Schön sportlich oder sportlich schön? Als Ducati Ende 2020 aber die ersten Bilder der neuen SuperSport 950 veröffentlichte, wurde mir plötzlich warm ums Herz.
Das deutlich überarbeitete Design und vor allem die edle SuperSport 950 S im schicken metallic-weiß hatten es mit sofort angetan. Ob das Update auch im Fahrbetrieb mein Blut in Wallung bringen würde?
In den vergangenen fünf Jahren hat sich aber vor allem im Hause Ducati viel getan und mit der Panigale V4 erblickte in der Zwischenzeit eine neue Stil-Ikone das Licht der Welt. Und der Optiktransfer ist mehr als gelungen.
Design und Ergonomie
Nimmt man auf der Neuen Platz, gibt sich die SuperSport 950 aber deutlich weniger sportlich als erwartet. Das, dank roter Nähte, sehr schicke Sitzpolster befindet sich nämlich, wie bei der Vorgängerin, in einer moderaten Höhe von lediglich 810 Millimeter und auch die geschmiedeten Lenkerstummel platzieren die Hände immer noch sehr entspannt.
Dieser Eindruck setzt sich dann auch auf den ersten Metern im Sattel fort. Die Hülle der SuperSport wurde zwar in Richtung sportlich überarbeitet und die neue Endung 950 suggeriert einen Zuwachs an Performance, unter dem schicken Plastikkleid hat sich technisch aber nur wenig getan.
Wie bei der Vorgängerin setzt Ducati beim 2021er Modell weiterhin auf einen Gitterohrrahmen, der den Motor als tragendes Element integriert und über die Zylinderköpfe mit dem Aggregat verschraubt ist. Auch beim Chassis ist fast alles beim Alten.
Elektronik und Fahrverhalten
In der neuen 950 kommen mit den Evo-Varianten der Ducati Traktionskontrolle (DTC), der Wheelie Kontrolle (DWC) und des Ducati Quickshifters nicht nur die neuesten Versionen der Ducati Assistenzsysteme zum Einsatz, die SuperSport besitzt seit diesem Jahr auch ein Kurven-ABS, welches wie alle elektronischen Helferlein durch eine 6-Achsen-IMU aus dem Hause Bosch mit Daten versorgt wird.
Hier sind wir auch wieder beim Thema Komfort. Wie die Ergonomie sind auch die Grundeinstellungen der Riding Modes eher auf der entspannten Seite ausgelegt, was sich schon kurz nach dem Anrollen bemerkbar macht, wenn man im Modus „TOURING“ seine Fahrt beginnt.
Das Ansprechverhalten wirkt in dieser Einstellung beim Anfahren und nach dem Gangwechsel leicht verzögert und auch die Gasanahme zeigt sich nicht linear. Das fällt besonders auf, wenn man direkt von einem sportlichen Motorrad mit sehr direkter Gasannahme auf die SuperSport wechselt.
Ducati bezeichnet diese Einstellung als „progressives Ansprechverhalten des Ride-by-Wire-Systems“. Der Einstieg in die Elektronik der Ducati gelingt glücklicherweise schneller als gedacht.
Das liegt zum einen am schicken und sehr gut ablesbaren 4,3 Zoll TFT-Farbdisplay. Die Schaltzentrale sieht aber nicht nur gut aus - sie lässt sich auch recht intuitiv bedienen.
Nach wenigen Versuchen findet man sich im Menü gut zurecht, wählt den Modus SPORT und kann im Untermenü auch noch die Assistenzsysteme nach den persönlichen Vorlieben feinjustieren. In meinem Fall bedeutet das: ABS in den Trackmodus (nur am Vorderrad aktiv), Traktionskontrolle auf Stufe 4 (man weiß ja nie) und Wheeliekontrolle aus.
Wer jetzt vor lauter Vorfreude auf die kommende Tour noch vor Fahrtantritt das E-Gas aufreißt, erlebt eine gehörige Überraschung. Denn Drehzahlorgeln erlaubt die Duc im geparkten Zustand nicht und unterbindet akustische Emotionsausbrüche bei 3.000 Touren durch einen elektronischen Begrenzer.
Viel unterhaltsamer als die Trockenübungen am Straßenrand sind auf der SuperSport 950 S aber sowieso die gefahrenen Kilometer. Ein Hauptgrund ist die tolle Landstraßenergonomie, die die eigentlich gegensätzlichen Attribute „entspannt“ und „sportlich“ erstaunlich gut zu kombinieren vermag.
Man fühlt sich sofort pudelwohl auf der Duc, die kleine und höhenverstellbare Scheibe bietet formidablen Windschutz und trotz der recht hohen und breiten Lenkerenden spürt man noch eine intensive Verbindung zur Front, die viel Vertrauen schafft und zur zügigen Gangart motiviert.
Dabei platziert die SuperSport ihre Piloten hinter dem recht hohen Tank und mit der niedrigen Sitzbank etwas passiv im Motorrad.
Motor und Leistung
Als agil - oder besser - drehfreudig ist auch der Motor zu bezeichnen, der bei der zügigen Runde fröhlich Richtung Begrenzer jubelt. Etwas Drehzahl braucht er aber auch.
Ducati gibt zwar an, dass bereits ab 3.500 Umdrehungen 80 Prozent des maximalen Drehmoments von 93 Newtonmeter (bei 6.500 U/min) zur Verfügung stehen. Für den sportlichen Ritt von Kurve zu Kurve sollte sich der digitale Drehzahlmesser aber immer im Bereich oberhalb von 5.500 Touren bewegen.
Darunter zeigt sich das Aggregat der Duc mit seinen angenehmen Vibrationen zwar kultiviert, dürfte aber gern etwas forscher zur Sache gehen. Bei der 950 S ist das auch in beachtlicher Schräglage kein Problem.
Zeigt sich die SuperSport trotz ihrer 210 Kilogramm überraschend handlich, ist ihre Stabilität ihre eigentliche Stärke. Das vermittelt beim Kurvenfahren noch mal eine Extraportion Vertrauen.
Dabei macht es auf der „S“ keinen großen Unterschied, ob man gerade auf Asphalt der Güteklasse Baby-Popo rollt, oder auf einer frostgeschädigten Kreisstraße unterwegs ist. Das gilt auch für die Bremsanlage.
Während das Öhlins-Fahrwerk der S-Variante vorbehalten ist - die Standard-950 wird mit Marzocchi Gabel und Sachs-Federbein ausgeliefert - spendiert Ducati beiden Versionen eine Brembo-Bremsanlage mit M4-32 Sätteln, die mächtige 320er Scheiben in die Zange nehmen und sich bei geringer Handkraft hervorragend dosieren lassen.
SuperSport vs. Konkurrenz
Wenn es um Sportmotorräder geht, stehen die Ducati Supersport 950 S und die Suzuki GSX-8R ganz oben auf der Liste. Beide Maschinen bieten aufregende Fahrdynamik und sind für unterschiedliche Fahrertypen konzipiert.
Die Ducati Supersport 950 S besticht durch ihr elegantes und sportliches Design. Die Linienführung ist dynamisch und vermittelt sofort den Eindruck von Geschwindigkeit.
Im Vergleich dazu hat die Suzuki GSX-8R ein aggressiveres Design, das die Rennsportgene der Marke unterstreicht. In Sachen Leistung bietet die Ducati Supersport 950 S einen kraftvollen Motor, der sowohl im Stadtverkehr als auch auf der Autobahn überzeugt.
Die Beschleunigung ist beeindruckend und das Drehmoment sorgt für ein aufregendes Fahrerlebnis. Die Suzuki GSX-8R hat einen etwas anderen Ansatz. Sie bietet eine hohe Spitzenleistung und ist ideal für Fahrerinnen und Fahrer, die ihre Grenzen auf der Rennstrecke ausloten wollen.
Das Handling ist ein entscheidender Faktor bei Sportmotorrädern. Die Ducati Supersport 950 S bietet ein präzises und agiles Fahrverhalten. Sie lässt sich leicht durch Kurven lenken und vermittelt ein hohes Maß an Vertrauen.
Im Gegensatz dazu ist die Suzuki GSX-8R auf maximale Leistung ausgelegt. Das Handling ist sehr direkt, was besonders auf der Rennstrecke zur Geltung kommt.
Die Ducati Supersport 950 S verfügt über ein fortschrittliches Display mit vielen Funktionen, darunter verschiedene Fahrmodi, die an unterschiedliche Bedingungen angepasst werden können.
Die Ducati Supersport 950 S ist in der Regel teurer als die Suzuki GSX-8R, was sich in der hochwertigen Verarbeitung und den exklusiven Materialien widerspiegelt.
Technische Daten: SuperSport 950 vs. SuperSport 950 S
| Merkmal | SuperSport 950 | SuperSport 950 S |
|---|---|---|
| Motor | Testastretta 11 °, L-Twin-Zylinder, 4 Ventile pro Zylinder, Desmodromik, flüssigkeitsgekühlt | Testastretta 11 °, L-Twin-Zylinder, 4 Ventile pro Zylinder, Desmodromik, flüssigkeitsgekühlt |
| Hubraum | 937 cm³ | 937 cm³ |
| Leistung | 81 kW (110 PS) bei 9.000 U / min | 81 kW (110 PS) bei 9.000 U / min |
| Drehmoment | 93 Nm bei 6.500 U / min | 93 Nm bei 6.500 U / min |
| Vorderradaufhängung | Voll einstellbare 43 mm USD Marzocchi Gabel | Voll einstellbare 48 mm USD Öhlins Gabel mit TiN-Behandlung |
| Hinterradfederung | Progressive Link mit einstellbarem Sachs-Monoschock. Einseitige Aluminiumschwinge | Progressive Link mit voll einstellbarem Öhlins Monoschock. Einseitige Aluminiumschwinge |
| Getriebeart | 6-Gang mit Ducati Quick Shift (DQS) EVO nach oben / unten | 6-Gang mit Ducati Quick Shift (DQS) EVO nach oben / unten |
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