Motorradkette Prüfen: Eine Anleitung

Seit den Anfängen des motorisierten Zweirads ist die Kette ein zentrales Element, um die Kraft innerhalb des Motors und vom Getriebe zum Hinterrad zu übertragen. Viele Versuche, sie als Form des Sekundärantriebs abzulösen, sind bisher gescheitert. Einzig die Kardanwelle war von Anfang an eine Alternative - sauber, sicher, aber schwer, teuer und leistungsmindernd. Erst der Zahnriemen stellt eine ernsthafte Konkurrenz dar und dürfte bei weiterer Entwicklung noch erfolgreicher am Markt sein.

Im Laufe der Zeit wurde auch die Kette stetig weiterentwickelt. Noch in den 60er Jahren war die Schmierung der Kette eine Wissenschaft für sich.

Vorbereitung zur Kettenprüfung

Vor dem Schmieren steht das Aufbocken der Maschine, damit das Hinterrad mit eingelegtem 1. Gang gedreht werden kann. Hat die Maschine keinen Hauptständer, benötigt man eine Aufbockhilfe. Das Motorrad muss so aufgebockt sein, dass sich das Hinterrad frei drehen lässt. Also NICHT auf dem Seitenständer abstellen! Motor AUS, Getriebe im Leerlauf.

Kettenreinigung

Ist die Kette stark verschmutzt, muss sie gereinigt werden. Dazu gibt es heute schnell verdunstende Sprays, die das alte Fett und den Schmutz lösen - eine Auffangwanne sollte dabei nicht vergessen werden. Alternativ kann man ein mit Bürsten versehenes System verwenden, das sich um die Kette befestigen lässt und durch welches die Kette gezogen wird. Es ist effektiver, wenn man mit der Hand und einem Pinsel arbeitet.

Kettenschmierung

Nach der Reinigung greifen wir zum Schmiermittel unserer Wahl, das meist aus der Spraydose kommt. Mittlerweile gibt es unzählige Kettensprays am Markt. Grundsätzlich sollte sich Kettenspray gut verteilen, hochgradig haftbar sein, hohen Drücken standhalten und eine rostschützende Wirkung haben. Selbstverständlich dürfen Dichtringe (O-Ring/XW-Ring - Kette) nicht angegriffen werden. Ein Röhrchen im Spraykopf ist hilfreich für gezieltes Arbeiten.

Bei drehendem Hinterrad (Gang eingelegt/Motor läuft) sprühen wir kurz vor dem Kettenrad am unteren Kettentrumm die Innenseite der Kette ein und lassen das Rad ein bis zwei Minuten weiterdrehen. Damit ist die Kette außen geschmiert und es hat sich ein Schmierfilm zwischen den äußeren Rollen der Kette und den Zähnen des Ritzels und des Kettenrades aufgebaut. Die Schmierung in den Rollen ist bei heutigen O- oder XW-Ring-Ketten dauerhaft gesichert.

Kettendurchhang prüfen

Als Nächstes kann der Kettendurchhang geprüft werden. Meistens beträgt dieser 20 - 30mm, gemessen in der Mitte des unteren Kettentrumms bei frei drehendem Hinterrad (Rad darf nicht auf dem Boden stehen). Diese Messung muss an mehreren Stellen der Kette durchgeführt werden. Der Durchhang muss an der strammsten Stelle 20-30mm betragen, damit beim Einfedern des Hinterrades noch minimal Spiel bleibt.

VOR dem Messen der Kettenspannung sollte die Kette gereinigt und auch geschmiert werden. Man kann sie auch danach schmieren, weil sich der Durchhang einer sauberen Kette auf sauberen Kettenrädern um ein paar Prozentpunkte exakter messen lässt, als wenn frisches Fett auf den Rollen und den Kettenrädern ist und deswegen „aufträgt“.

Messstelle Suchen

Im Laufe ihres Lebens verzieht sich eine Kette unregelmäßig, und auch Kettenritzel und Kettenrad nutzen sich ungleichmäßig ab, auch können diese „eiern“. Daher das Hinterrad mit der einen Hand drehen und mit der anderen Hand die Kette am unteren Teil wippend leicht nach oben drücken: So wird die straffste Stelle gesucht, da ist die Messstelle.

  1. Wenn das Motorrad auf dem Hauptständer abgestellt und das Hinterrad voll ausgefedert ist, ist der Kettendurchhang größer.
  2. Wenn das Motorrad auf dem Seitenständer abgestellt und dadurch das Hinterrad etwas eingefedert ist, ist die Kette „kürzer“. Das ist die schlechtere Möglichkeit, den aktuellen Kettendurchhang zu messen und gleich die Kettenspannung korrekt einzustellen.

Wenn kein Hauptständer vorhanden ist und Sie auch keinen Heckmontageständer haben, auf dem sich das Motorrad so aufbocken lässt, dass es einfedert und das Hinterrad frei gedreht werden kann, setzen Sie sich auf die Maschine, bewegen sie langsam zirka zwei Meter nach vorne und hinten und suchen so die straffste Stelle der Kette.

Kettendurchhang Messen

Hinterrad so hinstellen/hindrehen, dass die zuvor gefundene straffste Stelle der Kette unten möglichst genau in der Mitte zwischen Kettenritzel und Kettenrad ist. Einen Zollstock unten an der Schwinge zur Kette hin anlegen. Kette mit dem Finger so weit nach unten ziehen, bis es nicht mehr geht, Maß am Zollstock zur Mitte einer Kettenniet nehmen. Kette mit dem Finger so weit nach oben drücken, bis es nicht mehr geht, Maß am Zollstock zur Mitte der Kettenniete nehmen. Die Differenz ist der Kettendurchhang.

Die vorgeschriebene Kettenspannung (Kettendurchhang) ist je nach Hersteller und Modell unterschiedlich; sie liegt meistens im Bereich 20 bis 40 mm oder 30 bis 50 mm. Die exakte Angabe finden Sie im Handbuch Ihres Fahrzeugs. Bei einigen Maschinen steht der Kettendurchhang auch auf einem Kleber an einem der Schwingenholme (logischerweise meistens auf der Kettenseite).

Die Kette längt sich im Alltagsbetrieb über die Zeit unterschiedlich, so dass sie an einer Stelle weniger, an der anderen Stelle mehr Durchhang haben kann. Würde die Kette ohne Durchhang gespannt, könnte das vordere Ritzel und dessen Lager zerstört werden. Der Grund dafür ist, dass sich beim Einfedern der Weg der Kette vom Kettenrad zum Ritzel vergrößert - die Kette wird gespannt.

Kettenspannung einstellen

Hier wird mit dem Bordwerkzeug zunächst die Achse des Hinterrades gelockert. Die Achse wird zum Spannen der Kette über die Einstellvorrichtung in einem Langloch der Schwinge nach hinten gezogen. Dazu wird die Schraube am Kettenspanner beidseitig eingedreht. Immer wieder das Spiel der Kette prüfen!

Die Spannung erfolgt, indem die Hinterachse nach hinten verschoben wird. Die Achsaufnahme wird durch eine Einstellschraube nach hinten gezogen, der Stehbolzen zieht die Achsaufnahme durch eine Mutter nach hinten, die Achsaufnahme wird durch eine Schraube nach hinten gezogen, oder die Achse sitzt in einem Exzenter, der um einen bestimmten Winkel verdreht wird.

  1. Hinterachsmutter um mindestens zwei Umdrehungen lösen, damit sich das Hinterrad leicht verschieben lässt. Wenn ein Sicherungssplint in der Achsmutter steckt, diesen vorher ausbauen: Mit einer Zange gerade biegen und herausziehen.
  2. Kontermuttern der Kettenspanner auf beiden Seiten um zwei Umdrehungen lösen. Dazu je einen Gabelschlüssel auf Kontermutter und Einstellschraube setzen und die Einstellschraube mit dem einen Schlüssel festhalten.
  3. Mit den Einstellschrauben/Einstellmuttern die Hinterachse nach hinten verschieben. In Vierteldrehungen rechts - links - rechts - links vorgehen, bis die Kette den korrekten Durchhang erreicht. Dabei kann man sich an den Markierungen orientieren, die rechts und links am Ende der Schwinge angebracht sind. Die Bezugspunkte auf der Achsaufnahme müssen auf beiden Seiten auf den gleichen Markierungen sein, ansonsten steht das Hinterrad schief.
  4. Achsaufnahmen an den Einstellschrauben/-muttern anliegen. Kontermuttern festziehen: Vorher die Kettenspannschrauben leicht gegen die Achsaufnahmen „auf Spannung“ drehen, Kopf mit Schlüssel festhalten und Kontermuttern gegen die Schwinge festziehen (leicht handfest).

Ist der gewünschte Durchhang eingestellt, anhand der am Spanner angebrachten Striche prüfen, ob auch beide Seiten gleichmäßig angezogen worden sind, denn sonst sitzt das Hinterrad schief in der Schwinge - es fluchtet nicht. Gut ausgerüstete Schrauber nutzen ein Lasergerät, um den korrekten Sitz des Rades zu prüfen. Jetzt langsam die Achsmutter anziehen - und unbedingt erneut prüfen, bevor sie mit dem Drehmomentschlüssel angezogen wird. Es kann sich etwas verstellen - dann das Ganze noch einmal.

Kettenverschleiß erkennen

Wenn auf diese Weise keine korrekte Einstellung zu erreichen ist (d.h. die Kette ist außerhalb der 30mm Grenze und an anderer Stelle bombenfest) dürfte sie verschlissen sein.

Ein todsicheres Symptom von Kettenverschleiß ist der starke Verschleiß der Zähne des hinteren Kettenkranzes. Durch einen prüfenden Blick kann man starken Verschleiß anhand der "Haifischzahn" - Bildung erkennen. Die Zähne sind spitz abgenutzt und der Zahngrund entsprechend wie ein Ei (elyptisch) ausgeweitet.

Eine ungleichmäßige Längung zeigt sich beim Überprüfen der Kettenspannung nach Herstellervorgaben. Ein starker ungleicher Durchhang der Kette nach korrekter Einstellung deutet auf einen durchgehenden Verschleiß des Kettenkits hin.

Kettenschutz

Der Schutz der Kette hat entscheidenden Anteil an ihrer Lebensdauer. Der vom Hinterrad auf die Kette geschleuderte Schmutz mit feinen Sandanteilen wirkt wie Schmirgel. Ein wirksamer Schutz der Kette sollte besonders dort vorhanden sein, wo das Rad am meisten mit Dreck "wirft". Regelmäßig die vordere Kettenabdeckung demontieren, wenn die Kenntnisse dazu ausreichen.

Alternativen zur Kettenschmierung

Für Vielfahrer lohnt es sich, einen Scottoiler oder ähnliches zu installieren, der gleichmäßig besonders haftfähiges Öl auf die Kette leitet und sie so zuverlässig schmiert. Da sich die benötigte Schmiermittelmenge gezielt einstellen lässt, kommt man mit einer Menge von ca. 50ccm bis 1000km weit. Die Laufleistung der Kette steigt dadurch bis zum Doppelten. Heute sind weitere Schmiersysteme auf dem Markt, die auf elektronischem Weg eine noch genauere Dosierung ermöglichen- oder automatisch die Schmiermittelmenge steuern.

Kettentausch

Auf dem Markt werden Rollenketten mit Schloss (Nietschloss, gesichertes Schloss mit Splint oder ähnlich) und Endlosketten angeboten. Vor dem Kauf ist sicherzustellen, dass die Länge der Kette und ihre Dimension (z.B. 5/8x3/8) den Herstellervorgaben entsprechen. Da die Endloskette in der Regel nicht ohne Ausbau der Schwinge aufgezogen werden kann, würde man eine Kette mit Nietschloss vorziehen.

Ist die alte Kette getrennt, kann man mit dem neuen Nietschloss die neue Kette lose an die alte Kette koppeln und so sauber und einfach über das vordere Ritzel ziehen. Dann erst wird die neue Kette nach Prüfung der richtigen Länge vernietet. Außerdem wird darauf geachtet, ob Kettenrad- und Ritzel nicht auch getauscht werden müssen. Dann kauft man sich das Ganze als Kettensatz.

Tipp: Beim Kauf einer Gebrauchten kann man die Kette in genau der gleichen Art und Weise prüfen.

Zustand der Ritzel prüfen

Auch hier kannst du die Bedienungsanleitung zur Hand nehmen, falls du dir nicht sicher bist, worauf du achten sollst. Was du hier sehen willst ist ein gleichmäßiges Bild der Ritzelzähne und dass alle Zähne noch vorhanden sind. Die Abnutzung erkennst du auch klar am sogenannten Dach der Zähne. Ist es noch flach und gut ausgeprägt, befindest du dich im grünen Bereich.

Eine gut eingestellte Kettenspannung trägt nicht nur zur Sicherheit bei, sondern sorgt auch für eine reibungslose Fahrt und minimiert unerwünschte Vibrationen.

Wichtige Hinweise

  • Prüfen Sie, ob der Kettenschleifschutz vorne auf der Schwinge genügend dick und an keiner Stelle durchgeschliffen ist.
  • Eine exakte Kettenflucht ist die erste Voraussetzung, damit Hinter- und Vorderrad in einer Spur laufen.
  • Bei einigen Marken (z. B. Honda) sind rote und grüne Verschleißmarkierungen darüber angebracht: Ist die Skala auf der Achsaufnahme im grünen Bereich, ist die Kette in Ordnung. Kommt die Skala jedoch in den roten Bereich, ist die Kette verschlissen und muss erneuert werden.

Zusammenfassung

Die regelmäßige Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung der Kettenspannung sind Schlüsselmaßnahmen, um vorzeitigen Verschleiß der Kette und der Ritzel zu verhindern.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0