Ducati Ventilspiel prüfen: Eine detaillierte Anleitung

Die regelmäßige Überprüfung und Einstellung des Ventilspiels ist entscheidend für die Lebensdauer und Leistung eines Ducati-Motors. Dieser Artikel bietet eine umfassende Anleitung, die sowohl für erfahrene Schrauber als auch für Neulinge nützliche Informationen enthält.

Wartungsintervalle und Empfehlungen

Ducati hat mittlerweile einen Service Intervall von 12 000 km. Dies ist gegenüber früher, als man alle 5 000 in die Werkstatt musste bereits sehr viel. Was im Handbuch steht, ist ja wahrscheinlich der offizielle Wartungsplan von Ducati. Ventile also alle 12000 und nicht 24000 wie es Dir jemand gesagt hat. Zahnriemen muß laut Ducati alle 24000 bzw 2 Jahre (nix 3) und genau da gibt es Differenzen bei den Händlern.

Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, wann die Zahnriemen gewechselt werden sollten. Mein Schrauber sagt 24000 und nicht schon nach 2 Jahren, wenn das Moped z.B. nur 8000 km nach 2 Jahren runter hat. Wir haben z.B. eine 1098, die ist Modell 2007 aber erst 2008 zugelassen worden. Die hätte dann in 2009 nach weniger als 10000 km laut Plan neue Zahnriemen gebraucht. Da die Dinger aber mehr durch Gebrauch verschleißen als altern (sagt unser Schrauber) gabs keine neuen Riemen.

Du kannst jetzt entweder garnichts machen, denn Ventile haben noch 3000 km Zeit. Ich würde bis 12000 fahren und dann auf alle Fälle Ventile und eventuell Zahnriemen machen lassen, wenn die Kiste dann schon fast 3 Jahre alt ist. Aber statt Ventile vorzuziehen, würde ich mit dem Zahnriemen warten.

Auch nach 24000 km müßen nicht zwangsweise die Ventile eingestellt werden, vielmehr geht es um die Kontrolle und dann Einstellen nach Bedarf. Am Geräuch dürftest du nicht´s bemerken, der Ducatimotor hat generell laute mechanische Geräuche. Ein leichtes Ventilklappern bzw. tackern ist auf jedenfall besser als geräuschfrei. Wenn das Ventilspiel zu klein wird, würd ich mir ernsthafte Gedanken machen (Ventilsitze). Normalerweise wird das Spiel größer, was aber nicht unbedingt schädlich ist wenn´s im Toleranzbereich ist.

Toleranzwerte

Toleranz ist Öffner Ein- Auslass 0,15mm, Schließer Ein-Auslass 0,10mm. Also richtig viel. Wichtig ist besonders das der Schließer mindestens 0,05mm Spiel hat. Ich habe bisher immer selbst die Ventile kontrolliert, mußte aber erst nach mehr als 50000km das Spiel korrigieren. Das ist allerdings aufwändiger!

Je weniger in dieser Ventileinstellerei gemacht werden muss,desto besser!! Könnte man eventuell positive od. Hallo zusammen,würde mir gerne mal ein Bild davon machen,ob beim 24000er Kundendienst die Ventile nachgestellt werden mussten. Wenn ja,wäre die nächste Frage,ob vorher akustisch was wahrnehmbar war.(verstärktes Venielgeräusch/Klappern)Bin zwar kein sparsamer Schwabe ,überlege mir aber trotzdem beim bevorstehenden 24000er den Deckel drauf zu lassen,und mir dadurch einen grossen Anteil der Arbeitskosten zu sparen.

Wenn Du hier sparen willst, spielst Du mit der Lebensdauer Deines Motors! Dann rate ich Dir, lieber Sparsamkeit beim, wenn auch noch so sinnvollen, Zubehör zu üben! Wenn ich mich hier entscheiden müßte, würde ich lieber auf meine M*s verzichten, aber niemals auf diesem wichtigen Kundendienst! Es sei denn, Du willst Deine Diva in nächster Zeit verkaufen... !

Werkzeuge und Vorbereitung

Als erstes solltest Du Dir eine Schrauberanleitung besorgen (Buchelli-Verlag, original Werkstatthandbuch, oder Motorbuchverlag). Das wesentliche ist dort ganz gut beschrieben.

Benötigtes Werkzeug

  • Einen guten Satz Fühlerlehren mit 0,02 - 0,03 - 0,04 - 0,05 - 0,06 - 0,07 - 0,08 - 0,09 - 0,10 - 0,15. Noch besser wenn Du auch 0,11 - 0,12 - 0,13 - 0,14 bekommen kannst.
  • Zur Messung der Käppchen (Öffner) und Hülsen (Schließer der Desmodromik) benötigt man noch eine Mikrometerschraube als Meßwerkzeug, brauchbare sind ab 70 DM zu bekommen (Meßbereich 0,00 bis min 30,00 mm).
  • Zudem muß man sich noch ein Hilfsmeßwerkzeug basteln, ohne dieses Hilfswerkzeug mißt man an den Kehlen für die Halbringe der Schließerhülsen nur Mist. Halbringe mit Sekundenkleber ein. (Achtung: Kleberreste verfälschen Meßergebnis).
  • Man kann sich auch aus 10 mm Rundeisen einen Schaft drehen mit 8 mm und dreht die Wulst der Halbringe gleich mit an.
  • Ein langer 5 mm Innensechskantschlüssel mit dem Einschliff am langen Ende (kugeliges Ende) womit man auch die Innensechskantschrauben herausdrehen kann wenn das Werkzeug nicht senkrecht über der Schraube steht erleichtern dasAusschrauben der 16 Ventildeckelschrauben erheblich.
  • Ein 5 mm Einsteckbit aus einem Steckschlüsselsatz leistet auch gute Dienste um die Ventildeckelschrauben herauszudrehen.

Es ist besser das Spielmaß mit einer einzigen Lehre zu messen, da durch das übereinanderlegen von Lehren Meßfehler entstehen können (Ölfilm, Verschmutzungen, Korrosion, Knicke ect.). Man sollte das Messen schon mal an einem anderen Motorrad oder Auto geübt haben. Zur Messung müssen die Lehren "saugend" an der Meßstelle durchgezogen werden. Wenn Du das raus hast, weist Du was ich meine. Vielen Selbstschraubern fehlt es genau hier am Fingespitzengefühl.

Messvorgang und OT-Bestimmung

Das Ventilspiel wird bei Kolbenstellung am oberen Totpunkt OT im Verdichtungstakt gemessen, also beide Ventile geschlossen und das Auslaßventil öffnet als nächstes. Der Motor wird entweder mit eingelegtem Gang am Hinterrad durchgedreht oder besser mit einem Schlüssel direkt an der Kurbelwelle, dazu linke kleine Abdeckplatte an der Kurbelwelle abschrauben, längere 8 mm Schraube mit Kontermutter und Druckhülse in Kurbelwelle einschrauben, Kontermutter anziehen und Kurbelwelle an dieser Schraube drehen.

Den OT überprüft man mit einem stumpfen länglichen Gegenstand durch die Zündkerzenbohrung (z.B. umgedrehten Bleistift) oder besser mit einem OT-Prüfer („Zündkerzenuhr“ für Zweitakter zur Messung „mm vor OT“). haben ein Schauglas an der linken Motorseite durch das man einen Körnerpunkt auf der Schwungscheibe als zusätzliche Hilfe erkennt.

Wie man sich ausrechnet welches neue Käppchen besorgt werden muß setze ich mal voraus (zu viel Spiel- dickeres Käppchen und umgekehrt, bei den mit Hilfswerkzeug gemessenen Hülsen muß das Maß des Hilfswerkzeuges berücksichtigt werden).

Es wird beim Ducatihändler fast nie ein exakt passendes Käppchen oder passende Hülse geben. Zu mal das Meßwerkzeug des Händlers im Hunderstelbereich was anderes mißt als Dein Werkzeug. ergeben auch Fehler im Hunderstelbereich. Deshalb haben gute Mikrometermeßschrauben auch eine Kunststoffisolierplatte am Bügel, damit sich das Werkzeug nicht in der Hand erwärmt, aufdehnt und zu falschen Messergebnissen führt. Mikrometermeßschraube, damit sie das Werkzeug nicht anfassen müssen oder messen mit einer Schlaguhr auf einem Ständer. Ablesefehler werden mit Werkzeugen mit Digitalanzeige minimiert (teuer und für Hobbyschrauber wegen der seltenen Benutzung (Batterien) nicht so geeignet).

Am besten ist es, wenn Du Deine Schließer und Käppchen die ausgetauscht werden müssen dem Händler in die Hand gibst und ihm sagst wieviel dicker oder dünner die Teile sein sollen (schlauerweise einzeln in kleine, sauber beschriftete Tütchen verpacken z.B. "Stehender Zylinder, Einlaß, Schließer, + 0,02 mm"). Der Händler sucht dann mürrisch halbwegs passende Teile raus. Es wird in den seltensten Fällen genau passen.

DIN A4 Glasplatte mit Naßschleifpapier Körnung 120 bekleben und dann im 90°-Wechsel passend schleifen und immer wieder nachmessen. erkennen das man gerade Ventile eingestellt hat. Profis haben rotierende Naßschleifteller mit Niederhalter für Käppchen und Hülsen. Wenn von Hand geschliffen wird - besser Teile zwischen zwei Finger nehmen und schleifen und nicht auf ein altes Ventil setzen - da werden die Käppchen nur schief. Man kann nur ca. 2 - 4 Hunderstel sauber schleifen, viel mehr wird schief. Bei getauschten Käppchen muß man damit rechnen, das sie schon mal geschliffen wurden und schon schief sind.

Bei den SS Modellen der 90´er Jahre muß man den hinteren Stoßdämpfer ausbauen, sonst kommt man nicht an den Auslaßventildeckel des stehenden Zylinders. Da nützt kein Aufbockständer, denn der stützt sich an der Schwinge ab und das funktioniert dann nicht mehr wenn der Stoßdämpfer ausgebaut ist. Also 14 mm Rohr besorgen, durch die im Motor gelagerte Schwingenachse stecken und die Fuhre auf zwei Autoaufbockdreibeinen stellen. Es sollte 12 oder 14 mm Rohr sein, da sich Vollmaterial durchbiegt, Länge ca. 1,20 m. Verkleidungsseitenteile demontieren, Tank runter bauen, Batterie raus und besser auch die Batteriegummimatte.

Spezifische Hinweise zur Einstellung

Bei den Gummibandducatis hat das Werk die Ventispieltoleranz erweitert, so daß einem im wahren Sinne ein gewisser "Spielraum" bleibt. brauch etwas länger. Gute Maße sind für Einlaß-Öffner 0,08 mm, Auslaß-Öffner 0,12 mm und alle Schließer 0,00 bis 0,02 mm. Die Handbücher sind da etwas lockerer. Wenn man bei einen Händler so genau einstellen lassen will wird es ganz schön teuer – das ist nämlich sehr zeitaufwendig.

Bei älteren Ducatis muß für die Schließereinstellung der Öffner-Kipphebel mit all seinen Distanzscheiben ausgebaut werden (penibel auf die Lage achten und genau so wieder zusammen setzen). Dazu muß der Nockenwellenlagerbock ausgebaut werden. Scheiben nie vertauschen). Bei den Motoren der neuen Generation braucht man für den Wechsel der Schließerhülse nur einen Federklip ziehen und kann dann den Kipphebel bei einer bestimmten Kurbelwellen- (Nockenwellen)- stellung zu Seite schieben und die Hülse abziehen.

Die Halbringe am Ventilschaft fallen sehr gerne runter und verschwinden in einer Ölbohrung. Am besten eine 6 mm Innensechskantschraube in die Bohrung stecken. Damit das Ventil nicht durch den Schaft in den Brennraum fällt kann man es mit einer Wäscheklammer oder besser mit einem Gummiband sichern (Gummi um eine Schraube wickeln welche man in die Gewindebohrung des Ventildeckelchens eingeschraubt hat).

Bevor man am Schließer etwas messen kann muß man den Kipphebel des Schließers vom Druck der Haarnadelfeder entlasten. Diese Feder ersetzt nicht die klassische Ventilfeder sondern hilft für den Anlaßvorgang das Schließerspiel auf 0,00 mm zu halten, würde dort Spiel auftreten wäre der Motor nur sehr schwer zu starten da sich kaum Kompression aufbauen würde. Hier liegt nochmal ein Knackpunkt der Desmodromik. Das entlasten der Feder erfordert wieder Fingerspitzengefühl.

Wie kann ich ein Spiel von 0,00 messen? Gar nicht! Man kann feststellen ob der Schließer zu stramm ist. Dann läßt sich die Hülse trotz entlasteter Feder schwer oder gar nicht drehen. Das "Spiel" von 0,00 mm ist dann richtig, wenn sich die Hülse saugend bis leicht drehen läßt und kein Spiel fühlbar ist. Tritt Spiel auf, wird man das Spiel immer größer messen als es in Wirklichkeit ist.

Beim Zusammenbau den sicheren Sitz der Halbringe überprüfen (Hülse einmal links und einmal rechts herum drehen) und beim Federklip der Kipphebelachse lieber zweimal hinschauen. Nochmals messen schadet nicht.

Lohnt es sich, selbst Hand anzulegen?

Wer hier selber schraubt tut es aus Hobby und Freude am Schrauben, aus falschen Ehrgeiz oder weil er so blank ist, daß er das Motorradfahren aufgeben sollte oder Zweitakter fahren muß.

Wer sein Ventilspiel selber einstellt hat neben den paar gesparten DM immerhin einen weiteren Vorteil. Er kann vielleicht schädliche Veränderungen am Ventiltrieb feststellen. Man notiert sich bei jeder Sitzung das Spiel und die Maße der eingebauten Hülsen und Käppchen und hat vielleicht das Glück einen nahenden Motorschaden zu erkennen, ob sich der Ventilsitz gesetzt oder gelockert, ober das Ventil sich gelängt hat.

Abschleifen der Käppchen

Das ÖA Käppchen darfst du gerne ein wenig abschleifen. Aber nur, wenn noch nicht abgeschliffen wurde.

Alternativen und Überlegungen zum Motorradkauf

Da hier scheinbar doch einige Ducatisti unterwegs sind, dachte ich ich frag mal hier bevor ich mich irgendwo anders registriere. Gibt es hier Ducati-Fahrer die das Ventilspiel selbst einstellen? Ich liebäugle mit einer Hyper 796, allerdings schreckt mich die Desmodromik etwas ab. Zum einen der Intervall von 12.000km in dem man das Ventilspiel messen (und vermutlich auch irgendwo einstellen) muss, zum anderen die Sache mit dem Spiel des Schließerhebels.

Pulli,mit einer Ducati liebäugelt man nicht die hat man .Alles halb so wild mit dem Riemen und dem Spiel. Kaufe Dir eine, Du wirst es nicht bereuen zumal das ja eine "Neue"ist.

Allerdings wenn das Ventilspiel passt, brauch man es bei den alten Zweiventielern min 20-25000km nicht mehr einstellen (ohne Rennstrecke)

Weitere Tipps und Erfahrungen

  • Habe auch schon gelesen, dass man bei den Schliessern erst mal nur die Halbringe tauschen soll. Das kann schon reichen dass das Spiel wieder stimmt. Kann man ja vorneweg schon mal besorgen, bevor man die relativ teueren Schliesserhülsen (ggf. umsonst) kauft.
  • Zahnriemen: Eher zu locker, als zu straff. Die Lager der Rollen werden sonst zu stark exzentrisch belastet und verschleissen extrem schnell.

Zusammenfassung

Die Überprüfung und Einstellung des Ventilspiels bei Ducati-Motorrädern erfordert Sorgfalt, das richtige Werkzeug und ein gutes Verständnis der Desmodromik. Ob man die Arbeit selbst erledigt oder einem Fachmann überlässt, ist eine Frage der persönlichen Präferenz und Erfahrung. Wichtig ist, die Wartungsintervalle einzuhalten und aufmerksam auf Veränderungen im Motorgeräusch zu achten.

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