Ducati und der VW-Konzern: Eine Übernahme und ihre Folgen

Die Geschichte der Übernahme von Ducati durch den Volkswagen-Konzern ist eine von Leidenschaft, strategischen Überlegungen und immer wiederkehrenden Gerüchten über einen möglichen Verkauf. Im Zentrum dieser Geschichte steht Ferdinand Piëch, der damalige Patriarch des VW-Konzerns.

Die Übernahme durch Audi

Am 19. April 2012 wurde bekannt, dass Ferdinand Piëch, über die Konzerntochter Audi, den italienischen Motorradbauer Ducati kaufen würde. Die Aufsichtsräte von Audi und VW genehmigten die rund 860 Millionen Euro schwere Übernahme am Vorabend der Volkswagen-Hauptversammlung. Mit dieser Akquisition konnte Audi seine Konkurrenz zum größeren Oberklasse-Hersteller BMW auf ein neues Feld ausweiten, da auch BMW Motorräder fertigt.

Im VW-Konzern versprach man sich Einblicke in den Bau leichter, aber leistungsstarker Motoren. Bis dahin war der Hersteller von Sportmotorrädern aus Bologna mehrheitlich im Besitz des italienischen Finanzinvestors Investindustrial. Im Kaufpreis waren Schulden von etwa 200 Millionen Euro enthalten. Die Übernahme konnte Audi ohne große Mühe stemmen, da die Ingolstädter zuletzt auf liquiden 15,7 Milliarden Euro saßen. Die Kartellbehörden mussten der Übernahme noch zustimmen.

Ducati-Maschinen, von denen im vergangenen Jahr rund 42.000 abgesetzt wurden, zählen zu den teuersten Motorrädern. Der italienische Hersteller fuhr zuletzt einen Umsatz von rund 480 Mio. Euro und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 87 Mio. ein.

Finanzielle Aspekte

Ein Vergleich der finanziellen Kennzahlen von Ducati und BMW Motorrad zeigt:

Unternehmen Umsatz Betriebsgewinn/EBITDA Marge
Ducati 480 Mio. Euro 87 Mio. Euro ca. 18%
BMW-Motorrad 1,4 Mrd. Euro 45 Mio. Euro ca. 3%

Strategische Überlegungen und Ziele

Bei Audi setzte man darauf, dass die Nachfrage künftig vor allem in Asien wächst. In den USA könnte der Konzern zudem vom guten Image von Ducati profitieren. Auf der technischen Seite imponierte im VW-Konzern vor allem, dass Ducati aus einem Liter Hubraum 200 PS herausbekommt. Beim Leichtbau, den sich auch die Audi-Sportwagenschmiede Lamborghini auf die Fahnen geschrieben hatte, erhoffte sich das Volkswagen-Imperium ebenfalls Einblicke.

Mit dem Kauf von Ducati hatte der VW-Aufsichtsratschef das von ihm gewünschte Dutzend an Marken zusammen. Zu Europas größtem Autobauer gehörten einschließlich der Hälfte des Porsche-Sportwagengeschäfts bereits acht Pkw-Marken, die VW-Transporter-Marke und die beiden Lkw-Bauer Scania und MAN.

Gerüchte um einen möglichen Verkauf

Immer wieder gab es Gerüchte um einen möglichen Ducati-Verkauf. Bereits auf der VW-Hauptversammlung im September 2020 hatte VW-Konzernchef Herbert Diess Gerüchte über einen möglichen Verkauf von Ducati klar zurückgewiesen. Der Autobauer hatte aber angeblich den Markt nach einem Investor sondiert. Die Mehrheit an Ducati blieb aber auch bei einem möglichen Investoreneinstieg immer beim VW-Konzern.

Die Zukunftsplanung für Ducati sowie die beiden Konzern-Sportwagenmarken Lamborghini und Bugatti könnte auch in Technologiepartnerschaften, Restrukturierungen und andere Optionen bis hin zu einem Börsengang oder eben einem Verkauf münden, hieß es damals. Entgegen bisheriger Planungen wurde der italienische Zweig mit Lamborghini und Ducati nicht abgespalten und an die Börse gebracht, sondern verblieb im Konzern.

Die Rolle von Herbert Diess

Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns, entkräftete Ende September 2020 Gerüchte über einen möglichen Verkauf unterschiedlicher Konzernmarken, insbesondere von Ducati und Lamborghini. Er lobte die Marken und sprach sein Vertrauen für das Sport- und Luxussegment aus: "Unsere Luxusmodelle Bentley, Lamborghini und Bugatti meistern die Krise sehr gut." Im Zusammenhang mit Ducati erwähnte er das stetige und kontinuierliche Wachstum der Produkte des Unternehmens mit Sitz in Borgo Panigale.

Ducati gehört seit April 2012 zum VW-Konzern. Aktuell sprechen wir bei Ducati von 716 Millionen Umsatz und 53.183 Neuzulassungen.

Verkaufsgerüchte in der Vergangenheit

Bereits 2018 und auch schon 2017 war der Verkauf von Ducati ein Thema im VW-Konzern. 2018 dachte der damals neue VW-Konzernchef Diess laut über einen Verkauf der Audi-Tochter nach. Auch eine Ausgliederung sei eine Option. Dem Handelsblatt sagte Diess in einem Interview im August 2018: "Ducati braucht einen Plan für die Zukunft, eine Perspektive. Wie stellt sich etwa die Marke technologisch in Richtung Elektroantrieb auf? Wie wird weiteres Wachstum möglich? Da kann ich mir auch einen Zusammenschluss oder eine Partnerschaft mit anderen Marken vorstellen. Ducati einfach als Motorrad-Ikone im VW-Konzern zu haben reicht unternehmerisch jedenfalls nicht aus."

Im Jahr 2017 soll es einige Unternehmen gegeben haben, die an einer Übernahme lebhaftes Interesse zeigten. Doch zuerst hatte sich der VW-Betriebsrat vehement gegen den Verkauf von Ducati ausgesprochen.

Ducati im VW-Konzern

Die AUDI AG übernahm den traditionsreichen italienischen Hersteller Ducati von der Investindustrial Gruppe. Die Übernahme sollte schnellstmöglich nach der kartellrechtlichen Freigabe erfolgen. Ducati als Premiummarke ist für den VW-Konzern auch wegen der Kompetenzen in der Motorenentwicklung und Leichtbauweise interessant.

Mit den italienischen Traditionsmarken Lamborghini und Italdesign ist Ducati nun das dritte Standbein der AUDI AG in Norditalien. Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der AUDI AG, sagte: „Ducati gilt weltweit als Premiummarke unter den Motorradproduzenten und hat eine lange Tradition im Bereich der sportlichen Motorräder. Das Unternehmen verfügt über großes Know-how bei Hochleistungsmotoren und im Leichtbau und gehört zu den ertragsstärksten Zweiradherstellern weltweit. Damit passt Ducati hervorragend zu Audi.“

Die fortschrittlichen Steuerungssysteme, das spezielle Brennkammerverfahren der Ducati-Motoren, die damit verbundene sportliche Ausrichtung und die umfassende Erfahrung in der Leichtbauweise bieten somit große Potenziale für die AUDI AG und den Volkswagen-Konzern.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Audi, Peter Mosch, erklärte, die Arbeitnehmervertreter der AUDI AG unterstützten die nachhaltige, mitbestimmte Wachstumsstrategie des Unternehmens.

Neuausrichtung und Zukunftspläne

Lamborghini und Ducati bleiben Teil des VW Konzerns, nachdem sich der Aufsichtsrat dafür ausgesprochen hat. Ebenso wurde beschlossen, dass Audi die Kontrolle bei Bentley übernimmt. Dem Aufsichtsrat zufolge sollen die beiden Marken die Restrukturierung nutzen, um Synergien in ihrer Elektro-Strategie zu finden.

VW-Chef Herbert Diess sagte, dass das Unternehmen die drei "in eine Rechtsform" bringen werde. Die Neuorganisation dürfte Lamborghini helfen, seinen Weg durchs nächste Jahrzehnt zu finden. Bisher vertraut die Sportwagenmarke nahezu ausschließlich auf extrem leistungsstarke Verbrenner.

Ferdinand Piëchs Traum vom Weltkonzern

Am 16. April feierte VW-Patriarch Ferdinand Piëch seinen 75. Geburtstag. Sein schönstes Geschenk machte sich der VW-Patriarch selbst: Der Aufsichtsrat der Konzern-Tochter Audi segnete den Kauf der italienischen Motorradschmiede Ducati ab.

Rational oder gar betriebswirtschaftlich ist die Übernahme der Firma, die im Bologneser Vorort Borgo Panigale Edelware für Premiumkunden fertigt, kaum zu erklären. Ducati ist fast ausschließlich eine Herzensangelegenheit des VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und ein weiterer Beweis für dessen langen Atem.

Audi hatte bereits in den 70er-Jahren den Einstieg ins Motorradgeschäft vorbereitet. Die Ingolstädter, der heutige Volkswagen-Aufsichtsratschef Piech war damals Audi-Entwicklungschef, hatten damals den Prototyp Z02 entwickelt. Das Motorrad, ausgestattet mit einem 60-PS-Motor mit rund 1100 Kubikzentimetern Hubraum, kam allerdings niemals in den Handel. Die Konzernzentrale in Wolfsburg verweigerte ihre Zustimmung. Heute steht die Z02 im Audi-Forum unweit des Ur-Quattros.

Volkswagen will sein Markenportfolio offenbar weiter ausbauen: Laut einem Insider verhandelt die VW-Tochter Audi intensiv über eine Übernahme des italienischen Edelmotorradbauers Ducati. Mit einer Übernahme würde VW-Patriarch Piëch seinen Traum vom Weltkonzern vollenden - und sich nach Porsche die zwölfte Marke einverleiben.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0