Ducati Monster 900: Eine Ikone der Naked-Bike-Ära und ihre Entwicklung

Anfang 1993 begann die Karriere des italienischen Straßenfegers mit dem unvergleichlichen Charisma. An der Monster messen sich seit Ihrer Geburt ganze Generationen von unverkleideten Krafträdern der neueren Geschichte. Die "20th Anniversary Edition" von Ende 2012 weist demzufolge mit rotem Tank, silberner Schwinge und bronzefarbenen Gitterrohrrahmen die viel gerühmten Design-Merkmale der Ur-Monster auf. Eine Hommage, die ihresgleichen sucht.

Die Geburt einer Legende: Die Ur-Monster M900

1992 erblickte die Ur-Monster, genannt M900, auf der IFMA das Licht der Welt. Günstig per Baukastenprinzip hergestellt, sollte sie Ducati aus der finanziellen Krise führen. Und das tat sie auch. Ihr Designer, Miguel Angel Galluzzi, ging seine Erfindung seinerzeit recht pragmatisch an: Alles was man braucht, ist eine Sitzbank, einen Tank, einen Motor, zwei Räder und einen Lenker. Der Verkaufsschlager ging als preisgünstiges Modell im Baukastenprinzip - mit dem Motor aus der 900 SS und dem Rahmen sowie dem Fahrwerk mit geringen Änderungen aus der Superbike Baureihe - an den Start.

Die M900 revolutionierte die Welt auf Anhieb mit ihrem kompakten Äußeren, dem rundlichen Tank über dem frei zur Schau stehenden Gitterrohrrahmen und ihrem luftgekühlten 904 ccm Motor, dem Desmodue mit Vergasern. Ein Bild von einem V2. Und das Auge fährt ja bekanntlich mit vor allem bei unverkleideten Motorrädern, himmelte schon Monika Schulz, Redakteurin bei der Zeitschrift MOTORRAD, dieses neue Geschöpf aus der Ducati-Familie an.

Und weiter beschreibt sie so trefflich: „Mit seinen 53 Cavalli reißt der italienische Zweiventiler freilich keine Löcher in den Asphalt. … überzeugte die M900 direkt alle Anhänger puristischen Fahrvergnügens, die auch auf Stil und Charakter ihrer Fahrmaschine viel Wert legen: Auf Anhieb vertrauenerweckend wirkt die gesamte Balance der Maschine, der Schwerpunkt ist dank des V2 niedrig, das Handling gerät ausnehmend leicht. Auch die Stabilität auf den Geraden überzeugt. Lediglich in langgezogenen Biegungen könnte die Präzision der Zielgenauigkeit exakter sein.“

Die erste MONSTER wurde 1992 auf der IFMA vorgestellt. Die Ur-MONSTER erhält den Rahmen der 851 und das 2-Ventiltriebwerk aus der DUCATI 900 Supersport. Der Entwurf von Miquel Angel Galluzzi fand großen Anklang und so rollten dann bis zum Jahr 2001 rund 100.000 MONSTER aus den Werkshallen in Bologna. Bis zum Jahre 1995 gab es die „Ur-MONSTER“ mit den Motoren der Größe 600cm³, 750cm³ und 900cm³. Dabei ist zu bemerken, dass es die Maschinen mit den 90 Grad V-Motoren mit zwei Ventilen pro Zylinder nur in der bekannten Vergaserversion gab.

Technische Daten der Ducati M900 i.e. Monster (Modelljahr 2000)

Ein echter Hingucker. Der Aufbau der Monster macht es Interessenten leicht, das Bike „unter der Haube“ schnell auf Herz und Nieren zu prüfen.

Motor Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, je eine obenliegende, zahnriemengetriebene Nockenwelle, zwei desmodromisch betätigte Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, elektronische Saugrohreinspritzung, Ø 45 mm, keine Abgasreinigung, hydraulisch betä-tigte Mehrscheiben-Trockenkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 92 x 68 mm
Hubraum 904 cm³
Nennleistung 57 kW (78 PS) bei 8300/min
Max. Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 170/60 ZR 17
Radstand 1430 mm
Lenkkopfwinkel 67 Grad
Federweg v/h 120/144 mm
Sitzhöhe 790 mm
Gewicht vollgetankt 203 kg
Zuladung 182 kg
Tankinhalt 16,5 Liter
Höchstgeschwindigkeit 207 km/h
Beschleunigung 0– - 100 km/h 3,6 sek
Durchzug 60– - 140 km/h 10,1 sek
Verbrauch 6,3 l/100 km (Landstraße), Super

Modellpflege und Weiterentwicklung

Die fleißige Vermehrung der Monster-Familie verlief folgendermaßen: Mit der M900 wurde die erste Monster 1992 ausgeliefert, die M600 kam 1994, die M750 im Jahr 1996. Geschichte wird gemacht, es geht voran für die Monster-Familie, mit ungebrochener Leidenschaft ihrer gesamten Fangemeinde. V2-Motor mit 90 Grad Zylinderwinkel und querliegender Kurbelwelle.

Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, je zwei obenliegende, zahnriemengetriebene Nockenwellen, zwei desmodromisch betätigte Ventile pro Zylinder, zwei Mikuni-Gleichdruckvergaser, 38 mm, kontaktlose Transistorzündung, Hubraum 904 cm³, Nennleistung 49,0 kW / 67 PS, 75 Nm (Vergaser), auch 54 und 57 kW - 54 kW (74 PS) bei 7000/min.

Doch die Monster-Reihe hat sich im Laufe der Jahre ordentlich verändert. Was hat sich verändert? Erst mit der Jahrtausendwende kommt das technische Upgrade. Der M900 wird im Jahr 2000 eine Saugrohreinspritzung spendiert, während die schwächeren Monster noch Vergaser behalten. 2001 folgen dann gleich mehrere Erneuerungen.

Ab dem Herbst 2001 wird die Monsterfamilie um einen Nachwuchs reicher. Zum damaligen Preis von 14.767,-DM gibt es die DUCATI MONSTER 620i.e. Nun hat auch das Einsteigermodell, wie der Name schon sagt, eine elektronische Einspritzung (injection electronical). Statt der bisher eingesetzten 38er Vergaser verrichtet nun eine 45er Einspritzanlage ihren Dienst. Zwei Jahre später werden die MONSTER M750 und M900 von den hubraumstärkeren M800i.e. und M1000i.e. abgelöst.

Mit der Monster 620i.e. Bekommt auch die Einsteiger-Monster eine elektronische Einspritzung. Das große Novum kommt aber in Form der Monster S4, der ersten Monster mit Vierventilmotor. Mit voll einstellbarem Fahrwerk und einer Leistung von 101 PS aus dem erstmals wassergekühlten Motor ist sie und ganz besonders dann die S4R ab 2004 der neue Platzhirsch. Auch sonst legen die anderen Monster zu. Die M750 wird zur M800 und die M900 zur M1000.

Die MONSTER 800i.e. wurde aber im Jahr 2005 durch die S2R ersetzt. Carbonteile, Einarmschwinge usw. sollten die etwas verkaufsschwache M800i.e. Im Jahr 2006 wurde sogar die 1000er durch ein „Einarmmodell“, der S2R1000, abgelöst. Hinzu kommt die neue TOP-Version mit dem Titel S4RS. Der Testastretta-Motor mit 130PS aus den Superbikes spricht für sich! Im Baujahr 2008 hat sich wieder etwas getan. Zur kleinsten 695er gesellt sich nun eine völlig neu gestaltete 696. Diese Neukonzeption soll zeigen, so vermutet man, wie man auf eine völlig neu konstruierte MONSTER reagiert und wie sie vom Markt aufgenommen wird.

Ab dem Modelljahr 2009 wurde die „alte“ klassische Form endgültig verbannt. Die Monster 696 und die beiden Versionen der 1100er sind nun das Non-Plus-Ultra. Im Jahre 2010 gesellte sich die 796 zu den beiden Monstermodellen 696 und 1100. Mittlerweile gibt es die Modellreihe 797, 821 und 1200! Die neusten Entwicklungen lassen sich hier fast nicht mehr nachverfolgen, da nahezu jedes Jahr neue Features auftauchen. Topseller seit 2 Jahrzehnten.

Gebrauchtberatung Ducati Monster M 900

Bislang hat vor allem der Preis den Interessenten einen Schrecken eingejagt. Doch die Monster kann auch anders: Wer mit Ausdauer sucht, bekommt sie gut und günstig.

Auch noch nach vielen Jahren im Gebrauch, wenn die M900 schon auf jede Menge Nachkommen und laufende Verbesserungen zurückblicken kann, lässt sich feststellen: Wie alle Ducati-Motoren braucht auch das Monster M 900-Triebwerk penible Wartung: Problematisch sind vor allem Vergaser und Kupplung. Mangelndes Ansprechen der Gasfabrik versuchten die Besitzer mit einer kürzeren Übersetzung, größeren Leerlaufdüsen, Dynojet-Kit plus K&N-Luftfiltern zu verbessern.

Die 900er-Monster fällt wie die meisten Schwestermodelle aus Bologna in die Kategorie Liebhabermotorrad. Das bedeutet, der Pflegezustand ist selbst bei den ältesten Typen der Baureihe im Regelfall überdurchschnittlich gut. Trotzdem sollte man aber genau kontrollieren, ob wichtige Wartungsarbeiten regelmäßig durchgeführt wurden. Wie beispielsweise der Zahnriemenwechsel: Vorsicht bei Exemplaren mit gelbem oder weißem Riemen-Aufdruck, diese sind nämlich steinalt.

Marktsituation und Preisniveau

Preisniveau in Euro der Ducati Monster. Die magische Grenze von 3000 Euro liegt bei vielen Monster-Angeboten noch in weiter Ferne. Auch wenn viele Angebote mittlerweile 15 Jahre und mehr auf dem Buckel haben. So gesehen lässt sich der Kauf einer Duc auch gut unter Wertanlage verbuchen. Interessant ist allemal die Frage nach Vergaser oder Einspritzer. Ob ihres Ansprechverhaltens deutlich einfacher fahren lässt sich die Einspritzmonster, erkennbar am Kürzel i.e.. Sie ist auf jeden Fall Einsteigern in die Ducati-Szene zu empfehlen, verlangt aber nach einer Mindest-Einlage von rund 4500 Euro.

Umbauen und Individualisieren („Customizing“) genießt in der Monster-Szene einen hohen Stellenwert. Dementsprechend wird der Wert besonders umfangreicher Anbauten wie extravaganter Teile meist auch extra aufgeschlagen.

Modellpflege im Detail (1993 bis 2000)

Die erste Monster-Generation (1993 bis 1999) musste aufgrund gesetzlicher Bestimmungen richtig Leistung lassen.

  • 1993: Markteinführung der Ducati M 900 Monster mit Motor aus 900 SS und modifiziertem Rahmen aus 851/888-Reihe. Preis 19250 Mark (9842 Euro).
  • 1995: Schwarze Zahnriemenabde-ckung, Marzocchi-Gabel (vorher Showa). Rahmenfarbe und Hinterradkotflügel neu. Preis 18440 Mark (9428 Euro).
  • 1996: Leistung sinkt aufgrund verschärfter Geräusch- und Abgasbestimmungen von 78 auf 75 PS, Gabel einstellbar. Preis 19240 Mark (9837 Euro).
  • 1997: Ein- und Auslassventile mit reduziertem Durchmesser, Ventilsitze geändert, neue Nockenwelle und Zündboxen, Leistung sinkt auf 67 PS. Cockpitverkleidung serienmäßig, Preis 19390 Mark (9914 Euro).
  • 1998: Wegfall der Cockpitverkleidung, andere Kolben und Zylinder. Neu: Stahlflex-Bremsleitungen, Brems- und Kupplungsarmaturen. Preis 18840 Mark (9633 Euro). M 900 S mit 74 PS starkem Motor und Cockpitverkleidung, Cromo mit verchromten Tank. Preis je 20340 Mark (10400 Euro).
  • 1999: Sondermodelle Dark mit mattschwarzer Lackierung, City/City Dark mit Packtaschen und Karbonteilen, S mit 78-PS-Motor, Cockpitverkleidung und Öhlins-Federbein, Cromo mit verchomten Tank, höherem Lenker und Windschild. Preise von 17340 bis 21340 Mark (8866 bis 10911 Euro).
  • 2000: Motor mit Motormanagement und Nockenwellen der SS 900 sowie Getriebe von der 748. Leistung steigt auf 78 PS. Ab sofort mit Modellzusatz „i. e.“. Preis 18490 Mark (9454 Euro). Weiterhin im Programm City/City Dark, Dark, S und Cromo zu Preisen von 17990 bis 20540 Euro (9198 bis 10502 Euro).

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