Design und Ausstattung
Ihr modernisiertes Facelift verleiht der 950er mehr Dynamik sowie eine stärkere Ähnlichkeit zur Panigale V4. Augenscheinlichstes Upgrade ist die neue Front mit Full-LED Scheinwerfern, bei der Abblendlicht, Fernlicht und Tagfahrlicht symmetrisch angeordnet wurden und in Kombination mit neu gestalteten Aerofinnen und Lufteinlässen für einen maskulineren Auftritt sorgen. Zudem soll der hindurchgeleitete Luftstrom eine effizientere Kühlung des Motors und der Fahrerbeine bedingen. Zu diesem Zweck erhielt die Seitenverkleidung adaptierte Luftauslässe und einen höheren, sportlicheren Shape.Linientreu: die SuperSport 950 (hier als S mit rotem Farbklecks auf den Felgen).Die SuperSport 950 S soll unterhalb der extremen Panigale-Modelle den harmonischen Sporttourer geben. Dazu fassen sich an den Händen: ein schlanker, fahrbereit 210 Kilogramm leichter Sporttourer mit teuflisch rot aus der Verkleidung herausblitzendem Gitterrohr-Grundrahmen, gewaltige 320-Millimeter-Bremsscheiben, feinfühlige, gold-eloxierte Federelemente von Öhlins und ein potenter V2.
Die Unterschiede zwischen der S und der Standard sind schnell aufgezählt: Die S kommt mit Öhlins-Fahrwerk und Soziussitzabdeckung - das war es schon. Es gibt allerdings noch einen weiteren, klitzekleinen Unterschied: Nur die S ist in Schneeweiß erhältlich. Anders als bei der neuen Monster hat Ducati bei der SuperSport 950 noch viele Dinge so belassen, wie es eigentlich typisch für eine Duc ist: Gitterrohrrahmen vorne, Einarmschwinge, 3-fach Y-Felge, ziemlich laute Doppeltröte und natürlich der L-V2 mit desmodromischer Ventilsteuerung.
Ergonomie und Komfort
Aufgrund der eher niedrigen Sitzhöhe (810 mm) und des angenehm hohen und breiten Lenkers fühlt man sich wunderbar ins Motorrad integriert. Die Oberschenkel ließen sich entspannt am superschmalen Tank anlegen und der Hintern fand auf der ergonomisch geformten Sitzbank sofort seinen Platz. Sportlicher waren hingegen die Fußrasten positioniert - ausreichend hoch für gute Bodenfreiheit und weit genug hinten für mächtig viel Druck beim Anrauchen. Sogar das kleine und höhenverstellbare Windschild bot einen passablen Windschutz. Sportlich und doch alltagstauglich.
Statt von einer Sitzmulde wie bei der Vorgängerin, darf man bei der neuen Ducati SuperSport 950 S von einer Sitzbank sprechen und nach Lust und Laune darauf herumturnen - man findet immer die richtige Sitzposition. Ebenfalls komfortabel: die neue hydraulische Kupplung inklusive radialer Pumpe. Denn nun lässt sich nicht nur leichter per Hand damit spielen, die Gänge flutschen auch wesentlich besser.
Kantige Bank stützt unerwartet bequem. Für kleinere Fahrer hält das Zubehör-Sortiment eine drei Zentimeter flache, gepolsterte Auflage bereit.Motor und Leistung
In diesem "Testastretta 11°" genannten Block der neuen SuperSport verbünden sich Desmodromik, der Zahnriementrieb und Ride-by-Wire-gesteuerte Drosselklappen zu einem omnipräsenten Zuckerstückchen in Sachen Maschinenbau. Die Kraft sickert geradezu vulgär bereitwillig ins Sechsganggetriebe. Das 937-Kubik-Aggregat packt bereits bei knapp über 3000 Touren grantig zu und dreht dann emsig bis zur roten Marke. Sowohl rauf als auch runter lassen sich die Gänge dank Schaltautomat ohne Griff zur Kupplung durchmischen. Allerdings verlangt die 950 nach einem saftigen Tritt beim Herunterschalten.
Auf Wunsch liefert Ducati die 950er in einer gedrosselten 48-PS-Variante für den A2-Führerschein aus. Normal stehen 110 Pferde parat - und was für welche. Wie auch beim Vorgänger schlägt in der Supersport 950 das Herz des 937 ccm großen Ducati Testastretta 11°-Zweizylindermotors. Trotz Umstellung auf Euro5, weshalb Modifikationen am Auspuffsystem und an der Motorsteuerung notwendig waren, blieb seine Leistung mit 110 PS bei 9.000 U/min und 93 Nm bei 6.500 U/min auf dem gleichen Niveau, das Standgeräusch konnte hingegen auf sozialverträgliche 93 dB(A) homologiert werden.
Fahrverhalten und Handling
Auf der Rundstrecke fühlt sich die SuperSport so richtig wohl. Der Fahrer auch. Die Mischung aus erstklassigem Fahrwerk, brutalem Biss an der Bremse und den auf der Testmaschine montierten Pirelli Diablo Supercorsa V3 schaffen bereits nach einer Achtelrunde enormes Vertrauen. Den Rest regelt die Elektronik.
Spielerisch ließ sich die Kleine von einer Kurve in die nächste werfen und die ausgezeichnete Elektronik lud förmlich dazu ein, beim Herausbeschleunigen den Gashahn digital aufzudrehen. In langen Radien vermittelte die 950er viel Vertrauen und fuhr wie auf sprichwörtlichen Schienen. Selbst schlechter Asphalt vermochte sie nicht aus der Ruhe zu bringen.
Ducati propagiert die Supersport als eierlegende Wollmilchsau mit der Pendeln, lange Touren und sportliche Feierabendrunden genausoviel Spaß machen sollen wie gelegentliche Trackdays - und wir glauben es ihnen, denn das Bike steht mit dem aus der früheren Monster entlehnten Gitterrohrrahmen, welcher den Motor als mittragendes Element in Kombination mit einer eleganten Einarmschwinge aus Aluminium integriert, auf einer technisch soliden Basis.
Elektronische Assistenzsysteme
Die leistungsstarke Sensoreinheit misst permanent die Rollrate, Gierrate, Längs-, Quer- sowie Vertikalbeschleunigung des Motorrads und übermittelt diese Werte der Motorsteuerung. Ab sofort verfügen beide Modelle serienmäßig über Bosch Kurven ABS, Ducati Traction Control (DTC) EVO, Ducati Wheelie Control (DWC) EVO und Ducati Quick Shift (DQS) Up/Down EVO.
In der Praxis bedeutet das: Die elektronische Eingreiftruppe verhindert beim Beschleunigen ein aufsteigendes Vorderrad, beim Anbremsen von Kurven Rauchfahnen am Reifen und beim energischen Runterschalten entstehende Unruhe am Hinterrad.
Die Menüführung über das 4,3-Zoll-Display ist spielerisch und als besonderes Goodie kann man bei allen Fahrmodi die Motordynamik von "volle Lotte" bis "moderate Performance" beeinflussen.
Fahrmodi
- Sport: Im Sport Riding Mode kann die Supersport 950 ihr gesamtes Potenzial abrufen.
- Touring: Der Touring Riding Mode stellt die beste Balance zwischen Performance und Komfort. Der Motor leistet die vollen 110 PS bei progressivem Ansprechverhalten des Ride-by-Wire-Systems.
- Urban: Der Urban Riding Mode eignet sich für rutschige Straßenverhältnisse. Die Motorleistung ist auf 75 PS begrenzt bei progressiver Ride-by-Wire-Aktivität.
Technische Daten und Preis
Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten technischen Daten der Ducati SuperSport 950 und 950 S:
| Merkmal | SuperSport 950 | SuperSport 950 S |
|---|---|---|
| Motor | Testastretta 11 °, L-Twin-Zylinder, 4 Ventile pro Zylinder, Desmodromik, flüssigkeitsgekühlt | Testastretta 11 °, L-Twin-Zylinder, 4 Ventile pro Zylinder, Desmodromik, flüssigkeitsgekühlt |
| Hubraum | 937 cm³ | 937 cm³ |
| Leistung | 81 kW (110 PS) bei 9.000 U/min | 81 kW (110 PS) bei 9.000 U/min |
| Drehmoment | 93 Nm bei 6.500 U/min | 93 Nm bei 6.500 U/min |
| Vorderradaufhängung | Voll einstellbare 43 mm USD Marzocchi Gabel | Voll einstellbare 48 mm USD Öhlins Gabel mit TiN-Behandlung |
| Hinterradfederung | Progressive Link mit einstellbarem Sachs-Monoshock. Einseitige Aluminiumschwinge | Progressive Link mit voll einstellbarem Öhlins Monoshock. Einseitige Aluminiumschwinge |
| Vorderbremse | 2x320 mm halbschwimmende Scheiben, radial montierte Monoblock Brembo M4-32 Bremssättel, 4-Kolben, Radialpumpe mit Bosch Cornering ABS. Selbstentlüftender Hauptzylinder | 3x320 mm halbschwimmende Scheiben, radial montierte Monoblock Brembo M4-32 Bremssättel, 4-Kolben, Radialpumpe mit Bosch Cornering ABS. |
Die Preise der Supersport 950 (rot) bzw. Supersport 950 S (rot oder weiß) belaufen sich in Österreich auf 16.695 bzw. 18.595 Euro und in Deutschland auf 13.390 bzw. 15.890 Euro.
Geschichte der Ducati SuperSport
Die Geschichte der Ducati Supersport reicht bis 1972 zurück, als die beiden Rennfahrer Paul Smart und Bruno Spaggiari auf Prototypen beim 200 Miglia, dem legendären 320 km langen Motorradrennen in Imola, einen Ducati-Doppelsieg feierten. Schon zwei Jahre danach brachten die Italiener ihre erste Supersport-Serienmaschine auf den Markt, welche als kompromissloses Renngerät nur die minimalsten Anforderungen für eine Straßenverkehrszulassung erfüllte. Nach einem langen Entwicklungsweg zur Alltagstauglichkeit folgten von 1991 bis 1998 unter der Bezeichnung Ducati 900 SS die wohl bekanntesten und erfolgreichsten Supersport-Varianten mit Vollverkleidung (Carenata) und Halbschale (Nuda). Die moderne Optik in Verbindung mit guten Fahrleistungen und hohem Komfort in puncto Sitzposition, Fahrwerk und Windschutz führten dazu, dass sich die 78 PS-starken Luft-/ölgekühlten V2-Modelle zu echten Verkaufsschlagern entwickelten.
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