Mit 17 Konstrukteurs- und 14 Fahrertiteln ist Ducati der mit Abstand erfolgreichste Hersteller der Superbike-WM-Geschichte. Ducati setzte 31 Jahre lang auf den traditionellen V2-Motor im 90-Grad-Winkel, der von der 851-Ära zur eben zu Ende gegangenen 1199-Ära immer weiter perfektioniert wurde. Am Ende leistete Ducatis Twin mehr als 230 PS und stieß an die Grenzen des Machbaren.
Die Anfänge und ersten Erfolge
Alles begann 1988 - der ersten Saison der Superbike-Weltmeisterschaft. Ducati-Pilot Marco Lucchinelli konnte mit der 851 aber bereits Rennen gewinnen. Doug Polen setzte 1991 und 1992 mit der 888 die Erfolgsserie fort. In der Saison 1994 debütierte die legendäre 916 - das wohl wichtigste Superbike in Ducatis Firmengeschichte. Carl Fogarty gewann seinen ersten Titel und wiederholte diesen Erfolg in der Saison 1995.
"Foggy" verließ 1996 sein Erfolgsteam und wechselte zu Erzfeind Honda, doch Ducati gewann trotzdem. Troy Corser bescherte der 916 den dritten Titel in Folge. Und auch 1999 triumphierte Fogarty mit Ducati. Durch einen Sturz beim Rennwochenende in Australien wurde die Karriere des viermaligen Weltmeisters in der Saison 2000 abrupt beendet.
Die Ära nach Fogarty und die Einführung der 999
Ducati musste einen Ersatz finden und ermöglichte Troy Bayliss den Aufstieg ins Werksteam. Honda-Pilot Colin Edwards holte in der Saison 2000 souverän den Titel, kein Ducati-Pilot schaffte es in die Top 5 der Meisterschaft. In der darauffolgenden Saison wurden die Superbike-Fans Zeugen des wohl spannungsvollsten Finales der WSBK-Geschichte. Bayliss duellierte sich in Imola mit Edwards und unterlag nur knapp.
Die Ära der 916/996/998 ging mit dem Vizetitel zu Ende, bevor Ducati die Fans mit dem neuen Modell irritierte. In der Saison 2003 begann für Ducati eine neue Ära. Die Italiener präsentierte die 999, die bei den Traditionalisten nicht gut ankam. Im Vergleich zur bildhübschen 916 wirkte die 999 gewöhnungsbedürftig. Mit der unkonventionellen Front und dem Verzicht auf die Einarmschwinge der 916-Reihe ging die 999 als Flop in die Superbike-Geschichte von Ducati ein.
Dominanz und weitere Titel
Nachdem die anderen Hersteller in die MotoGP abwanderten, dominierte Ducati die Superbike-WM nach Belieben. 2003 fuhr Neil Hodgson Siege in Serie ein und wurde vorzeitig Meister. Troy Bayliss bescherte Ducati nach seiner Rückkehr in die WSBK in der Saison 2006 den dritten Titel mit der 999.
Bayliss gelang 2008 in der Debütsaison der 1098 das Kunststück, mit einem weiteren Ducati-Superbike den WM-Titel sicherzustellen. Der Australier verabschiedete sich nach dem dritten Titelgewinn aus der Superbike-WM. Ducati kämpfte 2009 mit Noriyuki Haga erneut um die WM, musste sich schlussendlich aber Ben Spies geschlagen geben. Es war die bisher letzte Saison in der WSBK-Geschichte, in der Ducati einen Fahrer- oder Herstellertitel feiern konnte.
Das Kapitel Panigale und die V4-Ära
Das Kapitel Panigale, das in der Saison 2013 begann, ging 2018 ohne Titel zu Ende. Ab 2019 trat Ducati mit dem neuen V4-Superbike an.
Ernesto Marinellis Erinnerungen an die Ducati-Superbikes
Ex-Ducati-Superbike-Projektleiter Ernesto Marinelli ist eng mit der WSBK-Geschichte des Herstellers aus Bologna verbunden. Bis Ende 2017 war Marinelli für Ducatis Superbike-Projekt verantwortlich.
Ich begann 1995 mit der 916, einem der schönsten Motorräder", schwärmt Marinelli. "Es war das erste Motorrad, mit dem ich mich im Detail befasste. Die 999 war das erste Superbike, mit dem ich als Technischer Direktor arbeitete. Ich begleitete das Projekt von der Idee über die ersten Prototypen bis zum fertigen Motorrad. Das Straßenmotorrad wurde wegen der Optik in Frage gestellt. Wenn ich ins Museum gehe und mir die 999 im Rennlook anschaue, dann gefällt sie mir nach wie vor sehr", berichtet Marinelli. "Wir haben damit viele Meisterschaften und Rennen gewonnen.
Die 1198 war ein sehr emotionales Motorrad. Es war das letzte Jahr, in dem wir die Meisterschaft gewinnen konnten und zudem der Abschied von Bayliss. Er war zweifellos der beste Fahrer, mit dem ich zusammenarbeiten durfte. Ich verbinde sehr viele tolle Erlebnisse mit diesem Motorrad. Negativ im Gedächtnis blieben mir die Diskussionen bezüglich der Regeln, die kein Ende fanden", spielt er die Balance of Performance zwischen Zwei- und Vierzylindern an. Leider wurde es in einer Zeit gebaut, in der wir benachteiligt wurden", kritisiert Marinelli das Regelwerk der Saison 2013. Es wurde alles unternommen, um uns einzubremsen. Trotzdem war sie sehr stark bei der Einführung. Ich freue mich, dass zuletzt regelmäßig Siege eingefahren werden konnten, obwohl die Serie sehr hart umkämpft ist.
Sicher teilte ich die intensivsten Momente mit Troy Bayliss", erinnert sich Marinelli. Wir gewannen zusammen Meisterschaften, aber auch das MotoGP-Rennen in Valencia. Die Verbindung war sehr stark. Die erste Meisterschaft, die ich gewinnen konnte, war zusammen mit Hodgson 2003. Es war unglaublich.
Seit 2018 arbeitet Marinelli für Auspuffhersteller Termignoni. Nach vielen Jahren auf den Rennstrecken dieser Welt suchte der Superbike-Experte ein neues Betätigungsfeld.
Aktuelle Erfolge
In allen relevanten Weltmeisterschaften auf zwei Rädern setzte sich der Hersteller aus Borgo Panigale durch. Der zweite Titel von Bagnaia in der MotoGP, die Titelverteidigung von Álvaro Bautista in der Superbike-WM und der erste Erfolg von Nicolò Bulega in der Supersport-WM sind nicht nur eine Quelle der Freude für Ducatisti auf der ganzen Welt, sondern auch der Beweis für eine klare Philosophie: In Borgo Panigale kennt der Wunsch nach ständiger Verbesserung keine Grenzen!
Ducati ist der erste Hersteller, der die Fahrer- und Hersteller-Weltmeisterschaften in der MotoGP und Superbike-WM zwei Mal in Folge gewinnen konnte.
Die Feierlichkeiten sind für den 15. Dezember in Bologna angesetzt, wo alle Protagonisten für die fantastischen Ergebnisse dieser unvergesslichen Rennsport-Saison geehrt werden.
Ducati Dominanz im Jahr 2023: Zahlen und Fakten
- MotoGP:
- 17 Siege von Ducati Fahrern in der MotoGP-Weltmeisterschaft 2023 - Rekord in der MotoGP
- 6 Ducati Fahrer, die in dieser Saison mindestens einen Grand Prix gewinnen konnten (Bagnaia, Bastianini, Bezzecchi, Di Giannantonio, Martin, Zarco) - Rekord in der MotoGP
- 43 Podestplätze für Ducati in der Saison 2023 mit 8 verschiedenen Fahrern
- 8 Rennen der MotoGP-Weltmeisterschaft 2023, in denen ausschließlich Ducati Fahrer auf dem Podium standen - Rekord in der MotoGP
- 17 Pole-Positions von Ducati Piloten in der MotoGP-Saison 2023, davon 15 in Folge
- 46 MotoGP-Rennen in Folge, bei denen sich ein Ducati Fahrer unter den Top 3 platzieren konnte
- Superbike-WM:
- 27 Siege von Weltmeister Álvaro Bautista in der Superbike-WM 2023 - Rekord in der Superbike-WM
- 59 Gesamtsiege von Álvaro Bautista auf der Ducati Panigale V4 R in der Superbike-WM
Sechs verschiedene Ducati-Piloten konnten in dieser Saison mindestens ein Rennen gewinnen: Bagnaia, Bastianini, Bezzecchi, Di Giannantonio, Martín und Zarco. Ein neuer Rekord in der MotoGP. Ducati hat in diesem Jahr bereits 8 Mal mit 8 verschiedenen Fahrern auf dem Podium gestanden (alle Ducati-Fahrer in der Weltmeisterschaft standen in dieser Saison mindestens ein Mal auf dem Podium).
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