Die Ducati 900 Supersport, erstmals 1989 vorgestellt und Ende desselben Jahres ausgeliefert (Modelljahrgang 1990, Typ 906 SC), fand nur in begrenzter Stückzahl ihren Weg nach Deutschland und war schnell vergriffen. Doch wirklich überzeugt vom ersten Modell waren selbst eingefleischte Fans italienischer Sportler nicht, und zwar wegen der minderwertigen Federelemente von Zulieferer Marzocchi, dem Weber-Doppelvergaser, der sich gerne mal verschluckte, sowie der Marelli-Digiplex-Zündung, die in Kleinwagen von Fiat anstandslos ihren Dienst tat, sich als Bauteil an einem vor Witterungseinflüssen ungeschützten Motorradmotor hingegen als sehr störungsanfällig erwies.
Modellpflege und Entwicklung
Ab 1991 (Typ 906 SC2) beseitigten Zulieferteile aus Japan diese Schwachstellen. Vom renommierten Hersteller Showa kamen eine sauber ansprechende Upside-down-Gabel und ein gut funktionierendes Federbein, für einen runden Motorlauf sorgten von nun an 38er-Gleichdruckvergaser von Mikuni sowie eine zuverlässige Kokusan-Zündung. Außerdem wurde die zuvor unterdimensionierte Kupplung zugunsten höherer Standfestigkeit aufgerüstet. Die Verkaufszahlen der nun mit weißem Gitterrohrrahmen und weißen Rädern allgemein als hübsch empfundenen, schlanken Italienerin stiegen die SS entwickelte sich in den Folgejahren zu einem der bestverkauften Motorräder von Ducati.Fortan betrieben die Italiener bis zur Final Edition 1998, dem letzten Baujahr der Vergaser-Version, Modellpflege im Detail. 1993 verbesserten sie die Auslassventilführungen, die anfänglich aus Rotguss bestanden und schnell ausschlugen, sowie die Dosierbarkeit der Bremsen. 1996 gesellte sich im Cockpit eine Öl-Temperaturanzeige zu Tacho und Drehzahlmesser hinzu, ein Jahr später änderte Ducati die Verkleidungsteile, um den stehenden der beiden luft-/ölgekühlten Zylinder besser zu belüften. Gerade die Modellbeständigkeit ab 1991 machte die 900er-Supersport zu einem beliebten Motorrad. In jenem Jahr wurde dem vollverkleideten Modell die technisch baugleiche Nuda mit Halbschale zur Seite gestellt, die sich ebenfalls gut verkaufte. Für Sportfreaks gab es von 1991 bis 1996 die Superlight (900 SL, Typ SC3) mit Features wie Einmann-Höcker oder einer hochgezogenen Auspuffanlage. Die Final Edition (900 FE), die technisch der SL glich und sich in silberner Lackierung präsentierte, beendete die Modellreihe der Vergaser-Supersport. 1998 kam parallel zur FE das Einspritzermodell 900 SS i.e. Carenata auf den Markt und schlug ein neues Kapitel in der Modellgeschichte auf.
Modellübersicht
* **1990:** Die Modelle des ersten Baujahrs 1990 werden schon zum Jahresende 1989 verkauft. Die ersten Ducati 900 Supersport sind mit Weber-Doppelvergasern, einer Marelli-Digiplex-Zündung und Federelementen von Marzocchi bestückt* **1991:** Gabel und Federbein (Showa) sowie Zündung (Kokusan) und 38er-Vergaser (Mikuni) stammen nun aus Japan. Kupplung verbessert. Weißer statt roter Rahmen. Verkleidung jetzt komplett rot* **1992:** Abdeckung für Soziusplatz, schwarze Räder* **1993:** Lichtmaschine mit mehr Leistung, goldene statt schwarze Bremszangen mit unterschiedlichen Kolben-Durchmessern. Rahmen jetzt silberfarben und mit Klarlack überzogen, für das Modell 1994 werden die Felgen in Rahmenfarbe lackiert* **1995:** Rahmenfarbe Mattbronze* **1996:** Neues Cockpit mit Öl-Temperaturanzeige* **1997:** Externe Armaturen, Seitenverkleidung mit Aussparungen zur Belüftung des stehenden Zylinders, Bremsmomentabstützung am Rahmen* **1998:** Mit der »Final Edition« endet die Vergaser-Modellreihe der 900 SS
Technische Daten (Typ SC2, Baujahr 1995)
* **Motor:** Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor* **Hubraum:** 904 cm3* **Leistung:** 57 kW (78 PS) bei 7300/min* **Vergaser:** Mikuni-Gleichdruckvergaser, Ø 38 mm* **Getriebe:** Sechsganggetriebe* **Gewicht vollgetankt:** 199 kg* **Tankinhalt/Reserve:** 17,5 Liter* **Höchstgeschwindigkeit:** 213 km/h
Marktsituation und Preise
Der Gebrauchthandel mit Ducati 900 SS spielt sich hauptsächlich auf dem Privatmarkt ab. Für Händler sind ältere Fahrzeuge aus Gründen der Gewährleistungspflicht weniger interessant. Ausnahmen bilden Vertragshändler, die beim Kauf einer Neumaschine vom Kunden die Gebrauchte in Zahlung nehmen vorzugsweise, wenn ihnen das Fahrzeug durch vorherige Inspektionen bekannt ist. Diese Maschinen werden auch gerne über Internet-Marktplätze wie www.mobile.de oder www.motoscout24.de offeriert.Generell gilt: Der Preis richtet sich weniger nach Baujahr und Kilometerleistung, sondern nach Pflegezustand und dem Abnutzungsgrad von Wartungs- und Verschleißteilen. Für die Final Edition, die 1998 neu für rund 10000 Euro im Laden stand, heißt die Empfehlung aus der Schwacke-Liste: maximal 5000 Euro bei einer Laufleistung von gut 57000 Kilometern lief das Motorrad jedoch nur 25000 Kilometer, dürften theoretisch 6000 Euro verlangt werden. Praktisch liegt die preisliche Obergrenze tatsächlich bei zirka 6000 Euro, dafür sollte allerdings ein absoluter Top-Zustand und eine Laufleistung um die 10000 Kilometer geboten werden.Wer weniger Geld anlegen will: Ab 3000 Euro ist man in der Ducati-Supersport-900-Klasse dabei, von privat sind unter Umständen Schnäppchen ab 2500 Euro zu finden. Typisch sind dann Laufleistungen zwischen 30000 und 40000 Kilometern und Baujahre vor 1996. Gut gepflegte Exemplare aus erster oder zweiter Hand schlagen mit rund 3500 bis 4000 Euro zu Buche. Die ersten Modelle von 1990 sind absolut selten und spielen auf dem Gebrauchtmarkt keine Rolle. Ebenso Fahrzeuge mit sehr hohen Laufleistungen, sie befinden sich häufig noch in der Hand vom Erstbesitzer. Die Nuda liegt auf ähnlichem Preisniveau wie ihre vollverkleidete Schwester, das Modell Superlight wird selten offeriert, und wenn, dann als Liebhaberstück.
Worauf Sie beim Gebrauchtkauf achten sollten
Beim Privatverkauf mit dem Verkäufer unbedingt eine Probefahrt vereinbaren und sich ausreichend Zeit für die Besichtigung erbitten. Zumindest sollte es möglich sein, die Verkleidung und Zahnriemenabdeckung zu demontieren, um einen Blick auf den Zahnriemen zu werfen. Die 900er ist mit der desmodromischen Ventilführung ein technischer Leckerbissen, der aber Aufmerksamkeit und penible Wartung verlangt.Vorausgesetzt, alle Service-Intervalle werden eingehalten, macht das Motorrad weniger Stress, als manch Vorurteil gegenüber italienischer Technik glauben lässt. Die Zahnriemen dürfen nicht mehr als 20000 Kilometer in Aktion gewesen sein. Vorsicht bei Maschinen, die länger stillgelegt waren: Die Zahnriemen sollten dann unabhängig von der Laufleistung gewechselt werden, denn sie könnten während der Standzeit porös geworden sein. Die gekapselten Lager der Spannrollen gehören nach spätestens 40000 Kilometern getauscht.Die Ventile werden auf 44-39, 45-39 oder 44-38 bzw. 45-38 umgearbeitet. Je nach Charakterwunsch des Motors. 45-39 und 44-39 werden für SS Typen mit Breitband Charakter verwendet und 45-38 bzw. 44-38 für Monster Typen mit mehr Drehmoment Wünschen. Diese Stufen sind die eigentliche Voraussetzung für Leistung, die bekanntlich bei jedem 4-Takter in den Köpfen steckt.Überhaupt, die Ventil-Steuerung benötigt regelmäßige Aufmerksamkeit, sonst könnten kapitale Schäden und entsprechend hohe Kosten die Folgen sein. Wer kein absolut versierter Schrauber ist, sollte die Wartungsarbeiten allerdings einer Fachwerkstatt überlassen. Auch wenn die regelmäßige Fürsorge durch Profis kostspielig ist, die 900 SS wirds danken und dem Besitzer dieser nicht alltäg- lichen Maschine noch lange Freude bereiten.
Tuning-Optionen
* Dynojet Kits: Stage 1 und Stage 2, je nach Ausstattung was an Auspuff montiert ist.* Keihin Vergaserkit: in 39 oder 41mm.* Hubraumerweiterung: auf 944 oder 985 ccm
| Tuning Maßnahme | Leistungszuwachs |
| Dynojet Kit Stage 2 | ca. 3 PS und 5 Nm |
| Keihin Vergaserkit | ca. 5 PS und ca. 10 Nm |
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