Die Ducati Scrambler Familie ist eine zeitgemäße Reinkarnation eines der berühmtesten Bikes der Firma, in der das Beste aus der Vergangenheit genommen wurde, um daraus etwas Einzigartiges und Modernes zu kreieren. Breiter Lenker, Stollenreifen, höher gelegter Auspuff - das zeichnet einen typischen Scrambler aus. Sie ist eines der legendärsten Modelle von Ducati - die Scrambler. In den frühen 1960er-Jahren für den amerikanischen Markt entwickelt, wurde das leichte, geländegängige Bike erst später auch in Europa angeboten. Als Antrieb kamen Einzylinder-Viertaktmotoren mit 250, 350 und 450 ccm Hubraum zum Einsatz.
Akrapovič Slip-On Line für Ducati Scrambler
Mit dem neuesten Modell der stetig wachsenden Bandbreite an Ducati-Abgasanlagen will Akrapovič „das Biest entfesseln”, das sich hinter dem aktuellsten Kult-Motorrad der italienischen Marke verbirgt. Die neue Slip-On Line Reihe für die Ducati Scrambler wird aus hochwertigem Titan gefertigt und sowohl als ECE und EC zertifizierte Abgasanlage erhältlich sein als auch als nichthomologierte Open Version. Beide Anlagen wurden exklusiv entwickelt, um dem einfachen, aber effektiven Motor des Bikes eine noch bessere Performance und eine erhöhte Ausdrucksfreiheit zu geben. Die Slip-On Line Abgasanlagen haben speziell gefertigte Schalldämpfer, die mit ihren konischen Rohren ihre Herkunft aus der Welt des Rennsports erkennen lassen.
Die Slip-On Line soll für einen stabilen und beeindruckenden Leistungzuwachs über das gesamte Drehzahlband hinweg sorgen, vor allem ab 6.800 U/min aufwärts. Die verwendeten Materialien aus dem Rennsport werden zudem das Gewicht reduzieren. In Verbindung mit dem neu geformten Vorschalldämpfer aus Edelstahl bei der homologierten Version gibt es zusätzlich einen optionalen Katalysator, um die ECE und EC Richtlinien zu erfüllen.
Akrapovič Open System
Das Open System der Akrapovič Slip-On Line hebt die Ducati Scrambler auf die nächste Ebene des Tunings von Abgasanlagen. Mit einer vollständig aus Titan gefertigten Link-Pipe und ohne Vor-Schalldämpfer passt die Abgasanlage ideal zu dem Charakter des Motors und gibt ihm einen schärferen Sound. Für die hinteren Schalldämpfer gibt es speziell gefertigte herausnehmbare Einsätze zur Geräuschreduzierung. Diese wurden geschaffen, um dem Bike einen dualen Charakter zu geben. Der Fahrer kann zwischen zwei verschiedenen Soundtracks wählen.
Optionale Krümmer und Hitzeschild
Für beide Abgasanlagen gibt es optionale Krümmer, durch die aus den Slip-On Anlagen ein komplettes System wird. Diese Krümmer sind aus hochwertigem Titan gefertigt und haben größere Rohre, um den Luftfluss zu erhöhen. Für beide Systeme ist darüber hinaus optional ein handgefertigter Hitzeschild aus Carbon erhältlich, durch den die Serienversion ersetzt werden kann. Dadurch wird der Gesamteindruck der Abgasanlage und damit des gesamten Bikes noch einmal verbessert.
Die zu allen Modellen der Ducati Scambler Familie passenden Plug-and-Play Abgasanlagen benötigen kein Remapping oder andere Zusatzteile.
Testfahrt und Fahreindrücke
Bei der Presse-Veranstaltung in Portugal war das Wetter für uns Fahrer zwar erst ab der zweiten Tageshälfte ein Genuss, dafür aber konnte das Bike in den verschiedensten Fahrsituationen probiert werden: nasse und trockene, ebene und holprige Stadt-, Land- und Bergstraßen. Optimale Testbedingungen also. Gestartet wurde dabei in einem Szeneviertel in einem Industriegebiet von Lissabon, dem Village Underground Lisboa, das mit seinen Graffiti-besprühten Wänden und zu Bars umfunktionierten Oldtimer-Bussen wunderbar den urbanen Retro-Spirit des Modells widerspiegelte. Von dort ging es ins Umland auf schön kurvige Landstraßen.
Der Wetterbericht hatte keinen Regen für den Tag vorausgesagt, also hatten die meisten von uns (ich inklusive) ihre Regenklamotten im Hotel gelassen. Der Klassiker - eine halbe Stunde später fing es an zu schütten. Wir nahmen es mit Humor. Der Grip war dank der guten Reifen und super Fahrbahnverhältnissen trotzdem erstaunlich gut.
Der Motor der neuen Scrambler ist von der Monster EVO 1100 abgeleitet. Allerdings, dank Euro 4, nicht mehr mit 100, sondern nun mit 86 Pferden. Beim Blick auf die technischen Daten vor der Testfahrt war ich überrascht, dass der Leistungsunterschied zur 800er Scrambler nur bei 13 PS liegt. Und das trotz eines Zusatzgewichtes von 20 Kilogramm. Diese Skepsis war allerdings nach den ersten Zügen am Gashahn verflogen. Das maximale Drehmoment von 88 Nm liegt bei 4.750 U/min an und sowohl davor als auch danach drückt der Motor ordentlich. Das machte richtig Laune und gepaart mit dem V2-Sound unterm Sitz, der durch Euro 4 zwar leiser, aber nach wie vor herrlich klingt, war ich am dauergrinsen.
Sitzposition und Komfort
Ein Minuspunkt bei den kleineren Geschwistern war die, besonders für größere Fahrer, auf Dauer anstrengende Sitzposition. Diese ist bei der 1100er durch einen weniger spitzen Kniewinkel nun angenehmer und bietet zusammen mit der bequemen Sitzbank viel Komfort auch für längere Strecken. Der Lenker ist etwas tiefer montiert und die Griffe liegen weiter vorne. Man sitzt folglich stärker zum Vorderrad orientiert.
Bremsen und Fahrwerk
Die neue Scrambler hat außerdem bessere Bremsen bekommen. Die leichteren 800er und 400er Modelle verzögern mit einer einzelnen Bremsscheibe vorne. Dafür hat Ducati beim neuen Modell Brembo M4.32 Monobloc 4-Kolben Doppelscheibenbremsen verbauen lassen. Und die funktionierten beim Landstraßentest einwandfrei. Für mich war die Gabel vorne ein bisschen zu weich eingestellt und tauchte beim Bremsen etwas zu stark ein. Allgemein war mir das Fahrwerk insgesamt etwas zu straff. So neigte das Fahrwerk der Ducati besonders bei höheren Geschwindigkeiten und unebenem Untergrund in Kurven zu Lenkerschlagen.
ABER: Das Fahrwerk ist vorne vollständig und hinten in der Zugstufe und Federbasis einstellbar. Je nach Gewicht, Vorlieben und Fahrbahnverhältnissen kann dies also individuell angepasst werden.
Sicherheit und Technologie
Die neue Scrambler ist zwar optisch im Retro-Stil gestaltet, allerdings sicherheitstechnisch auf dem neuesten Stand. Das Modell bietet serienmäßig Kurven-ABS, welches das Motorrad selbst bei Bremsen in Schräglage beherrschbar macht. Letztes Jahr durfte ich das Feature bereits auf einer Teststrecke ausprobieren. In extremer Schräglage ging ich in die Eisen und wurde einfach nur langsamer, ohne dass es das Motorrad aufstellte. Hat mich überzeugt! Bringt wirklich was! Ist kein Schnickschnack!
Neben Traktionskontrolle, LED-Scheinwerfern und USB-Stecker unter der Sitzbank bietet das Bike drei verschiedene Fahrmodi zur Auswahl: ACTIVE, der sportlichste, JOURNEY sowie CITY. Letzterer regelt am sanftesten und reduziert die Leistung auf 75 PS. Jeder der Fahrmodi ist jedoch auch ganz individuell programmierbar. Außerdem sorgt das moderne Ride-By-Wire-System für ein sehr sanftes Ansprechen des V2-Motors.
Dashboard-Design
Das Display besteht aus einem großen runden und einem kleineren ovalen Element. Zugegebenermaßen erstmal gewöhnungsbedürftig aber letztendlich habe ich mich schnell damit angefreundet. Es konzentriert sich auf das Wesentliche und zeigt Geschwindigkeit, Gang, Drehzahl, Level der Traktionskontrolle, Fahrmodus und Tankfüllung an. Vom Design des Dashboards war ich nicht sofort begeistert - hatte mich aber nach kurzer Zeit daran gewöhnt. Akzeptabler Kompromiss aus Klassik und Moderne, wie ich finde.
Die Ducati Scrambler 1100 im Detail
Die maßgebenden Konstruktionsmerkmale der 800er wurden beibehalten, doch die 1100er ist klar das erwachsenere Motorrad. Sie ist größer, die Sitzposition ist um 20 Millimeter höher (810 mm) und der Radstand um 69 Millimeter länger (1.514 mm). Und mit 211 Kilogramm bringt sie 25 Kilogramm mehr auf die Waage als beispielsweise das 800er-Basismodell Icon. Der Stahlgitterrahmen nimmt den L2-Motor ebenfalls als tragendes Element in die Pflicht, wobei der Heckrahmen nun aus Aluguss gefertigt und angeschraubt ist, was allfälliges Customizing erleichtert. Die Marzocchi Upside-down-Gabel und das Kayaba-Monofederbein sind stärker dimensioniert, wobei letzteres wie bei den kleinen Modellen direkt angelenkt und auf der linken Fahrzeugseite positioniert ist.
Chefdesigner Jeremy Faraud hat die 1100er komplett neu gezeichnet und dabei die starken Elemente der kleineren Modelle sowie der Versionen von einst einbezogen. Die klassische Silhouette ist unverkennbar. Dennoch kommt die Neue nicht als Retrobike, sondern vielmehr als moderne Interpretation ihrer gleichnamigen Vorläuferin von vor über 50 Jahren. Ein diesbezüglich tolles Detail ist beispielsweise die bogenförmig über die Instrumente geführte Leitung der Vorderbremse, welche dieses Thema aus den 1960ern stilvoll in die Gegenwart transferiert. Apropos Instrumente: Auch hier wurde aufs Wesentliche reduziert und die klassischen Analogelemente von einst in zeitgemäße Digitalanzeigen umgesetzt.
Als Antrieb kommt der bestens bewährte L2 aus der altgedienten Monster 1100 zum Einsatz. Übrigens: Ducati bezeichnet die Zweizylindermotoren aufgrund des 90-Grad-Zylinderwinkels und der entsprechenden Einbaulage mit nahezu liegendem bzw. stehendem Zylinder als L2 und nicht wie üblich als V2. Der auf Euro 4 getrimmte, luftgekühlte Zweiventiler passt ausgezeichnet zum neo-klassischen Konzept, wenngleich die Leistung auf 86 PS relativ stark reduziert wurde. Mit 88 Newtonmetern musste auch das maximale Drehmoment Federn lassen, allerdings wird es nun bereits bei 4.750 U/min erreicht und bleibt bis nahezu 7.000 U/min konstant. Aufgrund dieser gutmütigen Charakteristik erübrigen sich im Grunde genommen die drei wählbaren Modi „Activ“, „Journey“ und „City“, welche die Motorleistung, das Ansprechverhalten sowie den Einsatz der Traktionskontrolle den Bezeichnungen entsprechend regulieren.
Sound und Fahrverhalten
Höhere Sitzposition, weiterer Kniewinkel - die 1100er passt spürbar besser zu meiner Größe von 183 Zentimetern. Und auch den Sound hat Ducati einmal mehr richtig toll hingekriegt. Beim Starten meldet sich das Aggregat kraftvoll mit dumpfem Bollern, aber nicht unangenehm laut. Am coolsten brabbelt das Aggregat jedoch, wenn bei zügiger Talfahrt der Gasgriff abrupt geschlossen wird.
Der große Rumps aus dem Drehzahlkeller fehlt zwar und auch im obersten Bereich lässt die Leistung spürbar nach. Dafür entschädigt der Motor mit einer starken Mitte, welche sehr gut zum Konzept des in jeder Situation einfach und sicher beherrschbaren Lifestyle-Bikes passt. Apropos sicher: Die neuen Scrambler 1100 sind als einzige in ihrem Segment mit Kurven-ABS ausgestattet.
Auch die Grundabstimmung des Fahrwerks ist soweit gut gewählt, wenngleich bei zügiger Fahrweise die Front Unebenheiten nicht immer klaglos schluckt. Doch dafür gibt es ja genügend Möglichkeiten, die Federung und Dämpfung vorne wie hinten den eigenen Bedürfnissen entsprechend einzustellen. Die aufrechte Sitzposition mit breiter Armhaltung ist relaxt, allerdings lediglich bis zu einer Geschwindigkeit von rund 130 Stundenkilometern. Wenn's schneller gehen soll, hängt der Fahrer wie ein Segel im Wind und das wird auf Dauer ungemütlich. Nun, die Scrambler ist ja auch kein Sportler, obschon sie mit solchen Bikes bezüglich Kurvenstabilität und Schräglagenfreiheit gut mithalten kann.
Fazit
Mit der neuen Ducati Scrambler 1100 ist Ducati ein wunderschönes Lifestyle-Bike im Retro-Design aber mit neuester Sicherheitstechnik als Serienausstattung, wie beispielsweise Kurven-ABS, Traktionskontrolle, drei Fahrmodi, uvm., gelungen. Klar sind die Preise happig, man bekommt aber auch eine top-ausgestattete, echte Ducati. Und zwar eine, die für jeden gut fahrbar ist. Die Sitzposition ist im Vergleich zu den kleineren Modellen der Klasse angenehmer, die Gabel ist vorne voll einstellbar, hinten können Zugstufe und Federbasis individuell an Fahrer und Fahrsituation angepasst werden. Durch das höhere Gewicht und den längeren Radstand fühlt sie sich etwas weniger agil an als die 400er und 800er Scrambler - allerdings wirkt sie allgemein erwachsener, größer und stärker. Von der Leistung der „nur“ 86 PS sollte man sich nicht beeindrucken lassen. Durch das kernige Drehmoment bereits im Drehzahlkeller wirkt die Italienerin eindeutig stärker, als auf dem Papier angegeben. Eine gute Mischung aus Scrambler-Optik und Monster-Technik, wie ich finde.
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