Anleitung zum Zahnriemenwechsel an einer Ducati

Der Zahnriemenwechsel an einer Ducati ist eine wichtige Wartungsarbeit, die entweder in einer Werkstatt oder selbst durchgeführt werden kann. Hier finden Sie eine ausführliche Anleitung und wichtige Hinweise für den Wechsel des Zahnriemens.

Wichtige Hinweise vorab

Für jeden, der Verständnis für Motoren und handwerkliches Geschick besitzt, ist diese Anleitung gedacht. Es ist wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, was passiert, wenn die Steuerzeiten nicht stimmen oder der Zahnriemen reißt - dann droht ein Motorschaden! Im Zweifelsfall sollte die Ducati in eine Werkstatt gebracht werden.

Wechselintervalle

Laut Werkstattbuch sollen die Zahnriemen alle 5000 km gewechselt werden. Ducati hat den Intervall zwischenzeitlich auf 7500 km angehoben. Nach Rücksprache mit einem Ducati Techniker reicht ein Wechsel alle 10000 km aus, jedoch spätestens nach zwei Jahren, da eine Versprödung der Zahnriemen eintritt. Eine Sichtkontrolle der Zahnriemen sollte bei jeder Inspektion, spätestens jedoch nach 5000 km erfolgen.

Vorbereitung

Bevor mit dem Wechsel der Zahnriemen begonnen werden kann, muss die Verkleidung abgebaut werden. Als Nächstes müssen die Zahnriemenabdeckungen abgeschraubt werden. Bei manchen Modellen muss man mit dem stehenden Zylinder anfangen, da die Abdeckung des liegenden Zylinders an einer Stelle mit der des stehenden Zylinders gemeinsam verschraubt ist.

Materialien und Werkzeuge

Bevor man beginnt, müssen die passenden Zahnriemen besorgt werden. Man hat die Wahl zwischen Original Ducati oder Zubehör. Es wurde kein Unterschied festgestellt, Ducati wird die Zahnriemen auch nicht selbst herstellen.

  • Passende Zahnriemen (Original oder Zubehör)
  • Werkstatthandbuch
  • Motorradreiniger und Waschbenzin
  • Loctite mittelfest
  • Drehmomentschlüssel
  • Inbusschlüssel (5 mm und 6 mm)
  • Optional: Frequenzmessgerät (z.B. Android App "G-Strings")

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Freien Blick auf die Zahnriemen verschaffen: Wenn die Vorarbeiten erledigt sind, hat man freien Blick auf die Zahnriemen.
  2. Spannrollen lösen: Als Nächstes müssen wir die Spannrollen der Zahnriemen lösen. Es empfiehlt sich, sie komplett auszubauen, um die Freigängigkeit zu prüfen und die Laufflächen zu reinigen.
  3. Reinigung: Da sich im Gehäuse und den Deckeln gerne Gummiabrieb anlagert, reinige ich dieses gerne mit einem herkömmlichen Motorradreiniger. Bei hartnäckigen Verschmutzungen kann man auch ein wenig Waschbenzin hinzunehmen.
  4. OT-Position einstellen: Nun kommt der schwierige Teil der Aktion, die Nockenwellen und auch die Kurbelwelle müssen in OT (oberen Totpunkt) gedreht werden. Dieser Punkt ist ganz wichtig und muss mit großer Sorgfalt ausgeführt werden, da es ansonsten zu Schäden am Motor kommt. Dazu sind auf den Laufrollen, dem Motorgehäuse und den Zahnriemengehäusen Markierungen angebracht, die aufeinander stehen müssen. Die Laufrollen der Nockenwellen kann man per Hand in die entsprechende Stellung drehen. Bei der Kurbelwelle wird mehr Kraft benötigt, deshalb den zweiten Gang einlegen und das Motorrad ohne gezogener Kupplung soweit rollen bis auch hier die Markierungen übereinander stehen. Keine Angst, die Nockenwellen können sich nicht verdrehen, da keine Zahnriemen aufgelegt sind.
  5. Zahnriemen auflegen: Nachdem Nockenwellen und Kurbelwelle in OT gedreht wurden und dies mehrfach geprüft wurde, sicher ist sicher, können die neuen Zahnriemen beginnend mit dem für den stehenden Zylinder vorsichtig aufgelegt werden. Dabei sind Knicke und scharfkantige Werkzeuge tabu, da ansonsten der Zahnriemen unwiederbringlich beschädigt und ein Motorschaden durch einen gerissenen Zahnriemen vorprogrammiert ist.
  6. Positionen kontrollieren: Sind beide Zahnriemen montiert, sollte man noch einmal die Stellung der Laufrollen zu den Markierungen am Gehäuse kontrollieren, um sicher zu stellen das sich nichts verstellt hat, ansonsten heißt es noch einmal von vorne beginnen.
  7. Spannrollen einbauen: Nun können auch die Spannrollen wieder eingebaut werden, dazu schraube ich die Träger der Spannrollen erst einmal lose im Gehäuse fest (Loctite mittelfest nicht vergessen!).
  8. Zahnriemenspannung prüfen und einstellen: Anschließend drücke ich die Spannrollen gegen den Zahnriemen und kontrolliere die Spannung wie folgt, ein 5 mm Inbusschlüssel muss sich zwischen feststehender Laufrolle und Zahnriemen "satt" vorbeiführen lassen. Ist dem so, kann man die Befestigungsschraube sowie die Spannschraube der Spannrolle mit dem vorgeschriebenen Drehmoment von 29 Nm anziehen. Sollte sich der Inbus-schlüssel nur mit erheblichen Kraftaufwand oder ganz leicht vorbeiführen lassen so muss der Spannvorgang wiederholt werden.
  9. Abschließende Kontrolle: Stimmt nun alles, kann man eigentlich alles wieder zusammen bauen, um ganz sicher zu gehen, schraube ich die Zündkerzen raus und drehe den Motor einmal per Hand durch, blockiert und scheppert nichts ist alles ok.

Alternative Methoden zur Spannungsmessung

Bei Ducati wurde früher mittels einer Federwaage die Spannung der Zahnriemen kontrolliert, heute wird dazu ein Messgerät eingesetzt welches die Schwingungsfrequenz der Zahnriemen misst, wobei die Frequenzen zwischen stehenden und liegenden Zylinder unterschiedlich sind. Als Hobbyschrauber wird man ein solches Messgerät wohl kaum besitzen, aber es gibt auch unkonventionelle Methoden, wie die Verwendung eines Inbusschlüssels zur Überprüfung der Spannung.

Frequenzmessung mit einer Android App

Eine weitere Methode zur Spannungsmessung ist die Verwendung einer Android App wie "G-Strings". Hierbei wird die Frequenz des gespannten Riemens gemessen. Bei einer Ducati 620 i.e. sollte der liegende Riemen mit 160 Hz (Toleranz 5 Hz) und der stehende Riemen mit 140 Hz gespannt werden.

Kosten sparen durch Selbermachen

Für gebrauchte Ducs sind die regulären Duc-Werkstattkosten oft zu hoch, daher ist Selberschrauben eine gute Alternative. So kann man nicht nur Geld sparen, sondern auch sicherstellen, dass die Arbeiten zuverlässig ausgeführt werden.

Ein Beispiel: Eine Werkstatt verlangte für den Service inklusive Zahnriemenwechsel etwa 2500 CHF (ca. 1700 Euro). Der Wechsel einer Kette inklusive Kettenrad sollte 890 Schweizer Franken (ca. 550 Euro) kosten. Durch Selbermachen lassen sich diese Kosten deutlich reduzieren.

Zahnriemenspannung nach Gefühl

Es gibt auch Mechaniker, die die Zahnriemenspannung nach Gefühl einstellen. Dies erfordert jedoch viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Es ist wichtig, die Steuerzeiten vorher und nachher zu überprüfen, um sicherzustellen, dass alles korrekt eingestellt ist.

Empfehlungen und Tipps

  • Ventilspieleinstellung alle 10.000 km prüfen.
  • Zahnriemen alle 20.000 km oder alle 2 Jahre wechseln.
  • Spannrollen grundsätzlich mittauschen, spätestens jedes zweite Mal.
  • Ein Servicemanual ist unerlässlich.

Wichtiger Hinweis: Die hier dargestellte Anleitung dient lediglich als Hilfestellung. Arbeiten am Motor sollten nur von Personen mit entsprechendem Fachwissen durchgeführt werden. Im Zweifelsfall sollte immer eine Fachwerkstatt aufgesucht werden.

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