Die Tour de France ist eines der größten Sportereignisse der Welt, das Millionen von Zuschauern anzieht. So populär die Tour de France bei den Zuschauern ist, so populär ist auch das Radfahren selbst. Radeln liegt im Trend.
Das Fahrrad ist eines der energieeffizientesten und kostengünstigsten Verkehrsmittel und für viele Menschen eine umweltfreundliche und gesundheitsfördernde Alternative zu motorisierten Fahrzeugen. Umfangreiche Initiativen zur Förderung der Fahrradnutzung und Investitionen in die Fahrradinfrastruktur in vielen Ländern und Ballungsräumen im Zusammenhang mit der fortschreitenden Urbanisierung dürften den globalen Fahrradmarkt ebenfalls vorantreiben. Dies schlägt sich in dynamischen Wachstumserwartungen nieder.
Laut einer Analyse von Fortune Business Insights hatte der weltweite Fahrradmarkt im Jahr 2023 ein Volumen von 113,73 Mrd. US-Dollar. Bis 2032 soll er um durchschnittlich 10,6 % auf über 274 Mrd. US-Dollar wachsen. Das bedeutet gute Geschäftsaussichten für Komponenten- und Fahrradhersteller.
Allerdings ist die Zahl der börsennotierten Branchenvertreter überschaubar. Es gibt kaum Unternehmen, die sich ausschließlich mit Fahrrädern beschäftigen. Ein paar „Fahrradaktien“, die für Anlegende einen Blick wert sein könnten, gibt es aber dennoch.
Vorstellung interessanter Unternehmen
Wir betrachten in dieser Reihe wieder Anbieter, die im Fahrrad- bzw. E-Bike-Segment unterwegs sind und in die Anleger erfolgreich investieren können. Wo lohnt sich ein Investment und wo steigen wir lieber schnell wieder ab bzw. Wer?
Shimano
Eine weltweit bekannte Größe der Branche ist das japanische Unternehmen Shimano, das sich auf die Herstellung von Fahrradkomponenten, Angelgeräten und Ruderausrüstungen spezialisiert hat. Als weltgrößter Hersteller von Fahrradteilen verfügt das Unternehmen über eine starke Marktposition und bietet eine breite Palette von Komponenten wie Schaltungen, Getriebe und Bremsen an.
Der Umsatzanteil der Fahrradsparte beträgt ca. 77 %. Europa ist mit rund 39 % der größte Absatzmarkt, gefolgt von China und Taiwan. In den beiden letztgenannten Ländern produziert u. a. Die Marke Shimano ist weltweit etabliert und steht für hochwertige Fahrradkomponenten, insbesondere für Rennräder. Kein Wunder also, dass sich die Japaner auch bei der Tour de France als offizieller Partner präsentieren.
Die Jahre 2021 und 2022 waren für Shimano geschäftlich besonders erfolgreich. Das Unternehmen verzeichnete aufgrund der weltweit starken Nachfrage überdurchschnittliche Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn. Im Jahr 2023 folgte jedoch ein Umsatzrückgang von 24,6 % und ein Rückgang des Betriebsergebnisses von 50,5 %.
Neben der grundsätzlichen Abschwächung der Nachfrage nach den beiden besonders starken Vorjahren hatten sich die Rahmenbedingungen durch die gesamtwirtschaftliche Schwäche und das Überangebot in der Branche verschlechtert. Dies spiegelte sich auch im Aktienkurs wider, der im Jahr 2023 auf der Stelle trat. Seit Februar dieses Jahres zeigt der Trend jedoch wieder nach oben.
Der Markt scheint zu antizipieren, dass die Talsohle durchschritten ist und in diesem und den nächsten Jahren wieder steigende Umsätze und Gewinne zu erwarten sind. Nachteil dieser positiven Kursentwicklung ist, dass die Aktie mit einem aktuellen KGV von rund 34 deutlich über ihrem historischen Durchschnitt von ca. 25,8 liegt.
PIERER Mobility
Bessere Bewertungsrelationen weist aktuell die Aktie des österreichischen Unternehmens PIERER Mobility auf, das allerdings kein reines Fahrradunternehmen ist. Den aktuellen Namen dieses österreichischen Motorrad- und Sportwagenherstellers kennen sicherlich weniger Zweirad-Fans als die Marke, die sich dahinter verbirgt: KTM.
Schwerpunkt der Aktivitäten sind Motorräder mit einem Umsatzanteil von über 90 % im Jahr 2023. Dazu gehören bekannte Marken wie KTM, GASGAS, Husqvarna und MV Agusta. Inzwischen hat die Pierer Mobility AG mehr als 6.000 Mitarbeiter (vorwiegend in Österreich) und verzeichnete 2022 einen Rekordumsatz von ca. 2,437 Milliarden Euro sowie ein EBIT von 235 Millionen Euro (+22 Prozent).
Im Kern weiterhin ein Hersteller von Motorrädern und -teilen, sind stehen seit einiger Zeit zusätzlich E-Bikes bzw. Fahrräder in der Angebotspalette zu finden. In erster Linie sind es hier u. a. die Marken KTM, Husqvarna R Raymon und GasGas. Der Absatz von Fahrrädern 2022 lag bei 118.465 - 15 Prozent über dem Vorjahr. Allerdings wurde die Anzahl an verkauften E-Bikes etwas niedriger als 2021 angegeben (74.479; Vorjahr: 76.916).
Im Vergleich mit 2020 (56.064) indes immer noch ein deutliches Plus und der Absatz der reinen Fahrräder hat sich in den drei Jahren sogar mehr als verdoppelt. Das aktuelle KGV liegt mit 15,8 unter dem historischen Durchschnitt von 25,4. Darin spiegelt sich der massive Kursrückgang seit dem Zwischenhoch im Februar 2023 von fast 60 % wider.
Belastend wirkten vor allem die sich verschlechternden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch die konjunkturelle Abschwächung und der zunehmende Kostendruck durch die hohe Inflation. Das Geschäftsjahr 2024 steht nun ganz im Zeichen der strategischen Fokussierung auf das Kerngeschäft „Powered Two-Wheelers“ (Motorräder und E-Bikes) sowie von Kostensenkungsmaßnahmen (u. a. Verlagerung der Produktion nach Indien und China).
Dazu trennt sich das Unternehmen von den klassischen muskelbetriebenen Fahrrädern und konzentriert sich künftig auf E-Bikes, die zusammen mit E-Motorrädern, E-Minis sowie Stand-up-Scootern das Segment E-Mobility bilden. Damit setzt PIERER Mobility auf die Wachstumschancen der Elektromobilität als Ergänzung zum klassischen Motorradgeschäft, das jedoch auf absehbare Zeit die Haupteinnahmequelle bleiben dürfte.
Die letzten zwölf Monate sind eigentlich eine solide Angelegenheit für alle, die in die Papiere des österreichischen Herstellers investiert haben. Teilweise ging es hoch bis auf 84,50 Euro, wobei ein mehr als gutes Jahr 2022 und eine positive Prognose 2023 vorausgingen. Inzwischen pendelte sich das Papier bei etwa 75 Euro ein. Insgesamt ein Kandidat zum Halten oder zum Einstieg bei etwas günstigeren Werten.
FOX Factory Holding Corp.
Auch bei der US-amerikanischen Fox Factory Holding sind Fahrradteile (z. B. Gabeln, Stoßdämpfer, Sattelstützen) mit einem Umsatzbeitrag von ca. 23 % nur ein Teil des Portfolios, das Premiumprodukte für Spezialsportarten sowie On- und Offroad-Fahrzeuge umfasst. Ein E-Bike besteht bekanntermaßen nicht nur aus einem zusätzlichen E-Motor und einem Akku. Auch der Rest muss so designt und angepasst werden, dass es den Anforderungen gerecht wird.
Für Kunden, die moderne E-MTB präferieren, bietet z. B. der Fahrwerks-Federungsspezialist Fox Factory Holding Corp. passendes Equipment an - von der Vorderradgabel bis zur Hinterradaufhängung. Darüber hinaus ist das Unternehmen auch in anderen Bereichen abseits der Bike-Division unterwegs, z. B. Komponenten für Geländefahrzeuge, Schneemobile und vieles mehr. Indes soll es uns in bei dieser Betrachtung vorwiegend um den Aspekt des Fahrradteilherstellers gehen.
Dazu gehören vor allem Stoßdämpfer und Federungen. Seit Jahren gehört es zur Wachstumsstrategie, komplementäre Geschäftsfelder zu akquirieren. Kurios erscheint in diesem Zusammenhang die im November 2023 abgeschlossene Übernahme von Wheelhouse Holdings für 572 Millionen Dollar. Damit wurde der Hersteller von hochwertigen Baseball- und Softballschlägern Marucci Sports erworben.
Seine Produkte unterscheiden sich zwar deutlich vom bisherigen Portfolio, haben aber ebenfalls enthusiastische Sportler als Zielgruppe. Gleichwohl dürfte die kreditfinanzierte Übernahme zusammen mit dem konjunkturellen Abschwung und steigenden Kosten zu den Belastungsfaktoren für den Aktienkurs in den letzten Monaten gehört haben.
Dies hat allerdings auch zu einem starken Rückgang der Bewertungskennzahlen geführt. So liegt das aktuelle KGV mit 18,9 unter dem historischen Durchschnitt von 23. Hervorgegangen ist das heutige Unternehmen aus einem kleinen Betrieb der Brüder Bob und Geoff Fox, die Aufhängungskomponenten für Motocross-Motorräder herstellten. Das war im Jahr 1974. Die ursprüngliche Holding entstand 1978.
2008 kaufte eine Private-Equity-Gesellschaft das Unternehmen und 2013 ging es an die Börse. Mittelklasse bis Premiumklasse - in diesem Segment siedeln sich die Produkte des Unternehmens an. Die Geschäfte liefen in den letzten Jahren sogar mehr als gut. Der Umsatz stieg auf ca. 1,602 Milliarden US-Dollar (2022; 2021: 1,299 Milliarden USD), das Nettoergebnis kletterte von 163 Millionen US-Dollar 2021 auf 205 Millionen US-Dollar im Jahr 2022.
Für 2023 dürfte sich das ganze zwar etwas relativieren, aber besonders schlecht sind die Prognosen auch nicht. Analysten gehen für das Jahr von einem Gewinn pro Aktie von ca. 5,16 US-Dollar aus, etwas weniger als im Vorjahr.
Ein stetiges auf und ab bewegt die Fox Factory, was den Aktienkurs angeht. Im 12-Monats-Rückblick bleibt aber ein solides Plus von ca. 13 Prozent und - nehmen wir die Höhenflüge aus den Jahren 2020 und 2021 heraus - stimmt die Richtung. Ein paar Pedalumdrehungen mehr dürften indes nicht schaden, sonst wird es doch noch holprig. Leider gibt es auch keine Dividende.
Thule
Vom erwarteten Wachstum des weltweiten Fahrradmarktes will auch das schwedische Unternehmen Thule profitieren. Das Geschäftskonzept besteht darin, hochwertige Produkte mit intelligenten Funktionen und nachhaltigem Design anzubieten, die den Menschen ein aktives Leben erleichtern.
Bekannt sind die Schweden vor allem für ihre Dachträger, Dachgepäckträger sowie Dachträger für den Transport von Wasser- und Wintersportgeräten und Fahrrädern. In diesen Kategorien, die im Segment Sport&Cargo Carriers zusammengefasst sind und 59 % des Konzernumsatzes ausmachen, ist Thule Weltmarktführer.
Thule wurde im Jahr 2023 ebenfalls durch das sich verschlechternde Umfeld gebremst und litt unter anderem unter den überhöhten Lagerbeständen, die der Einzelhandel im Jahr 2022 aufgebaut hatte. Darüber hinaus ist das Unternehmen zuversichtlich, an dem übergeordneten Basistrend eines stetig wachsenden Interesses und einer steigenden Nachfrage nach Sport- und Outdoorprodukten partizipieren zu können.
Dazu will Thule weiter in Qualität und Innovation investieren, um seine Marktposition zu stärken. Im Jahr 2023 hat Thule die größten Investitionen in die Produktentwicklung in der Geschichte des Unternehmens getätigt, was dazu führen wird, dass 2024 mehr neue Produkte als je zuvor auf den Markt kommen werden.
Bezüglich der Bewertung weist die Aktie derzeit ein KGV von 25,9 auf, was leicht über dem historischen Durchschnitt von 24,9 liegt.
E-Bike-Boom in Deutschland
Wer sich gelegentlich aufs Rad schwingt, kommt nicht umhin festzustellen, dass die Anzahl an Elektrofahrrädern bzw. Pedelecs deutlich zugenommen hat. Laut statistischem Bundesamt war 2022 etwa jedes achte Zweirad in deutschen Haushalten ein E-Bike, was ca. 8,4 Millionen Stück entspricht. 2019 lag die Anzahl noch bei 4,5 Millionen.
Noch ein paar weitere Zahlen? Im letzten Jahr wurden rund 1,5 Millionen E-Bikes und Pedelecs (mit einer Motorleistung von bis zu 250 Watt) im Wert von 1,7 Milliarden Euro nach Deutschland importiert - vorwiegend aus Bulgarien, Vietnam und den Niederlanden.
Fazit
Die genannten Unternehmen bieten interessante Möglichkeiten für Investitionen im wachsenden E-Bike-Markt. Bei der Entscheidung sollten Anleger jedoch die spezifischen Geschäftsmodelle, Marktpositionen und aktuellen Bewertungen berücksichtigen.
Überblick über die genannten Unternehmen
| Unternehmen | Produktschwerpunkt | Umsatzanteil Fahrradsparte | KGV (aktuell) |
|---|---|---|---|
| Shimano | Fahrradkomponenten, Angelgeräte, Ruderausrüstungen | ca. 77 % | ca. 34 |
| PIERER Mobility | Motorräder, E-Bikes | Gering, Fokus auf Motorräder | 15,8 |
| FOX Factory Holding Corp. | Premiumprodukte für Spezialsportarten sowie On- und Offroad-Fahrzeuge | ca. 23 % | 18,9 |
| Thule | Dachträger, Dachgepäckträger, Transportlösungen für Sportgeräte | Fokus auf Sport & Cargo | 25,9 |
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