Ducati Multistrada 950: Beschleunigung und Testbericht

Die Ducati Multistrada 950 wurde im November 2016 auf der EICMA vorgestellt und ist ab Modelljahr 2017 erhältlich. Sie positioniert sich als Einstiegsmodell in die Multistrada-Baureihe und kombiniert Touring-Komfort mit moderater Leistung. Die Multistrada 950 richtet sich primär an erfahrene Fahrer. Mit ihrem Gewicht, der Sitzhöhe und der Leistungscharakteristik ist sie für Einsteiger nur bedingt geeignet.

Modellübersicht

Baujahr 2017-2018

Technisch basiert sie auf einem Gitterrohrrahmen und nutzt den 937 cm³ großen Testastretta 11°-Motor, der zuvor in der Hypermotard 939 zum Einsatz kam. Die Multistrada 950 verfügt über eine 19-Zoll-Vorderradfelge und eine 17-Zoll-Hinterradfelge, was ihre Ausrichtung auf leichtes Adventure-Touring unterstreicht. Der verstellbare Windschild lässt sich manuell in zwei Positionen einstellen. Die Sitzhöhe beträgt serienmäßig 840 mm, optional sind niedrigere (820 mm) und höhere (860 mm) Sitzbänke erhältlich. Zur Serienausstattung gehören ein LC-Display, ABS, achtstufige Traktionskontrolle und vier Fahrmodi (Sport, Touring, Urban, Enduro).

Baujahr 2019-2020

Im Modelljahr 2019 erweitert Ducati die Baureihe um die Multistrada 950 S. Diese erhält zahlreiche technische Upgrades: ein elektronisch geregeltes Fahrwerk mit Ducati Skyhook Suspension (DSS), ein 5-Zoll-TFT-Farbdisplay, Kurven-ABS (Bosch Cornering ABS), Quickshifter (Up/Down), Tempomat, schlüsselloses Startsystem (Keyless) sowie LED-Scheinwerfer mit Ducati Cornering Lights (DCL). Die Basisversion bleibt weiterhin im Programm, erfährt jedoch keine technischen Änderungen. Beide Varianten erfüllen im Modelljahr 2020 noch die Euro-4-Norm. Die S-Version ist optional mit Touring-Paket (Koffer, Hauptständer, Heizgriffe) erhältlich.

Baujahr 2021

Ab Modelljahr 2021 wird die Multistrada 950 ausschließlich als 950 S angeboten. Die Basisversion entfällt. Der Motor wird überarbeitet, um die Euro-5-Norm zu erfüllen. Dabei bleibt die Spitzenleistung unverändert, jedoch werden Abgasanlage und Motormanagement angepasst. Die Ausstattung entspricht weitgehend der des Vorjahresmodells. Die Sitzposition bleibt aufrecht und tourenorientiert, mit breitem Lenker und entspannter Kniewinkelgeometrie. Die Soziustauglichkeit ist durch eine großzügige Sitzbank und stabile Haltegriffe gegeben. Die Multistrada 950 S ist mit Seitenkoffern und Topcase aus dem Ducati-Zubehörprogramm kombinierbar.

Baujahr 2022

Im Modelljahr 2022 wird die Produktion der Ducati Multistrada 950 S eingestellt. Sie wird durch die neue Multistrada V2 ersetzt, die auf dem gleichen 937 cm³ Testastretta 11°-Motor basiert, jedoch mit überarbeitetem Chassis, verbesserter Ergonomie, reduziertem Gewicht und aktualisierter Elektronik ausgestattet ist. Die Multistrada 950 S bleibt damit das letzte Modell mit dem ursprünglichen Designkonzept der Mittelklasse-Multistrada.

Technische Details

Herzstück der „kleinen“, in Wahrheit nämlich ausgewachsenen Multi 950 ist der im vergangenen Jahr präsentierte 937-ccm-Motor, der auch in der Hypermotard 939 arbeitet und demnächst noch in der neuen Supersport eingebaut wird. In seiner jüngsten Konfiguration ganz sicher ein Traum-Motor. Durchzugsstark, drehfreudig, kultiviert - der V2 kann einfach alles.

  • Motor: 937 cm³ Testastretta 11°
  • Leistung: 113 PS
  • Gewicht: 227 Kilogramm
  • Tankinhalt: 20 Liter
  • Sitzhöhe: Serienmäßig 840 mm (optional 820 mm oder 860 mm)

Mit 113 PS ist die 227 Kilogramm wiegende Multistrada ausgewogen motorisiert. Zwischen 3.500 und 9.500 U/min liegen stets mehr als 80 Prozent des maximalen Drehmoments an. In jedem Drehzahlbereich oberhalb von 2.500 Touren schnalzt der mit desmodromischer Ventilsteuerung ausgerüstete Beinahe-Tausender los, dass es die pure Freude ist. Blitzartig steigt die Drehzahl, geschmeidig lassen sich die Gänge wechseln.

Fahrwerk und Bremsen

Das Fahrwerk der Multistrada 950 liegt mit mechanisch voll einstellbaren Komponenten an Vorder- und Hinterrad absolut auf der Höhe der Zeit. Die Grundabstimmung passt dabei gut. Die geschickt gewählten Rad- und Reifendimensionierungen machen die 950er zur agilsten Multistrada überhaupt: Sie lenkt leicht ein, hält den gewählten Radius sicher und ist doch noch zugänglich für Kommandos des Fahrers. Ein Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage gibt es nicht; man kann weit in Kurven hineinbremsen.

Die Dreischeiben-Bremsanlage wurde 1:1 von der 1200er-Multi übernommen und arbeitet auf sehr hohem Niveau. Das gilt auch für das einstellbare Bosch-ABS.

Ergonomie und Ausstattung

Die Ergonomie ist gelungen und unterscheidet sich im Grunde nicht von der des Schwestermodells. Abstriche stehen nur bei der Ausstattung an: Viele der „nice-to-haves“ der 1200er oder gar der 1200 S (schlüsselloses Startsystem, verstellbare Sitzhöhe, LED-Scheinwerfer mit Kurvenlichtfunktion, Einarmschwinge, semiaktive Fahrwerksregelung) wurden eingespart, um den Preis von 12.990 Euro realisieren zu können.

Diverse nützliche Details sind aber in Form von vier Ausstattungspaketen zukaufbar. Pfiffig: die Befestigung der seitlichen Gepäckbehälter. Hier können wahlweise Kunststoffkoffer oder Touratech-Aluboxen fixiert werden.

Doch so positiv sie in vielen Punkten wirkt: Frei von Unstimmigkeiten ist sie nicht. Das Menü des Bordcomputers bliebt unübersichtlich. Und ein selbstrückstellender Blinker zählt in der 13.000 Euro-Klasse nun wirklich nicht als Luxus.

Vergleich mit anderen Modellen

Multistrada 950 vs. Multistrada V2

Die Multistrada V2 ersetzt ab Modelljahr 2022 die 950. Sie bietet ein überarbeitetes Design, geringeres Gewicht, verbesserte Ergonomie und ein aktualisiertes Elektronikpaket. Der Motor bleibt technisch weitgehend identisch.

Multistrada 950 vs. Multistrada 1200

Im Vergleich mit der nächstgrößeren, der Multistrada 1200 als Basisvariante übernimmt die „kleine“ 950er viele Baukasten-Komponenten von den größeren Schwestern. Chassis und Verkleidung gleichen sich in weiten Teilen, einmal abgesehen natürlich vom 19-Zoll-Vorderrad der 950er, ihrer aus der Enduro entliehenen Zweiarmschwinge und dem wunderbar kompakten Auspuff.

Die aufrechte Ergonomie, als Fahrer gut ins eher schmale Motorrad integriert, am mittelhohen Lenker sehr langstreckentauglich und komfortabel aufgehoben hinter einer kleinen, aber wirkungsvollen Verkleidungsscheibe - das ist praktisch identisch. Beide Maschinen verfügen über eine voll einstellbare Kayaba-Gabel­ vorne (48 Millimeter Durchmesser, Druck- und Zugstufe der 950er nach Gabelholmen getrennt) und ein ebenfalls voll einstellbares Sachs-Federbein hinten (je mit Handrad); und diese Fahrwerkskomponenten arbeiten bei beiden gleichermaßen wertig: sämig sanft dämpfend, eher komfortbetont weich gefedert.

Konkurrenzmodelle

Wer allerdings mit der im Frühjahr erscheinenden KTM Adventure 1090 liebäugelt, sollte die Ducati 950 Multistrada nicht aus den Augen verlieren - beide Bikes liegen auf Augenhöhe. Weitere Konkurrentinnen der Ducati sind die Honda Africa Twin, die Suzuki V-Strom 1000 und die Kawasaki Versys 1000.

Verbrauchs- und Leistungswerte

Mit 5,3 Litern Super ist der angegebene Spritkonsum okay, der Praxisverbrauch liegt tatsächlich ungefähr bei diesem Wert. Der Tankinhalt beträgt 20 Liter. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 5,0-5,5 l/100 km ergibt sich eine Reichweite von rund 360-400 km.

Beschleunigungsmessungen

Im Folgenden sind einige Beschleunigungsmessungen von 50 km/h auf 120 km/h verschiedener Motorräder aufgeführt, die einen Vergleich zur Ducati Multistrada 950 ermöglichen:

Platz Modell Zeit (50-120 km/h)
5 Kawasaki 2,599 s
6 Suzuki 2,601 s
7 Aprilia Factory Tuono 2,707 s
8 Ducati 2,762 s
11 Panigale V4 2,809 s
12 Harley Davidson Sportster S 2,816 s
17 Adventure Bike 2,994 s
18 Ducati Supersport 950 3,035 s
25 Suzuki GSX-S950 3,302 s

Hinweis: Die Beschleunigungszeiten können je nach Testbedingungen und Ausstattung variieren.

Fazit

Die Ducati Multistrada 950 ist eine zugängliche und angenehm zu fahrende Multistrada-Version, weil sie den Fahrer weitaus weniger fordert als die 1200er-Varianten. Der Fahrspaß leidet darunter kein bisschen. Das LCD-Display ist trotz der Fülle an Informationen übersichtlich gestaltet.

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