Historisch betrachtet handelt es sich bei Scramblern um eine Art Vorläufer der Enduro, der sich in den 50er- und 60er-Jahren größerer Beliebtheit erfreute. Technisch basierten Scrambler zumeist auf Straßenmotorrädern, die jedoch mit breiterem Lenker und Stollenreifen umgerüstet wurden. Häufig wurden zudem Auspuffrohre und Schutzbleche höhergelegt. Die Maßnahmen dienten vornehmlich dazu, die Geländetauglichkeit zu verbessern.
Übersetzen lässt sich das englische Verb „scramble“ mit „hochsteigen“. Wie im Enduro-Segment werden Scrambler meist von Ein- oder Zweizylindermotoren angetrieben. In der Regel handelt es sich bei heutigen Scrambler-Modellen um klassisch gestylte Naked-Bikes mit leichter Offroad-Optik. Ein typischer Vertreter ist etwa die Triumph Scrambler 1200 XE. Ducati hat sogar eine ganze Scrambler-Familie mit vielen Varianten im Programm. Retro-Bikes mit Stollenreifen stehen nach wie vor hoch im Kurs.
Viele stimmen darin überein, dass der wohl bekannteste Scrambler von Triumph kam. Auf dieser Grundlage brachte Triumph im Jahr 2006 die legendäre Scrambler zurück und zog damit eine völlig neue Generation von Fahrern an. Ab dem aktuellen Modelljahr hat Triumph in seiner Scrambler-Modellbezeichnung das Wort "Street" gestrichen - die kleine Scrambler heißt nun Triumph Scrambler 900. Damit möchten die Engländer die familiäre Nähe zur legendären Bonneville-Reihe noch mehr betonen. Außerdem wartet die 900er mit einer verbesserten Leistungsentfaltung und einigen frischen Details auf.
Im Jahr 2014 erweiterten die Italiener ihr Portfolio um eine vielfältige Auswahl an Scramblern, um den zeitlosen Look und Stil vergangener Jahre auf neue Weise zu interpretieren. Die Ducati Scrambler Icon ist besonders für ihr charakteristisches Design bekannt, das Retro-Elemente mit moderner Technologie gekonnt verbindet und zudem eine hohe Alltagstauglichkeit mit einem Hauch von Offroad-Fähigkeiten vereint. Für 2023 erfuhr der preisgünstigste Einstieg in die Ducati Scrambler-Familie einige spannende Upgrades. Dazu zählen ein LED-Scheinwerfer mit X-förmigem Tagfahrlicht, ein fortschrittliches TFT-Display sowie ein besseres Fahrwerk dank neuer Schwinge und überarbeitetem Gitterrohrrahmen.
Konkurrenz im Scrambler-Segment
Nun ist es aber keinesfalls so, dass ausschließlich Europäer die Fähigkeiten besitzen, klassisch-schöne Scrambler-Motorräder mit modernster Technologie auf die Räder zu stellen. Den Beweis dafür bringt CFMoto mit ihrer CFMoto 700CL-X Heritage. Abgesehen von der etwas langweiligen Modellbezeichnung ist die Scrambler in puncto Design, Motor, Fahrwerk und Ausstattung wirklich gelungen. Obendrein achtete man bei den zwei wunderschönen Farbvarianten "Twilight Blue" und "Coal Grey" sogar auf eine perfekte Abstimmung der Gabeleloxierung mit der Pulverbeschichtung der Felgen - einmal in Bronze, einmal in Gold. Echte Highlights sind auch die Sitzbank im Retro-Look, die Tankseitenverkleidungen mit ihren integrierten Lufteinlässen und das "X", welches sich nicht nur in der Modellbezeichnung, sondern auch am Scheinwerfer, am Tacho und auf dem Kupplungsdeckel wiederfindet.
Vergleich: Triumph Scrambler 900 vs. Ducati Scrambler Icon vs. CFMoto 700CL-X Heritage
Wenngleich das Duell der drei genannten Scrambler auf den ersten Blick in puncto Hubraum und Leistung relativ ausgewogen scheint, zeigt die nähere Betrachtung der Listenpreise, dass dem bei Weitem nicht so ist. So kostet die Triumph Scrambler 900, die teuerste Maschine des Vergleichs, in Deutschland mit 11.445 Euro fast um zwei Drittel mehr als die CFMoto 700CL-X Heritage, welche dort bereits um unverschämt günstige 6.990 Euro zu haben ist. Damit sollte eigentlich jedem klar sein, dass es bei diesem Vergleich schwierig bis nahezu unmöglich ist, einen klaren bzw. fairen Testsieger zu ermitteln.
Leistung und Drehmoment
Wie zuvor erwähnt, weisen alle drei Kontrahenten "ähnliche" Leistungswerte auf, jedoch sticht die Triumph mit ihrem Drehmoment von 80 Nm bei nur 3.250 U/min besonders positiv heraus. Dieses Potenzial ermöglicht nicht nur die kraftvolle Beschleunigung bei niedrigen Drehzahlen, sondern lädt auch, unterstützt von der langen Übersetzung und einem 5-Gang-Getriebe, zum schaltfaulen Cruisen ein. Zusätzlich wird ihr entspannter Charakter durch das vergleichsweise hohe Gewicht von 223,5 kg betont, was sportlichen Höchstleistungen ohnehin im Weg stehen würde.
Deutlich elastischer setzen sich hierbei sowohl die Ducati mit 73 PS bei 8.250 U/min als auch die CFMoto mit 70PS bei 8.750 U/min in Szene. Bei flotter Fahrweise liegen beide Bikes in puncto Beschleunigung und Durchzug in etwa gleich auf, obwohl die Ducati stets den souveräneren Eindruck macht.
Sound und Verbrauch
Spätestens beim Sound liegt die Triumph Scrambler aber wieder deutlich vorn. Überraschenderweise erweist sie sich beim Spritverbrauch als die Sparsamste. Die Ducati hingegen süffelt den meisten Kraftstoff und bollert Euro 5-gemäßigt, aber keinesfalls schlampig vor sich hin. Die CFMoto klingt am zahmsten, genehmigt sich dafür auch etwas weniger Sprit.
Fahrwerk und Bremsen
Obwohl bei der Ducati nur die Vorspannung am Federbein einstellbar war, gefiel uns das Fahrwerk der Italienerin am besten. Dank des ausgezeichneten Zusammenspiels der guten Kayaba Komponenten mit der durchdachten Geometrie, der großartigen Pirelli MT 60 RS Serienbereifung und dem 18 Zoll Vorderrad kippt die Ducati Scrambler sprichwörtlich nur so in die Radien und bietet mit der sanft, aber nie schwammig ansprechenden Dämpfung auf allen Untergründen ein ausgewogenes Fahrverhalten.
Auch die Bremsanlage mit einer 330 Scheibe vorne und einer 245 Scheibe hinten verrichtet anstandslos ihren Dienst, wenngleich trotz der geringsten Masse, mit Abstand die höchste Handkraft notwendig ist. Ähnliche Erfahrungen machten wir mit der CFMoto, welche obendrein mit voll einstellbaren Kayaba Komponenten, einem identen Federweg von 150 mm vorne und 150 mm hinten und sogar mit den gleichen Räderdimensionen und dem gleichen Reifenfabrik ausgestattet war. Spürbar härter abgestimmt kam sie mit ihren Fahreigenschaften dennoch nicht ganz an die Ducati heran. Ehrlicherweise hätte man aber vorne und hinten alle Möglichkeiten, mittels Druckstufe, Federvorspannung und Zugstufe an den Performance-Schrauben zu drehen.
Als Fahrer einer Triumph Scrambler 900 streift man gewissermaßen vollkommen unbekümmert in einer Art Paralleluniversum umher, in dem die komfortable Fahrwerksabstimmung eher zu genussvollen als zu überhasteten Fahrten verleitet. Wenig Kritikpunkte sind an den Stereofederbeinen im Heck und der konventionellen Tele-Gabel mit 41-mm-Cartridge am Vorderrad zu finden - die Maschine fährt einerseits wie auf Schienen und bleibt dennoch stets präzise und direkt. Ein ähnliches Bild zeigt die Brembo Bremsanlage mit der kleinsten Bremsscheibe im Vergleich. Zwar verlangt die Vierkolben-Bremszange durchaus nach Handkraft, ist aber für diesen spaßig zu fahrenden Scrambler wirklich gut und passend ausgelegt.
Erwähnenswert ist auch das große 19 Zoll Vorderrad an der Triumph, das nicht nur gut aussieht, sondern auch auf losem Untergrund seine Vorteile hat. Auf der 790 mm hohen Sitzbank der Triumph findet man auf Anhieb eine sehr aufrechte und entspannte Haltung vor. Erstaunlicherweise lässt sich die Triumph trotz des flachsten Lenkwinkels im Test spielerisch in die Kurven neigen, bis die Fußrasten schleifen. Das passiert auch schon relativ bald, da die Rasten an der Engländerin komfortabel tief angebracht wurden, was der Schräglagenfreiheit nicht unbedingt zuträglich ist.
Völlig anders ticken die Scrambler von Ducati und CFMoto. Mit durchwegs niedrigem Gewicht, steileren Lenkwinkeln (wieder aufs Grad genau gleich, Zufall?), kürzerem Nachlauf und ihren hohen Lenkern lassen sie sich fast so lebhaft wie sportliche Naked Bikes durch das Kurvengewirr manövrieren. Etwas irritierend fanden wir jedoch die ungewöhnlich hoch positionierten Rasten an der CFMoto.
Elektronik und Ausstattung
Alle drei Bikes besitzen das gesetzlich vorgeschriebene ABS, das sich bei der Triumph sogar für Geländeeinsätze abschalten lässt, Ride-by-Wire Gasgriffe, Traktionskontrollen, Anti-Hopping Kupplungen, USB-Ladebuchsen unter dem Sitz und je zwei Riding-Modes für den Straßenverkehr. Soweit so gut - damit ist bei der Triumph dann auch schon im großen und ganzen Schluss.
Die CFMoto besitzt darüber hinaus eine volle LED-Ausstattung, ein adaptives Kurvenlicht, das in unserem Videobeitrag gut erkennbar ist, einen Tempomaten und ein LCD Display mit einer nur mäßig gut ablesbaren Drehzahlanzeige.
Den Vogel schießt aber Ducati mit seiner Scrambler Icon ab. Bestückt mit zwei Riding Modes, Power Modes, dem schräglagenabhängigen Kurven-ABS, der 4-stufigen Traktionskontrolle, dem kräftigen Tagfahrlicht und dem ausgezeichnet ablesbaren TFT-Farbdisplay dürften keinerlei Wünsche offen bleiben. Okay, doch: der Quickshifter.
Persönliche Eindrücke und Fazit
Um es gleich vorwegzunehmen: Mein persönlicher Favorit dieses Trios ist mit Respektabstand die Ducati Scrambler Icon. Allerdings nicht, weil ich ein gebrainwashter Fanboy bin, der bei Erwähnung von "Desmo" bzw. "Ducati" oder einer geschwenkten italienischen Nationalfahne mit einer Latte herumläuft, sondern weil mich diese hochmoderne Interpretation einer Scrambler in vielerlei Hinsicht berührt.
"Design meets Function": Ein cooler, jugendlicher, aber unverspielter Look trifft auf einen wundervollen Kompromiss aus Power, Ergonomie und Handling sowie nahezu allen relevanten Sicherheits- und Komfortfeatures. Das Resultat: Der 800er-Motor treibt das 188 Kilo vollgetankte Eisen anständig voran, das Fahrwerk bügelt sämtliche Unebenheiten aus dem Asphalt und der hohe Lenker erlaubt ein müheloses Dirigieren mit einem vernünftigen Maß an Präzision und Stabilität sowie dem Sweet-Spot aus sportlicher Landstraßen- und chilliger Cruiser-Fahrposition.
Was die CFMoto 700CL-X Heritage betrifft, so muss ich aber anerkennen, dass meine Erwartungen in puncto Detailverliebtheit und Performance weit übertroffen wurden. Der flotte und großartig ausgestattete Scrambler eignet sich nicht nur für preisbewusste Styler zum Ausflug ins Café oder ins lange Wochenende, sondern lässt durchaus auch sportliche Fahrleistungen zu.
Zu guter Letzt noch ein paar abschließende Worte zur Triumph Scrambler 900, die in einer eigenen Liga betrachtet werden sollte. Ihre Speichenräder, Faltenbälge und der Scrambler-Auspuff verleihen ihr nicht nur optisch ein sehr retrohaftes Erscheinungsbild, sie klingt auch genauso satt und blubbernd wie ihre klassischen Vorfahren. Das lang übersetzte 5-Gang-Getriebe passt perfekt zu ihrem enormen Drehmomentpotenzial bei niedrigen Touren und sie fährt sich dank des 19-Zoll-Vorderrads äußerst stabil, wenn auch weniger agil. Allerdings bietet sie dem Fahrer aufgrund der aufrechten Sitzposition und des breiteren Lenkers ein Höchstmaß an Kontrolle.
Die Ducati Scrambler Familie im Überblick
Die Ducati Scrambler - oder Scrambler Ducati, wie es die Italiener definieren - avancierte binnen kurzer Zeit zum meistverkauften Modell des Herstellers aus Borgo Panigale. Die 2014 auf der bestens frequentierten Intermot (mehr als 200.000 Besucher) präsentierte Neuauflage des ikonischen Italo-Bikes aus den seligen 1960er-Jahren war zum Niederknien schön, durchaus bezahlbar und nicht nur deshalb ein echter Exot im Ducati-Modellprogramm. Zehn Jahre später ist sie aus der Modellpalette von Ducati nicht mehr wegzudenken.
Ende 2022 präsentierte Ducati die „Next Generation“ der Scrambler. Optisch tat sich einiges bei der nächsten Generation Scrambler. Auch in Sachen Technik und Elektronik legte Ducati zeitgemäß nach beim Modelljahr 2023: Das bereits vorhandene Kurven-ABS wurde um zwei Fahrmodi (Road und Wet) sowie Traktionskontrolle ergänzt. Möglich wurde das durchs neue Ride-by-Wire-Drosselklappenmanagement. Die mit neuen Komponenten versehene Anti-Hopping-Kupplung lässt sich seitdem mit dem Schaltautomaten Ducati Quick Shift kombinieren. Die sportliche Scrambler Full Throttle hat ihn serienmäßig an Bord. Die Modelle Icon und Nightshift bekommen den Quickshifter für kupplungsfreie Gangwechsel nur gegen Aufpreis.
Technische Details der Ducati Scrambler Icon (2023)
- Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
- Normverbrauch: 5,2 l/100 km
- Federweg vorne: 150 mm
- Federweg hinten: 150 km
- Sitzhöhe: 795 mm
- Gewicht fahrfertig vollgetankt: 185 kg
- Tankinhalt: 13,5 l
Ducati Scrambler 1100 Modelle
Mittlerweile wurde die Scrambler-Baureihe um die 400er-Variante Sixty2 erweitert und auf insgesamt acht verschiedene Modelle ausgebaut. Bis heute entschieden sich weltweit über 46.000 Kunden für eines dieser trendigen Lifestyle-Bikes. Damit ist die Scrambler derzeit das mit Abstand beliebteste Motorrad der Marke - ein guter Grund, die Modellreihe weiter auszubauen. Genau das realisiert Ducati nun mit der Scrambler 1100.
Die von uns gefahrene Scrambler 1100 Special (14.290,-- Euro) hat als einzige schicke Drahtspeichenräder mit schwarz lackierten Felgen. Sie rollt jedoch wie die anderen auf grobstolligen Pirelli-MT60-RS-Reifen. Die Auspuffrohre sind verchromt, die Gabel-Standrohre goldfarben eloxiert, Auspuffblenden, Schwinge und das vordere Alu-Schutzblech fein gebürstet. Der schwarz lackierte Lenker ist etwas weniger weit nach oben gekröpft als bei den anderen Modellen. Liebe zum Detail zeigt Ducati zudem mit der besonderen Machart des Sattels aus braunem Kunstleder mit feinem Karo-Stepp in Kontrastfarbe. Die Scrambler 1100 Special ist ausschließlich in der Trendfarbe „Custom Gey“ erhältlich.
Die Scrambler 1100 Pro Modelle
Im Vergleich zu den davor verfügbaren 1100er-Scramblern zeichnen sich die Pro-Versionen durch einen hochgelegten, doppelläufigen Endschalldämpfer sowie ein Stummelheck mit geänderter Sitzbank aus. Die Sport Pro bietet als Besonderheiten ein Öhlins-Fahrwerk, Brembo-Bremsen mit radial montierten Vierkolben-Monoblock-Bremssätteln sowie einen tieferen Lenker mit Rückspiegeln im Café-Racer-Stil.
Technische Daten Ducati Scrambler 1100 Pro
- Motor: Luftgekühlter Zweizylinder-V-Motor (90°), 1079 ccm Hubraum
- Leistung: 63,0 kW bei 7500/min
- Max. Drehmoment: 88,0 bei 4750 U/min
- Normverbrauch: 5,2 l/100 km
- Assistenzsysteme: Kurventaugliches ABS
- Leergewicht: ca. 210 kg
- Sitzhöhe: 810 mm
- Tankinhalt: 15,0 l
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