Das E-Mountainbike fahren hat in den letzten Jahren stark an Beliebtheit gewonnen. Kein Wunder! Große Steigungen stellen keine unbezwingbare Herausforderung mehr dar, weite Streckenabschnitte können fast mühelos bewältigt werden und ihr genießt die Landschaft in vollen Zügen. Mit dem E-Bike steht dieses Abenteuer allen Altersklassen offen: Atemberaubende Aussicht über die Gipfel und rasante Bergabfahrten.
Das elektronische Radeln am Berg macht aber noch mehr Spaß, wenn man einige grundlegende Regeln beherzigt. Mit den folgenden Tipps sorgst du für maximales Fahrvergnügen und Sicherheit am Berg.
1. Vorbereitung und Planung
Touren mit dem E-Bike sollten noch akribischer geplant werden als solche mit dem Bio-Bike. Schließlich legst du damit größere Distanzen zurück und ein Irrweg hat mehr Konsequenzen. Außerdem kommt als weiterer limitierender Faktor die Akkureichweite dazu. Eine sorgfältige Berechnung der Route ist also unerlässlich, nutze dafür am besten einen der zahlreichen Online-Routenplaner.
Unbedingt im Blick behalten:
- Höhenmeter
- Akkureichweite
- Kondition der Teilnehmer
- Wetter
- Dämmerungseinbruch
Neben einem leistungsfähigen E-Bike, das an deine Bedürfnisse angepasst ist, benötigst du auf jeden Fall noch wetterfeste Kleidung, ausreichend Wasser, Notfallproviant, Wanderkarte und Smartphone.
2. Die richtige Technik für Bergauffahrten
Eines der Hauptgründe, sich ein E-Bike zuzulegen, ist, dass man durch die Motorunterstützung leichter bergauf kommt. Ein spezielles Augenmerk sollte man aber auf das „Wie“ legen. Um zudem mit dem Rad sturzfrei bergauf unterwegs zu sein, gibt Coach Andy Rieger seine Erfahrungen aus über 15 Jahren Fahrtechniktraining weiter.
2.1 Gleichmäßiges Treten und Gangwahl
Man sollte immer mit einem etwas niedrigeren Gang als gewohnt bergauf fahren. Mit dem vorausschauenden Blick kann man sich früh genug auf z. B. Bergauf benötigt es nicht zwingend die höchste Unterstützungsstufe. Durch ein gleichmäßiges Treten bergauf mit hoher Trittfrequenz erweitert man die Akkureichweite. Zuletzt ist es auch für das eigene Herzkreislaufsystem eine perfekte Grundlage, um den Pulsschlag durch leichtes Treten auf einem entspannten Niveau zu halten.
2.2 Die richtige Körperhaltung
Ein gerader Rücken lässt einen automatisch aufrecht auf dem Rad sitzen. Wer das klassische Mountainbike gewöhnt ist, kommt schnell in Versuchung bei Steigungen den Sattel zu verlassen. Auf dem E-Bike solltest du jedoch immer sitzen bleiben: Wenn man im Stehen fährt, schiebt der Motor unregelmäßig und es kommt zu ineffizienter Kraftübersetzung. Sogar bei sehr steilen Passagen, solltest du nicht aufstehen!
2.3 Steile Passagen meistern
Ein Steilstück beim Bergauffahren lässt sich leichter mit der richtigen Technik bewältigen: Gehe mit dem Oberkörper tiefer in Richtung des Lenkers und lege die Ellbogen seitlich am Körper an. Gleichzeitig kannst du versuchen, den Lenker ein wenig nach hinten unten zu ziehen. So bleibt dein Vorderrad am Boden und dein E-Bike schön stabil.
3. Anfahren am Berg
Der Motor von E-Bikes hat eine kurze Latenzzeit, das heißt nach dem ersten Tret-Impuls dauert es bis zu einer Sekunde - dann erst setzt die Motor-Unterstützung ein. Das Anfahren im steilen Gelände benötigt deshalb ein wenig Übung. Trainiere das also am besten vor deiner großen Bergtour.
So geht das Anfahren am leichtesten:
- Das Bike im Winkel von 45 Grad quer zur Steigung hinstellen, den bergseitigen Fuß auf den Boden stellen und den talseitigen Fuß auf das Pedal (ungefähr 1-Uhr-Position des Pedals).
- Einen leichten Gang einlegen, das Bike auf Turbomodus stellen und mit den Schultern tief zum Lenker gehen.
- Dann den Lenker nach unten ziehen und dynamisch lostreten.
4. Akkumanagement
Bei Ausflügen mit dem E-Bike solltest du die Reichweite des Akkus immer gut im Blick haben - das gilt im Besonderen für Touren am Berg! Die Akkureichweite hängt ab von:
- der Unterstützungsstufe
- dem Körpergewicht
- und vor allem den zurückgelegten Höhenmetern.
Aber auch schweres Gepäck wirkt sich deutlich auf die Akkureichweite aus. Bei längeren Touren benötigst du eventuell einen zweiten Akku. Am besten mit kürzeren Fahrten im Gebirge ein Gefühl dafür entwickeln, wie lange eine Akkuladung hält.
4.1 Bergab Akku sparen
Rollt das E-Mountainbike den Berg hinab, dann sollte man die Schwerkraft ihren Teil tun lassen - und Akku sparen. Dazu schaltet man den Motor entweder ganz aus oder auf die kleinste Stufe (den Economy-Modus). Mittlerweile gibt es sogar Bikes, die durch die sogenannte Rekuperation beim Bergabfahren Energie gewinnen können.
5. Sicherheit und Pannen
Es ist ratsam, auf kleinere Radpannen vorbereitet zu sein und die wichtigsten Reparaturen selbst durchführen zu können. Denn im Gebirge ist kein Pannendienst zur Stelle und wer schiebt schon gern sein kaputtes E-Bike den Berg hinunter? Wer sich mit seinem Bike beschäftigt und im Vorfeld die wichtigsten Kniffe lernt, weiß sich dann am Berg schnell zu helfen. Mit dem richtigen Werkzeug im Gepäck lassen sich Kettenriss, Platten oder sogar Bremsenprobleme unterwegs selbst beheben.
Tipp: Eine fachgerechte, regelmäßige Wartung von E-Bikes verringert ebenfalls die Wahrscheinlichkeit für Pannen am Berg!
6. Rücksichtnahme
Als E-Biker solltest du immer Rücksicht auf Wanderer und Spaziergänger nehmen. Denn nur wenn das Zusammenleben mit anderen Sportlern positiv und friedlich ist, können alle mit Freude die Berge genießen. Das bedeutet, langsam und mit Abstand zu überholen sowie immer kontrolliert und auf Sicht zu fahren. Bei schmalen Wegen steigst du am besten ab und schiebst das Bike an den Fußgängern vorbei.
7. Fahrtechniktraining
Wer sich in schwierigerem Gelände bewegt, dem raten wir zu einem Fahrtechniktraining. Wir empfehlen euch dennoch, einen E-MTB Fahrtechnikkurs zu absolvieren, um sicher im Gelände unterwegs zu sein. Beim ASI Vorbereitungungskurs zur Transalp erhaltet ihr von einem qualifizierten ASI Radguide die notwendigen Kenntnisse und erlernt Fähigkeiten sowohl im uphill als auch downhill.
8. Tipps von Andy Rieger für sicheres Anfahren und Anhalten
Der Haltepunkt sollte gut gewählt werden: Ein fester Untergrund, idealerweise am Weges- bzw. Damit man seitlich vom Rad absteigen kann, hilft es, das Vorderrad zum Wegrand einzuschlagen. Man fährt somit eine kleine Kurve. Nach einer wohlverdienten Pause oder weil es die Situation benötigt, müssen Sie bergauf losfahren.
8.1 Sicheres Anfahren am Wegrand
- Idealweise startet man am Wegrand und setzt sich auf das Rad. Wählen Sie eine leichte bis mittlere Unterstützungsstufe und legen Sie einen leichten Gang ein.
- Des Weiteren ziehen Sie beide Bremsen, damit das Rad nicht wegrollt. Setzten Sie sich auf das Rad und lassen Sie ihr Balancebein am Boden.
- Nun stellen Sie Ihr Antrittspedal auf die Höhe vom Unterrohr und positionieren dort Ihren Schokoladenfuß. Somit haben Sie beim Antritt die nötige Pedalumdrehung, um zügig loszukommen.
- Sie fahren im Sitzen und ohne zu schalten los. Sie blicken weiterhin weit nach vorne, um die das Rad in der Spur zu halten.
Wenn Sie diese Tipps befolgen, kommen Sie spielerisch den Berg hinauf.
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