E-Bike Advanced im Niedersachsenpark: Erfahrungen und Entwicklungen

Der E-Bike-Hersteller Advanced Bikes GmbH hat Insolvenz angemeldet, aber es wird an einem Sanierungskonzept gearbeitet. Advanced baut schon seit 2011 E-Bikes für die Stadt und hat erst 2021 seinen Namen von “Ebike” auf Advanced geändert.

Neues Technologie- und Innovationszentrum

Das Unternehmen „E Bike Advanced Technologies“ mit Sitz in Frankfurt investierte mehr als 12 Millionen Euro in ein neues Technologie- und Innovationszentrum im Niedersachsenpark in Neuenkirchen-Vörden. Bis zu 100.000 E-Bikes pro Jahr wollte das Unternehmen zukünftig im Niedersachsenpark fertigen und die Produktion sollte im zweiten Quartal 2023 beginnen.

Außerdem sollte laut Unternehmen mit modernster Lager- und Produktionssteuerung sowie einem autarken Energiekonzept, nichts weniger als die Mobilität der Zukunft entstehen.

Der Spatenstich und die anfänglichen Ziele

Der erste Spatenstich war vollzogen. Rund 13 Millionen Euro investierte das Unternehmen in die Produktionsstätte und den zweigeschossigen Bürotrakt. Das Ziel war ehrgeizig: Am 1. April sollte die Fertigung der ersten E-Bikes der Marke Advanced aus dem Haus „E Bike Advanced Technologies“ in der neuen Produktionshalle im interkommunalen Industrie- und Gewerbegebiet Niedersachsenpark beginnen.

Zunächst wollte das Unternehmen auf seinem neuen Standort mit 100 Mitarbeitern 100.000 E-Bikes pro Jahr herstellen. Eine Erweiterung der Produktion sei möglich, die dafür notwendigen Flächen hatte sich das Unternehmen bei der Gesellschaft Niedersachsenpark gesichert, sagte Helge von Fugler.

Nachhaltigkeit als Kernwert

„Wir stehen für echte nachhaltige Mobilität durch eine Kreislaufwirtschaft.“ Das Ziel bei „Advanced“ sei es, Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen. Das Reco-Konzept mit der Produktion von Rahmen und anderen Komponenten aus recyclingfähigem Kunststoff spare 68 Prozent CO2-Emissionen ein.

Geplant sei zudem, nahezu alle benötigten Komponenten für ein Advanced-E-Bike selbst zu produzieren, um die Abhängigkeit von globalen Lieferketten zu reduzieren. „Unser Ziel ist es, 2025 der nachhaltigste Fahrradhersteller der Branche zu sein.“ Inzwischen seien Advanced-E-Bikes bei 750 Händlern in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in den Benelux-Staaten gelistet, erklärte er. Das Unternehmen werde in diesem Jahr einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro erzielen.

Advanced Offroad Pro Race: Ein E-MTB der Spitzenklasse

Auch E-MTB stehen schon länger im Portfolio unter dem Modellnamen “Offroad”. Darunter auch ein Tiefeinsteiger E-Mountainbike. Das Top-Modell Advanced Offroad Pro Race soll nun die obere Käuferschicht anzapfen. Ab 9499 Euro geht es los, dafür aber mit einem Vollcarbon-Rahmen, der das Gesamtgewicht abhängig von der Ausstattung bis unter 22 Kilo drücken soll und laut Hersteller für den Wettbewerbseinsatz geeignet sei.

Auch das Fahrwerk ist gut bestückt mit einer Rockshox ZEB Gabel und einem Superdeluxe Dämpfer, die beide 160 Millimeter Federweg in den Rahmen pumpen. Im Top-Modell des Advanced Offroad Pro Race für 11499 Euro dann sogar in der Ultimate Ausführung.

Modell Preis ab Besonderheiten
Advanced Offroad Pro Race 9499 Euro Vollcarbon-Rahmen, Rockshox ZEB Gabel, Superdeluxe Dämpfer
Advanced Offroad Pro Race (Ultimate) 11499 Euro Top-Ausstattung

Das Herzstück dieses E-Bikes ist der neue und in der Stückzahl begrenzte Bosch Performance CX Race Motor. Der kompakte Antrieb wiegt 150 Gramm weniger als der normale CX, 2,75 Kilogramm, bringt aber mit dem 750-Wh-Akku bis zu 400 Prozent Tretunterstützung - wo der Standard-CX Bosch-Motor lediglich 340 Prozent zuschustert. Das maximale Drehmoment bleibt aber mit 85 Newtonmetern gleich (hoch).

Der exklusive Race-Modus des Bosch Smart Systems (jetzt in rot auf dem Kiox-Display dargestellt) bringt die Leistung kontrolliert auf den Trail. Praktisch ist zudem die integrierte Hill-Hold-Funktion. Sie verhindert, dass das Advanced Offroad Pro Race an Steigungen zurückrollt und erleichtert so zudem den Start.

Kabel und Züge versucht Advanced bei seinem neusten E-MTB zu vermeiden. Daher kommen bei Schaltung und Variostütze Funkverbindungen zum Einsatz. Im Topmodell gibt es eine Sram X01 AXS Schaltung und eine Rockshox Reverb AXS Dropper Post - beide kabellos per Funk gesteuert. In der “Spar”-Version immerhin noch eine Sram GX Eagle AXS.

Das Advanced Offroad Pro Race sollte nach Angaben des Herstellers ab Februar 2023 bei ausgewählten Advanced-Händlern in begrenzter Menge erhältlich sein.

Herausforderungen und Insolvenz

Der 41-jährige Familienvater aus Bramsche war Betriebsleiter im Werk der Advanced Bikes GmbH im Niedersachsenpark in Rieste. Im Jahr 2023 hatte der Fahrradhersteller den neuen Standort eröffnet.

Neustart mit Advanced Mobility GmbH

Es wurden sämtliche Marken- und Nutzungsrechte sowie das Materiallager der Advanced Bikes GmbH in Rieste gekauft. Laut Mitteilung trete die Advanced Mobility GmbH an, um das Know-how und die Innovationskraft der bisherigen Marke weiterzuführen. Hier, das ist der neue Standort an der Göttinger Straße 4 im Niedersachsenpark in Neuenkirchen-Vörden.

Mit ihm zusammen sind zehn Mitarbeiter an dem neuen Standort beschäftigt - allesamt ehemalige Kollegen, die nach der Advanced-Pleite ihren Job verloren hatten. Insgesamt knapp 3500 Paletten mit Material von der Advanced Bikes GmbH mussten aus der ehemaligen Produktionshalle raus. Auch fertige Räder habe er dem Insolvenzverwalter noch abgekauft, so Tobias Eichhorst.

Im März hatte bereits die Firma MOIN in der ehemaligen Advanced-Produktionshalle ihren Betrieb aufgenommen. Entstanden sei sie aufgrund des Sanierungskonzepts, mit dem zunächst versucht werden sollte, die Advanced Bikes GmbH zu retten.

„In einem ersten Step helfen wir bei der Organisation von Ersatzteilen“, sagt Tobias Eichhorst, der Zweiradmechaniker-Meister ist und Mechatronik studiert hat. Doch sollen auch wieder Fahrräder unter der Marke Advanced gebaut werden. „Wir bereiten gerade das Modelljahr 2026 vor“, berichtet Tobias Eichhorst.

Händlertag und Blick in die Produktion

Rund 100 Händler aus den Benelux-Staaten waren in den Neubau im interkommunalen Niedersachsenpark in Rieste und Neuenkirchen-Vörden gekommen, um sich bei ihrer „Händlertag“-Premiere vor Ort umzusehen und viele Informationen rund um den nachhaltiginnovativen Hersteller mit nach Hause zu nehmen.

Seit knapp einem Jahr, seit Mai 2023, produziert „Advanced“, im Jahr 2011 gegründet, seine fünf Modelle in Rieste. Gefertigt werden ausschließlich E-Bikes, und nur nach Auftrag. Der Vertriebsfokus liegt derzeit „auf Europa“. Die Beneluxländer und der DACH-Raum sind die Hauptabsatzgebiete.

Rund 80 Prozent des Umsatzes, der 2022 bei rund 52 Millionen Euro lag, macht „Advanced“ mit Tour-/Trekking EBikes im Preissegment zwischen 3.500 bis 4.500 Euro. Die Qualität? „Unsere Produkte sind schon Champions League. Wir haben einen technologischen Vorsprung“, meint der Unternehmer, der darauf verweist, dass sein Spritzgussrahmen nicht die üblichen Schwach- und Schweißstellen eines Metallexemplars hat.

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