Dura Ace Laufräder Felgenbremse Test: Der ultimative Leitfaden

Carbon- und Aerolaufräder sind der Upgrade-Traum vieler Roadies, doch was bleibt nach Abzug der Marketingversprechen übrig?

Einleitung

Kaum ein anderes Update verspricht so viel wie ein Satz begehrter Laufräder. Doch auch keine anderen Komponenten kosten so viel. Welcher Laufradsatz ist also der richtige und wie groß sind die Unterschiede? Ist teuer auch immer besser?

Im Laufrad-Test sind alle großen und wichtigen Hersteller vertreten. Von Carbon-Pionieren wie Lightweight, absoluten Klassikern wie Mavic und DT Swiss über etablierte Hausmarken der großen Bike-Hersteller zu den neuesten Playern in der Laufradwelt.

Das heißt, wir vereinen die begehrtesten und bekanntesten Laufräder mit Performance-Anspruch. Und welche Kennzahl ist für Dropbar-Bikes wichtiger als die Felgentiefe? Wir testen Laufräder im „Allround”-Segment, heißt: Räder mit Aero-Anspruch, aber ohne das Gewicht zu vernachlässigen.

Testbedingungen

Um die Unterschiede im Handling und Fahrgefühl bestimmen zu können, haben wir unter einer Vielzahl an Bedingungen getestet, waren in Südschweden auf der Suche nach den windigsten Crosswind-Passagen, haben in der Provence den Mont Ventoux erklommen und um unser Office herum den heimischen Schwarzwald unsicher gemacht.

Im Back-to-back-Testing haben wir innerhalb kurzer Zeit alle Laufräder mit gleicher Bereifung, auf gleicher Strecke und mit vergleichbaren Wetterbedingungen getestet. Dabei waren alle Laufräder mit Contis GP5000 S TR in 28C und tubeless ausgestattet.

Getestet wurden dabei alle Laufräder im Bike bei 45 km/h Windgeschwindigkeit und mit angetriebenen Rädern. Ein aktuelles Canyon Ultimate CFR dient uns als Benchmark für moderne Racebikes. Alle Laufräder wurden mit Continental GP 5000 S TR Reifen in 28 mm Breite und Schläuchen für einen schnelleren Umbau getestet. Der Reifendruck im Test lag bei 5 bar.

Fahrgefühl und Handling

Zugegeben, vor dem Test hätten wir nicht gedacht, so große Unterschiede zwischen den Laufrädern zu finden. Doch schon während der ersten Meter stellte sich heraus, es gibt zwar Ähnlichkeiten, doch kein Laufrad gleicht dem anderen. Und so zeigen sich auch im Fahrtest unterschiedlichste Charaktere.

Oder das DT Swiss ERC 1100, ein unglaublich ausgeglichenes Laufrad ohne Zicken oder unerwartetem Verhalten. In jeder Situation machen die Räder exakt was man will und braucht. Auch Carbonspeichen, wie sie an den Rädern der 50-mm-Gang HUNT und CADEX verbaut sind, ergeben ein einzigartiges Fahrgefühl.

Die Compliance der Räder entscheidet viel über den tatsächlichen Einsatzbereich. Ja, Steifigkeit ist nicht gleich Compliance. Ein steifes Laufrad bedeutet vor allem ein reaktives und agiles Rad, das auf Lenkimpulse und Antritte flink reagiert und den Input direkt umsetzt. Eine Kombination aus Compliance und Steifigkeit, die aber auch stark von individuellen Präferenzen abhängt.

Denn je steifer ein Rad desto präziser, aber eben auch unverzeihender fährt sich das Bike. Je tiefer die Felgen werden, desto höher ist die Anfälligkeit bei Seitenwind? So zumindest die Faustformel, doch einige Laufräder haben spezielle Features, um dem entgegenzuwirken. Allround soll auch klettern können, daher wurde jedes Laufrad ausgiebig am Berg getestet.

Windkanal-Ergebnisse

Doch wie steht es um die Daten aus dem Windkanal? Hier zeigt sich, wie schnell die Räder wirklich sind und ob die hochlobenden Marketing-Versprechen der Realität entsprechen.

In unserem Fall bezieht sich dieser Wert auf das Gesamtsystem Fahrrad. Da das Canyon Ultimate CFR, in dem die Laufräder verbaut werden, jedes Mal dasselbe ist, vergleichen wir lediglich die Unterschiede zwischen den Laufrädern.

Außerdem ist der Gierwinkel, aus dem Englischen als Yaw Angle bekannter Anströmwinkel, relevant. Dieser bezeichnet den Winkel, aus dem der Luftstrom auf das zu messende Objekt trifft, in unserem Fall das Bike mit den Testlaufrädern. Welche Winkel in der Realität tatsächlich relevant sind, hängt von vielen Faktoren ab und sorgt selbst unter Experten für viel Diskussion.

Alle Laufräder wurden mit Continental GP 5000 S TR Reifen in 28 mm Breite und Schläuchen für einen schnelleren Umbau getestet.

Räder mit geringer Felgentiefe wie Mavic und Lightweight schneiden tendenziell am schlechtesten ab. Laufräder mit gemischten Tiefen liegen knapp darüber. Roval und Reserve setzen an Front und Heck auf verschieden profilierte Felgen mit unterschiedlicher Tiefe.

Eine weitere Überraschung ist die sehr gute Performance der Bontrager Aeolus RSL 51 TLR. Denn trotz etwas veraltet wirkender Felgengeometrie funktioniert die Aerodynamik weit besser als bei der Konkurrenz mit gleicher Felgenhöhe.

Testsieger und Empfehlungen

Der Laufrad-Testsieger Syncros Capital SL Aero kann auf ganzer Linie überzeugen. Als modernstes Laufrad mit One-Piece-Konstruktion, innovativen Aero-Reifen und 60 mm Felgen erfüllt es sämtliche Punkte auf unserer Wunschliste mit Bravour. Dazu kommen das geringe Gewicht und ein perfekt ausbalanciertes Fahrgefühl.

Die Reserve 52|63-Laufräder sind die unangefochtenen Sieger der Herzen. Mit klassischer behakter Felgenkonstruktion, überraschend starker Aero-Performance und einem vielseitigen Fahrgefühl bestechen die Räder durch verlässliche und ausgewogene Leistung in fast jeder Situation.

Weitere Erkenntnisse

Nach all dem Sichten von Daten und dem Besprechen von Testeindrücken haben sich einige Erkenntnisse besonders herauskristallisiert. Ein paar Punkte und Features haben uns dabei nachträglich überrascht oder die Augen geöffnet. Dazu gesellen sich auch einige Dinge, die wir an unseren nächsten Laufrädern nicht missen wollen.

Carbonspeichen machen ein steifes Laufrad, was wiederum ein reaktives und agiles Rad bedeutet, meist geht das aber auf Kosten der Compliance. Für Racing und das letzte bisschen Performance zwar die richtige Wahl, doch für die entspannte Wochenendtour etwas zu hart.

Ein ungebohrtes Felgenbett, wie es Syncros, Lightweight und Mavic bieten, macht selbst den größten Tubeless-Skeptikern richtig Spaß. Ventil rein und schon ist die Felge ready, kein Tape und keine schleichenden Platten.

Je tiefer die Felge und je mehr Fläche durch breite Speichen, desto mehr Angriffsfläche für den Wind. Die viel diskutierte Reifenbreite ist auch hier Thema und obwohl schmale Reifen im Windkanal schneller waren, sagen wir: breiter ist besser, und schneller!

Praktisch alle Hersteller bieten eine Garantieverlängerung sowie ein Crash Replacement über die gesetzlichen Ansprüche hinaus. Doch Augen auf bei den Details. Einige Hersteller sind hier sehr konservativ.

Auch kleine Unterschiede in der Effizienz lassen sich im Back-to-back-Test herausfahren.

Shimano Ultegra C36 Carbon-Laufradsatz im Detail

Mit dem Ultegra C36-Laufradsatz folgt Fahrradgigant Shimano dem bewährten Trickle-Down-Prinzip: Produktinnovationen der teureren Dura-Ace-Geschwister zum günstigeren Ultegra-Preis.

Der Shimano Ultegra C36-Laufradsatz ist ein leichter, aerodynamisch-optimierter Allrounder für Rennräder.

Eckdaten zum Laufradsatz:

  • Leistungsstarker Allrounder
  • Gewicht: 1.488 g (Satz, VR 12x100 + HR 12x142, Herstellerangabe)
  • Tubeless-kompatibel für Elf- und Zwölffach-Antriebe
  • 21 mm breite (Maulweite) Carbonfelge: Empfohlene Reifendimension 25-622 bis 32-622
  • 36 mm Felgenhöhe, aerodynamisches Profil
  • E-Thru-Steckachse
  • jeweils 24 Straightpull-Speichen, Hinterrad mit 2:1-Einspeichung für gleichmäßigere Speichenspannung
  • für Scheibenbremsen mit Center-Lock-Aufnahme

Highlight Features:

  • Dank 36 mm Felgenhöhe bleibt der C36 auch bei windigem Wetter stabil und berechenbar.
  • Die E-Thru-Steckachsen ermöglichen einen einfachen und schnellen Ein- und Ausbau der Laufräder.
  • Beim Hinterrad setzt Shimano auf 2:1-Einspeichung für eine gleichmäßige Speichenspannung.
  • Im Gegensatz zu den Dura-Ace Laufrädern sind die Ultegra Laufräder 11- und 12-fach kompatibel.

Fahreindrücke

Mit 36 Millimetern Felgenhöhe durchaus im moderaten Aero-Bereich unterwegs, fährt sich der Laufradsatz bei Seitenwind absolut stabil und berechenbar.

Die 30 Millimeter breiten Grand Prix 5000 S Tubeless Ready Reifen von Continental konnte ich am Hinterrad mit nur 3,5 bar Druck fahren. Der zusätzliche Komfort fühlt sich am Anfang fast komisch an, so ungewohnt ist es, nicht mehr jeden Schlag im Rückenmark zu spüren.

Steifigkeit und Gewicht

Mit 84 Kilogramm Körpergewicht ist das ein wichtiger Faktor für einen Allround-Laufradsatz, der mit unter 1.500 Gramm Gewicht immer noch leicht, wenn auch nicht ultraleicht ist. Die Ultegra C36 sind damit auch leicht genug für das Intervalltraining auf mallorquinischen Serpentinen. Hier konnte ich das Rad gut beschleunigen.

Fazit zum Shimano Ultegra C36

Der Laufradsatz ist beeindruckend stabil und auch an der Windkante sehr gutmütig. Dank E-Thru-Steckachse geht der Ein- und Ausbau am Rennrad schnell und einfach von der Hand. Das Gewicht ist fair, der Preis auch. Das ist Shimano at its best.

Der Ultegra C36 ist nicht der leichteste oder der schnellste Laufradsatz auf der Welt, aber eine leichte und schnelle „fit and forget“-Lösung für Menschen, die viele Kilometer fahren und in Zukunft eine Sorge weniger haben: dass das Laufrad irgendwelche Probleme machen könnte.

Dura Ace R9100: Ein echter Fortschritt?

Wer die Shimano Dura-Ace R9100 im Vergleich mit ihrer Vorgängerin fährt, wird die ganz großen Fortschritte vermissen. Ob es sich lohnt, die alte Gruppe durch die neue zu ersetzen, muss jeder für sich entscheiden; dass kaum technische Gründe dafür sprechen, ist die logische Konsequenz aus dem bestechend hohen Niveau, das bereits die Dura-Ace 9000 erreicht hatte.

Halbhohe Felgen im Windkanal

Die Ausgangsfragen zu diesem Test lauteten: „Wie aerodynamisch sind Felgenbremsen-Laufräder mit halbhohen Felgen? Eher mäßig wie bei flachen Ausführungen?

Hier prüften wir die aerodynamischen Qualitäten der elf Testmodelle. Fakt ist: Der gesamte Luftwiderstand eines Radfahrers wird in der Regel zu 75 Prozent vom Fahrer und zu 25 Prozent von seinem Rennrad erzeugt. Die beiden Laufräder sind demnach als Teil des Rennrades nur mit acht Prozent am gesamten Luftwiderstand beteiligt. Betrachtet man ausschließlich die Laufräder, so sind die Strömungsverluste zu 80 Prozent dem Vorderrad zuzuschreiben und nur zu 20 Prozent dem Hinterrad, da es sich im Windschatten des Sitzrohres dreht.

Die Windgeschwindigkeit im Kanal betrug 45 Kilometer pro Stunde, die klassische Bezugsgeschwindigkeit für Zeitfahrer und Triathleten. Jedes Laufrad wurde mit derselben Geschwindigkeit über eine Walze angetrieben. Für jede Messung zogen wir den gleichen Reifen auf, einen Continental GP 5000, da selbst unterschiedliche Reifen gleichen Typs die Ergebnisse um bis zu ein Watt beeinflussen können. Die Messtoleranz betrug +/- 0,2 Watt.

Ergebnisse im Windkanal

In unserem Versuchsaufbau ergaben sich für die elf Vorderräder Leistungen von 14,1 bis 21,6 Watt - bei 45 km/h.

Als überlegener Sieger im Windkanal erwiesen sich die Leeze „CC 35 Road Waso“. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Citec „3000 S Aero“ und die Equator „30C tlr“.

Das Ergebnis: fast zwei Watt Ersparnis - bei 45 km/h. Mit den 23-Millimeter-Reifen hätten sich die Laufräder von DT Swiss, Swiss Side und Shimano in der Aerodynamik-Wertung deutlich verbessert, allerdings mit leichten Abstrichen in Sachen Komfort, Rollreibung und Verhalten in Kurven.

Seitensteifigkeit

In der Praxis macht sich eine hohe Seitensteifigkeit bemerkbar: Das Vorderrad „läuft“ Spurrillen nicht hinterher und das Einlenken in Kurven erfolgt präziser und direkter.

Die besten Seitensteifigkeiten finden sich bei den beiden Laufrädern von DT Swiss sowie den Modellen Mavic Ksyrium, Shimano Dura Ace und Swiss Side Pion.

Beschleunigung

Um reproduzierbare Werte zu erhalten, nutzten wir für dieses Test-Prozedere nur die vordere Felgenbremse.

Bremsverhalten

Um das Nassbrems-Verhalten zu bestimmen, besprühten wir die Felgen vorher mit Wasser. Beim Bremsverhalten glänzten die beschichteten Felgen von DT Swiss, Campagnolo und Mavic - mit deutlichem Abstand.

Aero-Laufräder mit hohen Felgen

Hohe Carbonfelgen sind so was wie die Segel des Rennrads. Sie können sogar Seitenwind in Vortrieb umwandeln und sind erste Wahl, wenn es um maximales Tempo in flachem bis welligem Gelände geht.

Getestet haben wir die Aerodynamik im GST-Windkanal, wie immer mit unserem tretenden Dummy als Fahrer. Das Ergebnis: Trotz breiterer Felgen messen wir für die neuen Räder einen Tick weniger Luftwiderstand.

Ganz vorne landet DT Swiss mit dem Modell ARC 1100 Dicut 62, aber die Spitze ist so dicht beisammen, dass Shimano und Bontrager im Rahmen der Messgenauigkeit gleichauf liegen. Vision und Zipp folgen mit einem guten Watt Abstand und Campagnolo, das „langsamste“ Rad im Test, liegt zwei Watt hinter DT Swiss.

Auffällig ist, dass die Felgen im Vergleich zu ihren Vorgängermodellen nochmals breiter geworden sind. Außen messen die Felgenringe nun bis zu 33 Millimeter, die Felgeninnenweiten sind bis auf knapp 24 Millimeter gewachsen (Zipp). Passende Reifen sollten mindestens 25 Millimeter breit sein, aber auch 28 oder 30 Millimeter breite Pneus finden super Anschluss auf diesen Felgen.

Alle Aero-Rennrad-Laufräder im TOUR-Test:

  • Bontrager Aeolus RSL 62
  • Campagnolo WTO Ultra 60
  • DT Swiss ARC 1100 Dicut DB 62
  • Shimano Dura-Ace C60
  • Vision Metron 60
  • ZIPP 454 NSW

Leichte Laufräder: Tuning-Tipps

Üblicherweise werden Rennräder in der ersten Tuning-Stufe mit neuen leichten Komponenten bestückt. Schritt für Schritt werden Sattel und -stütze, Lenker, Vorbau und Schnellspanner getauscht. Je nach Ausgangslage kann so schon ein halbes Kilogramm gespart werden.

Bei Fahrten in der Ebene mit einem Systemgewicht (Fahrer plus Rad) von 85 Kilogramm und durchschnittlichen 35 Kilometer pro Stunde wird eine Leistung von 170 Watt benötigt, sie teilt sich auf in 41 Watt zur Überwindung der Rollreibung und 129 Watt, um dem Luftwiderstand zu trotzen.

Anders beim Sammeln von Höhenmetern: Fährt unser Beispiel-Fahrer einen fünf Kilometer langen Berg mit sechs Prozent Steigung (300 Höhenmeter), so werden bei einer konstanten Geschwindigkeit von 15 Kilometern pro Stunde 236 Watt benötigt. Ein um 0,5 Kilogramm minimiertes Systemgewicht spart 1,2 Watt.

Clincher vs. Tubular

Bei Tubularfelgen nimmt der geschlossene Reifenmantel den Reifendruck selbst auf und die Felgenflanke wird damit nicht belastet - sie kommt deshalb mit rund der halben Wandstärke aus, was pro Felge gute 100 Gramm und einige Euros spart.

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