Die Ducati Scrambler - oder Scrambler Ducati, wie es die Italiener definieren - avancierte binnen kurzer Zeit zum meistverkauften Modell des Herstellers aus Borgo Panigale. Zehn Jahre später ist sie aus der Modellpalette von Ducati nicht mehr wegzudenken.
Die Geburt einer Ikone
Ducatis „Land of Joy“ wurde ausgerufen, als es rund um den Globus wenig Grund zur Freude gab. Die Message stimmte: die „pure Essenz des Motorradfahrens“ - bezahlbare Maschinen, optisch aufs Wesentliche reduziert, technisch ohne großen Elektronik-Schnickschnack, leicht und bewusst auf unkomplizierten Fahrspaß getrimmt. „Die perfekte Mischung aus Tradition und Innovation“, so Ducati. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Vertraute Linie: Seit dem Start der Scrambler Icon in 2014 blieb die Silhouette nahezu unverändert. Auffälligste Änderung ist die Umkehr der Tankpanel-Individualisierungsmöglichkeiten (Cover-Kit). Fürs erste offizielle Presse-Fahrevent lud Ducati im Dezember 2014 in das Land, wo die erste Scrambler-Generation (1962-76) besonders beliebt war: in die USA.
Die 2014 auf der bestens frequentierten Intermot präsentierte Neuauflage des ikonischen Italo-Bikes aus den seligen 1960er-Jahren war zum Niederknien schön, durchaus bezahlbar und nicht nur deshalb ein echter Exot im Ducati-Modellprogramm.
Technische Entwicklung und Modellpflege
Ende 2018 waren bereits über 55.000 Einheiten verkauft. Zeit fürs erste große Update, die sogenannte „Joyvolution“. Seit dem Modelljahr 2019 mit Kurven-ABS Passt perfekt: Vorn setzt die Scrambler Ducati auf eine 330-mm-Bremsscheibe mit radial verschraubtem 4-Kolben-Bremssattel und Kurven-ABS (Bosch).
Moderner, komfortabler und vor allem sicherer sollte die Lifestyle-Maschine im Post-Heritage-Look werden. Wichtigste Neuerung war damals das schräglagenfähige Zweikanal-ABS von Bosch. Das zu dem Zeitpunkt meist höherpreisigen Modellen vorbehaltene System ermöglicht auch in Kurven bestmögliche Verzögerung. Beim Bremsen in Schräglage verhindert es wirkungsvoll das gefährliche Aufstellen und ungewollte Geradeausfahren des Motorrads. Ein echtes Sicherheitsplus. Dazu gab es schon damals selbstabschaltende Blinker und Smartphone-Anbindung.
Den luftgekühlten L-Twin mit 803 ccm Hubraum und desmodromischer Ventilsteuerung ließ Ducati unangetastet. Bis heute leistet er 73 PS bei 8.250 Touren. Das Drehmoment beträgt mittlerweile 65 Nm bei 7.000 Touren. Auf dem Papier eine Verschlechterung - bis zum Modelljahr 2023 (Umstellung auf Euro 5) waren es noch 67 Nm bei 5.750 U/min.
Die "Next Generation"
Ende 2022 präsentierte Ducati die „Next Generation“ der Scrambler. Neu designter Stahltank, neuer Full-LED-Scheinwerfer mit geändertem Tagfahrlichtring, neues 4,3-Zoll-TFT-Farbdisplay statt des kultigen LCD-Rundinstruments, neue Krümmerführung, neues Rücklichtdesign, neue seitliche Nummerntafeln, neue Blenden vorn am neuen Gitterrohrrahmen, neues Felgendesign - optisch tat sich einiges bei der nächsten Generation Scrambler.
Auch in Sachen Technik und Elektronik legte Ducati zeitgemäß nach beim Modelljahr 2023: Das bereits vorhandene Kurven-ABS wurde um zwei Fahrmodi (Road und Wet) sowie Traktionskontrolle ergänzt. Möglich wurde das durchs neue Ride-by-Wire-Drosselklappenmanagement. Die mit neuen Komponenten versehene Anti-Hopping-Kupplung lässt sich seitdem mit dem Schaltautomaten Ducati Quick Shift kombinieren. Die sportliche Scrambler Full Throttle hat ihn serienmäßig an Bord. Die Modelle Icon und Nightshift bekommen den Quickshifter für kupplungsfreie Gangwechsel nur gegen Aufpreis.
Bei der neuen Aluminiumschwinge, die mit der letzten Modellpflege kam, dockt das Federbein mittig an statt wie bislang linksseitig. Vier Kilogramm hat das Bike in seiner jetzigen Form abgespeckt, macht 185 kg fahrbereit.
Fahrgefühl und Alltagstauglichkeit
Das Fahrerlebnis ist nach wie vor im wahrsten Sinne mitreißend: Die Scrambler hängt prächtig am Gas, solange der richtige Gang eingelegt ist; allzu untertourig mag es der L-Twin nach wie vor nicht. Auch am Thema Hitzeentwicklung hat sich seit 2014 wenig bis nichts getan: Der Motor strahlt mit der Zeit eine geradezu abartige Hitze aus. Solange die Scrambler in Bewegung ist, hält der Fahrtwind dagegen. Aber wehe, es geht im Stau oder städtischem Stop & Go nur langsam beziehungsweise im Schritttempo voran …
Der Fahrer sitzt aufrecht hinter dem vergleichsweise hohen und breiten Lenker. Die serienmäßige Sitzhöhe beträgt 795 mm. Im Zubehör gibt es alternativ eine hohe Sitzbank (810 mm) und eine niedrige (780 mm) Der breite Lenker gibt einem jederzeit ein sehr gutes Gefühl fürs Vorderrad. 18 Zoll misst die Alufelge an der Front, 17 Zoll genügt dem Hinterrad. Ein Größenmix, der sich unter anderem auch an der neuen Triumph Speed Twin 900 findet und durchaus sportliches Fahren erlaubt.
Platz für Gepäck bleibt bauartbedingt wenig: Ab Werk bleibt mangels Gepäckträger nur der Soziussitz für eine Tasche, dazu natürlich ein Tankrucksack. Passendes Zubehör gibt es bei Ducati in Hülle und Fülle. 5,2 Liter auf 100 Kilometer gibt Ducati als Verbrauch an für die aktuelle Generation (Euro 5+).
Die Ducati-Scrambler-Baureihe wurde technisch gründlich überarbeitet. Und auch am Image der Modelle Icon, Full Throttle und Nightshift wurde gefeilt. Nun ist es Zeit für ein gründliches Update. Wer nur flüchtig hinschaut, erkennt einfach "die Scrambler". Dabei wurde eine ganze Reihe Details nicht nur verändert, sondern gründlich weiterentwickelt. Eine neue Generation? Die Marketingabteilung will das glauben machen: Als "Next Gen Freedom" wird sie angepriesen. Jung, bunt und spaßig wird sie für knapp 11.000 Euro platziert.
Die Scrambler Icon im Detail
Primär ist die neue Ducati Scrambler - wir fuhren die Basisversion Icon - moderner und leichter geworden, aber auch bunter: Leuchtende Farben sind gesetzt, alleine für die Icon gibt es sechs Dekorsets, die in unter einer Stunde montiert sein sollen und für überschaubare 285 Euro einen ganz neuen Look bieten. Ride-by-Wire ersetzt die früheren Bowdenzüge und macht zwei Fahrmodi ("Road", "Sport") möglich.
Der Zweizylinder überzeugt durch feine Gasannahme, eine sehr angenehme Leistungsabgabe und genügend Power: Das Zweiventiltriebwerk gibt sich drehfreudig und agil, ist aber für seine Größe nicht sparsam: Unter fünf Liter wird kaum ein Scramber-Fahrer 100 Kilometer weit kommen. Viel mehr als 200 Kilometer am Stück sind im 13,5 Liter-Tank also nicht drin. Die machen allerdings Spaß.
Denn die 185 Kilogramm leichte Scrambler ist ein ausgesprochen leicht zu handhabendes, dabei kein bisschen nervöses Motorrad geworden. Schon kleine Kommandos am Lenker genügen und die Italienerin tut, was ihr Fahrer von ihr erwartet. Willig schnappt sie nach jeder Kurve und absolviert diese präzise und stabil, sie federt und dämpft sportlich, aber nicht ungehobelt und bremst stabil und gut dosierbar, wenngleich der Biss eher verhalten erscheint.
Die Bedienung ist einfach, der Sitz in leicht zugänglichen 79,5 cm Höhe montiert. Alle Schalter und Hebel sind griffgünstig platziert, der Lenker angenehm geformt. Gab sich die erste Generation diesbezüglich noch vollkommen puristisch, hat Ducati nun fast alles integriert, was heute en vogue ist: Die schräglagenabhängig regelnde Traktionskontrolle ist vierstufig einstell- oder auch abschaltbar, dazu hält sich ein Kurven-ABS in Reserve. Puristisch ist das fraglos nicht mehr, eher erscheint es zeitgemäß. Und die Fahrfreude kappt die Elektronik nicht.
Eher freut man sich über die neue Technik, denn es gibt nun Voll-LED-Beleuchtung inklusive eines charakteristischen Tagfahrlichts sowie ein gut ablesbares, stilistisch einfach gehaltenes TFT-Display im Cockpit. Das Bordcomputer-Menü ist klar strukturiert und deshalb gut bedienbar. Die Elektronisierung geht allerdings, wenn auch gegen Mehrpreis, noch weiter: Sogar ein Quickshifter zum kupplungslosen Gangwechsel ist lieferbar. Gegen Zuzahlung bei der Icon, in Serie bei den teureren Versionen Nightshift und Full Throttle.
Technische Daten und Fahrleistungen
Hier eine Übersicht der wichtigsten technischen Daten und Fahrleistungen der Ducati Scrambler Icon:
- Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
- Normverbrauch: 5,2 l/100 km
- Radstand: 1449 mm
- Sitzhöhe: 795 mm
- Gewicht fahrfertig vollgetankt: 185 kg
- Tankinhalt: 13,5 l
Fahrwerk: Stahl-Gitterrohrrahmen, 41 mm ø USD-Telegabel vorne, 150 mm Federweg; Aluminiumguss-Schwinge hinten, Zentralfederbein, Vorspannung einstellbar, 150 km Federweg; Aluminiumgussräder; Reifen vorne 110/80 R 18, hinten 180/55 R 17; 330 mm ø Einscheibenbremse vorne, 245 mm ø Einscheibenbremse hinten
Assistenzsysteme: Zwei Fahrmodi, Kurven-ABS, schräglagenfähige Traktionskontrolle
Trotz der umfangreichen Modifikationen vermittelt die Ducati Scrambler in der Icon-Version einen angenehm bodenständigen Eindruck: Ihre Stärken - primär pures, großes Fahrvergnügen - kommen ausgezeichnet zur Geltung. Sie macht Spaß auf jeder Art Straße, gibt sich modern und zeitgemäß, aber nicht überkandidelt.
Mit nahezu 11.000 Euro ist sie freilich auch weit jenseits von preisgünstig: Für so viel Geld gibt es auch technisch höchstwertige Japan-Nakeds mit an die 120 PS. Das fröhlich-entspannte Image einer Ducati Scrambler ist ihnen freilich fremd.
Die Scrambler 1100 Pro und Urban Motard
Der Hersteller sieht die Tribute Pro als Hommage an den luftgekühlten Zweizylinder und feiert damit dessen 50-jähriges Jubiläum bei Ducati. Die spezielle Lackierung "Giallo Ocra" mit dem einst von Giugiaro entworfenen Logo auf dem Tank sowie die schwarzen Speichenräder zeichnen dieses Modell aus. Es gibt drei Riding-Modes, die mit der Traktionskontrolle kombiniert sind.
Im Vergleich zu den davor verfügbaren 1100er-Scramblern zeichnen sich die Pro-Versionen durch einen hochgelegten, doppelläufigen Endschalldämpfer sowie ein Stummelheck mit geänderter Sitzbank aus. Die Sport Pro bietet als Besonderheiten ein Öhlins-Fahrwerk, Brembo-Bremsen mit radial montierten Vierkolben-Monoblock-Bremssätteln sowie einen tieferen Lenker mit Rückspiegeln im Café-Racer-Stil.
Auch die Pro-Varianten werden von einem 63 kW/86 PS starken Euro-5-V2 angetrieben und bringen fahrfertig knapp über 200 Kilogramm auf die Waage.
Die "große" Scrambler 1100 ging 2018 als klassisches Retrobike an den Start und musste es mit Großkalibern wie BMW R nineT (109 PS) oder Triumph Thruxton R (97 PS) aufnehmen.
Wie die Modellbezeichnung bereits anklingen lässt, ist die Urban Motard weniger für große Reisen als vielmehr für das städtische Umfeld konzipiert worden. Stil, Sportlichkeit und Fahrspaß sieht man im Vordergrund. In der Urban Motard arbeitet der 803 Kubikzentimeter große "kleine" Twin mit einer Leistung von 53,7 kW/73 PS.
Langzeiterfahrungen und Zuverlässigkeit
Viele Fahrer berichten von positiven Langzeiterfahrungen mit der Ducati Scrambler. Hier einige Punkte, die oft genannt werden:
- Fahrwerk: Ab 2019 wurde das Fahrwerk verbessert, mit hydraulischer Kupplung und bequemerer Sitzbank.
- Motor: Der luftgekühlte Motor passt zum Konzept und ist mit 73 PS ausreichend motorisiert.
- Handling: Das geringe Gewicht sorgt für viel Freude beim Kurvenfahren.
- Wartung: Inspektionsintervalle liegen bei jährlich bzw. 12.000 km. Bei 24.000 km ist ein Desmo-Service fällig.
- Getriebe: Das 6-Gang Getriebe kann am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig sein, wird aber mit der Zeit besser.
- Bremsen: Die Bremsanlage ist mehr als ausreichend dimensioniert und mit Kurven-ABS auf dem neusten Stand der Technik.
Einige Fahrer haben jedoch auch von Problemen berichtet:
- Motorlauf: Unruhiger Motorlauf nach dem Kaltstart, der sich wie ein Einzylinder anfühlt.
- Bremsen: Wandernder Druckpunkt der vorderen Bremse.
- Getriebe: Schwierigkeiten, den Leerlauf zu finden.
- Qualität: Risse im Kupplungsgehäusedeckel mit Ölverlust.
- Wartung: Hohe Wartungskosten, insbesondere für den Desmo-Service.
- Sitzbank: Unbequem für längere Touren.
Fazit
Die Ducati Scrambler hat viele Fans und ist ein beliebtes Motorrad für Fahrer, die ein leichtes, wendiges und stilvolles Bike suchen. Die Zuverlässigkeit scheint im Allgemeinen gut zu sein, obwohl es einige Berichte über Probleme gibt. Die Wartungskosten können jedoch hoch sein. Wer ein Motorrad mit Charakter und Fahrspaß sucht, sollte die Ducati Scrambler in Betracht ziehen.
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