Ducati Multistrada 1260 S: Ein umfassender Testbericht

Leiwande Kurven, tolle Landschaften und top Asphaltqualität - all das zeichnet das Motorrad Mekka rund um die Eifel aus. Tibor, Juliane und Dennis haben die neue Ducati Multistrada 1260 S Grand Tour intensiv für Euch auf der Landstraße getestet, um euch möglichst detaillierte Eindrücke vom italienischen Alleskönner zu vermitteln!

Design, Leistung und Komfort

Ein klares Statement und Ziel was sich Ducati mit der neuen Maschine in der Spitzenausstattung gesetzt hat. Dabei ist gerade der Reiseenduromarkt hart umkämpft.

Design

Doch bevor wir dir unsere Fahreindrücke vermitteln, möchte ich gerne ein paar Worte zum Design loswerden. Denn wie sagt man so schön in der gehobenen Gastronomie? "Das Auge ist bekannterweise mit!" Getreu nach diesem Motto haben wir die Maschine erst einmal auf uns wirken lassen bevor wir aufgestiegen und losgefahren sind. Speziell das Design bei den Reiseenduros spalten die Meinung der motorisierten Zweiradliebhaber. Doch ganz anders bei der Multistrada. Wo fangen wir an? Der V2 der Ducati integriert sich besonders schön in die Formensprache der Maschine und wird durch den rot lackierten Gitterrohrrahmen der Ducati ästhetisch ergänzt.

Die Front der Multistrada ist deutlich gedrungener als die der GS und trotzdem wirkt sie markanter und geschärfter. Die exklusive Grand Tour-Lackierung in der Farbe matt Sandsteingrau sticht dabei besonders heraus. Dabei hat uns die stimmige Kombination aus dem roten Rahmen, der roten Akzente der Felgen sowie der Seitenverkleidung sehr gut gefallen. Wie so oft liegt die Schönheit jedoch im Auge des Betrachters.

Sitzposition und Ergonomie

Hat man erstmal auf dem italienischen Reiseenduro Thron Platz genommen, weiß man sofort warum man sich für die Ducati entschieden hat. Die einstellbare Sitzposition (825 - 845 mm) sollte für die meisten Fahrer passen und auch der Sitz ist sehr komfortabel gestaltet, ohne dabei das Fahrgefühl "schwammig" werden zu lassen. Der Knieschluss am Tank ist angenehm gestaltet, da der Tank mit seinem Fassungsvermögen von 20 Litern angenehm kompakt ist.

Ausstattung

Wie man unschwer erkennen kann, haben die Ingenieure von Ducati die Multistrada 1260 S in der Endausbaustufe als Grand Tour Version wirklich an keiner Ecke gespart.

Technologien:

  • Ducati Quick Shifter (DQS) mit Blipper Funktion.
  • Desmodromic Variable Timing (DVT) - steuert das Timing der Nockenwelle, der Einlassventile, als auch die Auslassventile unabhängig voneinander.
  • Ducati Multimedia System (DMS) - Verbindungsmöglichkeiten deines Smartphones über Bluetooth. Steuerung und Anzeige Infos auf dem 5 Zoll Farb-TFT-Dashboard von Anrufen, Musik, über die Tasten am Lenker.

Fahrleistungen und Handling

Doch das wirklich interessante für uns Motorradfahrer an den elektronischen Helferlein ist die Benutzerfreundlichkeit und der Grad an Präzision, mit welcher die Systeme den Fahrer unterstützen. Hier muss man ganz klar sagen, dass Ducati seine Hausaufgaben gemacht hat. Nach ein paar Minuten hat man sich bereits zurechtgefunden und ist wahrscheinlich bereits dabei sich seinen eigenen Fahrmodus zu konfigurieren.

Der 1260 Testatstretta 2-Zylinder Motor mit DVT Steuerung leistet satte 158 PS bei 9.500 U/min und atemberaubende 129 Nm Drehmoment bei bereits 7.500 U/min. Doch Leistung alleine ist bekannterweise und zurecht nicht alles. Damit Ihr die Leistung überhaupt auf die Straße bekommt, helfen euch zum einem die fein geregelten elektronischen Assistenzsysteme, aber vor allem auch das stimmige Gesamtkonzept der Ducati. Das semi-aktive Fahrwerk kann unter anderem durch eine voll einstellbare 48-mm Sachs Upside-Down-Gabel und einem ebenfalls von Sachs hergestellten, sowie voll einstellbaren Mobo-Federbein trumpfen. Die Druck- und Zugstufendämpfung der Gabel und des Federbeins kann dabei komplett elektronisch über das DSS gesteuert werden.

In Kombination mit der komfortablen und individualisierbaren Sitzposition und des fahrfertigen Gesamtgewichts von 238 kg, kann das Dahingleiten auf dem Asphalt beginnen. Fahrbahnunebenheiten bügelt das semi-aktive Fahrwerk wunschlos sauber, je nach Einstellung versteht sich. Die 238 Kg sind aufgrund der tollen Geometrie kaum zu spüren, lediglich im Stand beim rangieren bemerkt man, dass die Maschine doch einige Kilos mehr auf den Rippen hat. Übrigens könnt Ihr durch die DSS-Evolution Funktion rasend schnell zwischen verschiedenen Fahrkonfigurationen umschalten. Besonders positiv fällt das Fahrwerk beim Anbremsen vor dem Kurveneingang auf, da man hier ein merkliches Plus an Stabilität aufgrund des semi-aktiven Fahrwerks verspürt.

All die beschriebenen Eigenschaften wirken auf den ein oder anderen eventuell etwas "glatt gebügelt", doch lasst Euch eines gesagt sein, gerade das zuvor benannte Herzstück der Ducati ist leidenschaftlich, stark und temperamentvoll ausgelegt. Der Sound, die Leistungsentfaltung!!! Sie ist mit Sicherheit nicht zu linear, wie bei der Konkurrenz. Doch genau das liebt man an dem Motor.

Erster Eindruck

Die Multistrada hat mich richtig überrascht. Zugegeben hatte ich beim ersten Blick darauf meine Zweifel, ob sich die Große, mit Koffern bepackte Italienerin so einfach beherrschen lassen würde. Draufgesetzt, losgefahren und die Sorgen waren verschwunden, denn die Multistrada lässt sich erstaunlich gut handhaben. Viele elektronische Helferlein, Tempomat, Griffheizung, eine verstellbare Sitzbank (825 mm - 845 mm) und das elektronische Fahrwerk die Multi hat das Komplettpaket für die große Tour an Bord.

Die Multistrada GT: Stark und Komfortabel

Der italienische Alleskönner mit Motorleistung satt, semi-aktiven Fahrwerk, viel und ausgereifter Technik bescheren dir in nahezu jeder Situation Fahrspaß ohne Ende! Die Ducati Multistrada 1260 S in der maximalen Ausbaustufe Grand Tour lässt quasi keine Wünsche offen. Sie fährt sich für eine Reiseenduro diesen Kalibers wirklich überraschend leicht und ist zugleich ziemlich agil. Die verstellbare Sitzbank erlaubt es auch kleineren Piloten Fuß im Sattel zu fassen und die intuitive Menüführung der Multistrada lässt Bedienungsanleitungen der Vergangenheit angehören.

Das italienische Reseenduro-Ross der Extraklasse ist wahrlich ein Alleskönner! Lediglich der Windschutz könnte etwas fahrerfreundlicher sein und der Tank könnte ein paar Liter mehr vertragen - meckern auf höchstem Niveau. Sie passen in keine Schublade, bedienen sich in sämtlichen Lagern und wollen trotz Sportler-Triebwerken gute Touristen sein. Geht das gut?

Technische Details der Ducati Multistrada 1260 S Grand Tour 2019

  • Motor: 1262 cm³ V2-Motor
  • Leistung: 116 PS
  • Maximales Drehmoment: 129 Nm
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
  • Gewicht: 253 kg
  • Kraftstoffverbrauch: 5,2 Liter auf 100 km
  • Federweg vorne/hinten: 170 mm / 170 mm
  • Sitzhöhe: 825 mm - 845 mm

Konkurrenzmodelle

Die Ducati Multistrada 1260 S Grand Tour 2019 kombiniert Leistung, Komfort und Vielseitigkeit, was sie zu einem erstklassigen Adventure Bike macht. Die mit ähnlicher Zielrichtung allerdings unterschiedlich dargeboten wird.

Die Konkurrenz

  • BMW S 1000 XR: Vierzylinder-Reihen­motor, 165 PS, Gewicht: 244 kg
  • KTM 1290 Super Adventure S: Zweizylinder-V-Motor, 161 PS, Gewicht: 245 kg
  • Triumph Tiger 1050 Sport: Dreizylinder-Reihen­motor, 126 PS, Gewicht: 244 kg

Als es zu der unweigerlichen Frage nach den Pferdestärken kommt, blicken wir in 15 weit aufgerissene Augenpaare: 160 PS? Köpfe werden geschüttelt, andere nicken anerkennend - dabei haben wir bei der BMW sogar abgerundet, denn der Reihen-Vierer bringt es laut Datenblatt sogar auf 165 PS, während für die Ducati »nur« 158 angegeben sind. Zugegeben, was diesen beiden Motorrädern definitiv nicht fehlt, ist Leistung.

Das Kurvenkarussell

Das Kurvenkarussell nimmt kein ­Ende. Ein beherzter Step auf den Schalthebel, flopp, schnappt der zweite Gang rein. Wahnsinn, wie gut der neue Schaltautomat die Gänge durchflippert, der Kupplungshebel der Ducati Multistrada 1260 S mit Missachtung gestraft werden kann. Ah, Mist: Kurz nicht aufgepasst, schon den Bremspunkt verpasst. Viel zu spät beißen die Brembo-M50-Monoblocks in die 330er-Scheibe, verzögern dennoch dermaßen effektiv, dass einem fast die Augen aus den Augenhöhlen knallen. Langt das noch für die enge Rechts? Pah, als ob man jetzt noch eine Wahl hätte: Die Alternative hieße Kaltverformung.

Also Pobacken zusammenkneifen, engagiert reinhalten und die 251-Kilo-Duc noch auf der Bremse ums Eck zwirbeln. Die Pirelli Scorpion Trail II kleben glücklicherweise auch bei einstelligen Temperaturen auf dem Asphalt wie plombenziehende Toffee-Bonbons an den Zähnen, widersetzen sich dem aggressiven Abwinkeln keineswegs. Es reicht also, und die Kurvenfahrt ist eingeleitet. Mann und Maschine vermelden: Die Hose ist trocken. Alles andere auf Linie!

Fahrstabilität

Stabiler als bisher zirkelt die Ducati Multistrada 1260 S nun um die Kehre, schüttelt sich beim Gasaufreißen und unter mächtigem Leistungseinsatz nicht mehr wie ein nasser Hund, lässt kein kurzzeitiges Rühren zwischen seitlichem ­Gitterrohrrahmen, mittigem Gussteil und verschraubtem Alu-Heck zu. Sogar auf der heftigen Bodenwelle kurvenausgangs bei Vollgas zappelt der Lenker nur minimal. Das war eben auf der Vorgängerin doch noch ganz anders! Die neue Duc hält akkurat die Spur, die Änderungen an der Fahrwerksgeometrie führen zu spürbar mehr Linientreue, ja Besonnenheit.

Nicht nur, weil sie das Leistungsniveau mit rund 150 PS gleich mal in Richtung Supersportler katapultierte, sondern auch, weil sie im Vergleich weniger Enduro-, dafür mehr Straßenkompetenz besaß, eher als tourentaugliches Funbike denn als rasanter Reisedampfer durchging. Mit dem 17-Zoll-Vorderrad gierte sie förmlich nach Kurven, ließ sich zackig einlenken, lässig wie ein Kippschalter umlegen und stets mit Schmackes und jubilierendem Vorderrad aus dem Knick feuern.

Alltagstauglichkeit

Wie steht es um die Alltagstauglichkeit? Mit dem dritten umfassenden Modell-Update stecken sie in Bologna ab sofort den größeren V2-Motor aus der XDiavel in die Multistrada. Die Erhöhung des Hubraums um 64 Kubikzentimeter ­resultiert aus einem um 3,6 Millimeter vergrößerten Hub bei gleichbleibender Bohrung (106 Millimeter). Auch dieser Motor enthält die technisch aufwendige variable Ventilsteuerung DVT.

Zäh wie durch Kleister dreht der Anlasser beim Druck aufs Knöpfchen die Kurbelwelle. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt schnauft der V2 kurz vor dem dritten „Grüß Gott“ am oberen Totpunkt mit rund 2.000 Touren im Leerlauf los, pustet kräftig Benzinduft aus dem Endschalldämpfer ins Freie. Der opulente Geruchs- und Klangteppich breitet sich bis hin zu den Nachbarn aus. Also schnell weg!

Die Kupplung trennt sauber, rückt gleichmäßig ein, und schon beim Losrollen fällt auf, wie angenehm unauffällig der Motor der Ducati Multistrada 1260 S zur Sache geht. Mit der neuen Drosselklappenbetätigung hängt er noch einen Tick geschmeidiger am Gas als der Vorgänger, zieht dabei schon ab gut 2.000 Touren beherzt und ruckfrei an der Kette. Wer die Evolution dieser Baureihe in der Praxis verfolgte, kann nicht fassen, dass man 1.000 Umdrehungen später bereits ganz selbstverständlich den (bei der S-Version) serienmäßigen Quick­shifter nutzt und so untertourig, flott, entspannt und ohne störende Vibrationen durch die City cruist.

Smartphone-App

In Drehzahlbereichen, wo es vorher nur rappelte und zerrte, kurbelt es sich mit der neuen Ducati Multistrada 1260 S nun gelassen dahin. Der Fahrer genießt dabei die weiterhin aktive, langstreckentaugliche, ein wenig an eine ­Supermoto erinnernde Sitzposition, freut sich obendrein über den passend gekröpften, nicht zu breiten Lenker, über die straff ­gepolsterte und höhenverstellbare Sitzbank sowie das renovierte TFT-Display, das an Schärfe die Generation Smartphone zufriedenstellen dürfte.

Apropos: Mit einer App, die bis Ende März für Android und iOS verfügbar sein soll, kann man nicht nur wie bisher über Bluetooth grundlegende Telefonfunktionen vom Lenker aus bedienen (Anrufe annehmen, SMS-Benachrichtigungen erhalten, Musik abspielen), sondern sich beispielsweise den maximal erreichten Schräglagenwinkel und die gefahrene ­Strecke auf dem Handy anzeigen lassen. Zudem ermöglicht die App, die vier Fahr-Modi nach eigenen Vorlieben zu konfigurieren (Touring, Sport, Urban, Enduro). Das funktioniert natürlich weiterhin ebenso über den Wipp-Tipp-Schalter am linken Lenker­ende und somit ganz ­ohne Smartphone.

Mit einer Hand lässt sich die Scheibe in der Höhe verstellen. Sie schützt den Rumpf- und Kopfbereich gut vor Wind. Die neue Menüführung ist intuitiv zugänglich.

Doch ebenso wie man der Ducati Multistrada 1260 S den Beladungszustand elektronisch mitteilen kann, lassen sich alle weiteren Einstellungen ­individualisieren. Das betrifft auch das Dämpfungs-Setup für die neue 48-Millimeter-Sachs-Telegabel und das Federbein (nur S-Version, semiaktiv, fünfstufig: Softest, Softer, Medium, Hard, Hardest). Das weiterentwickelte semiaktive Fahrwerk hört ab sofort auf den Namen Skyhook Evolution.

Fahrverhalten

Soll heißen: Das Fahrwerk brilliert mit neutralem Einlenkverhalten, geringem Aufstellmoment, verbesserter Stabilität ­sowohl in Beschleunigungsphasen als auch in Kurven, satter Dämpfung im Sport-­Modus, die auch einen extrem flotten Strich verträgt, sowie einer komfortablen ­Abstimmung im Touring-Programm für ­gemächliches Dahinbollern.

Da fragt man sich natürlich: Hat die ­Sache einen Haken? Nun gut, im direkten Vergleich fällt schon auf, dass die alte Multistrada einen Hauch agiler und präziser ums Eck huscht, aber dafür bei kleinsten Bodenwellen aufgeschreckt auskeilt.

Vertrauen ins Vorderrad sollte man allerdings haben, denn das semiaktiv regelnde Fahrwerk führt zu einem leicht entkoppelten Fahrgefühl. Nicht so sehr wie bei der österreichischen Konkurrenz, aber etwas mehr Feedback wäre trotzdem wünschenswert.

Assistenzsysteme

All-in-one-Lösung: massive Soziusgriffe und kleine Gepäckbrücke. Ansonsten muss man viel Lob aussprechen: Die hervorragende, achtstufige Traktionskontrolle überwacht je nach Einstellung sensibel und fein regelnd den Schlupf.

Im Road-Modus mit aktivierter Abhebeerkennung (Stufe drei) liefert das Bosch-Modul reproduzierbar sehr gute Verzögerungswerte bei hoher Bremsstabilität ohne Stoppie-Neigung. Was man noch zur standfesten Bremse der Ducati Multistrada 1260 S wissen muss? Sie lässt sich klasse dosieren, braucht nie mehr als zwei Finger.

Ausstattung und Komfort

Aber den Libero zum Offensivspieler transformiert letztendlich dann doch die ungezähmte Power des Aggregats, womit die Ducati Multistrada 1260 S ihren Vorgängerinnen in nichts nachsteht. Der geschmeidige, aber direkte Leistungseinsatz auf der einen Seite paart sich mit einem Leistungsfeuerwerk ab gut 3.000 Touren, sodass die Multi ganz ohne Kupplungsspielerei selbst im dritten Gang noch Männchen macht.

Denn zwischen 4.000 und 8.000 Umdrehungen liefert der Vau-Zwo so gut wie immer über 120 Newtonmeter. In der Spitze sind es sogar 131. Und mit 158 PS bei 9.400 Touren geht dem Desmo-Antrieb selbst obenrum nicht die Luft aus. Ein echter Dampfhammer, der das Ganze mit einem trockenen, charaktervollen Schlag aus dem Endschalldämpfer garniert und im Attacke-Modus auch recht präsent der Umwelt mitteilt.

Übrigens: Die Auspuffkrümmer erhielten eine andere Führung, der Vorschalldämpfer ein neues Innenleben sowie einen neuen Schalldämpfer, und auch die Ansaugluftführung wurde modifiziert.

Weitere Ausstattung

  • Griffheizung
  • Hauptständer
  • Kofferset (im Touring-Paket)
  • Tempomat
  • Cockpit mit vielen Infos
  • Automatische Blinker-Rückstellung
  • Schlüsselloses Zündungssystem
  • Elektrisch betätigtes Lenkerschloss
  • Berganfahrhilfe

Rein äußerlich beschränken sich die Neuerungen neben dem famosen TFT-Display auf Details wie neue Blinker, modifizierte Seitenverkleidungen und Kennzeichenträger sowie einen metallischen „DVT“-Schriftzug auf der Zahnriemenabdeckung.

Dafür überzeugt der Windscreen vor allem im Rumpf- und Helmbereich mit gutem Schutz, die Schultern und Extremitäten werden jedoch ausgespart, was bei kalten Temperaturen durchaus negativ auffällt.

Aber mal ehrlich: So kultiviert, umgänglich, zivil und in allen Belangen besser die Multistrada über die Jahre auch geworden ist, sie bleibt ihrer Linie als sportliches Multifunktionsbike treu. Zum Glück!

Weitere Aspekte

Bis ins Detail konfigurierbar Vier Fahrmodi bieten zwar auch andere Motorräder, bei der Multistrada aber ist jeder von ihnen voll konfigurierbar.

Ihr elektronisches, einstellbares Fahrwerk passt sich in vier Stufen der Beladung an, ändert Zug- und Druckstufe von Gabel und Federbein sowie die Federvorspannung hinten. Von den Fahrmodi ist die Fahrwerksabstimmung ebenfalls abhängig. Vom Koffer abgeschirmt, hört der Fahrer nur wenig von den 102 dB(A) Standgeräusch. Ins Lechtal kommt man damit nicht mehr.

Auf sensibelster Stufe regelt das ABS selbst beim gemütlichen Touren früh. Im anderen Extrem lässt es gar das Vorderrad kurz blockieren, bevor sehr sehr spät doch noch der rettende Eingriff kommt. In der Mitte liegt die Wahrheit. Die Regelintervalle des ABS übertragen sich dabei deutlich spürbar bis ins fein ansprechende Fahrwerk. Genauso kann die Traktionskontrolle entweder schwarze Striche durch jede Kurve malen oder jegliche Eskapaden der Multistrada im Keim ersticken.

Zwar genügen kleinste Impulse, um die Maschine von einer Schräglage in die andere fallen zu lassen, die sensibel ansprechenden Komponenten sorgen dabei durch ihre langen Federwege aber für viel Bewegung im Fahrwerk. Am Kurvenausgang schieben die 158 PS brachial an, lassen die lange Gabel ausfedern und - je nach DWC-Einstellung - das Vorderrad steigen.

Stets Herr der Lage über die Gebärden der Multistrada bleibt dabei der Fahrer hinterm breiten Lenker. Zur Serienausstattung gehört der stabile Hauptständer, der die Ölkontrolle sehr einfach macht. Die Koffer der Grand Tour integrieren sich perfekt in das Design der Multistrada.

Auch der auf Spitzenleistung getrimmte Zweizylinder ist bei sportlicher Gangart kein Spielverderber, läuft ab 4.000 Touren rund und dreht willig und röhrend wie ein junger Hirsch bis zu seiner Nenndrehzahl bei 9.500 Touren. Die monumentalen 130 Nm Drehmoment liegen erst bei 7.500 U/Min an, denn der hochgezüchtete L-Twin hat wenig Schwungmasse.

Die Gangwechsel brauchen keine Kraft, aber deutliche Impulse. Perfekt funktioniert beim Hoch- wie Runterschalten der Quickshifter, der die leichtgängige Kupplung meist überflüssig macht. Wer zögerlich schaltet, landet zwischen den Gängen in einem zweiten Leerlauf. Der Echte ist an der Ampel indes nicht einfach zu finden. Häufig zeigt das Display nur einen Strich statt dem grünen N.

Die Darstellung wirft keine Fragen auf und ist erfreulich übersichtlich. Drehzahl, Tankanzeige und Temperatur lassen sich auf einen Blick ablesen. Auch der gewählte Fahrmodus samt Regelstufen der Assistenzsysteme wird übersichtlich dargestellt. Infos des Bordcomputers, wie Reichweite, Verbrauch, Umgebungstemperatur, Reifendruck und vieles mehr werden auf der linken Seite der Anzeige durchgeklickt. Die Bedienung erfolgt über hintergrundbeleuchtete Lenkerarmaturen.

Vorbildlich: Auch ohne elektrischen Antrieb lässt sich die Scheibe spielend einfach verstellen. Überzeugen kann die Multistrada mit gutem Wetterschutz. Trotz schmalem Schnitt nimmt die höhenverstellbare Scheibe viel Winddruck vom Fahrer, ohne dabei Turbulenzen am Helm zu erzeugen. Auch die Handschützer mit ihren integrierten Blinkern wissen zu gefallen. Bei Bedarf unterstützt von einer kräftigen Griffheizung, halten sie die Hände trocken und sehen dabei gut aus.

Technische Daten Ducati Multistrada 1260 S [S]

Merkmal Daten
Motor Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor
Hubraum 1.262 cm³
Leistung 116,2 kW (158 PS) bei 9.500/min
Max. Drehmoment 129 Nm bei 7.500/min
Fahrwerk Gitterrohrrahmen aus Stahl mit verschraubten Alugussteilen
Federweg vorn/hinten 170/170 mm
Sitzhöhe 825-845 mm
Tankinhalt 20,0 Liter
Preis 16.990 [19.390, 19.590, 19.590] Euro

Die Multistrada ist eine Schönheit unter den Reiseenduros. Die Ducati Multistrada 1260S ist eine weitere Entwicklung der beliebten italienischen Reiseendurofamilie, die direkt in die Herzen der Fans gefahren ist.

Fazit - was bleibt hängen

Volker und Dietmar sind sich einig: Ein großer Wurf von Ducati. Die Wettbewerber müssen sich warm anziehen und wir freuen uns schon auf die ersten Vergleichstests mit GS & Co. Ob eingefleischte Ducati-Fans ebenso begeistert sind von der neuen Multistrada wie wir, sei dahingestellt.

Objektiv betrachtet ist die neue V4S das bessere Motorrad, aber der eine oder andere wird die 1260er mit dem tollen V2 trotzdem bevorzugen, weil sie klassische Ducati-Tugenden besser repräsentiert als die neue Multi. Insofern polarisiert diese Maschine auch ein wenig, aber das muss sie wohl auch, wenn Ducati in die Top 10 will. Wir glauben, dass die Chance hierfür sehr gut stehen.

Man hört von vielen Vorbestellungen, Ducati scheint alles richtig gemacht zu haben. Ducati Multistrada 1260 S (2018) im Top-Test :Skyhook Evolution, Desmodromic Variable Timing, Ducati Quick Shift, Wheelie Control - die technischen Raffinessen der Ducati Multistrada 1260 S machen in den Hochglanzbroschüren mächtig Eindruck. Doch über eines können sie am Ende nicht hinwegtäuschen...Roman Kirschbauer

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