Die Geschichte der Ducati MotoGP Weltmeister

Wer sich die Mühe macht und das einmal durchliest, der wird überrascht sein, welche Geschichte DUCATI eigentlich geschrieben hat. Geliebt und bewundert, aber auch beneidet und belächelt – die roten Renner aus Bologna lassen kaum jemanden kalt. Eigenwillige Bosse, visionäre Entwickler und umstrittene Entscheidungen trugen und tragen zu diesem einzigartigen Image bei.

Erst seit dem Jahr 2002 bildet die MotoGP die Königsklasse des Motorradsports, dabei gehen die Ursprünge des zweirädrigen Motorsports deutlich weiter zurück: Bereits im Jahr 1949 traten die Fahrer erstmals zu einer Weltmeisterschaft für Straßenmotorräder an. Der Blick in die Historie der MotoGP-Klasse und deren Vorgänger, der 500er-Klasse, spricht eine eindeutige Sprache.

Die frühen Jahre und der Beginn einer Legende

Die Brüder Adriano und Marcello DUCATI gründen in Bologna die „Società Scientifica Radiobrevetti DUCATI“. In Turin entwickelt der Techniker Aldo Farinelli einen Hilfsmotor für Fahrräder. DUCATI beginnt im März mit der Produktion des Cucciolo. DUCATI verzeichnet die ersten Rennerfolge und legt damit den Grundstein für eine große Sporttradition. Aufteilung von DUCATI in DUCATI Meccanica und DUCATI Elettronica. Vorstellung der DUCATI Gran Sport, der ersten Taglioni-Entwicklung mit Königswelle und obenliegender Nockenwelle.

Fabio Taglioni und die Desmodromik

Fabio Taglioni beginnt mit der Weiterentwicklung der Desmodromik genannten Ventilzwangssteuerung. Das Wort kommt aus dem Griechischen „Desmos Dromos“ und bedeutet „Kontrollierte Bewegung“. Giuliano Maoggi siegt beim Giro d’Italia mit einer Gran Sport 125. US-Importeur Berliner Motor Corporation fordert ein hubraumstarkes Motorrad, um mit den amerikanischen Behörden ins Geschäft zu kommen. Die IRI genehmigt das Projekt Apollo, nachdem Berliner die Übernahme von 50% der Produktionskosten zusagt. Der V4-Motor mit 1.240cm³ Hubraum und 100 PS Leistung zeigt sich viel versprechend, doch sind die Reifen mit der gebotenen Leistung überfordert und fangen bei 160km/h an sich aufzulösen.

Die 1970er und 1980er Jahre: Erfolge und Herausforderungen

DUCATI wird verstaatlicht. Gleichzeitig beginnt die Produktion der Mark 3D, dem ersten Serienmotorrad der Welt mit desmodromischer Ventilsteuerung. Eine Ära geht zu Ende, der Bau der Einzylinder-Modelle mit Königswelle wird eingestellt. Am 1. Juni unterzeichnen DUCATI und Cagiva einen Vertrag. Cagiva ist ein junger, aufstrebender Motorradhersteller mit Sitz in Varese, der vor allem in kleinen Hubraumklassen mit Zweitakt-Motoren sehr erfolgreich ist. Die Gebrüder Castiglioni möchten auch große Motorräder mit Viertaktern bauen, scheuen jedoch das mit einer Neuentwicklung verbundene finanzielle Risiko. Da kommt der Vertrag mit DUCATI gerade recht, denn in Bologna spielt man mit dem Gedanken, die Motorradproduktion ganz aufzugeben.

Neuanfänge und Innovationen

Zwei Epochen gehen zu Ende: Fabio Taglioni und der V2-Motor mit Königswellen gehen in den Ruhestand. DUCATI schlägt neue Seiten auf. Großes Aufsehen auf der IFMA in Köln: DUCATI präsentiert die MONSTER 900, ein unverkleideter Neo-Klassiker, der sich sofort in die Herzen aller Motorradfahrer fährt. Das Fahrwerk stammt von der 888, für das Design ist Miguel Angel Galluzi verantwortlich, ein Mitarbeiter des Cagiva Research Center. Am 5. Massimo Bordi übernimmt die Gesamtleitung der Motorradgruppe von Cagiva. Im gleichen Jahr setzt DUCATI mit der 916 einen weiteren Meilenstein im Motorradbau. Das hinreißende Design, die hoch ins Fahrzeugheck verlegte Auspuffanlage und die mächtige Einarmschwinge setzen neue Maßstäbe. Die enorme Popularität der MONSTER-Baureihe sorgt dafür, dass sie um die MONSTER 750 erweitert wird.

Die 1990er Jahre: Krise und Wiederaufstieg

Trotz der guten Verkaufserfolge von DUCATI schlittert die Cagiva-Gruppe in eine finanzielle Krise: Zulieferer können nicht bezahlt werden und stellen ihre Lieferungen ein, die geplante Jahresproduktion wird nur zu einem Bruchteil erfüllt. Cagiva braucht Geld und verkauft 51% von DUCATI an die amerikanische Investmentgruppe Texas Pacific Group. Cagiva verkauft seine restlichen 49% DUCATI-Anteile an die TPG. Unter dem Namen DUCATI-PERFORMANCE läuft der weltweite Vertrieb von Zubehör und Ersatzteilen. Ein großer Schritt im März: DUCATI geht an die Börse.

Superbike-Erfolge mit Carl Fogarty

In Hockenheim sichert sich Carl Fogarty zum vierten Mal den Titel als Superbike-Weltmeister. Für den Engländer ist es der vierte Titel, für DUCATI bereits der achte in elf Jahren Superbike-WM. Das Millennium wird mit einem Paukenschlag gefeiert. DUCATI enthüllt als Hommage an den legendären Mike „The Bike“ Hailwood die MH900 Evoluzione. Der edle Desmo-Twin wurde von Pierre Terblanche gezeichnet und erstmals exklusiv über das Internet angeboten. Innerhalb weniger Stunden sind alle 2000 Exemplare der Designschönheit vergriffen.

Das 21. Jahrhundert: MotoGP und neue Herausforderungen

Im Juli 2000 feiert DUCATI mit einer großen Strandparty die Produktion der 100.000sten MONSTER. Die Rennsaison endet für DUCATI mit einem lachenden und einem weinende Auge. Während DUCATI den insgesamt 9. Konstrukteurstitel in der Superbike-WM abräumt, muss der gekrönte Superbike-König Carl Fogarty nach einem schweren Sturz das Ende seiner Karriere bekannt geben. Am Ende des Jahres erklärt DUCATI Corse zudem den Einstieg in die MotoGP Weltmeisterschaft zur Saison 2003.

Der Einstieg in die MotoGP

Überschattet wird das Jahr vom Tod zweier bedeutender DUCATI Persönlichkeiten. Mit Bruno Cavalieri Ducati stirbt der letzte der drei Firmengründer, ebenfalls zu Grabe getragen wird Fabio Taglioni, der wie kein anderer Techniker die Entwicklung von DUCATI mit dem Einsatz der desmodromischen Ventilsteuerung prägte. Die neue Rennsaison beginnt mit einer Sensation. Beim MotoGP Auftaktrennen in Suzuka - dem ersten Auftitt des neu formierten DUCATI MotoGP Teams mit den Fahrern Loris Capirossi und Troy Bayliss - steuert Capirossi die Vierzylinder-GP DUCATI bei Ihrem Jungfern-Renneinsatz auf das Podium. Nur wenige Monate später gewinnt Loris Capirossi auf der MotoGP DUCATI das Rennen in Barcelona und beweist damit erneut die Kompetenz der Rennabteilung.

Sportclassic Familie und Casey Stoner

Im Herbst sorgt DUCATI erneut für großen Wirbel und führt die Sportclassic Familie in den Markt ein. Das Konzept aus modernster Technik im klassischen Gewand der ´70er Jahre hatte bereits als Studie großen Applaus geerntet. Die ersten Paul Smart 1000 Limited Edition, zu Ehren des grandiosen Sieges von Paul Smart bei den 200 Meilen von Imola 1972, sowie der nackte Café Racer Sport 1000 werden im Herbst 2005 an die Kunden ausgeliefert. Die Produktion der neuen 1098 beginnt am 13. November. Ein sehr erfolgreiches Jahr für DUCATI. Mit den neuen Modellen 1098, Hypermotard und Desmosedici zeigt DUCATI, was in der Modellpolitik möglich ist. Zudem gewinnt der Australier Casey Stoner den ersten Moto GP Titel für DUCATI.

Ducati nach 2007

Ducati erzielte 2019 einen Umsatz von 716 Millionen Euro bei einem operativen Ergebnis von 29 Millionen Euro (zum Vergleich: KTM machte 1,52 Milliarden Euro Umsatz und 132 Millionen Euro Gewinn), umso erstaunlicher, dass man sich in Bologna immer noch die teure MotoGP leistet. Ein erneuter MotoGP-Titel hätte dem Verkauf der Ducati-Serienmotorräder wieder einen deutlichen Schub gegeben können.

Die Marke Ducati sah im Laufe ihrer Geschichte diverse Besitzer, seit 2012 gehört sie zu Audi und damit zum Volkswagen-Konzern. Der damalige Volkswagen-Boss Ferdinand Piëch hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass er Ducati-Fan war und die italienische Marke unbedingt im Portfolio haben wollte.

Die MotoGP Dominanz von Ducati im Jahr 2024

Die MotoGP sieht Rot: In einer beispiellos erfolgreichen Saison dominiert Ducati die Königsklasse des Motorradsports total und räumt dabei alle Titel ab. Es gibt Siege. Und dann gibt es das, was Ducati gerade in der MotoGP macht: Geschichte schreiben. Bereits zum dritten Mal in Folge setzt der Kult-Hersteller aus Borgo Panigale ein Ausrufezeichen und stellt den Weltmeister in der höchsten Klasse des Motorradsports. Die Inspiration dafür? Liegt in einer langen akademischen Tradition begründet, Claudio Domenicali, CEO von Ducati, erläutert: »Nach der verrückten Freude von 2022 und dem ›Sieg des Bewusstseins‹ von 2023 wollen wir heute den Triumph eines Systems feiern: des ›Ducati-Systems‹. Ein System, das von den Lehren Galileo Galileis, dem Erfinder der wissenschaftlichen Methode und der modernen Wissenschaft, inspiriert ist.

Am Ende der Saison 2024 jedenfalls steht »Made in Italy« also synonym für »Erfolg«: Den Fahrertitel sicherte sich Pramac-Ducati-Pilot Jorge Martín mit seiner Desmosedici GP24 in Barcelona, während Ducati den Konstrukteurs- und Teamtitel mit dem Ducati Lenovo Team holte. Nur einmal gelang es der Konkurrenz im Saisonverlauf, die Piloten auf den Desmosedici zu schlagen. Die Zahlen auf dem Weg zu diesem Ergebnis sind mehr als beeindruckend: Ganze 19 Siege bei 20 Saisonrennen, 14 rein rote Podien, sechsmal fuhren die ersten fünf Piloten im Ziel ausschließlich Ducati. Francesco Bagnaia (Ducati Lenovo Team), Marc Márquez (Gresini Racing MotoGP) und Enea Bastianini (Ducati Lenovo Team) siegten wie Weltmeister Jorge Martín mehrfach und vervollständigten die Top vier der Gesamtwertung, die in diesem Jahr ebenfalls komplett von Ducati beansprucht wurden. In der WorldSBK ließen Nicolò Bulega und Álvaro Bautista für das Aruba.it Racing Team die Korken knallen, holten gemeinsam Hersteller- und Teamtitel und zeigten zudem mit Podestplätzen in der Fahrerwertung, wie Erfolg auf Italienisch buchstabiert wird.

66 MotoGP-Rennen in Folge war mindestens ein Ducati Fahrer auf den ersten drei Plätzen. 106 Siege in der MotoGP für Ducati.

Erfolgreichste MotoGP-Fahrer

Doch wer sind die erfolgreichsten MotoGP-Fahrer aller Zeiten?

Valentino Rossi

Unglaubliche 22 Jahre lang war Rossi in der Königsklasse aktiv und krönte sich am Ende der Saison sieben Mal zum Weltmeister. Damit hält er aktuell auch den Rekord für die meisten Starts: Zu unglaublichen 374 Rennen trat Rossi im Rahmen seiner MotoGP-Karriere an. 89 davon konnte der Italiener gewinnen - und landete 199 Mal auf dem Podium. Mittlerweile hat sich Rossi aus dem aktiven Sport zurückgezogen und fungiert als Chef seines eigenen Rennstalls und versuchte sich in seiner Karriere auch als Testfahrer für Ferrari in der Formel 1 und trat mehrmals in der WRC an, sollte dann aber doch in der MotoGP bleiben. Nicht nur, dass der Italiener mit acht WM-Titeln in der höchsten Klasse Rekordweltmeister ist, er hält auch den Rekord für die meisten Siege bei demselben Grand Prix (insgesamt zehn Siege auf dem Tampere Circuit). Bei der Anzahl der Siege reicht es allerdings trotzdem nur für Platz 2.

Giacomo Agostini

Insgesamt 68 Mal stand Agostini am Ende des Rennens als Sieger fest, zumindest in der 500-ccm-Klasse.

Marc Márquez

Seit 2013 ist Márquez in der MotoGP aktiv und startete seither zu 199 Rennen. Ganze 68 davon konnte der bislang gewinnen, landete 119 Mal auf dem Podium und krönte sich unglaubliche sechs Mal zum Fahrerweltmeister (2013, 2014, 2016, 2017, 2018 und 2019). Nach einem Jahr bei Gresini Racing (2024) wechselte Marquez für die Saison 2025 zu Ducati, wo er zu alter Form zurückfand: Aktuell (Stand: 01.07.2025) führt MM #93 die Fahrerwertung der MotoGP mit 307 Punkten an. Darunter die meisten Siege in einer Saison und den Rekord als jüngster MotoGP-Sieger aller Zeiten.

Mick Doohan

In den Jahren 1994, 1995, 1996, 1997 und 1998 führe kein Weg an dem Piloten vorbei, der in seiner gesamten MotoGP-Karriere im Sattel einer Honda NSR500 Platz nahm - wenn auch für verschiedene Teams. Die erfolgreichste Saison für Doohan war das Jahr 1997, in dem er 12 der 15 Saisonrennen für sich entscheiden konnte. Insgesamt gilt Doohan als Nationalheld Australiens.

Jorge Lorenzo

Eine zweifelhaften Rekord sicherte sich Lorenzo dabei ebenfalls: In der MotoGP-Saison 2013 kam der Spanier auf insgesamt acht Saisonsiege (in 17 Rennen). Kein anderer Fahrer gewann in dem Jahr mehr Grand Prix‘ - am Ende hieß der Sieger der Fahrer-WM allerdings Marc Márquez. Bis heute Rekord für die meisten Saisonsiege, ohne am Ende Weltmeister zu werden. 2022 wurde Lorenzo in die MotoGP Hall of Fame aufgenommen. Der Spanier trat auch immer wieder mit Helmdesigns an, die von Videospielen inspiriert waren.

Dani Pedrosa

Zwischen 2006 und 2018 war Pedrosa für das Repsol Honda Team in der MotoGP aktiv und krönte sich ganz drei Mal zum Vize-Weltmeister (2007, 2010 und 2012). Für einen Meistertitel hat es für einen der talentiertesten Fahrer seiner Generation dabei allerdings nie gereicht. 2007 war Pedrosa jedoch nah dran - mit sieben Siegen seine erfolgreichste Saison.

Michael Hailwood

Zwischen 1958 und 1967 war der Engländer in der Königsklasse aktiv und krönte sich in den Jahren 1962, 1963, 1964 und 1965 ganze vier Mal in Folge zum Weltmeister der 500-ccm-Klasse. Insgesamt konnte Hailwood 37 Rennen für sich entscheiden. Besonders beeindruckend: Stanley Michael Bailey Hailwood, so der volle Name des bereits 1981 verstorbenen Fahrers, war ein echter Tausendsassa. Neben seiner aktiven Motorrad-Karriere ging er zeitgleich auch in der Königsklasse auf vier Rädern - der Formel 1 - an den Start.

Casey Stoner

Besonders beeindruckend war Stoners Triumpf auf dem unterlegenen Bike von Ducati im Jahr 2007, bevor der Australier in den Saisons 2011 und 2012 an die Seite von Dani Pedrosa zum Repsol Honda Team wechselte.

Jorge Martín

Am Ende der Saison 2024 sicherte sich Pramac-Ducati-Pilot Jorge Martín den Fahrertitel mit seiner Desmosedici GP24 in Barcelona.

Weitere erwähnenswerte Fahrer

Darunter Schwantz‘ Landsmann Eddie Lawson, der zwischen 1983 und 1992 in der 500-ccm-Klasse aktiv war. 31 Mal landete Lawson ganz oben auf dem Siegerpodest, nur sechs Mal mehr als Schwantz. Damit fuhr der Ducati-Pilot aber in die Top-10 der erfolgreichsten MotoGP-Piloten. Und das, obwohl Bagnaia mit elf Siegen in 20 Rennen öfter ganz oben auf dem Siegertreppchen landete als alle anderen Piloten.

Zusammenfassung

Ducati hat im Laufe seiner Geschichte viele bemerkenswerte Erfolge erzielt, insbesondere in der Superbike-WM und seit dem Einstieg in die MotoGP. Die Marke hat sich durch technologische Innovationen, wie die Desmodromik, und durch die Leistungen ihrer Fahrer einen Namen gemacht.

Fahrer Weltmeistertitel Siege
Valentino Rossi 7 89
Giacomo Agostini 8 68
Marc Márquez 6 68
Mick Doohan 5 54
Michael Hailwood 4 37
Eddie Lawson 4 31
Casey Stoner 2 38

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