Samstagmorgen, es müssen dringend Brötchen her. Nach dem Frühstück wird gepackt und ab geht’s. Wohin? Eigentlich egal. Der Akku ist voll und der Tag noch jung, Hauptsache in die Natur. Die Kleinen sind zufrieden, solange es Gras unter den Füßen und Blumen zum Pflücken gibt.
Das E-Cargo-Bike bringt euch von der Haustür direkt in die Natur und zurück. Stressfrei ohne Parkplatzsuche und, wenn es sein muss, auch an die abgelegensten Orte!
Butchers & Bicycles Mk1-E Automatic
Das Butchers & Bicycles Mk1-E Automatic ist der Hipster unter den E-Lastenrädern. Das einzige Dreirad im Test wartet mit Achsschenkellenkung und ausgeklügelter Neigetechnik auf und ist ab 6.699 € zu haben. Der Bosch Performance CX Gen2-Motor wird über einen Riemen angetrieben und von einem 500-Wh-Akku mit Energie versorgt.
Typisch skandinavisch kommt das Butchers & Bicycles mit viel Understatement in minimalistischem Design daher - ohne Frage eins der coolsten Lastenfahrräder auf dem Markt! Die riesige Transportbox fasst mit 220 l noch mal 40 l mehr Volumen als die des Urban Arrow und bietet auf einer Ledersitzbank zwei Kindern Platz - exklusiver können die Zwerge auch in Opas Benz nicht durch die Gegend kutschiert werden.
Gegen Aufpreis ist es möglich, der Transportbox auf der Vorderseite eine Tür zu spendieren, um den ansonsten sehr hohen Einstieg zu erleichtern. Das ist super praktisch und die 250 € definitiv wert! Der Akku ist im abschließbaren Handschuhfach mit Getränkehalter untergebracht, der Ladeport ist leider recht gut auf der Unterseite des Lastenfahrrads versteckt und nicht besonders gut zugänglich.
Optional kann man auch auf das Bosch Dual-Battery-System mit insgesamt 1.000 Wh upgraden - allerdings nicht mit der in unserem Test-Bike verbauten Enviolo Harmony H-Sync-Schaltung. Wie die Riese & Müller-E-Lastenräder bietet auch das Butchers & Bicycles-Lastenfahrrad einen GPS-Tracker zum Diebstahlschutz an.
Super praktisch ist die Tektro-Scheibenbremse mit Feststellfunktion im Stand. Sie hindert das Bike daran, einfach eigenständig loszufahren, und ist sinnvoll, wenn man den Ständer mal nicht ausklappt. Als einziges Bike im Test verfügt das Mk1-E Automatic-E-Lastenrad über eine Enviolo Cargo-Automatik-Schaltung, d. h. es gibt keinen Schalthebel mehr, über den man die Gänge selbst schalten kann.
Da die Schaltung mit dem Motor gekoppelt ist, lässt sich über die Bosch-Remote die gewünschte Trittfrequenz einstellen. An ihr orientiert sich die automatische Gangwahl, was in meisten Fahrsituationen sehr gut funktioniert. Für alle, die gemütlich fahren, reduziert sich hingegen das Risiko, im falschen Gang unterwegs zu sein oder das Schalten ganz zu vergessen.
Ein weiteres Manko der Schaltung ist die geringe Übersetzungsbandbreite von 380 %, die in Kombination mit dem alten Bosch Performance CX in steilen Anstiegen schlichtweg nicht ausreicht.
In Sachen Komfort kann das E-Lastenrad nicht überzeugen. Das E-Lastenfahrrad fühlt sich deutlich wohler auf asphaltierten Straßen - am besten nicht zu langsam, aber auch nicht zu schnell! Auch wenn Dreirad-Lastenräder in der Theorie ein einfaches, sicheres und intuitives Handling versprechen, sieht die Realität doch anders aus.
Generell muss man das Butchers & Bicycles Mk1 mehrere Stunden fahren und damit warm werden, bis man die Neigetechnik und das Kurvenverhalten richtig versteht. Bei niedrigen Geschwindigkeiten ist das Bike recht nervös, schwer zu kontrollieren und hat selbst einige der erfahrensten Mitglieder unserer Testcrew ins Schwitzen gebracht.
Das Bike lässt sich von allen E-Lastenrädern im Testfeld am wenigsten intuitiv fahren und erfordert in vielen Fahrsituationen ein Umdenken, im Prinzip muss man das Fahrradfahren komplett neu erlernen. Bei hohen Geschwindigkeiten stabilisiert sich das Mk1 deutlich, kommt in zügig gefahrenen Kurven jedoch schnell ans Limit und braucht einen verhältnismäßig großen Kurvenradius.
Um durch solche Kurven sicher zu fahren, bedarf es einer Mischung aus Körpereinsatz und Lenkeinschlag. Der Kindersitz ist leider direkt auf der Vorderradachse positioniert, bereits mit 20 kg auf dem Sitz kann das E-Lastenrad bei Bremsvorgängen vorne überkippen - ein komplett unnötiges Sicherheitsrisiko für die Kids, die vorne sitzen!
Generell fallen die Hebelverhältnisse und Lastverteilungen dieses Kopenhagener E-Cargo-Bikes ungünstig aus, was je nach Fahrweise zu einer echten Gefahr für alle Beteiligten werden kann.
Tabelle: Butchers & Bicycles Mk1-E Automatic - Details| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Preis | 6.699 € |
| Motor | Bosch Performance Line CX 75 Nm |
| Akku | Bosch PowerPack 500 Wh |
| Schaltung | Enviolo Cargo Automatik 380 % |
| Zul. Gesamtgewicht | 250 kg |
| Volumen Transportbox | 220 l |
Vor- und Nachteile des Butchers & Bicycles Mk1-E Automatic
- Vorteile: Skandinavisches Design, riesige Transportbox
- Nachteile: Nervöses Handling, Sicherheitsrisiko
WINORA F.U.B. 2W
Statt im Sports Utility Vehicle nimmt die Familie jetzt im Family Utility Bike Platz, daher auch der Name F.U.B. Die deutsche Traditionsmarke WINORA bietet Lastenrad-Fahrern gleich zwei Varianten ihres F.U.B.-Cargobikes an: das 3W-Dreirad und das von uns getestete 2W-Long-John-Lastenfahrrad. Mit 5.200 € ist das WINORA Lastenrad das zweitgünstigste Lastenrad im Testfeld.
Zieht man von dem maximal zulässigen Gesamtgewicht von 200 kg die 63,8 kg des Lastenrads ab (das zweitschwerste Lastenrad des Vergleichstests), bleiben noch rund 136 kg für die Zuladung übrig. Für Vortrieb sorgt ein Bosch Cargo Line-Motor samt 500-Wh-Akku aus dem nicht mehr ganz taufrischen Bosch eBike-System 2.
Die gebogenen Rundrohre verleihen dem Rahmen genug Steifigkeit, sodass auf ein Oberrohr verzichtet werden konnte. Mit 40 cm Höhe hat das WINORA-Lastenrad den niedrigsten Durchstieg des Vergleichstests, was auch kleinen Menschen den Aufstieg erleichtert. Die eingesparten Zentimeter beim Durchstieg hängt WINORA vorne und hinten an das Lastenrad dran: Mit 265 cm Länge ist es fast so lang wie die Trilogie von Herr der Ringe und gleichzeitig das längste Lastenrad des Vergleichstests.
Ihre Öffnung beträgt an den breitesten Stellen ungefähr 95 x 60 cm und sie darf mit bis zu 80 kg Gepäck beladen werden. Passend dazu ist die Transportbox von innen mit recyceltem Hartschaum ausgekleidet, das einen gewissen Grad an Seitenaufprallschutz bietet.
Hinter dem Fahrer und über dem großen 26”-Hinterrad befindet sich noch ein solider Heckgepäckträger mit MIK HD-Schnittstelle, auf dem ein Kindersitz angebracht werden darf. So erhöht sich die Passagiertransportkapazität auf bis zu vier kleine Beifahrer plus Fahrer.
Was die reinen Leistungsdaten betrifft, so bietet er mit 85 Nm und 400-%-Tretunterstützung die gleiche Kraft wie die anderen Cargo Line-Motoren beim Riese & Müller Packster2, Moustache Lundi und Cannondale Wonderwagen. Es wird ab Serie nur mit einem kleinen 500-Wh-Akkupack ausgeliefert, der kleinsten Akkukapazität im Lastenrad Test.
Für kurze Erledigungsfahrten mit moderater Beladung reicht das noch aus. Plant man einen längeren Ausflug, sollte man jedoch von der vorinstallierten Halterung für ein zweites PowerPack Gebrauch machen, damit man die Akkus unterwegs schnell tauschen kann. Damit verdoppelt man schlagartig die Reichweite und kann auch lange Trips ohne Reichweitenangst in Angriff nehmen.
Die Sattelhöhe wird mit einer Schnellspanner-Sattelklemme reguliert. Laut WINORA-Größenkalkulator finden Fahrer von 165 bis 190 cm auf dem F.U.B. Will man mit dem großen WINORA Lastenrad Schiff ablegen oder vor Anker gehen, lässt es sich stabil und relativ einfach auf den soliden Zweibeinständer Auf- und Abbocken, wenn man den kleinen Fußhebel auf der linken Seite des Ständers richtig zu nutzen vermag.
Ist die Sitzbank verbaut, bleiben noch knapp 40 x 42 cm Grundfläche in der Transportbox übrig, Platz genug für die eigene Tasche und die Rucksäcke der Kleinen, aber nicht mehr für den Wocheneinkauf. Ist das WINORA Lastenrad erstmal voll beladen, gestaltet sich das Anfahren als kippelige Angelegenheit und selbst geübte Lastenrad-Fahrer sollten sich erst mal an das Lenkverhalten des WINORA Lastenrad gewöhnen.
Über den schmalen 610-mm-Lenker und die Gelenkstange lässt sich das Vorderrad nur recht unpräzise steuern und das Handling erfordert höchste Konzentration. Bergab fallen die MAGURA CT-Zweikolbenbremsen mit kleinen 160-mm-Bremsscheiben auf, die für ein Lastenrad klar unterdimensioniert sind.
Das ungefederte Fahrwerk und die glatte Schwalbe Pick-Up-Bereifung, die mit 2,15” nochmals eine Nummer schmaler ausfällt als am Cannondale Wonderwagen, sorgen weder für Fahrkomfort noch für solide Traktion auf Feld- und Waldwegen.
Tabelle: WINORA F.U.B. 2W - Details| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Preis | 5.199 € |
| Motor | Bosch Cargo Line 85 Nm |
| Akku | Bosch PowerPack 500 Wh |
| Schaltung | Enviolo Heavy Duty 380 % |
| Zul. Gesamtgewicht | 200 kg |
| Länge | 265 cm |
Vor- und Nachteile des WINORA F.U.B. 2W
- Vorteile: Günstiges Stahlbike, Befestigungsschienen in der Transportbox
- Nachteile: Anspruchsvolles Handling, Größen- und Motorkonzept nicht mehr zeitgemäß
Gazelle Cabby C380
Das Cabby von Gazelle soll der perfekte Begleiter für alltägliche Besorgungen mit Kindern und Ladegut sein. Wir haben es über 500 Kilometer lang ausprobiert. Mit seiner rückwärtigen Sitzbank für den Nachwuchs wird es zum cleveren Begleiter in der Stadt und im Alltag. Wir sind das ab 5699 Euro erhältliche Longtail über 500 Kilometer gefahren.
Im Cabby arbeitet der neue Performance CX der fünften Generation mit - per App freischaltbaren - kräftigen 100 Newtonmetern. Ab Werk gibt es einen 400-Wh-Akku - für ein Rad dieser Gewichtsklasse ist das eher knapp bemessen. Sinnvoller ist der 545-Wh-Akku (Aufpreis: 300 Euro), mit dem auch unser Testrad unterwegs war.
Gazelle bietet zwei Rahmengrößen für das Cabby an: 45 für Piloten zwischen 1,60 und 1,75 m und 55 für 1,75 bis 1,90 m. Weniger schön: Viele sinnvolle Extras kosten Aufpreis.
Im Alltag durfte vor allem unser Kollege Agron Beqiri, zweifacher Familienvater, ran - und war anschließend ziemlich begeistert. Der Bosch-Motor zieht kräftig an, der 545er-Akku reicht im Familieneinsatz völlig. Tochter hinten drauf und ab zum Kindergarten oder dem Bolzplatz: Dafür ist das Cabby gemacht.
Besonders geschätzt wurden die Reling und das Sitzkissen - für den Kindertransport unverzichtbar, leider aber nicht serienmäßig dabei. Im Fahrtest zeigte sich das Cabby stabil, erst recht mit Kind hinten drauf. Die Tektro-Bremsen mit 180er-Scheiben funktionierten im Alltag problemlos, wer regelmäßig mit viel Gewicht bergab fährt, sollte aber über 200er-Scheiben nachdenken.
Details wie die Gummiabdeckungen am Ständer oder die gummierten Fußstützen sind Details, die den Alltag wirklich erleichtern. Auch der Sattel überzeugte, der clevere Griff hinten bot dem Kind zusätzlichen Halt. Pluspunkte sammelt das Cabby auch mit GPS-Tracking und Diebstahlversicherung, die für Sicherheit sorgen.
Der vordere Gepäckträger ist eher eine Plattform, was bedeutet, dass man Lasten nur mit Spanngurten fixieren kann - praktisch, aber weniger komfortabel als ein richtiger Korb. Kritik gibt es auch an der stufenlosen Enviolo-Nabe: In hügeligem Terrain wie Stuttgart fehlte die Bandbreite, der Motor musste oft im Turbo-Modus arbeiten.
Vergleichsweise undurchdacht fanden wir die Akku-Entnahme, denn diese ist je nach Sitzhöhe nur mit seitlich gedrehtem Sattel möglich - im Alltag, gerade wenn mehrere Personen fahren, eher unpraktisch.
Tabelle: Gazelle Cabby C380 - Details| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Preis | Ab 5.699 € |
| Motor | Bosch Performance CX (5. Generation) 100 Nm |
| Akku | 400 Wh (optional 545 Wh) |
Vor- und Nachteile des Gazelle Cabby C380
- Vorteile: Aufgeräumtes Cockpit, praktisches Felgenschloss, GPS-Tracking, Diebstahlversicherung
- Nachteile: Enviolo-Schaltung in hügeligem Gelände überfordert, unpraktische Akku-Entnahme
Weitere empfehlenswerte Lastenräder für den Kindertransport
- Christiania Bikes Classic Medium: Ein Klassiker mit großer Transportbox für Kinder, Einkäufe und mehr.
- Tern GSD S00: Wendig und vielseitig, ideal für den Transport von Kindern auf dem langen Gepäckträger.
- Chike E-Kids: Ein Raumschiff auf drei Rädern mit Schwenkachse für tolles Fahrverhalten und komfortabler Kabine für die Kleinen.
- Btwin Long John F900E: Bietet ein rundes Gesamtpaket mit Regen- und Sonnendach, Tür an der Box, Komfort, Stauraum und Wendigkeit.
- Load 75 von Riese & Müller: Ein Flitzer auf zwei Rädern mit vollgefedertem Fahrwerk und kraftvollem E-Motor.
Aspekte beim Kauf eines Lastenrads für den Kindertransport
Wer ein Cargo-E-Bike für den Kindertransport kauft, möchte natürlich auf Nummer Sicher gehen, dass der Nachwuchs bestens geschützt ist. Daher hat IMTEST diesen wichtigen Punkt mit in die Prüfung aufgenommen und die Räder im Labor von Qima in Bezug auf Gefahrenschutz, dem Rückhaltsystem, der Kopffreiheit, dem Kopfschutz sowie dem Schutz in der Wanne testen lassen.
Die Bewertung erfolgt nach der aktuell noch gültigen DIN 79010 für Lastenräder. Bei diesem Punkt wird geprüft, ob in der Erreichbarkeitszone der Arme von Kindern Stellen sind, wo sich Kinder ihre Finger verfangen, quetschen oder anderweitig verletzen können.
Dreirädrige Lastenräder: Vorteile und empfehlenswerte Modelle
Dreirädrige Lastenräder bieten eine Reihe von Vorteilen gegenüber herkömmlichen Zweirad-Modellen. Sie sind stabiler, haben eine höhere Gewichtskapazität und sind einfacher zu balancieren.
Empfehlenswerte Modelle
- Pfautec Scoobo: Ein komfortables und ausdauerndes E-Lastenrad mit tiefem Einstieg und hydraulischen Scheibenbremsen.
- Vanraam Maxi E-Dreirad: Bietet Freiheit und Komfort mit leisem Elektroantrieb und 8-Gang-Nabenschaltung.
- LENJKYYO Lastenrad: Ein robustes und langlebiges Dreirad mit großem Korb und verstellbarem Lenker und Sitz.
- ZÜNDAPP Cargo C2426: Ein leistungsstarkes Dreirad mit geräumiger Transportbox und hoher Reichweite.
- GinkGo C1 E-Cargo-Trike: Ein Transportwunder mit großzügiger Ladefläche und beeindruckender Tragfähigkeit.
Für wen eignen sich Lastenräder mit 3 Rädern?
- Familien: Zum sicheren Transport von Kindern und Einkäufen.
- Pendler: Als umweltfreundliche und kostengünstige Alternative für den Weg zur Arbeit.
- Unternehmen: Für die effiziente und nachhaltige Zustellung von Waren und Lebensmitteln.
- Ältere Menschen: Für mehr Stabilität und Unabhängigkeit.
- Umweltbewusste Menschen: Als ökonomisch sinnvolle Alternative zum Auto.
- Handwerker: Für den einfachen Transport von Werkzeugen und Ausrüstung.
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