Seit nunmehr 27 Jahren begeistert die Monster von Ducati Naked-Bike Fans. Als einerseits massentaugliches, andererseits aber auch sehr emotionales Bike etabliert sie sich innerhalb kürzester Zeit unter den erfolgreichsten Modellen von Ducati.
Die Geburt einer Ikone
Anfang 1993 beginnt die Karriere des italienischen Straßenfegers mit dem unvergleichlichen Charisma. An der Monster messen sich seit Ihrer Geburt ganze Generationen von unverkleideten Krafträdern der neueren Geschichte. Der Verkaufsschlager ging als preisgünstiges Modell im Baukastenprinzip - mit dem Motor aus der 900 SS und dem Rahmen sowie dem Fahrwerk mit geringen Änderungen aus der Superbike Baureihe - an den Start.
Ihr Designer, Miguel Angel Galluzzi, ging seine Erfindung seinerzeit recht pragmatisch an: Alles was man braucht, ist eine Sitzbank, einen Tank, einen Motor, zwei Räder und einen Lenker. Die M900 revolutionierte die Welt auf Anhieb mit ihrem kompakten Äußeren, dem rundlichen Tank über dem frei zur Schau stehenden Gitterrohrrahmen und ihrem luftgekühlten 904 ccm Motor, dem Desmodue mit Vergasern. Ein Bild von einem V2.
Und das Auge fährt ja bekanntlich mit vor allem bei unverkleideten Motorrädern, himmelte schon Monika Schulz, Redakteurin bei der Zeitschrift MOTORRAD, dieses neue Geschöpf aus der Ducati-Familie an. Und weiter beschreibt sie so trefflich: „Mit seinen 53 Cavalli reißt der italienische Zweiventiler freilich keine Löcher in den Asphalt. … überzeugte die M900 direkt alle Anhänger puristischen Fahrvergnügens, die auch auf Stil und Charakter ihrer Fahrmaschine viel Wert legen: Auf Anhieb vertrauenerweckend wirkt die gesamte Balance der Maschine, der Schwerpunkt ist dank des V2 niedrig, das Handling gerät ausnehmend leicht. Auch die Stabilität auf den Geraden überzeugt. Lediglich in langgezogenen Biegungen könnte die Präzision der Zielgenauigkeit exakter sein.
Die Entwicklung der Monster-Familie
Die fleißige Vermehrung der Monster-Familie verlief folgendermaßen: Mit der M900 wurde die erste Monster 1992 ausgeliefert, die M600 kam 1994, die M750 im Jahr 1996. Geschichte wird gemacht, es geht voran für die Monster-Familie, mit ungebrochener Leidenschaft ihrer gesamten Fangemeinde.
In dieser Dreier-Konstellation und ohne große technische Neuheiten bleibt die Monster-Familie sich selbst und ihren Fans treu. Erst mit der Jahrtausendwende kommt das technische Upgrade. Der M900 wird im Jahr 2000 eine Saugrohreinspritzung spendiert, während die schwächeren Monster noch Vergaser behalten.
2001 folgen dann gleich mehrere Erneuerungen. Mit der Monster 620i.e. Bekommt auch die Einsteiger-Monster eine elektronische Einspritzung. Das große Novum kommt aber in Form der Monster S4, der ersten Monster mit Vierventilmotor. Mit voll einstellbarem Fahrwerk und einer Leistung von 101 PS aus dem erstmals wassergekühlten Motor ist sie und ganz besonders dann die S4R ab 2004 der neue Platzhirsch.
Auch sonst legen die anderen Monster zu. Die M750 wird zur M800 und die M900 zur M1000. Die verkaufsschwache M800 wird aber bald zur M800 S2R, bei der edlere Komponenten wie Carbon-Teile und Einarmschwinge für zusätzlichen Kaufanreize sorgen sollen.
Der Trend nach mehr Hubraum und mehr PS geht auch an der Ducati Monster nicht spurlos vorüber. Die M620i.e. wird zuerst zur Monster 695, dann 696 und heute ist das kleinste Modell der aktuellen Monster-Reihe schon die 797. Auch der 1000er-Motor ist bald nicht mehr groß genug, so wird zuerst eine 1100er-Monster und ab 2013 sogar eine 1200er Motor angeboten.
Neuerungen durch die Bank sind: mehr Leistung, ab 2013 Wasserkühlung bei allen Modellen, ein neuer Monster-Rahmen, edlere Komponenten als auch Aufrüstung mit elektronischen Assistenzsystemen wie Fahrmodi, einstellbare Traktionskontrolle und mehr. Heute ist die 1200R die Chef-Monster und mit 152 PS und feinster Ausstattung ein richtig heißes Gerät.
Besondere Modelle im Fokus
2005 gilt die Monster schon als italienischer Naked-Bike Klassiker, oder zumindest nennt sie so K.Ot im ersten 1000 PS Vergleichstest der drei Monster-Schwestern M620, S2R und S4R.
"Die 620er Monster ist das "08/15" Eisen in der Monster Modellpalette. Keine unvernünftigen Details, seit Jahren das gleiche klassische Design und seit Jahren treue Käufer. [...] Die 620er wird gerne als City-Flitzer verwendet, und in diese Umgebung passt sie auch perfekt. Kupplung, Bremserei und Schaltung funktionieren sehr geschmeidig. Gerade die Leichtgängigkeit der Kupplung ist im Vergleich zur Racing-Monster S4R ein Gedicht. Das Bike kann auch problemlos von zierlichen Frauen bewegt werden.", so K.Ot zur 620er Monster.
Gegenüber dem mittleren Modell, der S2R, herrscht anfangs Skepsis. "Die S2R wurde zu Saisonbeginn vom gesamten 1000PS Team schwer unterschätzt. 77 PS und 800ccm klingen nicht gerade spektakulär und das scharfe Design wird dies auch nicht kompensieren können - oder doch? Nachdem unser dicker Keiler mit der S2R dann des Öfteren seinen täglichen Weg in die Arbeit antrat und ständig von seinem Bock schwärmte, wurden wir hellhörig. Tatsächlich!
Die Monster S4R ist die Königin der 2005er Serie. Zu ihr heißt es von K.Ot: "Als City-Flitzer und Cafe-Racer muss man bei der S4R einige Racer-Details in Kauf nehmen. Die Trockenkupplung muss die 117 echten PS klarerweise schlupffrei übertragen. Dementsprechend hart dimensioniert sind auch die Kupplungsfedern. Mädels und damenhafte Männer werden mit der strengen Kupplung ein Problem haben. V2-Neueinsteiger werden vom etwas rauen Motor mit recht aggressivem Set-up evtl. überfordert werden. Die Monster S4R ist insgesamt eher ein Männer Bike für echte Jungs.
Technische Details
V2-Motor mit 90 Grad Zylinderwinkel und querliegender Kurbelwelle. Mit klassischer Verrippung outet sich der luftgekühlte Ducati-Antrieb als Kind der siebziger Jahre. Leichter Zahnriemenantrieb zur obenliegenden Nockenwelle, die via Desmodromik (Zwangssteuerung) nur zwei Ventile pro Zylinder betätigt.
Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, je zwei obenliegende, zahnriemengetriebene Nockenwellen, zwei desmodromisch betätigte Ventile pro Zylinder, zwei Mikuni-Gleichdruckvergaser, 38 mm, kontaktlose Transistorzündung, Hubraum 904 cm³, Nennleistung 49,0 kW / 67 PS, 75 Nm (Vergaser), auch 54 und 57 kW - 54 kW (74 PS) bei 7000/min.
Die Monster heute
Eine der charakteristischsten Eigenschaften der seit 1993 über 350.000-mal gebauten Ducati Monster war ihr gut sichtbarer Gitterrohrrahmen aus Stahl. 2021 war damit allerdings Schluss. Zwar bleibt der aktuellen Monster-Generation die eigenwillige Monster-Silhouette erhalten, doch wurde das Design stark verändert. Das Modell wirkt mainstreamig, betont modern, luftig-leicht und wieselflink.
Die 17-Zoll-Räder sind vorne mit 120/70er- und hinten mit 180/55er-Pneus bestückt. Vorne gibt es eine Upside-down-Gabel mit 43er-Rohren, hinten eine Alu-Zweiarmschwinge. Die Bremsscheiben von Brembo mit radial montierten Vierkolben-Bremssätteln kommen auf 32 beziehungsweise 24,5 Zentimeter Durchmesser. Ganz traditionell wird die Monster von einem V2 angetrieben. In diesem Fall kommt der aus Multistrada oder Hypermotard bekannte Testastretta 11 in nurmehr einer Hubraumvariante mit 937 Kubikzentimeter zum Einsatz.
Dazu wurden die Assistenzsysteme verfeinert. Die Elektronik wurde speziell auf das neue Fahrwerk abgestimmt. Die Monster SP ist mit voll einstellbaren Federelementen von Öhlins ausgestattet, der Federweg wurde vorne und hinten leicht erhöht. Drei individualisierbare Fahrmodi sollen für entsprechend mehr Fahrspaß sorgen. Die neue, rote Lackierung wurde von der MotoGP inspiriert.
Die "20th Anniversary Edition" von Ende 2012 weist demzufolge mit rotem Tank, silberner Schwinge und bronzefarbenen Gitterrohrrahmen die viel gerühmten Design-Merkmale der Ur-Monster auf. Eine Hommage, die ihresgleichen sucht.
Auch noch nach vielen Jahren im Gebrauch, wenn die M900 schon auf jede Menge Nachkommen und laufende Verbesserungen zurückblicken kann, lässt sich feststellen: Wie alle Ducati-Motoren braucht auch das Monster M 900-Triebwerk penible Wartung: Problematisch sind vor allem Vergaser und Kupplung. Mangelndes Ansprechen der Gasfabrik versuchten die Besitzer mit einer kürzeren Übersetzung, größeren Leerlaufdüsen, Dynojet-Kit plus K&N-Luftfiltern zu verbessern.
Verwandte Beiträge:
- Ducati Supersport 950: Leistung, Daten & Testbericht
- Ducati Supersport 950 S 35 kW: Test, Daten & Fakten
- Ducati Monster Buch: Geschichte, Modelle & Pflege
- Ducati Monster 696 Sozius: Anbau, Komfort & Sicherheit
- Radtour Loferer Steinberge: Strecken, Tipps & Highlights
- Upright Fahrradfahren: Die überraschenden Vorteile und versteckten Nachteile entdecken!
Kommentar schreiben