Fahrräder aus Bambus sind gut fürs Umweltgewissen und bieten besondere Fahreigenschaften. Für den Öko-Vorteil müssen Kunden aber einen hohen Preis zahlen.
Was ist ein Bambusfahrrad?
Ein Fahrrad aus Gras? So könnte man das formulieren, denn Bambus zählt zur Familie der Süßgräser. Wenn Fahrradhersteller ihre Rahmen aus Bambus fertigen, dann bieten sie geschmeidige Fahreigenschaften und sind in der Produktion besonders umweltfreundlich.
Neu ist die Idee der Bambusfahrräder allerdings nicht. Sie geriet angesichts des Siegeszugs von Stahl als Rahmenmaterial im Zuge der Industrialisierung und später von Aluminium nur in Vergessenheit. Bereits 1894 wurde in London das erste Bambusfahrrad der Welt hergestellt.
2005 erweckte der US-Amerikaner Craig Calfee Bambus im Rahmenbau wieder zum Leben. Mittlerweile gibt es einige Firmen, die auf den Rohstoff setzen - darunter die deutschen Hersteller My Boo, Pine und Faserwerk.
Der Eker Stark im Test
Seit 2021 verkauft auch der schwedische Hersteller Eker (zu Deutsch: Speiche) Fahrräder aus Bambus. Der Test zeigt, was das Modell Stark - ein Hardtail-Mountainbike - alles kann.
Eker vermarktet das Modell Stark als Cross-Country-Mountainbike. Damit ist es so etwas wie eine Rennmaschine unter den Bergfahrrädern. Cross-Country ist die einzige Mountainbike-Disziplin, die olympisch ist.
Gegenüber den Fullys, also vollgefederten Mountainbikes, besitzt es als Hardtail nur eine Federgabel, aber ein starres Heck. Die Gattung der CC-Mountainbikes gilt als antrittsstark und direkt im Handling.
Die Technik des Eker Stark
Ungewöhnlich ist hauptsächlich die Produktionstechnik. 80 Stunden dauert es, bis ein Rahmen gefertigt ist, sagt Eker-Mitbegründer Stefan Krisch, „alles Handarbeit.“ Im Bambuswald in Uganda werden passende Rohre von Hand geerntet, gefertigt wird der Rahmen in der Hauptstadt Kampala. Die Endmontage erfolgt in Schweden.
Bei der Produktion kommt neben Bambus auch die Rinde des Mutuba-Baumes zum Einsatz. Zusammen mit einem „umweltfreundlichen“ Epoxid-Harz, das weitgehend ökologisch hergestellt sei, diene sie zum Verbinden der Rohre: „Wir schneiden die Rinde in Streifen und umwickeln die Rohre in einem bestimmten Muster, um eine maximale Festigkeit in alle Richtungen zu erreichen“, sagt Krisch zum Verfahren. Die Rahmenanteile aus Rinde erkennt man an ihrer dunkleren Farbe.
„Da jedes Rohr ein Unikat ist, ist es eine große Herausforderung, Fahrradrahmen mit wiederholter Qualität nach einer engen Spezifikation zu produzieren“, sagt Krisch. So wiegt der Rahmen des Testrades 2905 Gramm, kann in der Größe M aber zwischen 2400 und 2800 Gramm liegen. „Das Gewicht eines jeden Rahmens variiert je nach Erntezeit und anderen Aspekten des Bambusmaterials“, sagt Eker, der auf den Rahmen fünf Jahre Garantie gibt.
„Aufgrund des hohen Faseranteils wird unser Bambusrahmen auch bei hoher Belastung oder direktem Aufprall nicht brechen“, sagt er. Zudem sei das Material, obwohl ein Naturprodukt, gegen Wind und Wetter gewappnet. Dazu beschichtet Eker nicht nur das Innere der Rohre, sondern versieht den Rahmen im letzten Fertigungsschritt zudem mit vier Schichten Klarlack. „Witterungsbeständigkeits- und Alterungstests unter nordischen Bedingungen“ hätten dem Material sommers wie winters nichts anhaben können.
Laut einem Report der Duke University in North Carolina verursache die Herstellung eines Fahrradrahmens aus Aluminium etwa 250 Kilogramm, die eines Carbonrahmens 67 Kilogramm CO₂. Bei Bambus passiert das Gegenteil: Als nachwachsender Rohstoff bindet er CO₂. „Nach unseren Berechnungen entspricht der für einen Eker-Rahmen verwendete Bambus einer Aufnahme von 773 Kilo CO₂ aus der Atmosphäre“, sagt der Eker-Mitgründer.
Ausstattung, Zubehör, Peripherie
Am Rad finden sich Komponenten bekannter Marken, in diesem Fall Sram. Vom amerikanischen Zulieferer stammen die hydraulischen Scheibenbremsen, die Schaltkomponenten. Schaltwerk, Kurbel, Ritzelpaket und Kettenblatt (32 Zähne) zählen zur ambitionierten MTB-Einstiegsgruppe GX Eagle. Die Kassette mit Ritzeln von 10 bis 52 Zähne bietet eine Übersetzungsbandbreite von 500 Prozent, verteilt auf zwölf Gänge.
Die 100-Millimeter-Federgabel kommt von Rockshox (Modell Judy Gold RL 29„). Die 29-Zoll-Laufräder sind über Steckachsen montiert. Am Testrad aufgezogen sind Michelin-Stollenreifen, Modell Wild Racer (29“x2,1„). Die Ausstattung ist aber flexibel; zwei höhere Levels mit besseren Komponenten können im Web-Konfigurator angeklickt werden, womit sich der Preis fast verdoppeln lässt. Auch Spezialanfragen für individuelle Wünsche nimmt Eker auf.
Fahreindruck vom Eker Stark
„Unser Bambusrahmen ist leicht, langlebig und bietet dem Fahrer ein positives Maß an Flexibilität, ohne zu weich zu sein“, sagt Krisch. Im Sattel hat man nie das Gefühl, dass die eingebrachte Wadenkraft spürbar im Rahmen verschüttgeht. Zugleich fährt sich der Rahmen angenehm: Er schluckt im Zusammenspiel mit den Breitreifen viele leichte Unebenheiten weg und bietet einen Komfort, den man von einem gängig bocksteifen Alu-Hardtail nicht gewöhnt ist.
Der Mix aus Dämpfungseigenschaften, Flexibilität und effizienzfördernder Steifigkeit fühlt sich gelungen an. Und für einen Hallo-Effekt ist das Bambusrad immer gut. Große Augen bei Passanten und Nachfragen sind vorprogrammiert angesichts des Vintage-Looks.
Preis des Eker Stark
Das Stark kostet ab 3900 Euro in der Basiskonfiguration. Wer den rustikalen Bambus-Look nicht möchte, kann den Rahmen in Schwarz bestellen - zum Aufpreis von 110 Euro.
My Boo: Bambusfahrräder aus Kiel und Ghana
Fahrräder von my Boo fallen im wahren Wortsinn aus dem Rahmen. Denn der ist bei den Rädern aus Kiel und Ghana aus Bambus. Mit einem my Boo kaufen Kunden nicht nur ein Fahrrad, sie kaufen auch die Gewissheit, dass die Macher nach den nachhaltigsten Möglichkeiten des Fahrradbaus suchen und in vielen Bereichen auch schon finden.
Entsprechend tief müssen my Boo-Fahrer in die Tasche greifen. Faire Sozial- und Umweltstandards gibt es eben leider nicht zum Nulltarif. So ist das SUV my Boo my Jacobu mit komfortabler Geometrie, ergonomischen Kontaktpunkten von Ergon, einem praktischen und vielseitigen Gepäckträger mit Zusatzstreben sowie einer hellen Lichtanlage ausgestattet.
Die Smart Sam von Schwalbe sind sehr griffig insbesondere auf losem Untergrund. Es sind echte Mountainbike-Reifen mit entsprechender Performance. Vor allem im Boost-Modus demonstriert er seine Kraft, im variablen Trail-Modus kann jeder Fahrer via App seine eigene Ideal-Abstimmung wählen. Ein kleiner Wermutstropfen im Antriebsstrang ist die geringgespreizte 10-fach-Schaltung. Auch der 504-Wh-Akku ist für ein SUV eher gering dimensioniert. Das liegt allerdings daran, dass my Boo aufgrund des komfortablen und nachhaltigen Rahmenmaterials den Akku nicht in den Rahmen integrieren kann.
Das my Boo my Jacobu ist ein klares Statement für fairen Fahrradbau. Die Qualität bleibt dabei nicht auf der Strecke.
Bambus als Material im Fahrradbau
Bambus ist stabiler als so manches Holz. Dass man damit sogar Fahrräder herstellen kann, beweisen allein in Deutschland mehrere Manufakturen. Der amerikanische Fahrradentwickler Craig Calfee experimentiert schon seit 1995 mit dem Werkstoff herum. Bereits 1894 stellte die Bamboo Cycle Company ein Bambusfahrrad auf der Londoner Messe Stanley Cycle Show vor.
Vorteile der Rahmenproduktion in Entwicklungsländern
Der Rohstoff für den Bambusrahmen wird meist in Afrika oder Asien angepflanzt und dort auch weiterverarbeitet. Mit dem Naturprodukt machen die Hersteller auch auf die soziale Verantwortung gegenüber den Produzenten aufmerksam. "Die Angestellten in der ghanaischen Werkstatt sind kranken- und sozialversichert", sagt Christian Penke von der Firma my Boo.
Bambus zählt zu den am schnellsten wachsenden Pflanzen der Erde. Unter Idealbedingungen können die Halme bis zu einen Meter pro Tag wachsen. Dennoch dauert es bis zu drei Jahre, bevor die Bambusrohre reif für die Ernte sind. Aus reinem Bambus besteht der fertige Rahmen allerdings nicht: Steuerrohr und Innenlager werden mit Aluminiumhülsen verstärkt, als Verbundmaterial wird Epoxidharz verwendet.
Im Gegensatz zu Holz ist Bambus dank seiner vielen Hohlräume verhältnismäßig leicht. Materialprüfer Marcus Schröder vom Institut EFBE bestätigt die Festigkeit und Sicherheit von Bambusrahmen: "Bambus ist ein Verbundwerkstoff aus der Natur. Solche Rahmen bestehen bei uns die gleichen europäischen Sicherheitsprüfungen wie übliche Produkte aus Stahl, Aluminium oder Carbon."
Warum Bambus nicht in der Massenproduktion eingesetzt wird
Viele Argumente sprechen für den holzähnlichen Stoff. Laut Fahrradproduzent Derby Cycle, zu dem die Marken Focus und Kalkhoff gehören, lässt sich das Material nur schlecht in bestehende Arbeitsabläufe integrieren. Alex Thusbass, Produktdesigner bei Haibike: "Jedes neue Material muss sich in verlässlicher Qualität und in großen Stückzahlen wirtschaftlich sinnvoll herstellen lassen. Und gegenüber Materialien wie Aluminium oder Carbon bietet Bambus nicht genügend Vorteile, als dass sich eine aufwändige Anpassung der Produktionsabläufe lohnen würde".
Die Bambus-Manufakturen wollen jedoch ein individuelles Lifestyleprodukt vermarkten, weshalb die Schwierigkeiten der Großindustrie ein Segen für die Nischenhersteller sind. Die Handarbeit zeichnet den Bambusrahmen aus. Und durch sie wird er auch weiterhin ein exotischer Blickfang bleiben.
Die Fahrräder von Maximilian Schay, Jonas Stolzke und Felix Habke wachsen gewissermaßen im Gebüsch. Etwa 80 Stunden Handarbeit später kann der Rahmen nach Deutschland verschickt werden. Seit 2014 können die Räder bei mehr als 50 Händlern in Europa gekauft werden. Etwa 30 Prozent des Preises stecken im Rahmen. Inzwischen fertigen zehn festangestellte Rahmenbauer in Ghana die Räder.
An den Verbindungsstellen wickeln die Rahmenbauer Hanfseile um die Bambusrohre und tränken sie mit Epoxidharz. Beim Trocknen werden diese Muffen dann hart - so erhält der Rahmen seine Steifigkeit. Durch den Schliff der Muffen und die Lackierung mit Klarlack, bei der das Bambus versiegelt wird, bekommt der Rahmen seine finale Optik. So wird auch verhindert, das der Rahmen schimmelt.
Auch als Material für Felgen wurde es verwendet - sogar im Rennsport. Neben my Boo vertreibt auch die Firma Bambooride aus Österreich oder Zuribikes aus München Modelle aus dem schnell wachsenden Rohstoff. Genau wie die Kieler bezieht Zuribikes seine Rahmen aus Afrika - aus Sambia.
Alle Firmen argumentieren zudem mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Bei my Boo wird unter anderem mit jedem Fahrradkauf ein Schulstipendium über 55 Dollar in Ghana unterstützt. Marcus Schröder von EFBE-Prüftechnik hat die Fahrräder in seinem Labor getestet.
Inzwischen kann Bambus mit klassischen Konstruktionen aus Aluminium und Stahl mithalten. Die Rahmen sind hinsichtlich ihrer Festigkeit und Stabilität konventionellen Industrieprodukten durchaus ebenbürtig. Zwar weisen die Rahmen nicht die Steifigkeit auf, die etwa ein Spitzenmodell aus Carbon im Radrennsport auszeichnen. Aber dafür sei das Material ideal, wenn es um Elastizität und den Fahrkomfort etwa bei City- oder Trekkingrädern geht, so Schröder.
Nachhaltigkeit und Umweltschutz
Durch jedes Bambusfahrrad wird Kindern in Ghana eine bessere Zukunft ermöglicht. In jedem Bambusfahrradrahmen stecken knapp 80 Stunden liebevolle Handarbeit in Ghana. Nach der Auswahl der richtigen Rohre werden diese mit in Kleber getränkten Hanfseilen verbunden.
Bambus bringt einige spannende Eigenschaften mit. Als Grasgewächs bildet er innen Hohlkammern, was ihn nicht nur relativ leicht macht, sondern auch druck-, zug-, und biegungsbelastbar. In Sachen Zugfestigkeit übertrifft Bambus sogar Stahl. Gleichzeitig ist Bambus so flexibel, dass er beispielsweise Unebenheiten auf einem Kopfsteinpflaster in der Regel besser abfedert, als ein regulärer Alurahmen es vermag.
Bambus wächst fast überall auf unserer Erde - und das sehr schnell. Dabei speichert Bambus nicht nur überdurchschnittlich viel CO2, sondern gibt auch mehr Sauerstoff ab als die meisten anderen Pflanzen.
Fragen und Antworten zu Bambusfahrrädern
- Warum eignet sich Bambus für den Fahrradbau? Bambus ist technisch und ökologisch hervorragend für den Rahmenbau geeignet.
- Hält Bambus den Witterungen stand? Die Bambusrohre werden getrocknet, behandelt und lackiert, um Feuchtigkeit und UV-Strahlung abzuhalten.
- Ist ein Fahrrad aus Bambus leichter? Bambusfahrräder und reguläre Fahrräder aus Alu liegen beim Gewicht gleich auf.
- Wieviel kostet ein Bambus-Fahrrad? Die soziale und ökologische Nachhaltigkeit sowie die Handwerksarbeit machen Bambusfahrräder wertvoll.
- Wo kann ich ein Bambusfahrrad reparieren lassen? Bambusfahrräder können in jeder Fahrradwerkstatt gewartet und repariert werden.
- Wie muss ich ein Fahrrad aus Bambus pflegen? Ein Bambusfahrrad benötigt keine spezielle Pflege. Eine jährliche Inspektion wird empfohlen.
- Gibt es Bambusfahrräder auch als E-Bike? Ein natürlicher Rohstoff schließt die Nutzung von modernen E-Motoren und Akkus nicht aus.
Vor- und Nachteile von Bambus E-Bikes
Die Vor- und Nachteile von Bambus E-Bikes lassen sich wie folgt zusammenfassen:
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Umweltfreundlich (CO₂-Bindung) | Höherer Preis |
| Geschmeidige Fahreigenschaften und Komfort | Potenzielle Schwierigkeiten bei Massenproduktion |
| Einzigartiger Vintage-Look | Gewicht kann variieren |
| Soziale Verantwortung durch Produktion in Entwicklungsländern | Reparaturen eventuell nur durch Hersteller |
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