Ducati Monster S4RS: Technische Daten und Modellgeschichte

Die Italiener haben es einfach besser. Sie können ihren Produkten jeden noch so albernen Namen geben, und es klingt immer toll. Zumindest besser als etwas Vergleichbares auf Deutsch. Oder würden Sie die Typenbezeichnung „BMW R 1200 R Engschädel” für besonders attraktiv halten? Eben. „Ducati S4R Testrastretta” ist dagegen doch Musik in den Ohren, obwohl „Testastretta” übersetzt nichts anderes als „enger Kopf” bedeutet.

Fairerweise muß man aber betonen, daß die italienischen Marketingexperten bei der Namensfindung nicht nur Wohlklang im Sinn hatten. Die Ducati-Ingenieure lieferten ihnen eine Steilvorlage, denn um möglichst kompakte Brennräume mit extrem geradliniger Kanalführung für die Einlaß- und Auslaßseite zu bekommen, verringerten sie den Winkel zwischen Ein- und Auslaßventil von 40 auf 25 Grad. Aus dem Vierventiler („Desmoquattro”) wurde der besagte „enge Kopf”.

Und da selbst Ducati-Fans bei der Vielzahl ihrer V-Zweizylinder-Lieblinge leicht durcheinander kommen können, gibt es hier und jetzt als Einstieg etwas Modellkunde: Die feinsten und technisch anspruchsvollsten Ducati-Motoren feierten ihre Premieren natürlich immer in den vollverschalten Top-Sportlern, meist in den Homologations-Modellen für die Superbike-WM.

Die Entwicklung der Ducati Motoren

Mit der 851 beginnt bei Ducati 1988 die Neuzeit. Einen flüssigkeitsgekühlten Zweizylinder mit Vierventiltechnik und Einspritzung gab es bei den Bolognesern nie zuvor. Zumindest nicht in einer straßentauglichen Version. Als Langstrecken-Rennmaschine „758 i.e.” startete die Kombination aber erstmalig bereits 1986 beim „Bol d’Or. Der Vierventil-Motor wird zum Herz einer ungemein erfolgreichen Sportler-Serie.

Der 851 folgen die 888 und zum Modelljahr 1994 die legendäre 916. Ein Jahr länger gibt es zu diesem Zeitpunkt bereits die M 900 Monster mit einem luftgekühlten Zweiventilmotor. In den Folgejahren ist die Aufteilung eindeutig: ohc-Zweiventiler für alle Monster und die Basis-Sportler (750 SS, 900 SS etc.), dohc-Vierventiler für die Superbikes.

2001 jedoch schafft es der Desmoquattro-Motor auch in die Monster. Bei den Superbikes tut sich derweil auch eine Menge: Der 916 folgen die 996 und als erste straßentaugliche Testastretta-Trägerin 2002 die 998. 2003 kündigt MV Agusta an, die Nakedbike-Szene mit der Brutale aufzumischen.

Parallel dazu beschwerten sich einige zur S4 gewechselten Sportfahrer über mangelnde Schräglagenfreiheit. Ducati reagiert, indem man die letzte Ausbaustufe des 996er-V-Twins in die Monster steckt, und die ganze Sache mit einer Einarmschwinge, einem hochgelegten Doppelauspuff sowie höher gelegten und schmaleren Fußrasten kombiniert. Aus der Über-Monster S4 wird damit die 113 PS leistende und damit zwölf PS stärkere Heizer-Monster S4R.

Um die Verwirrung komplett zu machen, toppt Ducati 2006 die S4R mit der S4RS: Die erste Monster mit dem 130 PS starken Testastretta-Motor, einem edlen Öhlins-Fahrwerk und radial verschraubten Brembo-Bremszangen. Die normale S4R bleibt 2006 mit dem handelsüblichen, zwischenzeitlich auf 117 PS erstarkten Desmoquattro-Motor im Programm.

Um die Chronisten vollends in den Wahnsinn zu treiben, erhöht Ducati für 2007 die Neuheiten-Schlagzahl und ersetzte die S4R durch die „S4R Testastretta” - womit wir endlich beim eigentlichen Gegenstand dieses Fahrberichts angelangt wären. Es gibt nun also zwei Monster mit dem Engkopf-Motor. Den Unterschied machen nur noch die Federelemente.

S4R und S4RS im Detail

  • Edle Öhlins-Teile und Kohlefaser am vorderen Kotflügel, an Zahnriemenabdeckung und Kühlereinfassung sowie als Seitendeckel bei der 15385 Euro teuren S4RS.
  • Showa-Upside-down-Gabel, Sachs-Federbein und Kunststoff bzw. Aluminium (am Kühler) bei der 12550 Euro kostenden S4R, Jahrgang 2007.

Fahrbericht und technische Details der Monster S4R S Testastretta

Neuer Motor, altbekannte Sitzposition. Auch auf der Testrastretta-Monster ist man wie auf fast allen Monstern untergebracht: Sehr speziell und für Monster-Neulinge anfangs eher etwas ungewohnt. Der Fahrer muß sich schon mächtig über den 15-Liter-Tank spannen, um an den niedrigen, nach unten gekröpften Alulenker zu kommen. Die Beine sind derweil - zumindest bei Ü-Eins-achtzig-Menschen - recht dynamisch gefaltet.

Eins muß klar sein: Die S4R ist kein saubequemer Landstraßenhobel vom Schlage BMW R 1200 R. Die Monster ist nichts anderes als ein gestripptes Superbike mit allen Vor- und Nachteilen. Die Sache mit dem Sport beginnt schon beim Griff zur Kupplung. Da darf, nein - da muß beherzt zugelangt werden, damit die hydraulisch betätigte Trockenkupplung trennt.

Die Sache mit dem kräftigen Zupacken erledigen die prestigeträchtigen Brembo-Stopper dagegen praktisch von allein. Ein scharfer Blick oder ein leichtes Zucken in Richtung Bremshebel genügen eigentlich schon, damit die Vierkolben-Festsättel mit einer Vehemenz zupacken, die im öffentlichen Straßenverkehr fast schon eine Nummer zu heftig ist. Wer vermeintlich „ganz normal” reinlangt, sollte sich sehr, sehr gut festhalten, um den Kontakt zur vollgetankt 206 Kilo wiegenden Ducati zu behalten. Die Monster-Bremsen bremsen wirklich monstermäßig - und daran muß man sich erst einmal gewöhnen.

Doch alles Klagen über die Kupplung und jedes Wundern über die Bremsen sind komplett vergessen, wenn man freie Bahn hat und sich voll und ganz dem Gasgeben widmen kann. Was da von einer elektronisch gesteuerten Marelli-Einspritzanlage befeuert wird, ist jeden Euro, jede Unannehmlichkeit und jede Sünde wert. Dieses wohllüstig röhrende Vauzwo-Luder ist ein (ziemlich unanständiges) Gedicht.

Unter 3000 U/min braucht der Kurzhuber (Bohrung/Hub 100/63 mm) ein sensibles Gashändchen. Darüber darf dann schon deutlich beherzter an der Kordel gezogen werden, die Ducati hängt millimetergenau am Gas. Was dann ab 7000 U/min passiert, ist das ganz große Finale eines Films, der garantiert nicht jugendfrei ist - ganz, ganz großes Kino!

Es röhrt, es faucht, der Twin legt wie entfesselt los und macht eindeutig klar, warum 998 ccm, 130 PS und maximal 104 Nm perfekt zu genau zwei Zylindern passen. Das nutzbare Drehzahlband fällt herrlich groß aus, der durchzugsstarke Twin läßt erst oberhalb der Nenndrehzahl von 9500 U/min in seinem unbändigen Vorwärtsdrang nach. Wenn es einen Grund gibt, diese und keine andere Monster zu kaufen, dann ist es der famose, seidenweiche und dabei doch messerscharfe Testastretta-Motor. Alles andere rundherum verblaßt dagegen.

Die etwas zu weiche Showa-Gabel spricht bestenfalls durchschnittlich an. Geschenkt! Das Sachs-Federbein erledigt seinen Job deutlich straffer, die ganz pralle Kombination ist das aber alles nicht. Na und? Das Gitterrohr-Fahrwerk sorgt für ordentliche Steifigkeit und Präzision. Handlichkeit und Zielgenauigkeit gehen unterm Strich völlig in Ordnung, das Gerät ist schließlich eine Italienerin und etwas anderes als ordentliches Zusammenfügen von Stahlrohren hätte uns schon sehr gewundert.

Bissige Bremsen, durchwachsene Federelemente, solider Rahmenbau - und ein oberaffengeiler Motor. Das Ganze ausgesprochen sauber verarbeitet und wirklich sehr hübsch anzusehen. Allein vor der bildschönen Gitterrohr-Einarmschwinge aus Aluminium kann man Stunden der stillen Andacht verbringen. Ein schönes Gläschen vom Roten in der Hand und einfach nur in der Garage um das titanfarben oder im klassischen Rot lackierte Schätzchen herumschleichen - so lassen sich selbst im tiefsten Winter wunderbare Feierabende verbringen.

Und wenn es dann im Frühling ins Revier geht, glänzt die maximal 245 km/h schnelle Duc nicht nur mit gefühlten Qualitäten, sondern auch mit gemessenen. Der Twin geizt nämlich beim Spritverbrauch. Mehr als gute fünf Liter Super auf 100 Kilometern fackelt die S4R eigentlich nie ab. Noch erfreulicher: Ab dem 2007er-Jahrgang gelten verlängerte Inspektions-Intervalle, die Monster muß nur noch alle 12000 Kilometer zum Service. Der Schrauber des Vertrauens benötigt dann weniger Ersatzteile und auch weniger Zeit als bisher, Ducati verspricht eine Senkung der Wartungskosten um bis zu 50 Prozent.

Es gibt mittlerweile also auch ganz rationale Gründe, sich den vielleicht feinsten aktuellen Zweizylinder-Motor zu gönnen.

Technische Daten der Ducati Monster S4R S Testastretta (2006-2008)

Die Ducati Monster S4R S Testastretta wurde von Ducati offiziell in den Modelljahren 2006, 2007 und 2008 produziert. Sie stellt das Topmodell der Monster-Baureihe dieser Jahre dar und basiert technisch auf der Monster S4R, unterscheidet sich jedoch durch den Einsatz des Testastretta-Motors aus der Ducati 999. Dieser Motor ist flüssigkeitsgekühlt, verfügt über vier Ventile pro Zylinder und eine desmodromische Ventilsteuerung. Die S4R S Testastretta ist ausschließlich mit einer Trockenkupplung ausgestattet.

Im Modelljahr 2006 führt Ducati die Monster S4R S Testastretta als neues Spitzenmodell der Monster-Reihe ein. Sie übernimmt den 998 cm³ großen Testastretta-Motor aus der Ducati 999, der gegenüber dem 996-Motor der S4R eine höhere Spitzenleistung und ein breiteres nutzbares Drehzahlband bietet.

Die S4R S ist serienmäßig mit hochwertigen Öhlins-Fahrwerkskomponenten ausgestattet: einer voll einstellbaren 43-mm-Upside-Down-Gabel vorn und einem Öhlins-Monofederbein hinten. Die Bremsanlage besteht vorn aus zwei 320-mm-Bremsscheiben mit radial montierten Brembo-Vierkolben-Monoblockzangen. Hinten kommt eine 245-mm-Scheibe mit Zweikolbenzange zum Einsatz. ABS ist in keinem Modelljahr verfügbar.

Im Modelljahr 2007 bleibt die technische Ausstattung der S4R S Testastretta unverändert. Ducati bietet weiterhin die asymmetrische Auspuffanlage mit zwei hochgelegten Endschalldämpfern auf der rechten Seite an. Die Marchesini-Leichtmetallräder im 5-Speichen-Design gehören zur Serienausstattung. Die Reifendimensionen betragen 120/70 ZR17 vorn und 180/55 ZR17 hinten. Ab Werk sind Pirelli Diablo Corsa montiert.

Die Instrumentierung besteht aus einem analogen Drehzahlmesser mit integriertem digitalem Tachometer. Ein LC-Display ist nicht vorhanden.

2008 wird die Monster S4R S Testastretta letztmals angeboten. Ducati stellt die Produktion nach diesem Modelljahr ein. Einen direkten Nachfolger mit Testastretta-Motor gibt es nicht. Ab 2009 wird die Monster-Baureihe grundlegend überarbeitet und auf neue Motorenkonzepte umgestellt. Die S4R S Testastretta bleibt damit das letzte Monster-Modell mit dem 999-Testastretta-Triebwerk.

Die Sitzposition der S4R S Testastretta ist sportlich, aber alltagstauglich. Der Oberkörper ist leicht nach vorn geneigt, die Fußrasten sind moderat hoch positioniert. Die Sitzbank ist für zwei Personen ausgelegt, jedoch fällt der Soziusplatz aufgrund der sportlichen Geometrie und der hoch angebrachten Fußrasten eher knapp aus.

Der Tank fasst 15 Liter. Bei einem vom Hersteller angegebenen Durchschnittsverbrauch von 6,5 l/100 km ergibt sich eine rechnerische Reichweite von rund 230 Kilometern. Ein verstellbarer Windschild ist nicht vorhanden; serienmäßig ist ein kleines, fest montiertes Windschild verbaut.

Nein, aufgrund der hohen Motorleistung, der sportlichen Fahrwerksabstimmung und des fehlenden ABS ist die S4R S Testastretta nicht für Fahranfänger geeignet.

Nein, die Ducati Monster S4R S Testastretta ist in keinem Modelljahr serienmäßig oder optional mit ABS ausgestattet.

Die S4R S Testastretta verwendet den leistungsstärkeren Testastretta-Motor aus der Ducati 999, besitzt ein Öhlins-Fahrwerk und Marchesini-Räder. Die S4R nutzt den 996-Motor und Showa-Komponenten.

Mit einem 15-Liter-Tank und einem offiziellen Verbrauch von 6,5 l/100 km liegt die Reichweite bei etwa 230 Kilometern.

Das Standgeräusch der Ducati Monster S4R S Testastretta beträgt laut Zulassungsbescheinigung 102 dB(A).

Ducati Monster S4R S Tricolore (2008)

Die Ducati Monster S4R S Tricolore erscheint 2008 als limitiertes Sondermodell innerhalb der Monster-Baureihe. Sie basiert technisch auf der regulären Monster S4R S Testastretta, unterscheidet sich jedoch durch ihre spezielle Lackierung in den italienischen Nationalfarben Grün, Weiß und Rot. Diese Tricolore-Lackierung ist eine Hommage an die italienische Herkunft der Marke und bleibt exklusiv diesem Modelljahr vorbehalten.

Die technische Basis bildet der flüssigkeitsgekühlte Testastretta-V2-Motor, der aus der Superbiketechnologie von Ducati stammt. Das Fahrwerk übernimmt hochwertige Komponenten: Vorne arbeitet eine voll einstellbare Öhlins-Upside-Down-Gabel, hinten ein Öhlins-Federbein. Auch die Lenkungsdämpfung stammt von Öhlins. Die Bremsanlage besteht aus radial montierten Brembo-Monoblockzangen mit 320-mm-Doppelscheiben vorne. Diese Ausstattung entspricht der der regulären S4R S Testastretta.

Die Ducati Monster S4R S Tricolore ist serienmäßig mit einer Einzelsitzabdeckung ausgestattet, die den sportlichen Anspruch unterstreicht. Ein Soziusbetrieb ist möglich, da die Abdeckung abnehmbar ist und serienmäßig Fußrasten für den Beifahrer vorhanden sind.

Die Sitzposition ist leicht nach vorne geneigt, sportlich, aber nicht extrem. Die Reichweite hängt vom 15-Liter-Tank und dem Verbrauch ab, der laut Hersteller bei etwa 6,5 l/100 km liegt. Daraus ergibt sich eine theoretische Reichweite von rund 230 Kilometern.

Ein LC-Display ist bei diesem Modell nicht verbaut. Die Instrumentierung besteht aus einem analogen Drehzahlmesser und einem digitalen Multifunktionsdisplay mit Informationen zu Geschwindigkeit, Kilometerstand, Uhrzeit und Motortemperatur. Serienmäßig ist kein Windschild montiert, ein kleiner Windschild war jedoch als offizielles Ducati-Zubehör erhältlich. Koffer oder Topcases sind nicht Teil der Serienausstattung, Ducati bietet jedoch passendes Zubehör über das Ducati Performance Programm an.

Die Ducati Monster S4R S Tricolore wird ausschließlich im Modelljahr 2008 produziert. Eine Stückzahlbegrenzung ist offiziell nicht angegeben, jedoch bleibt sie aufgrund der Sonderlackierung ein einmaliges Modell innerhalb der Monster-Baureihe.

Die Monster S4R S Tricolore richtet sich aufgrund ihrer Leistung, Sitzposition und Fahrwerkskomponenten nicht primär an Einsteiger. Ducati selbst positioniert sie als sportliches Naked Bike mit anspruchsvollem Charakter.

Nein, die Ducati Monster S4R S Tricolore ist nicht mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet. ABS wird bei Ducati erst ab späteren Monster-Generationen serienmäßig eingeführt.

Technisch sind beide Modelle identisch. Der einzige Unterschied liegt in der Lackierung: Die Tricolore-Version trägt die italienischen Nationalfarben, während die reguläre S4R S in anderen Farbtönen erhältlich ist.

Mit einem Tankvolumen von 15 Litern und einem offiziellen Verbrauch von ca. 6,5 l/100 km ergibt sich eine Reichweite von etwa 230 Kilometern unter normalen Fahrbedingungen.

Das Standgeräusch der Ducati Monster S4R S Tricolore beträgt laut Zulassungsdokumenten 102 dB(A).

Technische Daten im Überblick

Hier ist eine Tabelle mit einigen der wichtigsten technischen Daten der verschiedenen Ducati Monster S4R Modelle:

Modell Baujahr kW/PS Hubraum Drehmoment Leergewicht Preis (ca.)
Monster S4R 2007 89 kW / 121 PS 997 cm³ 104 Nm k.A. k.A.
Monster S4RS 2008 89 kW / 121 PS 997 cm³ 104 Nm k.A. 15.130 €
Monster S4 2002 74 kW / 100 PS 916 cm³ 92 Nm k.A. k.A.

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