Ende November 2024 präsentierte Ducati die neuen Streetfighter V4 und V4 S für 2025. Bei der Ducati Streetfighter V4 handelt es sich technisch um die Panigale V4 mit breitem Lenker und weniger Verkleidung. Auffälligste Änderung ist die neue, zweiarmige Hinterradschwinge. Doch das aktuell stärkste Naked Bike mit dem extremen Leistung-Gewicht-Verhältnis (1,13 PS pro kg) übernimmt noch mehr neue Hardware-Details und Elektronik-Funktionen von der ebenfalls für 2025 erneuerten Ducati Panigale V4.
Technische Details und Neuerungen
Insgesamt ist das Aluminium-Chassis der neuen Ducati Streetfighter V4 mit dem um rund ein Kilo leichteren Frontrahmen nahezu identisch mit dem der neuen Ducati Panigale V4. Lediglich der Lenkkopfwinkel ist hier um 0,5 Grad weniger steil (65,5 Grad) sowie der Nachlauf 1 mm länger. Zudem erzeugen die neuen Doppeldecker-Winglets angeblich noch mehr Anpressdruck (Downforce) als bisher an der Front.
Motor und Leistung
Von bisher 208 PS steigt die Nennleistung der Ducati Streetfighter V4 auf 214 PS (157,5 kW) bei 13.500/min. Das maximale Drehmoment geht geringfügig zurück, von bisher 123 Nm bei 9.500/min auf 120 Nm bei 11.250/min - das lässt eine noch spitzere Leistungsentfaltung erwarten. Dabei hat der Desmosedici Stradale genannte Motor nach wie vor 1.103 Kubik und 16 desmodromisch gesteuerte Ventile. Lediglich 2 PS beträgt der kleine Respektabstand zur neuen Ducati Panigale V4 (216 PS).
Fahrwerk und Bremsen
Obendrein bekommt die neue Ducati Streetfighter V4 S die neueste Version der elektronisch geregelten Fahrwerkskomponenten von Öhlins (Gabel-Typ NIX 30, Federbein-Typ TTX 36 und Lenkungsdämpfer mit Öhlins Smart EC 3.0). Bei der Streetfighter V4 ohne S kommen eine Big-Piston-Upside-down-Gabel von Showa sowie Federbein und Lenkungsdämpfer von Sachs zum Einsatz. Weitere Updates und Upgrades für die neue Ducati Streetfighter V4 sind die neuen Hypure-Bremszangen von Brembo sowie das neue, in Zusammenarbeit mit Bosch entwickelte Race eCBS.
Gewicht und Display
Mit geschmiedeten Aluminium-Rädern und Lithium-Ionen-Batterie ist die neue Ducati Streetfighter V4 S nach Werksangaben 2 Kilogramm leichter als die Streetfighter V4 ohne S: 189 zu 191 Kilogramm, jeweils ohne Sprit im 16-Liter-Alu-Tank. Beide bekommen das neue TFT-Display mit 6,9 Zoll Diagonale und Seitenverhältnis 8:3.
Preise und Verfügbarkeit
Die neuen Ducati Streetfighter V4 und Streetfighter V4 S sollen ab März 2025 im Handel verfügbar sein. Preise nennt Ducati bereits: ab 24.990 Euro, V4 S ab 27.990 Euro.
Fahrbericht und Fahreigenschaften
Auch wenn man bei dem neuen V4 Streetfighter stark auf die Panigale aufgebaut hat, ist es nicht so einfach, die Fahreigenschaften des Superbikes übernehmen zu können. Die anderen Bedingungen wie breiter Lenker, aufrechte Sitzposition und kein Windschutz erzeugen fahrdynamisch ganz andere Fahrzustände im Vergleich zum Supersportbereich. Am meisten beeindruckt dabei das extrem stabile Fahrverhalten selbst bei sehr hohen Geschwindigkeiten. Es gibt nicht viele Naked Bikes, die jenseits der 250km/h beruhigt geradeaus laufen. Auch die neue Rahmenkonstruktion und neue Schwinge mit deutlich mehr Flex trägt hier massiv zur Beruhigung des Bikes um die Hochachse bei.
Ergonomie und Komfort
Obwohl der flache Lenker den Fahrer deutlich über den Tank spannt, ist die Position während der Fahrt nicht unangenehm. Im Gegenteil, die leicht vorgebeugte Haltung passt zum angriffslustigen Charakter der Streetfighter. Auch das semi-aktive Fahrwerk von Öhlins verdient höchstes Lob. Je nach Modus reagiert es unterschiedlich hart und ist dennoch ausreichend sensibel, es unterstützt den Fahrer in seinem Vorhaben jederzeit bestens.
Leistungsentfaltung und Beschleunigung
Was bei den gebotenen Fahrleistungen auch dringend geboten ist: Von null auf hundert km/h beschleunigt das rote Biest in 3,3 Sekunden. Viel interessanter sind die brachialen Durchzugswerte, von 100 auf 140 km/h benötigt die Streetfighter V4 S nur 2,9 Sekunden im letzten Gang. Das maximale Drehmoment von 123 Nm bei 11.500/min wird in den ersten vier Gängen vom Steuergerät etwas gekappt, nur in den letzten beiden Gängen steht die volle Kraft parat. Die Art der Leistungsentwicklung ist schwer in Worte zu fassen, es drückt dich wie vom Gummiband katapultiert unfassbar schnell nach vorne, Überholmanöver vollziehen sich im Zeitraffertempo.
Elektronische Assistenzsysteme
Überwacht vom Ducati Vehicle Observer (DVO) sind die elektronischen Assistenzsysteme umfassend auf dem neuesten Stand der Technik. Lediglich Radar und Abstandstempomat fehlen noch, würden zu einem Streetfighter aber nicht so recht passen. Den Modus „Race“ sollte man wirklich nur auf der Rennstrecke anwählen, denn hier steht der Wheelie-Verhüter auf der niedrigsten Stufe und die Streetfighter V4 S hebt beim heftigen Beschleunigen gerne das Vorderrad. Das ABS ist auf 2 heruntergeregelt, so dass der Hinterreifen beim harten Bremsen schon mal in der Luft schwebt, die Slide-Control auf 2 ermöglicht versierten Piloten kontrollierte Drifts.
Verbrauch
Über eines sollte sich der Streetfighter-V4-S-Besitzer im klaren sein: Sparsamkeit ist nicht ihr Ding, egal in welchem Modus. Der Verbrauch pendelt sich im Schnitt bei 5,9 Liter auf 100 Kilometer ein, kann aber Richtung sieben Liter ausschlagen. Da zieht es den 16-Liter-Tank schon rasch leer. Kurioserweise kann im TFT-Display zwar eine Flut an Informationen abgerufen werden, eine Reichweitenanzeige ist aber nicht dabei.
Auspuffanlagen und Sound
Nebenbei erwähnt Ducati ein "gedämpfteres Auspuffgeräusch", somit dürfte die neue Streetfighter V4 etwas weniger lautstark auftreten. Allerdings wird auch diskutiert, ob Zubehör-Auspuffanlagen wie von Akrapovic, SC Project oder Termignoni den Sound verbessern können. Viele Fahrer suchen nach einem ansprechenderen Sound, wobei die Meinungen über die beste Option auseinandergehen.
Einige Fahrer bemängeln die Lautstärke der serienmäßigen Auspuffanlage und wünschen sich leisere Alternativen. Andere wiederum bevorzugen den aggressiven Klang und suchen nach Möglichkeiten, diesen noch zu verstärken. Die Wahl der Auspuffanlage hängt stark von den persönlichen Vorlieben ab.
Diskussionen über Auspuffanlagen zeigen, dass der Sound ein wichtiger Aspekt für viele Ducati-Fahrer ist. Ob es sich um den serienmäßigen Klang oder eine Zubehöranlage handelt, der Sound trägt maßgeblich zum Fahrerlebnis bei.
Zubehör und Individualisierung
Dennoch bietet Ducati im Zubehör reichlich Extras an: Wem die Leistung tatsächlich nicht genügen sollte, kann einen Akrapovic-Endschalldämpfer für die Kleinigkeit von 4855,20 Euro ordern, der die Leistung auf 220 PS anhebt und sechs Kilogramm Gewicht spart. Ultraleichte Magnesiumfelgen kosten 4733,82 Euro. Eine einstellbare Alu-Fußrastenanlage schlägt mit 1249,50 Euro zu Buche, die Trockenkupplung mit 3155,88 Euro.
Vielleicht wäre es aber am sinnvollsten, wenn Ducati zum ersten Mal in seiner Firmengeschichte im Zubehör einen Auspuff anbieten würde, der nicht lauter, sondern leiser als die Serie ist. Meine Bitte an den Hersteller: Ihr habt mit der Streetfighter V4 S ein wunderbares Motorrad geschaffen mit dem vielleicht besten Motor der Firmengeschichte, einem superben Fahrwerk und einer atemberaubenden Optik - und dann stattet Ihr es mit einem peinlichen Brüllrohr aus. Die Streetfighter V4 S ist mit 106 Dezibel schlicht inakzeptabel. Ein guter Sound hat nichts mit der Lautstärke zu tun.
Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Nennleistung | 214 PS (157,5 kW) bei 13.500/min |
| Maximales Drehmoment | 120 Nm bei 11.250/min |
| Trockengewicht (V4 S) | 189 kg |
| Tankinhalt | 16 Liter |
| Preis (ab) | 24.990 Euro (V4), 27.990 Euro (V4 S) |
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