansprechen der Gasfabrik versuchen die Besitzer mit einer kürzeren Übersetzung, größeren Leerlaufdüsen, Dynojet-Kit plus K&N-Luftfiltern zu verbessern. Die radikalere und effektivste Lösung: 41er-Keihin-Flachschiebervergaser, allerdings jenseits von Gut und Böse, was die Eintragungsmöglichkeit betrifft.

Fahrverhalten und Handling

Auf Anhieb vertrauenerweckend wirkt die gesamte Balance der Maschine, der Schwerpunkt ist dank des V2 niedrig, das Handling gerät ausnehmend leicht. Auch die Stabilität auf den Geraden überzeugt. Die Ducati Monster zeigt sich im Fahrverhalten bemerkenswert agil.

Lediglich in langgezogenen Biegungen könnte die Präzision und Zielgenauigkeit exakter sein. Die Vorderpartie mit dem frei und ungeschützt im Fahrtwind gebeutelten Piloten wird dann leicht. Außerdem ist die Upside-down-Gabel etwas zu straff gedämpft an, auf welligen Fahrbahnen spürt man jede Unebenheit in Armen und Oberkörper. Die Doppelscheibenbremsanlage vorn gefällt durch feine Dosierbarkeit und mit exaktem Druckpunkt.

Ausstattung und Technik

Die Ducati Monster kommt mit einer soliden Ausstattung, die sowohl Sicherheit als auch Komfort bietet. ABS und Traktionskontrolle sind serienmäßig, was das Fahren sicherer macht. Das Display ist übersichtlich und bietet alle wichtigen Informationen auf einen Blick.

Modellmodifikationen

Alle Modellmodifikationen aufzulisten würde diesen Rahmen sprengen. Das Wichtigste: Ab dem 1996er-Modell ist die Showa-Gabel einstellbar, und es wurden einige Marzocchi-Exemplare verbaut. Hinten arbeitete bis 1996 ein Boge-Federbein, dann eins von Showa. Bis einschließlich Baujahr 1997 war die Monster mit Aluschwingen ausgestattet, die ab 1998 außer an der Monster S durch Stahlversionen ersetzt wurden.

Die Motorleistung betrug zunächst 75 PS, ab 1997 aufgrund geänderter Steuerzeiten und kleineren Ventilen nur noch 67 PS (mit Ausnahme der Special und Cromo, die weiterhin den 75 PS-Motor sowie die kleine Cockpit-Verkleidung aufwiesen).

Gebrauchtkauf-Beratung

Nachdem die 900er seit 2000 mit Einspritzung angeboten wird, sinken die Preise für die alten Vergaserversionen allmählich. Die 900er-Monster fällt wie die meisten Schwestermodelle aus Bologna in die Kategorie Liebhabermotorrad. Das bedeutet, der Pflegezustand ist selbst bei den ältesten Typen der Baureihe im Regelfall überdurchschnittlich gut.

Trotzdem sollte man aber genau kontrollieren, ob wichtige Wartungsarbeiten regelmäßig durchgeführt wurden. Wie beispielsweise der Zahnriemenwechsel: Vorsicht bei Exemplaren mit gelbem oder weißem Riemen-Aufdruck, diese sind nämlich steinalt. Bei fachgerechter Pflege sind kaum Probleme zu erwarten, Profischrauber attestieren dem Zweiventiler eine Standfestigkeit von weit über 100000 Kilometern.

Immer wieder ein Thema, besonders nach der Probefahrt, ist die Trockenkupplung. Völlig normal ist das Rasseln im Leerlauf, weniger okay eine im Fahrbetrieb rupfende und schlecht dosierbare Kupplung, die nach hohen Handkräften verlangt. Meist ist der Kupplungskorb verschlissen und muss ausgetauscht werden.

Worauf Sie beim Gebrauchtkauf achten sollten:

  • Zahnriemen: Regelmäßiger Wechsel ist entscheidend.
  • Ventile: Regelmäßige Pflege ist wichtig.
  • Trockenkupplung: Achten Sie auf ungewöhnliche Geräusche und Dosierbarkeit.
  • Gabel und Bremse: Auf Undichtigkeiten achten.
  • Lenkkopflager: Auf Zustand achten.
  • Gesamtzustand: Wie ist der Gesamtzustand, welchen Eindruck macht das Motorrad?

Teuer und rar. Eine gepflegte Monster 900 ist selten für unter 3.000 Euro zu bekommen. Ganz entscheidend sind die schon beschriebenen Grundvoraussetzungen für ein langes Motorleben: der Zahnriemenwechsel und der regelmäßige Tausch des Motoröls.

Technische Daten

Ein echter Hingucker. Der Aufbau der Monster macht es Interessenten leicht, das Bike „unter der Haube“ schnell auf Herz und Nieren zu prüfen.

Ducati M 900 i.e. Monster (Modelljahr 2000)

Motor Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor
Hubraum 904 cm³
Nennleistung 57 kW (78 PS) bei 8300/min
Getriebe Sechsganggetriebe
Radstand 1430 mm
Sitzhöhe 790 mm
Gewicht vollgetankt 203 kg
Tankinhalt 16,5 Liter
Höchstgeschwindigkeit 207 km/h

Die erste Monster-Generation (1993 bis 1999) musste aufgrund gesetzlicher Bestimmungen richtig Leistung lassen.

Modellpflege

  • 1993: Markteinführung der Ducati M 900 Monster mit Motor aus 900 SS und modifiziertem Rahmen aus 851/888-Reihe.
  • 1995: Schwarze Zahnriemenabdeckung, Marzocchi-Gabel (vorher Showa). Rahmenfarbe und Hinterradkotflügel neu.
  • 1996: Leistung sinkt aufgrund verschärfter Geräusch- und Abgasbestimmungen von 78 auf 75 PS, Gabel einstellbar.
  • 1997: Ein- und Auslassventile mit reduziertem Durchmesser, Ventilsitze geändert, neue Nockenwelle und Zündboxen, Leistung sinkt auf 67 PS. Cockpitverkleidung serienmäßig.
  • 1998: Wegfall der Cockpitverkleidung, andere Kolben und Zylinder. Neu: Stahlflex-Bremsleitungen, Brems- und Kupplungsarmaturen.
  • 1999: Sondermodelle Dark mit mattschwarzer Lackierung, City/City Dark mit Packtaschen und Karbonteilen, S mit 78-PS-Motor, Cockpitverkleidung und Öhlins-Federbein, Cromo mit verchomten Tank, höherem Lenker und Windschild.
  • 2000: Motor mit Motormanagement und Nockenwellen der SS 900 sowie Getriebe von der 748. Leistung steigt auf 78 PS. Ab sofort mit Modellzusatz „i. e.“.
  • 2003: Die neue Monster 1000 S ersetzt die 900er-Modellreihe.

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